Die Schweizer – ein echter Brüller

Okay, mit München hat das Thema nur am Rande zu tun. Aber manchmal lohnt sich ein Blick über die Landesgrenzen. Notfalls sogar in die Schweiz.

Ich für meinen Teil jedenfalls kann Bundesrat Hans-Rudolf Merz nur Recht geben. Ich habe keine Ahnung, über welchen europäischen Wahnsinn er da redet. Aber wie er das macht, das ist absolut sehenswert. Und überaus lustig. Dafür hier klicken. Lohnt sich!

Da kann nicht mal unser Horst mithalten, der Seehofers Horst, obwohl er ähnlich rechnet wie die Brüsseler Bürokraten formulieren. Wie sagte er doch dieser Tage über das unsägliche Grünen-Video seines Generalsekretärs? „70 000 haben sich das angesehen. Ich schaue es mir heute auch noch an. Dann sind es 71 000.“

Typisch deutsch? Aber klar doch!

Manchmal stecken die großen Wahrheiten im kleinen Detail. Wer zum Beispiel im Internet nach der Antwort auf die Frage sucht, was „typisch deutsch“ sei, der kommt ziemlich bald auf eine Seite mit der Überschrift: „Stereotype: Was ist typisch deutsch?“ Und direkt darunter prangt eine Anzeige. Für eine Reiserücktrittsversicherung, zu supergünstigen Konditionen.

Ja, das ist typisch deutsch. Der Deutsche sichert sich gerne ab gegen alle Risiken, die das Leben so bereit hält. Die Versicehrungswirtschaft kann davon ein fröhliches Lied singen. Die haben schon so ziemlich alles versichert, von den Beinen berühmter Schauspielerinnen über die Hinterteile diverser Sängerinnen bis hin zu Fußballfans, die sich gegen den Abstieg ihres Lieblingsvereins versichern wollten.

Deutsch ist die Schrankwand und der Gartenzwerg, der Hang zu Pedanterie und der Schweinsbraten. Jedenfalls im südlichen Teil Deutschlands. Deutsche, lernen ausländische Touristen, sagen am Telefon ihren Namen und regen sich auf, wenn es der Gesprächspartner nicht tut. Sie warten in Lokalen nicht darauf, dass ihnen der Kellner einen Tisch zuweist.

Sie bleiben an roten Ampeln stehen, egal, wie spät es schon ist und wie leer die Straße. Grundsätzlich und immer. So grundsätzlich, dass der französische Kabarettist Alfons schon gespottet hat, statt der Berliner Mauer hätte es auch eine rote Ampel getan.

Die Deutschen hassen dafür das Schlangestehen, eine Disziplin, die andere Völker wie das britische leidenschaftlich pflegen. In der Regel jedenfalls. Doch es gibt Ausnahmen, auch in Deutschland, im Zwischenreich der Disziplinen. Wer es nicht glaubt, dem sei ein Besuch auf dem Münchner Flughafen empfohlen.

Dort, im Ankunftbereich, spucken jeden Tag zwei gläserne Türen etliche Tausend Reisende aus, die auf etliche Tausend Abholer treffen, manche mit Namensschildern in der Hand, viele nur mit einem freudigen Lächeln im Gesicht. Es geht erstaunlich gesittet zu, kein Durcheinander, kein Chaos, sondern geordnetes Warten.

Der Grund dafür findet sich am Boden in Gestalt mehrerer dünner, gelber Linien. Die trennen den Wartebereich von den Glastüren weiträumig ab, geben einen schmalen Korridor für die Passagiere frei und halten die Besucher in einem weitläufigen Karree zurück.

Das Faszinierende: Kein Schild, kein Hinweis, nicht das kleinste Sätzchen erklärt, was die Linien bedeuten sollen. Sie sind einfach da. Und in den deutschen Gehirnen fügt sich ihre Existenz zu einer Bedeutung zusammen, bekommt sie Sinn und Inhalt. So viel Sinn, dass sie das Anarchische im Bayern überdecken kann.

Nicht aber das Deutsche in ihm. Denn wehe, einer überschreitet diese Linie. Der ist mit Sicherheit ein Ausländer. Und er wird sie noch lange spüren, diese brennenden Blicke in seinem Rücken. Und das nächste Mal warten, wie allen anderen auch, hinter der Linie. So wie es sich gehört in Deutschland. Auch in Bayern. Und sogar in München.

Guttenberg? Wer ist Guttenberg?

Tja. Der Horst Seehofer. Das war mal eine klare Ansage in Wildbad Kreuth. Dass er der CSU-Vorsitzende und der bayerische Ministerpräsident sei, hat er gesagt. Und dass er deshalb die volle Verantwortung trage. Für die 46 Prozent, die die CSU in der neuen Umfrage bekommen hat und die theoretisch schon wieder reichen für eine absolute Mehrheit im Landtag. Er. Und nicht etwa der Baron.

Seehofer jedenfalls hat es hinbekommen. Er hat eine gute halbe Stunde mit der Presse geredet und den Namen von und zu Guttenberg nicht einmal in den Mund genommen. Das ist schon hohe Schule, wo es doch um so Fragen ging wie der nach dem Guttenberg-Effekt. Weil die CSU vor einem Jahr in den Umfragen noch bei 41 Prozent klebte und sich jetzt doch wieder deutlich erholt hat, ob da nicht Guttenberg seinen Anteil habe. Und wie das jetzt mit der Personaldiskussion in der CSU sei. Undsoweiterundsofort.

Logisch, dass Seehofer solche Fragen nicht wirklich mag. Mich würden die ebenfalls nerven. In Seehofers Lesart ist die Sache klar: Er rackert sich ab, wühlt, kämpft, reformiert, streitet sich mit dem Koalitionspartner und der Kanzlerin. Und die Herzen fliegen trotzdem dem anderen zu, dem Namenlosen, dem Oberfranken. Ihm rennen sie die Bude ein, in Fürth und sonst wo. Das muss ja schmerzen.

So wie es eigentlich schmerzen muss, wenn schon 46 Prozent die CSU in einen wahren Endorphin-Rausch stürzen. Das war mal anders. Ich kann nur einen Blick auf folgende Seite empfehlen: http://www.wahlrecht.de/umfragen/landtage/bayern.htm, die relativiert so manches. Womit sich wieder mal die alte Weisheit bestätigt, dass Vertrauen schnell verspielt und nur langsam wieder zurück gewonnen wird.

Dabei weiß auch Seehofer ganz genau, wie wichtig Guttenberg für ihn derzeit ist. Die Union sei im Aufwind, hat er gesagt. In Baden-Württemberg, hat er den Journalisten vorgerechnet, komme Mappus auch schon auf 41 Prozent. Merken Sie was? 41 Prozent. Nicht 46 Prozent wie die CSU in Bayern. Weil die in Baden-Württemberg keinen Guttenberg haben. Der holt sogar noch fünf Prozent für die CSU, selbst wenn ihn keiner namentlich erwähnt. Auch eine Leistung.