Geschafft, wieder mal.

Vorbei. Eine Stunde und vierzig Minuten liegen hinter mir. Eine Stunde vierzig, in der Horst Seehofer die Welt erklärt hat. Aus halb Deutschland sind sie angereist, mit Bussen, im Auto, im Zug. Nur für diese hundert Minuten. Das muss man schon mögen.

Jetzt ist es vorbei, für dieses Jahr. „Bayern und schwarz, Gott erhalt’s!“ hat Horst Seehofer am Ende noch recht krachern gereimt. Sei ihm gegönnt. „Ich so CSU und alle so YEAHH!“ stand auf einem Plakat an der Wand. Auch nicht viel sinniger. Wie aber will man auch einer Veranstaltung einen Sinn verpassen, die sich längst überlebt hat? Die doch nur noch davon lebt, dass das Fernsehen kommt? In der jeder Redner seine Botschaften auf die Kameras abstimmt und nicht so sehr auf sein Publikum in der Halle?

Die in Passau jedenfalls wollten nichts hören über die Landesbank, über die bäuerliche Landwirtschaft, Steuerreformen und sonstiges Politikgedöns. Und mussten es sich trotzdem anhören. Aber mein Mitleid bekommen sie nicht. Schließlich habe ich sie nicht hierhergezwungen.

Wenigstens räumt Seehofer mit ein paar alten Ritualen auf. Dem endlosen Beifall am Schluss zum Beispiel. Wiehatte Edmund Stoiber doch im Interview gesagt, vor diesem Aschermittwoch: Er habe stetes gewaltigen Applaus bekommen „zehn Minuten undlänger“. Seehofer at das Duell elegant umschifft. Kaum brandete der Beifall nach seiner Rede auf, ging er ans Mikro und bat um Ruhe. Damit dieser Wettkampf auch ein Ende finde.

Sie haben dann aber trotzdem weiter geklatscht und gesungen, von Seehofer dirigiert. Weil es doch „so schön, so schön“ gewesen ist in Passau. Na ja. Ich weiß jetzt schon: Sie werden nächstes Jahr wieder hier sein. Und ich auch. Weil das so Tradition ist. Irgendwie. Und wer will sich schon einer Tradition verweigern?

Hoppla, die CSU mag Asylbewerber!

Manchmal bekomme ich doch erstaunliche Dinge auf den Tisch. Die CSU und die Asylbewerber, eine endlose Geschichte mit immer gleichen Positionen. Wir kennen das. Asylbewerber dürfen sich hier nicht allzu wohl fühlen; alles, was ihnen die Heimreise erleichtert, ist gut. Und wenn es Sammelunterkünfte und Essenspakete sind. So war das jedenfalls bisher.

Und jetzt das. Da bekomme ich doch tatsächlich folgende Einladung, die eine radikale Kehrtwende signalisiert. Achtung:

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Bayerisches Staatsministerium des Innern
Pressestelle
Newsletter: StMI-Sofort
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Zukunft der Unterbringung von Asylbewerbern – Einladung zur PK (PM 49/10 vom 17.02.10)

Pressekonferenz zur Zukunft der Unterbringung von Asylbewerbern
Das Bayerische Staatsministerium des Innern erinnert freundlich an folgenden Termin:

Die Aufenthaltsdauer von Asylbewerbern in Gemeinschaftsunterkünften muss sich verkürzen – CSU mit neuem Positionspapier für eine Verbesserung der Unterbringungssituation

„Die Aufnahme von Asylbewerbern ist für Bayern ein humanitäres Gebot. Insbesondere vor der außerordentlich schwierigen Lebenssituation in den Herkunftsländern dürfen wir die Augen nicht verschließen und müssen ihnen deswegen hier eine adäquate Wohnsituation schaffen. Der Hungerstreik der Asylbewerber in den beiden niederbayerischen Gemeinschaftsunterkünften Hauzenberg und Breitenberg hat gezeigt, dass wir unsere grundsätzliche Position nochmals überdenken müssen. Es ist ein Gebot christlicher Nächstenliebe, auf die Forderungen der Streikenden einzugehen.“, sagte Innenminister Herrmann in Bezug auf die wachsenden Proteste von Asylbewerbern in Bayern.

