Geschafft, wieder mal.

Vorbei. Eine Stunde und vierzig Minuten liegen hinter mir. Eine Stunde vierzig, in der Horst Seehofer die Welt erklärt hat. Aus halb Deutschland sind sie angereist, mit Bussen, im Auto, im Zug. Nur für diese hundert Minuten. Das muss man schon mögen.

Jetzt ist es vorbei, für dieses Jahr. „Bayern und schwarz, Gott erhalt’s!“ hat Horst Seehofer am Ende noch recht krachern gereimt. Sei ihm gegönnt. „Ich so CSU und alle so YEAHH!“ stand auf einem Plakat an der Wand. Auch nicht viel sinniger. Wie aber will man auch einer Veranstaltung einen Sinn verpassen, die sich längst überlebt hat? Die doch nur noch davon lebt, dass das Fernsehen kommt? In der jeder Redner seine Botschaften auf die Kameras abstimmt und nicht so sehr auf sein Publikum in der Halle?

Die in Passau jedenfalls wollten nichts hören über die Landesbank, über die bäuerliche Landwirtschaft, Steuerreformen und sonstiges Politikgedöns. Und mussten es sich trotzdem anhören. Aber mein Mitleid bekommen sie nicht. Schließlich habe ich sie nicht hierhergezwungen.

Wenigstens räumt Seehofer mit ein paar alten Ritualen auf. Dem endlosen Beifall am Schluss zum Beispiel. Wiehatte Edmund Stoiber doch im Interview gesagt, vor diesem Aschermittwoch: Er habe stetes gewaltigen Applaus bekommen „zehn Minuten undlänger“. Seehofer at das Duell elegant umschifft. Kaum brandete der Beifall nach seiner Rede auf, ging er ans Mikro und bat um Ruhe. Damit dieser Wettkampf auch ein Ende finde.

Sie haben dann aber trotzdem weiter geklatscht und gesungen, von Seehofer dirigiert. Weil es doch „so schön, so schön“ gewesen ist in Passau. Na ja. Ich weiß jetzt schon: Sie werden nächstes Jahr wieder hier sein. Und ich auch. Weil das so Tradition ist. Irgendwie. Und wer will sich schon einer Tradition verweigern?