Die CSU verliert an Gewicht, schon wieder

Doch, es geht weiter mit der CSU. Bergab. Hinunter. Immer tiefer. In die Zone der Leichtgewichte. Dahin, wo die SPD längst ist. Wo die Freien Wähler eben noch waren (die sind jetzt aber in den Bereich der Ultrleichtflieger abgedriftet). Und wo die Grünen unbedingt rauswollen. Weil sie sich neben FDP und SPD nicht so richtig zuhause fühlen.

Aber zurück zur CSU. „96 ist die Zahl der Woche“, hat Horst Seehofer bekundet. Und sich gemeint. Weil er leicht geworden ist. Nun ja, relativ gesehen jedenfalls. Er hat abgenommen, was ganz einfach war, sagt er. Das sei der Trick: Diszipliniert essen und viel bewegen. Zu Fuß, nicht mit dem Auto. Er ist spazieren gegangen, ja, bevor Sie fragen: mit seiner Frau. Hat er gesagt. Im Umland von Ingolstadt. Wo die Landschaft so ist wie die Laune des Wählers: mal oben, mal unten, hügelig eben.

So hat er abgespeckt, Kilo um Kilo. Freiwillig, an der Seite seiner Gattin. Sichtbar. Öffentlich. Zumindest jetzt, wo er das lautstark verkündet hat, bevor ihn wieder igrendjemand mit Sachpolitik belästigt. Aber es stimmt: Der Anzug jedenfalls schlabbert einigermaßen um die Hüfte.

Zehn Kilo sollen es sein. Was Seehofer erst einmal bestreitet, quasi im Reflex. Weil das typisch für die Medien sei, dass die erst einmal aufrunden, sozusagen systematisch aufbauschen. Und wenn es nur seine schlanke Linie ist. Er gibt dann aber doch noch zu, dass es zehn Kilo sind, „ziemlich genau zehn“, die er an der Seite seiner Frau verloren hat. Und dass so zwei oder drei noch runter müssten.

Okay, ich finde das gut. Bis heute komme ich nicht darüber hinweg, wie die in Berlin das Programm „Fit statt fett“ ins Leben rufen konnten. Ist schon ein paar Jahre her. Wahrscheinlich erinnert sich kein Mensch mehr daran.

„Fit durch Fett“ hat eine Sprecherin im BR daraus gemacht, unfreiwillig zwar, aber durchaus treffend. Weil das damals überaus übergewichtige Damen und Herren erfunden haben. Ulla Schmidt zum Beispiel. Oder, entschieden dicker, Sigmar Gabriel. Der hat das, wenn ich mich recht erinnere, auch noch öffentlich propagiert, das Programm. Und Horst Seehofer war auch dabei, als Verbraucherschutzminister. Da hatte er garantiert mehr auf den Rippen als die 106 Kilo, die er retrospektiv zugibt. Wirkte ziemlich komisch, wie sie damals den Leuten weis machen wollten, sie sollten abnehmen, weniger essen, sich mehr bewegen.

Aber, ich gebe es zu: Der Horst hat es inzwischen begriffen. Mal sehen, wie lange er die Linie hält. Von wegen Jojo-Effekt, auf und ab, hoch und runter. Hin und her. Damit kennt er sich ja aus, mit dem hin und her. Und mit dem rauf und runter auch. Schließlich ist er Politiker. Wenn auch ein inzwsichen recht leichgewichtiger. Aber das ist schon okay. Er passt sich ja nur seiner Partei an. Minus zehn Prozent – das passt. Mal abwarten, wer von beiden schneller abnimmt, er oder die CSU. Wir bleiben dran.

Wie sind sie unschuldig, unsere Politiker, und gar nicht korrupt

Nein, sagt Horst Seehofer, er denke gar nicht daran, die Spenden zurückzuzahlen, die August Baron von Fink über seine Hotelkette Seehofers Partei hat zukommen lassen. 830 000 Euro immerhin. Wenn auch weniger als das, was Fink der FDP überwiesen hat. Die bekam 1,1 Millionen Euro. Nein, sagt Seehofer, weil das alles in Ordnung so sei und das Geld schon 2008 kam, CSU und FDP aber erst 2009 gesenkte Steuern für Hotels druchgedrückt haben. Die FDP hat übrigens auch kein schlechtes Gewissen, nicht einmal den Hauch davon.

Ach ja. Manchmal frage ich mich, ob unsere Politiker überhaupt noch spüren, wie das so wirkt, was sie da treiben. Und ob sie so gar nicht mehr riechen können, wie das gelegentlich stinkt.