Das Positionspapier der CSU zur Asylpolitik in Bayern, das die Fraktion im Landtag am 26.01.2010 veröffentlichte, wird daher derzeit überarbeitet: „Wir werden uns für eine grundsätzliche Beschränkung der Aufenthaltsdauer in Gemeinschaftsunterkünften von einem Jahr einsetzen. Ich bin mir sicher, dass dies den Menschen hilft, sich schnell und nachhaltig in ihrer neuen Heimat einzuleben. Da sich das System der dezentralen Unterbringung bei den christlichen irakischen Flüchtlingen in München bewährt hat, ist die CSU nun bereit, Änderungsmaßnahmen einzuleiten.“, so Herrmann.

Das neue Positionspapier wird Ende dieser Woche vorgelegt. Herrmann: „Neben der Verkürzung der Aufenthaltsdauer von Asylbewerbern in Gemeinschaftsunterkünften beinhaltet das Positionspapier die Einführung von Wertgutscheinen statt Essenspaketen und die generelle Ausweitung der Residenzpflicht auf den Freistaat Bayern.“

Die Pressekonferenz findet statt am

Freitag, den 19. Februar 2010 um 11.00 Uhr
im Sitzungssaal 111 des Bayerischen Staatsministeriums des Innern, Odeonsplatz 3 in München.

Berichterstatter und Bildberichterstatter sind zu diesem Termin herzlich eingeladen.

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Pressesprecher: Oliver Platzer
Telefon: (089) 2192 -2114
Telefax: (089) 2192 -12721
E-Mail:  presse@stmi.bayern.de
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Zum Abbestellen der Liste benutzen Sie bitte das Formular unter:
http://www.stmi.bayern.de/presse/newsletter/

Wow. Alles neu macht der Februar.

War aber, wie Horst Seehofer gerne sagt, nur Spaß. Oder ein übler Scherz. Da hat sich wohl einer auf Kosten der CSU lustig gemacht. Denn gleich danach kam folgende Mail. Achtung:

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Bayerisches Staatsministerium des Innern
Pressestelle
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Gefälschte PM zum Thema Asylbewerber (PM 49/10 vom 17.02.10)

Angebliche Einladung zur Pressekonferenz am
19. Februar 2010 ist Fälschung

Bei der angeblichen Einladung zu einer Pressekonferenz des Innenministeriums zum Thema „Zukunft der Unterbringung von Asylbewerbern“ für Freitag, den 19. Februar 2010 handelt es sich um eine

F Ä L S C H U N G!

Es findet weder eine Pressekonferenz statt noch hat sich die Haltung von Innenminister Joachim Herrmann zu dem Thema geändert.

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Pressesprecher: Oliver Platzer
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E-Mail:  presse@stmi.bayern.de
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Respekt. Wir hätten es fast nicht gemerkt. War aber auch dermaßen überzeugend, wie Herrmann da argumentiert hat, der falsche Herrmann. Äh, logisch. Auch das „war nur Spaß.“

Passau hilft den Steuersündern

Ich bin gerade in Passau, politischer Aschermittwoch und so. Der Ort, an dem die CSU gottgleich die Menschen mehrt. Wir haben gezählt: 329 Biertische stehen in der Halle. An jeden passen gut geschätzt zehn Menschen. Und dann ist es schon eng. Macht 3290 Gäste. Trotzdem behaupten die Schwarzen mit schöner Regelmäßigkeit, mehr als 6000 seien in die Halle gekommen und wollten Horst Seehofer lauschen.

Ehrlich, wäre ich Künstler, ich hätte die Stadt längst verklagt. Weil die sonst nämlich nur 3000 Menschen in die Halle lässt. Zahlende Gäste. Aus feuerschutzpolizeilichen Gründen. Oder so. Aber so sind die Rituale.

