Endlich, München wird scharf

Es geht um die Wurst. Wie so oft in München. Was haben sie nicht für Verrenkungen vorgenommen, damit die original Münchner Weißwurst eine original Münchner Weißwurst bleibt. Nicht mal im Umland dürfe sie produziert sein, sagen die Münchner. Als ob diese seltsame Wurst besser schmeckte, wenn sie denn in München produziert wird.

Selbst Edelköche haben sich an ihr schon versucht und Chili dem Teig beigefügt. Oder Trüffel. Oder sonstiges teures Gedöns. Geholfen hat es nichts. Die Weißwurst ist eine Weißwurst geblieben. Also versuchen sich die Stars der Küche jetzt an anderen Objekten.

Eigentlich hat es erstaunlich lange gedauert, bis sie die Currywurst als solche entdeckt haben. In Berlin ist sie längst Kult, in München ein leider ziemlich vernachlässigtes Etwas. Nicht, dass in der Landeshauptstadt jetzt die Currywurstbuden nach dem Vorbild der Bundeshauptstadt aus dem Asphalt schössen. Das geht hier schon auf einem ganz anderen Niveau. Das Curry 73 zum Beispiel an der Balanstraße. Das gehört Holger Stromberg. Der ist Koch, verwöhnt normalerweise die deutsche Fußballnationalmannschaft, und pflegt an der Balanstraße seine proletige Ader. Hat das Pförtnerhaus einer Industriebrache umgebaut zur Currybude. Und die Menschen stehen Schlange. Weil die Wurst bio ist und die Pommes frisch und das Curry selbst gemacht wie auch die Mayo dazu.

 
Oder die Klenzestraße. Gleich drei Edelbräter tummeln sich hier. Einer feiner als der andere. Der Bergwolf und die Gute-Nacht-Wurst sind regelmäßig knall voll, servieren die Wurst in tausend Varianten und dazu die hippen Biere der Saison, Tannenzäpfle aus dem Schwarzwald oder Tegernseer aus dem gleichnamigen Brauhaus. Oder Champagner. Weil das die Schickeria mag, Edelgetränke zur Proll-Wurst.

Jetzt gibt es dort auch noch das Curry. Mit Würsten nach den Rezepten eines Sternekochs. Mit Trüffelmayo, Chili-Aprikose, Senf-Honig oder Preiselbeer-Meerrettich. Zu den Pommes, frisch geschnitten und doppelt fritiert vor den Augen des Gastes. Oder auch zur Wurst, je nach Geschmack.  Wer will, kann sich seine Wurst sogar mit Blattgold belegen lassen. Was selbst dem Wirt „fast schon zu dekadent“ ist. Aber eben nur fast.

Stromberg drüben in der Balan verzichtet auf solchen Schnickschnack. Bei ihm darf der Gast zwischen vier Currysorten wählen. „Blumig, „Mild“, „normal scharf“ oder „scheissescharf“. Steht auch auf den Streuern, wobei bei der schärfsten Variante das „scharf“ nicht mehr drauf gepasst hat. Liest sich jetzt etwas merkwürdig. Wo doch das Auge mitisst.
Ja, Berlin kann sich warm anziehen. Weil sich in München endlich auch so etwas wie eine Wurst-Kultur entwickelt. War aber auch Zeit geworden. Aus fränkischer Sicht jedenfalls ist der Schritt längst überfällig. Ehrlich.