Horror in München: Zwei Tage Halloweeen

Offen gestanden: Für mich ist die Vorstellung ein Alptraum. Halloween an sich nicht wirklich. Für einen Tag geht das. Aber für zwei? Doch der Reihe nach.

Menschen meiner Generation kennen Halloween seit ihrer Kindheit. Seit ein kleiner Junge sich einmal im Jahr aufmachte und in einem Kürbisfeld auf den Großen Kürbis wartete wie einst Gordot. Der Kürbis kam natürlich nie. So wenig wie sein Kumpel Charlie Brown je etwas anderes in seiner Tüte fand als Müll.

All das liegt lange zurück. Heute hat Halloween uns fest im Griff, feiern die Kinder Gruselparties und ziehen anschließend nervend um die Häuser, klingeln, erwarten Kohle und keinen Süßkram und fordern „Süßes oder Saures“, ohne Gegenleistung, versteht sich. Nicht mal das Schild vom bissigen Hund schreckt sie ab, dass wir jedes Jahr eigens an diesem Abend an die Tür pinnen.

Aber darum sollte es jetzt gar nicht gehen. Es geht um München. Und um die Stille.

Denn Halloween liegt am 1. November, an Allerheiligen, mithin an einem Gedenktag, den die Spaßbremsen vom Innenministerium als still einstufen. Ihn und drei weitere Novembertage. Und sie meinen das auch so, ganz wörtlich. Keine Disco, keine laute Musik, kein Spaß, nirgends.

Was blöd ist für die Discos und die Kneipen, die Halloween-Parties machen wollen. Wo doch Party-Verbot herrscht. Strafbewehrtes Party-Verbot, versteht sich. 23 Wirte wissen das inzwischen aus eigener Erfahrung. Weil sie im vergangenen Jahr trotzdem gefeiert haben, sollen sie zahlen. Zwischen tausend und zehntausend Euro. Heftig, das. Wobei die Parties nicht mal an Allerheiligen begonnen hatten, sondern schon am Abend zuvor. Aber die Gäste haben über Mitternacht hinaus durchgehalten. Und damit war Allerheiligen erreicht.

Diesmal wollen die Wirte reagieren. Allerdings ein wenig anders, als es sich das Ministerium vermutlich vorgestellt hat. Weil sie ja nicht blöd sind, die Wirte. Also lassen die einen des nächtens ein paar Geiger antanzen, die musizieren sollen. Andere verzichten ganz auf Musik und bitten ihre Gäste, sie sollten die Hallen mit ihren Handys beschallen oder mit ihren MP3-Playern.

Die ganz Kleveren unter ihnen ziehen Halloween schlicht um 24 Stunden vor. Jetzt gleich, in wenigen Stunden, beginnen also die ersten Halloweenfeiern, soll der Grusel Einzug halten in die Stadt.

Logisch, dass ich auch hingehe. Bevor irgendwelche verfrühten Rotznasen bei mir daheim klingeln und die erste Tagesschicht Schokolade fordern. Ich weiß nur noch nicht, als was ich mich verkleiden soll für den echten Grusel. Vielleicht als Innenminister? Nein, besser noch, als ziviler Kontrolleur. Wird das ein Spaß!