Und zu den Ritualen gehört, dass die lokalen Größen reden dürfen. Manfred Weber zum Beispiel, der niederbayerische Bezirkschef. Oder Konrad Kobler, Bundestagsabgeordneter der CSU.

Kobler hat eine insgesamt wenig beachtete Rede gehalten. Ein paar haben sogar gepfiffen, weil sie ihnen zu lang erschien. Und so haben sie den wichtigsten Satz überhört, das Signal an halb Deutschland.

Hier sei „der Gesundheitsstandort Passau“, hat Kobler gesagt, „wo sich die Gäste rehabilitieren können.“ Recht hat er, der Kobler. Schließlich ist Österreich gleich um die Ecke mit seinen deutschen Schwarzgeldkonten, und nur weil bislang lediglich die Schweizer Banker herausgefunden haben, wie sich CDs brennen lassen, bedeutet das noch lange nicht, dass dies den Österreichern auf ewig verborgen bleibt. Das muss einen doch nervös machen. Und wer nervös ist, der neigt zu Magengeschwüren, zu Herz-Kreislauf-Problemen. Zum Kranksein.

Ich finde das gut, dass sich endlich mal jemand um diese geschundenen Kreaturen kümmert, um die, die ihr Geld mühevoll ins Ausland gebracht haben und jetzt darum fürchten. Allein, wenn ich mir vorstelle, welche Ängste sie zurzeit durchstehen. Diese Selbstzweifel. „Bin ich auf der CD und wenn ja, auf welcher? Es sind ja so verdammt viele im Umlauf. Warum war ich nur so blöd und habe das getan? Oder war ich doch kleverer als alle anderen? Wenn ich es doch nur wüsste.“ So oder so ähnlich quälen sie sich durch die Tage, ihre Nerven liegen in Fetzen. Und an Schlaf können sie nicht einmal mehr denken.

Leute, Euch kann geholfen werden. Fahrt nach Passau, lasst Euch rehabilitieren. Und wenn das nicht reicht, dann regeneriert noch ein wenig. Die CSU hilft Euch dabei. Und schön macht es außerdem. Nur, leider, ein wenig ärmer. Aber der Staat, der dankt Euch das. Versprochen.

