Immer der Nase nach

Es ist, sehen wir den Dingen mal ins Auge, die bittere Wahrheit: Wir sind kleine, fremdbestimmte Würstchen. Unsere Instinkte steuern uns, sie, die wir vermeintlich längst abgelegt haben als Relikte aus der tierischen Vergangenheit. Die ist uns weit näher, als wir wahrhaben.

Männer zum Beispiel. Dass sie Frauen erst auf und dann in die Augen schauen – sie können nichts dafür. Reine Biologie, Zwangssteuerung von innen. Dient dem Fortbestand der Art. Oder Frauen. Finden jedes Baby süß, egal wie hässlich es  ist. Dient auch dem Fortbestand der Art. Selbst die schmerzhafte Erkenntnis ändert nichts, dass die süßen Kleinen zwingend zu nervenden Pubertisten mutieren werden. Die Bindung hält. Und das macht Sinn, weil wir andernfalls längst ausgestorben wären.

Oh, wir werden manipuliert. Von unseren Genen, unseren Ahnen, unserer Industrie. Soundingenieure tüfteln für die Ohren daran, dass der Motor optimal röhrt und die Tür mit jenem Plopp ins Schloss fällt, das  in uns irgendetwas anspricht und uns den Kauf erleichtert.

Und erst die Supermärkte.  Riesige Einkaufswagen suggerieren dem Auge, dass wir noch nichts eingekauft haben. Zucker, Brot, Kaffee, Milch sind strategisch so verteilt, dass wir  weite Wege gehen, an jenen Dingen vorbei, die wir  nicht auf der Liste und trotzdem im Wagen haben.
Oder die Nase. Bäcker locken mit dem Duft von frischem Brot, Kaffeeröster mit künstlichem Kaffee-Aroma. Eine Hotelkette setzt auf Zigarren, Zedernholz und Bücher, eine andere auf Feige, Bergamotte und Jasmin. Modeketten besprühen die Wäsche mit ihrem Parfum, Autohersteller ihre Erlebniswelt mit jahreszeitlich passenden Aromen. Und Reisebüros setzen auf den Duft von Sonnenmilch.

Denken Sie daran, wenn sie wieder einmal Einkaufen gehen. Und sich nachher fragen, wieso um alles in der Welt Sie nur den ganzen Schmarrn gekauft haben. Sie können nichts dafür. Es hat nur zu gut gerochen.

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