Amtsschimmel gegen Drahtesel

Ich liebe Münchens Beamte. Sie sind einfach, nun ja, herrlich inkonsequent.

Seit gut einem Jahr schmiegen sich hinter unserem Büro zwei Fahrräder aneinander. Sie stehen in der Wiese, liebkosen sich still, rosten ein wenig und genießen, dass ihre Besitzer sie hier ausgesetzt haben unter der großen Linde. Es ist ein großes Glück.

Nur die gelben Zettel trüben das Bild. Auf dem Sattel kleben sie, an den Stangen hängen sie, an den Lenkern und sonstwo. Sechs, sieben Stück sind es. Ultimative Aufforderungen, dass die Fahrräder zu verschwinden hätten, sonst, da kenne die Stadt kein Pardon, „werden sie kostenpflichtig abgeschleppt“.

Die meisten dieser Zettel sind vergilbt, ausgebleicht von der Sonne und dem Regen, der München in diesem Sommer besonders häufig heimgesucht hat. Alle Zettel. Bis auf den jüngsten. Den hat der zuständige Beamte in Plastikfolie eingeschweißt. Weil alles seine Ordnung haben muss.

Am 14. Oktober soll die Gnadenfrist für die beiden Liebesräder ablaufen. So steht es auf dem kommunalen Stadt-Papier. Aber vielleicht haben sie ein Einsehen. Und gönnen den beiden Rädern einen weiteren Zettel lang Aufschub. Es wäre ihre Rettung. Danach findet sie eh keiner mehr. Weil sie zugewuchert sein werden und mit der Landschaft verschmelzen. Ein junges, altes Glück.