Dem Dackel geht es an den Kragen

Ist er nicht süß? Und kann trotzdem beißen!Es ist seltsam, aber dass manche Dinge verschwunden sind, fällt erst auf, wenn jemand darauf aufmerksam macht. Häuser zum Beispiel. Obwohl der Weg durch die immer gleichen Straßen schon zur vollkommenen Routine geworden ist, fällt der Abriss eines Hauses erst auf, wenn es weg ist. Und zurück bleibt dann in der Regel nicht nur eine Lücke in der Straße, sondern auch eine im Kopf. Weil sich vor dem geistigen Auge absolut kein Bild jenes Gemäuers einstellen will, dass da jahrein jahraus gestanden hat. So ähnlich ist das mit dem Dackel. Der gehört zu München wie die Weißwurst, nicht nur, weil er, bis auf die Farbe vielleicht, ihr ziemlich ähnlich sieht. Länglich und doch gedrungen, mit krummen Haxen un einem freundlichen Gesichtsausdruck, der allerdings dem erlebten gelegentlich recht bissigen Wesen nicht wirklich entspricht. Filzhuttragende Lodenmantelbesitzer, so sagt es das Klischee, sind erst dann wirkliche Oberbayern, wenn sie einen Dackel an der Leine wissen, ganz egal, ob nun Glatthaar oder Rauhaar. So war das jedenfalls mal.
Heute sieht die Welt ganz anders aus, kommt der Münchner im Armani-Anzug daher, trägt er Mammut-Wollmützen und führt entweder riesige oder winzig kleine Modehunde an der Leine. Den Dackel aber führt er nicht. Gerade mal 2000 Exemplare zählt die stadt München noch als steuerpflichtig gemeldet. Was bei  mehr als 1,3 Millionen Münchnern eine eher erbärmliche Zahl abgibt. Und der Nachwuchs sinkt. 6648 Rasse-Dackelwelpen hat die Zuchtwarte 2009 noch gezählt, bundesweit wohlgemerkt, in Ost und West. Ein dramatischer Rückgang – 1999 warfen die Dackeldamen noch 10 000 Welpen. Was an sich schon kläglich genug war. 1972, zu Zeiten der Olympischen Spiele in München mit einem, richtig, Dackel als Maskottchen, gebaren die Dackelinnen deutschlandwestweit  gut 28 000 stramme Nachfahren.   So geht es dahin mit Münchens Traditionstier. So sehr, dass selbst der Bayerische Dackelclub von 1893 seine beiden Münchner Sektionen auflösen musste, ausgerechnet, weil ihm die aktiven Mitglieder ausgehen. Und so bemühen sich andere um die Rettung des Münchner Wahrzeichens. Selbst wenn sie Preußen sind wie der Kölner Komiker Tom Gerhardt, der  schon seit Jahren vor dem Aussterben der Dackel warnt. Und tut, was ihm möglich ist, damit es nie geschieht.
Doch selbst sein selbstloser Einsatz als nervender Hausmeister Krause mit Dackel Bodo an der Seite stoppt den Schwund der Dackel in Deutschland nicht. Aussterben wird er dennoch nicht. Denn Hilfe naht, wenn sie auch einen ziemlich weiten Weg nehmen muss. Die Japaner, heißt es, schätzten den Dackel sehr. Kein Wunder. Denn was bei uns als spießiges Tierchen gilt, hat bei ihnen Exotenstatus.
So kann es eines Tages geschehen, dass wir gedankenverloren durch Tokio schlendern. Und dann beim Anblick der rennenden Wurst plötzlich denken: Ach ja, ein Dackel – das war es, was uns zuhause gefehlt hat.

Frau Pauli kann ja noch reden!

Politiker! Also ehrlich. Ich kann ja verstehen, dass sie sich möglichst korrekt ausdrücken wollen (was ihnen zugegebenermaßen nicht immer gelingt), dass zumal die Juristen unter ihnen jeden Winkel bedenken und jede noch so absurde Windung. Da kann dann schon mal das „Schreiben des Bayerischen Verfassungsgerichtshofs vom 18. Januar 2010 (Vf. 19-VII-09) betreffend Antrag auf Feststellung der Verfassungswidrigkeit des Art. 13 Abs. 1 und 2 und des Art. 25 Satz 1 des Gesetzes über die Erhebung von Steuern durch Kirchen, Religions- und weltanschauliche Gemeinschaften (Kirchensteuergesetz – KirchStG) in der Fassung der bekanntmachung vom 21. November 1994 (GVBl S. 1026, BayRS 2220-3-UK), zuletzt geändert durch Gesetz vom 22. Dezember 2008 (GVBl S. 972) PII/G-1310/09-14“ zum Thema im Verfassungsausschuss des Landtags werden. Logisch, oder?

Ich war dort, also im Ausschuss. Weniger wegen des „Schreibens des Bayerischen. . .“ undsoweiterundsofort. Auch wenn das auf der Tagesordnung ganz vorne stand. Ich war dort wegen Gabi Pauli. Weil die nach 34 Wochen oder 240 Tagen oder 5760 Stunden oder 345600 Minuten oder 2073 6000 Sekunden ihr landtägliches Schweigen durchbrochen und geredet hat (ich gebe es zu, ich habe es nicht selbst ausgerechnet. Das waren die hier: http://www.almdorfammertal.de/kalender.html). Wenn sie auch nur ein paar Minuten geredet hat, wir waren doch alle überrascht, dass sie es noch kann.