So wie jetzt. Die sollten sich mal mit den Gastwirten unterhalten, wie das das sehen. Schließlich ging es auch um sie, als Schwarzgelb einst versprochen hat, es werde die Steuern senken für Hotels und Lokale. Dass die Hoteliers einfach die bessere Lobbyarbeit gemacht hätten, raunten die Wirte schon vor Wochen. Jetzt wissen sie, dass sie damit so falsch nicht gelegen haben. Nur, dass die Arbeit mit ein paar Geldbündeln sozusagen noch unterfüttert worden ist. Hat offensichtlich funktioniert.

Nein, das kapiere ich nicht mehr. Nach all den Spendenaffären, nach all den Umfragen, die der Politik regelmäßig ein mieses Ansehen bescheinigen, nach all dem Gefasel der Politiker über die Wahlmüdigkeit der Menschen und dass sie dagegen etwas tun wollten. Wäre in diesem Fall ganz leicht. Einfach auf die Bank gehen, ein Überweisungsformular ausfüllen und das Geld an den Baron zurückschicken mit dem Hinweis, unsere Politik sei unabhängig und nicht beeinflussbar und die Spende ziemlich unsittlich, weil hoch, und dann auch noch in diesem Zusammenhang, also wirklich. . . Ich könnte Seehofer beim Formulieren gerne helfen, falls er da Probleme hat.

Geht aber offensichtlich nicht. Vielleicht, weil die Politik nicht unabhängig ist? Ah, ich höre schon, unsere Spitzenpolitiker, wie sie dagegen wieder protestieren, sich verwahren und die Kritiker angreifen, weil die das große Ganze nicht sehen, die saubere Moral. Sondern wieder nur das Negative. Und überall das Böse wittern. Wie immer halt.

Ich war übrigens dieser Tage in einem Hotel in Kreuth. Billiger als im Vorjahr war es nicht. Er könne die Preise nicht senken, hat der Chef gesagt, obwohl ihm CSU und FDP doch zwölf Prozent davon erlassen haben. Kommt mir vor wie ein schwarz-gelbes Geschenk für ihn. Nur, dass weder CSU noch FDP das bezahlt haben. Sondern ich. Und all die anderen Hotelgäste. Toll. So hatte ich mir das vorgestellt.

Aber er werde renovieren, hat der Hotelier gesagt. Den dritten Stock seines Hotels. Das freut mich. Weil ich bis dahin noch gar nicht gewusst hatte, dass sein  Haus überhaupt einen dritten Stock hat. Über das erste Obergeschoss bin ich nie hinausgekommen. Ehrlich gesagt – mir wären die zwölf Prozent lieber gewesen. Ich werde mal mit Horst reden. Der soll mir die Differenz auszahlen. Schließlich hat er ja jetzt 830 000 Euro mehr. Und es war sein Geschenk. Nicht meins. Er hat mich nicht einmal gefragt.

Heizt den Mittleren Ring!

Dass die Menschen wie die Bekloppten über Münchens Mittleren Ring heizen, weiß jeder, der sich schon einmal in das Getümmel gewagt hat. Brettern gegen die Krise funktioniert in München bestens. Auch wenn es dabei gewaltig staubt. Was ein Problem ist. Doch dem rückt die Stadt jetzt zu Leibe.

München hat sich bekanntlich vor einigen Jahren zur nationalen Lachnummer gemacht, als es den Aufruf zur Feinstaubmessung allzu ernst genommen hat. Andere Städte parkten die Messsonden in der Grünzone, dort, wo allenfalls Blütenstaub entsteht. München stellte den Container an die Landshuter Allee. Die ist die am stärksten befahrene Straße der Stadt mit weit über 100 000 Fahrzeugen täglich. Kein Wunder, dass es da gewaltig staubt und nach allem riecht, nur nicht nach dem Duft von Rosen.

Jetzt haben die Münchner den Salat, müssen handeln und wissen nicht wie. Trotzdem waren die städtischen Beamten nicht untätig, sondern haben zusammen getragen, was da an kuriosen Vorschlägen so kursiert.

Eine Heizung für den Mittleren Ring zum Beispiel. Weil doch im Winter das Salz auf der Straße einen rechten Staub verursache, einen sehr feinen dazu. Ist die Fahrbahn geheizt, braucht es kein Salz mehr – und die Wagen können noch besser heizen als sonst.

