Verrückte Facebook-Welt

Es hat geschneit. Heute Nacht. Alles war weiß in der Früh. Ein Traum. Nicht nur für Kinder, auch für uns. Weil es weihnachtlich wird, draußen, endlich.

Wir saßen dann beim Frühstück. Umgeben von Fenstern. Mit Blick in den Garten. Den verschneiten Garten. Auf verschneite Bäume, Büsche, weiße Hausdächer und weiße Rasenflächen. Mit Schneeflocken, die vor den Scheiben tanzen.

Schulkinder sind morgens etwas müde. Und, in der Folge, etwas wenig, nun ja, gesprächsbereit. Unsere Tochter jedenfalls sagte: nichts. Aß, schwieg, ging nach oben, schminkte sich, kam wieder runter. Schwieg weiter.

Bis ihr Blick sich dann doch nach draußen verirrte. Sie sagte so etwas in der Art von: „Oh, es hat ja tatsächlich geschneit“, mehr nicht. Es hatte sie zu meiner Überraschung nicht überrascht. Ich habe sie danach gefragt. Und eine Antwort bekommen, die Menschen in meinem Alter nur schwer verkraften, weil sie so überhaupt nicht zu unserer aufkommenden Altersromantik passen: „Ich hab’s schon gewusst, dass es geschneit hat. Stand bei Facebook.“

So weit sind wir also. Wichtig ist nicht mehr, was draußen vor der Tür passiert. Es ist nicht geschehen. Es ist erst dann passiert, wenn es bei Facebook steht, weil es irgendeiner der zahllosen Freunde gepostet hat. Sie haben es geschafft. Die virtuelle Welt hat die reale überholt, sie abgelöst, sie ins virtuelle Nichts gestoßen. Ich fühle mich auch schon ganz transparent, irgendwie so leicht verschwommen. Kann mich mal einer zwicken, ob ich noch echt bin? Bitte!