Es hat ihr aber nix geholfen. Keiner hatte mehr Bock auf sie, kein FDPler, kein Grüner, kein SPDler, kein Freier Wähler und erst recht kein CSUler. Auch die Frauen in den Fraktionen haben ihr die Solidarität verweigert. Was für sich genommen schon eine ziemlich klare Ansage ist.

Auf jeden Fall kommt sie nicht rein in den Untersuchungsausschuss zur Landesbank. Ich frage mich, weshalb sie da unbedingt hin wollte. Ist mir ein Rätsel. Wo doch ein Ausschuss grundsätzlich  schon Null Erotik ausstrahlt. Und der hier noch viel weniger. Wissen Sie, wie der heißt? Ich verrate es Ihnen. Aber nur, wenn Sie mir ohne einmal Luftholen den Namen des Tagesordnungspunktes nachsprechen. Achtung, es geht los:
„Antrag der Abgeordneten Markus Rinderspacher, Harald Güller, Inge Aures u.a. und Fraktion (SPD), Bernhard Pohl, Hubert Aiwanger und Fraktion (FW), Margarete Bause, Sepp Daxenberger, Ulrike Gote u.a. und Fraktion (Bündnis 90/Die Grünen) Einsetzung eines Untersuchungsausschusses zur Prüfung etwaigen Fehlverhaltens und möglicher Versäumnisse von Ministerpräsident Horst Seehofer, Staatsminister Georg Fahrenschon, Staatsminister Joachim Herrmann, Staatsministerin Emilia Müller, Staatsminister Martin Zeil, Ministerpräsident a. D. Dr. Edmund Stoiber, Ministerpräsident a. D. Dr. Günther Beckstein, Staatsminister a. D. Prof. Dr. Kurt Faltlhauser, Staatsminister a. D. Erwin Huber, Staatssekretär a. D. Georg Schmid, Staatssekretär a. D. Jürgen W. Heike in Zusammenhang mit dem Erwerb und dem Verkauf der Hypo Group Alpe Adria (HGAA) durch die Bayerische Landesbank (BayernLB) (Drs. 16/3168)„.

Na, ist das ein Burner? Das Ding haut doch rein, oder? Da steht ja jeder Buchstabe für ungefähr zehn Millionen Euro, die das Land bei der Landesbank schon verbrannt hat. Darüber haben die bestimmt lang nachgedacht.

Wie hat doch der Ausschussvorsitzende Thomas Kreuzer, CSU, so richtig gesagt: „Wir hoffen, dass wir durch eine durchsichtige Arbeit. . . äh, transparente Arbeit zeigen können, dass unsere Arbeit überhaupt einen Sinn hat.“ Doch, Herr Kreuzer, das ist gelungen. Schon der Name des Ausschusses garantiert dafür.

Was darf ein MP a.D. kosten?

Was muss der arme Mensch für eine Angst haben. Weniger vor dem gemeinen Volk. Mehr vor der Prominenz dieses Landes. Anders lässt sich kaum erklären, dass seine Leibwächter ihn vom Tisch zur Tanzfläche und wieder zurück begleiten mussten. So ist es geschehen auf dem Münchner Filmball.

Nein, die Rede ist hier nicht von Bill Gates oder George Clooney oder Barack Obama. Bei ihnen hätte ich das noch nachvollziehen können. Weil Gates sich vor entnervten W indows-Usern schützen muss, Clooney vor all seinen Fans und Obama vor wem auch immer (Vielleicht vor Al Qaida? Den Republikanern? Guido Westerwelle?).

Es geht um Edmund Stoiber. Sie erinnern sich vielleicht noch an ihn. Er war mal Ministerpräsident von Bayern, so vor gut zweieinviertel Jahren, hat die CSU an den Abgrund geführt, bis ihn seine eigene Partei vor die Tür setzte. Schuldig allerdings fühlt er sich bis heute nicht.

Stoiber jedenfalsl besteht auf Personenschutz. Überall. Selbst auf dem Filmball. Mehrere LKA-Beamte (die genaue Zahl ist, logisch, ein Geheimnis) sind stets an seiner Seite. Wie auch beim Filmball. Wobei sich die Bedrohung mir nicht recht erschließen mag. Nirgendwo. Und schon gar nicht beim Filmball.

