Die Grünen, die Kaninchen und die Affäre

Facebook ist  tückisch. Einen lustigen Kommentar geschrieben, einmal den „Daumen hoch“-Knopf gedrückt – und schon ist sie draußen in der virtuellen Welt, die Nachricht, die später noch so bitter werden kann.
Immerhin, sie kann einem zu ein wenig Popularität verhelfen. Oder doch zumindest zu öffentlicher Aufmerksamkeit. Nikolaus Hoenning zum Beispiel. Den kennt selbst in München nur ein sehr übersichtlicher Kreis. Dabei will Hoenning demnächst Oberbürgermeister der Stadt werden. Für die Grünen.
Gut, dass Hoenning gerade in den Schlagzeilen steht. Dumm nur, dass es nichts Positives ist. „Kaninchen–Affäre um grünen OB-Bewerber“ titeln sie in der Hauptstadt. Oder, schlichter, „Die Kaninchen-Affäre“. Passt zu Ostern,  auch wenn es nicht um Hasen geht, sondern um ihre kleineren Verwandten.
Die Geschichte hinter der Geschichte ist eine eher skurrile. Sie beginnt 2010 in einer Gütersloher Kita und endet mit dem Tod von Lieselotte und Hoppel. Zwei Junkies hatten die Kita-eigenen Karnickel geklaut – und gegrillt, sie zubereitet samt der mitgebrachten Kartoffeln und Peperoni. Wobei nicht überliefert ist, wie sie geschmeckt haben. Köche verweisen gern darauf, dass nur junge Kaninchen munden.
Facebook ist voll von solchen Geschichten. Sie machen die Runde, irgend einer postet sie auf seiner Seite, andere verbreiten sie weiter, liken sie, wie das heutzutage heißt. Hoenning hat das getan und  zwei Wörter dazu gesetzt: „Coole Aktion“.
Das ist nicht besonders clever für einen, der bei den Grünen ist. Hoenning hat den Kommentar inzwischen gelöscht und den Daumen gesenkt. Zu spät. Der Zorn seiner Parteifreunde bleibt ihm gewiss, die sich  erregen, dass „das unfachgemäße Abschlachten von Tieren nur widerlich“ sei und Hoenning fragen, ob das „wirklich Deine Einstellung“ sei. Der keilt zurück, findet, dass man ihm „das Wort im Mund“ umdrehe. Was bei nur zwei Wörtern eine Kunst für sich ist.
Dabei hätte er gewarnt sein müssen. Nicht nur wegen der Kaninchen. Was Tiere angeht, ist in München die Atmosphäre zurzeit etwas gereizt. Unlängst haben sie die Überreste eines Pinschers gefunden, auch er „unfachgemäß abgeschlachtet“, dann aber nicht gegrillt, sondern gekocht und verspeist. Die Polizei ermittelt. Wegen „widerrechtlichen Schlachtens und Verspeisens eines Haustieres“.
Oder die Geschichte mit den Hühnern und dem „Voodoo im Perlacher Forst“. Ein geköpftes Huhn haben sie im Wald gefunden. Mit einem Zettel am Fuß, darauf die Wünsche einer Mutter, wie sie viele Mütter hegen: Gesundheit, gute Männer für ihre Töchter, Glück. Ein „panischer Hahn“ sei in der Nähe auch noch gewesen, und „ein traumatisiertes Huhn“.  Wenigstens, sie leben.
Gruseliges München. Kein Wunder, dass der eine oder andere Grüne dabei etwas den Überblick verliert. Doch es gibt auch Tröstlich-Österliches aus der Hauptstadt. Der Verleih von Osterhasen-Kostümen boomt wie noch nie. Selbst Osterküken und Osterenten sind in Kostümform der Renner. Und, so wird versichert, ihre Träger überleben das Fest. Garantiert.