Wohlfühlen im Romantik-Bunker

Manche Leute haben aber auch merkwürdige Ideen. Überall im Münchner Stadtgebiet stehen Bunker, riesige Betonkästen von unvergleichlicher Hässlichkeit mit winzigen Luftschlitzen, wenn überhaupt. Sie sind, logisch, ein Überbleibsel des Zweiten Weltkriegs.

Der liegt nun schon eine Weile zurück. Nur die Bunker sind immer noch da und verschandeln die Straßen, weil niemand so recht weiß, was die Stadt mit ihnen anfangen soll. Bis auf Johann Lindner. Der will jetzt handeln. Zumindest in Allach.

Auch da steht ein Bunker von schmutziggrauer Farbe, achteckig, vier Stockwerke hoch, mit einem ziemlich verrotteten Dach oben drauf. Ihn möchte Lindner umbauen _ zu einem “romantischen Hotel mit Wohlfühl-Atmosphäre”.

Klingt gut, ist es aber nicht, jedenfalls nicht für die Lokalbaukommission. Die hat seine Pläne abgelehnt. Ein Glaspavillon auf den Dach! Im Jugendstil! Da haben sie aber gekreischt in der Kommission. Dass Lindner den Bunker aufhübsche, haben sie gesagt und was von Kitsch und Disneyland gemurmelt. Und dass der Bunker “zumindest erahnt werden” müsse, fordert CSU-Mann Walter Zöller. Weil doch “diese Bauten zum Stadtbild” gehörten. Muss man nicht verstehen, oder?

Es ließe sich trefflich streiten. Das mit dem Denkmalschutz kann man auch übertreiben. Zöller blickt jedenfalls zuhause nicht auf einen solchen Betonklotz. Die in Allach schon.

Lindner hat sich trotzdem nicht entmutigen lassen und einen neuen Plan entworfen. Der Pavillon ist jetzt weg, das Haus weiter achteckig und die Fenster längs in schmale Streifen geteilt. Bis zu 20 Zimmer könnte Lindner innen unterbringen.

Wenn ihn die Kommission denn lässt. Und sie lässt, schwärmt vom “intelligenten Ansatz”, der “den Bunkergedanken” aufgreife und von den “klaren, schlichten Linien”. So etwas kann auch nur Fachleuten einfallen. Bunkergedanke. . . du lieber Himmel! Auf den setzt Lindner vermutlich eher weniger, wenn er seine Prospekte druckt. Klingt ja auch merkwürdig: “Verbringen Sie ein paar schöne, romantische Stunden in einmaliger Bunkeratmosphäre. Unsere Spitzenköche wärmen Ihnen gern ein paar Konserven auf. Wir empfehlen dazu einen guten Tropfen aus unserer Wasseraufbereitungsanlage, ehe Sie sich in die romatischen Stockbetten zurückziehen.” Oder so ähnlich. Grauenvoll. Dann doch lieber Disneyland.

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