Mei, die Wiesnwirte, ha?

Da schau her, so einfach geht das. Vergangenes Jahr drohte noch der Weltuntergang, sah die Stadt die Anarchie heraufziehen, warnten die Wiesnwirte vor Unruhen in ihren Zelten. Und jetzt das. Rauchverbot? Kein Problem, sagen sie. Machen wir, sagen sie. Dieses Jahr noch, sagen sie.

War da was? Oh ja. Eine Lex Wiesn sollte es geben. Bayernweites Rauchverbot, nur nicht in die Bierzelten auf dem Oktoberfest. Die Wiesn galt als Beleg dafür, wie hirnrissig das Verbot doch sei, und wie wenig praxisorientiert. Sie müssten erst noch ihre Zelte umbauen, hatten die Wirte argumentiert – ein Argument übrigens, auf das die Wirte all der anderen Zelte im Freistaat nicht gekommen waren. Das dauere, koste Unsummen und sei trotzdem keine Lösung. Weil die Wiesnbesucher sich gewiss nicht daran halten wollten. So hatten es die Wirte gesagt. Und alle haben es sich gemerkt. Als dann die Bayern sich trotzdem nicht haben abschrecken lassen und für das radikalste aller Rauchverbote stimmten – radikaler noch als jenes, für das sich die CSU einmal hat feiern lassen, auch wenn sie heute davon lieber nichts mehr wissen will, weil sie vor der eigenen Verwegenheit erschrocken ist und plötzlich das Volk als Souverän entdeckt hat, als einen Souverän, den sie sonst gerne mal übersieht, beim Sparen zum Beispiel, der ihr aber gerade in dieser Situation sehr gelegen kam, weil sie sich dann nicht mehr zwischen ihren eigenen beiden Entwürfen entscheiden musste, sondern diese Entscheidung übertragen durfte, auf eben jene Menschen, denen sie das zuvor nicht zugetraut hatte. . . wo war ich? Ah ja: – da hatte der Staat ein Einsehen und versprach den Wiesnwirten, aber nur ihnen, dass das verbot für sie nicht gelte. Nicht für sie und nicht für ihre Zelte. Weil offensichtlich ohne Qualm das Bier nicht schmeckt, dieses Bier aber die bayerische Gemütlichkeit verkörpert und nur wirklich rauchgeschwängerte Bilder um die Werlt gehen können nach dem Motto: Da seht her, wie die Münchner feiern können und wie viel Spaß sie dabei haben, wenn sie nur rauchen dürfen.

Tja. Es ist wie so oft im Leben. War nur Schall und Rauch. Quasi Politik mit anderen Mitteln. Rauchverbot? Kein Problem, sagt Wirtesprecher Toni Roiderer, der vor kurzem noch „Chaos und Ärger“ am Horizont erkannt hatte. Offensichtlich wollen sich die Münchner Festzeltwirte nicht nachsagen lassen, sie seien unfähiger als ihre Kollegen auf dem Land. Die setzen das Verbot nämlich um, ganz unaufgeregt und leise. 

Vielleicht haben die Wirte auch nur nachgerechnet: Denn was tut einer, der kein Geld mehr für überteuerte Zigarren und Zigaretten ausgeben darf? Richtig: Er kauft sich noch ein überteuertes Bier. Und wer verdient daran? Auch richtig: Der Wirt. So einfach kann das Leben sein. Ja, da schau her, gell?