Oder Moos auf dem Mittelstreifen. Bonn macht das auf seiner Stadtautobahn so (echt, das provinzielle Bonn hat so was). Gebracht hat es aber dort auch nix. Wäre für München also allenfalls aus ästhetischen Gründen eine Option.

Oder nass kehren. Kennen wir aus südländischen Städten, dass sie da morgens die Fahrbahnen abspritzen. Und die Gehwege. Und die Einfahrten. Riecht immer etwas eigenwillig. Und, sagt München, bringt eigentlich auch nichts. Aber München liegt schließlich im Süden. Wäre also eine Option.

Oder das Wetter. Weil München (siehe oben) weit im Süden liegt, staubt hier auch der Staub der Sahara rein. Und legt sich über die Stadt. Auch über die Landshuter Allee. Und dort in die Messsonden. Von den 61 Grenzwert-Überschreitungen 2008 haben die Experten immerhin fünf auf die Sahara geschoben. Wäre doch eine Idee, das Moos nicht am Ring zu verlegen, sondern in der Sahara. Sähe auch schöner aus. Wird nur schwierig, weil in wirtschaftlich klammen Zeiten das Moos bekanntlich bei allen knapp ist.

Tja. WSo ist das mit dem Feinstaubproblem in München. Es wäre im Prinzip recht einfach zu lösen: einfach weniger Autofahren, dafür mehr mit dem öffentlichen Nahverkehr. Weil das weniger staubt. Rein theoretisch. Denn der Münchner ist wie jeder andere Mensch auch: Solange er nicht selbst am Mittleren Ring wohnt, ist ihm dort die Feinstaubbelastung herzlich egal. Und so heizt er weiter über den Ring, ob der nun beheizt ist oder nicht.

PS: Ich habe es natürlich sofort gemerkt – mein Systemadministrator hat mir ein nachträgliches Weihnachtsgeschenk gemacht. Ich bin wieder modern, genauso modern wie meine blogenden Kollegen. Puhhh. Danke dafür!

Alles neu – oder doch nicht?

Tja, so geht es im Leben. Da komme ich aus dem Urlaub zurück, ich war Skifahren in den Bergen, wie es sich für einen Münchner gehört, auch wenn er nur exilfränkischer Nürnberger in der Hauptstadt ist. Skifahren ist zurzeit so eine Sache. Denn von wegen Klimawandel – es war schweinekalt. Grimmig, ungewöhnlich für die Jahreszeit. Ach ja, der Klimawandel war dann doch irgendwie da: Es hatte keinen Schnee, oder nur ganz wenig, ungewöhnlich wenig. Also wenig echten. Kunstschnee liegt schon reichlich. Weil es ja kalt ist, ungewöhnlich kalt. Ein schönes Geräusch, wie die Turbinen der Schneekanonen nachts ihr sanftes Liedlein anstimmen und gemeinsam die Stille vertreiben.

Auf jeden Fall bin ich jetzt wieder zurück, mäßig braun, was den Neid der Kollegen ein wenig dämpft, aber nur ein kleines Bisschen. Und dann das.

Eigentlich wollte ich nur wissen, was meine lieben Kollegen so geschrieben haben im Blog, während ich weg war. Doch egal, wessen Blog ich auch anklicke – die sind alle viel schöner als meiner. Nicht inhaltlich, das sollt Ihr Leser bewerten, da halte ich mich raus. Wobei zum Beispiel Harry in Berlin echt fleißig war über die Feiertage. Und es beeindruckt mich, dass er sogar sein Fahrrad wieder erkannt hat. Unter all dem Schnee, der da gefallen ist . . . Jenem Schnee, den wir in den bergen gerne gehabt hätten: Und dann sitzt der in Berlin und beschwert sich.  Also echt, Harry!

Nein, ich meinte optisch. Modern, schick, mit Teasern, Logos, neuen Headlines, Gadgets oder wie das alles sonst noch heißt. Nur ich komme echt altbacken daher. Ausgerechnet ich, der ich in München sitze, der Stadt, die sich für die modernste hält. In der nur der zählt, der das hippste neue Telefon hat, den neuesten Modekram, das schickste Auto. Bitter das.

Muss gleich mal meinen Systemadministrator anrufen. Oder besser: anmailen. Vielleicht liest er das hier ja auch? Und reagiert dann? Von sich aus? Weil ich nämlich echt schwer frustriert bin. Und das ist gar nicht gut, so am ersten Arbeitstag!