Selbst Theo Waigel hatte als Finanzminister im Ruhestand weniger Schutz nötig – und wer mag schon Finanzminister? Aber Stoiber stehen die Wachen zu, außer, er verzichtet freiwillig darauf. So wie einst Günther Beckstein. Der fuhr sogar als hoch gefährdeter Innenminister nachts gerne mal mit der U-Bahn, schickte LKA und Fahrer nach Hause und gab sich als das, was er immer geblieben ist: als ganz normaler Mensch.

Stoiber ist da anders. Ganz anders. Leibwächter machen einfach etwas her. Und während Beckstein, inzwischen wie Stoiber ein ehemaliger Ministerpäsident, bescheiden ein kleines Büro in der Dependance der Staatskanzlei bezogen hat, residiert der Oberbayer seit zwei Jahren in einem mehr als komfortablen Komplex mitten in München. 13 Zimmer hat sein Büro; Fahrer stehen Stoiber zur Verfügung, Sekretärinnen, Mitarbeiter, und einen eigenen Pressesprecher hat er auch immer noch. Weil, sagen die in der CSU, er schließlich in Brüssel die Bürokratie entbürokratisiert. Und dafür brauche er schon eine gewisse Ausstattung, auch als ehemaliger MP stehe ihm das zu.

Stimmt schon. Ex-MPs haben Verpflichtungen, bekommen Briefe, sollen irgendwo reden. Aber gleich ein solcher Luxus? Und was das kostet. Mehr als 400 000 Euro. Pro Jahr. Nur für Stoiber. Und ohne LKA-Beamte. Die kommen noch oben drauf. Und seine Rente auch noch. Die ist da ebenfalls nicht eingerechnet.

Ehrlich, das halte ich für übertrieben. Schon in wirtschaftlich guten Zeiten wirkt das einigermaßen maßlos. Aber jetzt, da die Kassen leer sind (und nur mal so als Frage: Welche Rolle hat Stoiber dabei gespielt, bei der Landesbank, beim Verkaufen des Tafelsilbers?), da stinkt das doch gewaltig. Darüber sollte Stoiber mal nachdenken. Und dann vrzichten. Als Geste sozusagen. Als Zeichen, dass ihm das Wohl des Landes am Herzen liegt. Wäre eine Nummer. Wird nur nicht passieren.

Humor der bayerischen Art

Da sage noch einer, die im Innenministerium hätten keinen Spaß an der Arbeit, nur weil die Materie trocken ist, mit der sie sich beschäftigen. Jedenfalls habe ich dieser Tage für eine Glosse über den Abkürzungswahn unserer Bürokraten ganz offiziell in der Pressestelle angefragt und um Beispiele gebeten. Es kam folgende Antwort:
„Bei der LÜKEX haben wir viel mit der BUMA zusammengearbeitet. Die BUMA ist innerhalb der FÜGK für die MÖA zuständig. Gesteuert hat die Übung die BBK mit HEIKAT.  Das BMI und die SEG GSG waren ebenso dabei wie ASB,THW,ÄLRD, DLRG, DRK, DFV, JUH und MHD. Wir von der MÖA haben die DARK Sites mit FAQ´s ausgestattet. Bei der Lagebesprechung tauchte eine Frage von M auf, was denn der ÜAFEG sei. Für unsere ICler keine Frage. Die haben auch das Herrschaftswissen darüber, was AKIS und  AFIS  ist. Für weiter ernsthafte Anfragen stehe ich gerne zur Verfügung.
Gruß
Oliver Platzer“
Später kam dann noch der Anruf, wenn ich Probleme mit dem Übersetzen haben sollte, könne mir der Kollege gerne helfen. Ich habe natürlich sofort bestritten, dass ich überhaupt jemals irgendwelche Probleme mit irgendetwas hätte. Und mit Abkürzungen schon gleich gar nicht. Schließlich bin ich Journalist. Und wie hat mal ein von mir seitdem nicht mehr sonderlich geschätzter Kollege in München gesagt? „Ich bin Journalist und weiß auch sonst alles.“

