In Rom, da sind die Räuber

Wir waren dieser Tage in Rom. Okay, nur Idioten fahren um diese Zeit nach Rom. War ja klar, dass die Stadt voll sein würde. Voller ist sie vielleicht nur noch um Ostern herum. Weil doch der Papst, UNSER PAPST, dann seinen Weltsegen spricht. Weihnachten, heißt es, sei das Wetter in Rom eher schlechter, kalt und mit viel Regen. In etwa so wie an Pfingsten bei uns. So gesehen war es in Rom besser. Da hat es an vier Tagen nur zweimal geregnet. Dann dafür aber gleich richtig. In München dagegen, haben wir uns sagen lassen, habe es in der gleichen Zeit nur einmal geregnet.

Also, wie gesagt, wir waren in Rom. Nun bin ich von München her einiges gewohnt. Die Autofahrer sind wahre Rüpel hier und die Bedienungen müssen schon beim Einstellungsgespräch beweisen, wie unfreundlich sie sein können. Da wäre ich gerne mal dabei, wenn sie ihrem künftigen Chef die Referenzen auf den Tisch knallen und bei dessen vorsichtigem Reklamieren, dass der Umschlag doch schon ein wenig speckig sei und der Inhalt eher nicht den Erwartungen entspreche, ganz und gar nicht den Erwartungen, und dem Bestellten schon gleich gar nicht, wenn sie sich dann so richtig in die Brust werfen, ihn mit einem kurzen Laserblick töten und dann wortlos gehen, das Nicht-bestellte auf dem Tisch lassend. Und wenn er ihnen dann voller Stolz den Arbeitsvertrag rüberschiebt und das Gehalt gleich mal um 500 Euro erhöht, weil so eine Bedienung hat nicht jeder. Ja, doch, da wäre ich gerne mal dabei.

Aber zurück zu Rom. Sie hatten uns gewarnt, unsere ganzen Frequent Travellers im erweiterten Bekanntenkreis. Dass die Stadt voller Räuber sei. Und dass wir unsere Taschen nur gut festhalten sollten. Und auf keinen, aber auch auf gar keinen Fall sollten wir die Geldbeutel da hineintun. Auch keine Kameras. Auch nicht in die Hosentaschen, Nicht in die Gesäßtaschen. und auch nicht in die Taschen vorne. Weil selbst da sei schon Geld geklaut worden. Wobei ich mich dann doch frage, wie unsensibel einer sein muss, dass er nicht mal merkt, wenn ihm vorne einer in die Hosentasche greift.

Wir haben die Tipps befolgt, was gar nicht so einfach ist, weil ein Geldbeutel samt Kamera unter dem Hemd doch gewaltig aufträgt. Und es hat funktioniert. Wir sind nicht ausgeraubt worden. Wir haben das viel eleganter gelöst. Wir haben uns gleich freiwillig schröpfen lassen.

Zwei Pizzen und zweimal Nudeln zum Beispiel samt viermal Cola, was darf das kosten? Richtig: 130 Euro. Die Cola zu je zehn Euro, dazu die Pizzen zu 15 und die Nudeln zu zwölf Euro. Oben drauf noch Pane e Coperto, dazu 15 Prozent Serviceaufschlag. Geht ganz locker.

Oder, ein anderes Beispiel: Zwei Cappuccini (ja, gut, gell? Gleich mal das Plural-I eingebaut) sowie eine Kugel Eis? Exakt: 22 Euro. Weil der Kellner nämlich irgendetwas in wildem Englisch-Italienisch gebrabbelt hat, darin, das haben wir später rekonstruiert, tauchte das Wort large auf. Nur hat das so nicht geklungen.  Und auf unser so misstrauisches wie in bestem Italienisch vorgetragenes: „Normale Cappuccino!“ hat der Mann lächelnd genickt. Und uns zwei große Tassen hingestellt. Dazu vier Kugeln Eis. Obwohl nur eine bestellt war. Wir haben natürlich reklamiert. Erst auf Deutsch. Dann auf Englisch. Dann mit Gesten. Es war fast das Geld wert zu sehen, wie sich schlagartig sämtliche Intelligenz aus dem Gesicht des Mannes entfernt hat. Und mit ihr jede Kenntnis irgendeiner Sprache. Wir haben gezahlt, logisch, die vollen 22 Euro.

Weil, es war das Billigste an diesem Tag. Weil der Eintritt ins Kolosseum schon zwölf Euro gekostet hat, pro Nase, versteht sich. Oder die Liftfahrt auf Gottes Schreibmaschine. Geschätzte 20 Meter, einfach. Macht sieben Euro pro Person. Und erst der Petersdom. Gefühlt war die Schlange vor seinem Eingang gut einen Kilometer lang. Mehrere Stunden Wartezeit, die sich aber gegen ein kleines Salär hätte abkürzen lassen. 35 Euro, egal ob Erwachsener oder Kind, dafür  kein Anstehen und sagenhafte 20 Minuten Zeit für die Besichtigung zu einem festgeschriebenen Zeitpunkt. Führer geht extra.

Wir haben verzichtet. Auf  Gottes Schreibmaschine. Auf den Petersdom. Auf eine zweite Pizza. Wir sind einfach nur durch die Gassen geschlendert, haben in einer unauffälligen, aber wunderbaren Trattoria abseits der Touristenströme gegessen, unseren Espresso dort getrunken, wo auch die Italiener saßen: Und es war ganz wunderbar. Fast so wie in München. Nur schöner.

PS: Haben Sie mal bei Google „Rom +Räuber“ eingegeben? Da kommt viel zu Hotzenplotz, ein wenig zu Schiller und ein bisschen was zu Dinosauriern. Nur zu Rom kommt nix. Macht Sinn. Da gibt es keine Räuber mehr. Weil die das Rauben längst legalisiert und verstaatlicht haben.