Na so was, Gutti hat abgeschrieben…

Ehrlich gesagt – so schnell haben nicht mal wir in München damit gerechnet. Dass Karl Theodor zu Guttenberg eines Tages in Schwierigkeiten geraten würde, das war den meisten hier klar. Der Aufstieg sei zu steil, haben sie in der CSU getuschelt, zu hoch und zu schnell. Der werde mal stolpern, über irgend etwas. Spätestens, wenn das mit seiner Kanzlerkandidatur in trockenen Tüchern sei. So haben sie es vorhergesagt, die ganzen schlauen Köpfe hier. 

Jetzt stolpert er ganz gewaltig. Jetzt schon, wo von seiner Kanzlerkandidatur weit und breit noch nichts zu sehen ist.

Am Hindukusch erschießen sich seine Soldaten gegenseitig, wenn sie nicht gerade fremde Post lesen; auf der Gorch Fock stürzen sie in den Tod, wenn sie nicht gerade wegen des rauen Tons an ihrer Berufung zweifeln. Und zuhause mäkeln sie erst an seinen Bundeswehrsuperreformplänen herum. Und dann an seiner Doktorarbeit. Ausgerechnet an ihr, die er, der Star, mit Bestnote geschrieben hat.

Kein Wunder. Wo er sich doch nur aus den besten Quellen bedient hat, aus anderen Doktorarbeiten etwa. Vor allem aber aus der Elite der Zeitungen, der Neuen Züricher, der Frankfurter Allgemeinen. Fast schon beleidigend für die Süddeutsche, dass sie nicht dabei ist. Wahrscheinlich lesen ihre Redakteure jetzt zum ersten Mal in ihrem Leben Guttenbergs Doktorarbeit ganz genau, Seite für Seite, Zeile für Zeile, in der Hoffnung, sie könnten noch ein paar gestohlene, pardon, nicht korrekt mit Quellenangaben versehenen Passagen finden.

Und was ist mit unserem Blatt? Nichts. Nicht das allerkleinste Plagiat. Nicht eine Zeile hat der Verteidigungsminister uns gemopst. Hallo Herr Guttenberg! Bei uns lohnt sich das Abschreiben auch! Ehrlich! Wir würden nicht mal ein Honorar von Ihnen verlangen. Glaube ich jedenfalls. Wir wären doch schon mit einer Fußnote zufrieden. Mit einer klitzekleinen. Das muss sich doch machen lassen, oder?

Ach herrje, das arme Bier

Der Bayer an und für sich ist auch nicht mehr das, was er mal war. Sein Dialekt ist Schrott, klingt eher nach Preußen denn nach Süden, wenn er nicht eh schwäbelt oder – immer öfter – sächselt bis berlinert. Und was aus seiner Tracht geworden ist, darüber erregen sich die Münchner jedes Jahr auf im Herbst, wenn im September das Oktoberfest startet und der mit Landhausstil freundlich umschriebene Minidirndl-Lederhosen-Horror in die Bierzelte schwappt.

Die Bierzelte. Wenigstens dort ist die Welt der Brauer noch in Ordnung, saufen die Burschen und Madln, bis sie umfallen. Gute 6,5 Millionen Liter gehen binnen zwei Wochen über die Theken. Ein Geschäft, wie es die Brauer sonst nirgends mehr machen. Denn der Bayern an und für sich trinkt nicht mehr. Oder nicht mehr so exzessiv. Jedenfalls kein Bier mehr.

Binnen zwanzig Jahren ist der Pro-Kopf-Verbrauch beim Bier um mehr als ein Fünftel nach unten gegangen. Nur die Schnapsbrenner hat es härter erwischt. Bei ihnen stehen minus 28 Prozent zu Buche. Heftig, das.

Heftiger wiegt aus altbayerischer Sicht nur noch, dass die Bayern dafür umso mehr Tee trinken, noch mehr Erfrischungsgetränke, vor allem aber: Unmengen Wasser. Wasser macht ein Plus von knapp 75 Prozent. Sehr heftig, das. „Mei, bin i a Kuah, oder wia?“ würde der echte Bayer sich da denken, maximal an seinem Grashalm kauen und sich um zehn in der Früh die nächste Pulle Weißbier aufreißen, die er sich ansatzlos und in einem Zug einverleibt, ehe er zur dritten Weißwurst greift.

Im Sinne der Volksgesundheit ist es, so gesehen, positiv, dass auch hierzulande der Trend weggeht vom Alkohol und hin zum Wasser, ganz gleich, ob das aus Franken kommt, aus Adelholzen, von einem isländischen Gletscher oder von den Fidschji-Inseln. Die Ökobilanz mag in dem einen oder anderen Fall nicht so optimal ausfallen. Dafür freut sich die Leber. Bis jetzt jedenfalls.

Das könnte sich künftig wieder ändern. Denn die Brauer holen zum Gegenschlag aus. Wenn selbst den Bayern das Bier mittlerweile zu prollig erscheint, so ihr Kalkül, dann muss das Bier eben edler werden. Also haben sie ein Cuvée-Bier erfunden, als ob es sich um besten Wein handelt, allen Ernstes.

Mit Champagnerhefe vergoren, erst im Fass und dann in der Champagner-Flasche gereift, hat das Ergebnis seinen Preis. Zwischen 20 und 40 Euro kostet das Gebräu in der 0,7-Liter-Flasche, das sichmal Infinium nennt undmal Fürst Wallenstein 1598. Der Fürst ist besonders edel und bringt an derBar des Berliner Hotels Adlon immerhin 90 Euro, was schon recht nahe an eine gute Flasche Wein herankommt.

Mehr als eine Flasche braucht davon eh kaum einer. Zehn Prozent Alkohol sollten reichen für dasOlut Starköl“, wie der Finne sagt, das Bockbier edel-bayerischer Herkunft. Es spricht so betrachtet fast schon für München, dass sich der Trend zum Luxus-Olut hier noch nicht durchgesetzt hat. Kann aber auch daran liegen, dass die Belgier es erfunden haben. Und die kaufen den Bayern ohnehin dauernd ihre Brauereien weg.

Was die Bayern wiederum verärgert. Dabei verstehen die Belgier mehr vom Bier als die Münchner. Nirgendwo sonst gibt es so viele Sorten mit so klangvollen und selbsterklärenden Namen wieHoegaarden Verboden Vruchtoder„Delirium tremens“. Was der Wahrheit sehr nahe kommen dürfte. Bière Brut nennen die Belgier ihr Champagner-Bier. „Malheur Bière Brut Reserve“ heißt das dann oder, gänzlich unbescheiden „DeuS“, Gott. Das immerhin, käme nicht einmal den Bayern in den Sinn.