War wohl ein Fehler, dass ich das Hilfsangebot ausgeschlagen habe. Vier oder fünf der Kürzel habe ich entziffern können. Immerhin. Aber leider auch nicht mehr. Ist aber auch ein Ding, was denen so einfällt im Ministerium. Das nötigt mir Respekt ab. Allein, dass die sich das alles merken können. Obwohl – es gibt da die Geschichte über einen Spitzenbeamten, der munter darauf losredete und dann gebeten wurde, er möge die Kürzel doch bitte für einen unbedarften Gast übersetzen. Und was soll ich sagen – er konnte es nicht. Sehr beruhigend.

„Mein Gott“ – so sieht Horst sich selbst

Ich glaube, ich werde hier mal eine neue Rubrik einrichten. Das aktuelle Politiker-Zitat. Weil ich auf so etwas stehe. Und sie woanders nicht unterbringen kann, all die schönen Sätze, die den Politikern entströmen und die einem im Lauf des Lebens so unterkommen. Wo die doch gelegentlich so wundervoll missverständlich sein können. Und wir Journalisten sie sofort und vorsätzlich immer falsch verstehen wollen. Sagen jedenfalls die Politiker. Recht haben sie. Zwei aktuelle Beispiele:

Den Anfang darf, logisch, Ehre wem Ehre gebührt, in Respekt vor seiner herausragenden Position, dem Amte angemessen und seiner Bedeutung sowieso, weil ja der Ober den Unter sticht, äh, also den Anfang darf Horst Seehofer machen. Sie erinnern sich? Der ist CSU-Chef und Ministerpräsident von Bayern. Ein Amt, bei dem er sich schon gelegentlich frage, sagt er, wieso Franz Josef Strauß das als das schönste der Welt bezeichnet hat. Aber darum geht es jetzt gar nicht.

Sondern um die Frage eines Journalisten, wie sich das Verhältnis zu seinem bayerischen Koalitionspartner entwickelt habe, zur FDP also. Seehofer antwortete wie folgt, mit einem leichten Zögern zwischen dem ersten und dem zweiten Satz:

„Mein Gott. Das ‚Mein Gott‘ war an mich gerichtet.“

Wie hat Bruno Jonas einst den einstigen Finanzminister Kurt Faltlhauser gefragt? Ob er sich denn duze, wenn er mit sich selbst rede? Faltlhauser hat genickt. Er darf sich duzen. Und der Horst? Kniet sich Horst Seehofer folglich nieder, wenn er mit sich selbst spricht? Oder sieht er sich auf Augenhöhe mit sich – und damit leicht über dem Papst?

Auch nicht schlecht war Christine Haderthauer. Sie steht aktuell beim Horst, ihrem Chef, recht weit oben in  der Gunst (der Horst variiert das stark, mal mag er den Markus lieber, den Söder, mal die Christine, je nachdem, wen von beiden er gerade ein wenig disziplinieren muss. Das spült den anderen in der Gunst dann kurz nach oben. Haderthauer durfte sogar eine ganze Pressekonferenz an der Seite von Seehofer bestreiten, nur sie allein und der Horst. Und ungefähr 15 Beamte.). Die Christine jedenfalls fragte den Horst, ob er morgen „auch nach Aschaffenburg“ fahre. Seehofer hat das bejaht. „Aschaffenburg“, stöhnte Haderthauer. „Wie grauenhaft. Das wird ganz schrecklich.“

Keine Sorge, liebe Aschaffenburger, sie hat gar nicht die Stadt gemeint. Sie meinte die Fahrt dahin. Weil doch Schnee und Regen und Sturm angesagt ist.

So. Ich mache mich wieder auf die Suche. Nach neuen Zitaten. Es wird sich gewiss wieder eins finden.