Was ein genialer Katzenjammer

Da lebe ich bald zwanzig Jahre in München, habe über alles Mögliche geschrieben, etliches erlebt und gesehen. Bloß das Atomic Cafe, das ist mir nie begegnet. Der Laden sei voll hipp und in, mit Türsteher und so, sagt mein Freund Rainer. Da müssen wir hin, hat er auch noch gesagt. Und Karten besorgt. Weil an diesem Abend eine Band auftritt. Wir waren dort, gestern.

Ehrlich, manchmal bin ich froh, dass ich in meiner Abteilung sitze und nicht zum Beispiel in der Sportredaktion. Von Sport verstehe ich wenig. Oder im Feuilleton. Davon verstehe ich noch weniger. Das ist diesmal praktisch. Weil ich jetzt nicht kompliziert darüber nachdenken muss, wie der Katzenjammer war, welches Stück warum das beste, welches weniger gut und was für ein Stil das überhaupt war.

Nein, ich kann einfach schreiben – es war genial. Die haben Hit-Potenzial, würden die Fachleute jetzt sagen. Kostprobe gefällig? Achtung, Suchtgefahr: YouTube Preview Image. Na, hat das was?

Gesehen? Vier norwegische Mädels, die das ausverkaufte Atomic Cafe zum Beben gebracht haben.  Und mich mit. Vier Mädels mit Wahnsinns-Stimmen und einer gewaltigen Show, weil sie alle vier singen, jede etliche Instrumente spielt, sich die vier dauernd abwechseln und über die Bühne wirbeln, absolut schmerz- und schweißfrei. Was nicht ganz fair ist, weil mir, selbst ohne allzu große Bewegung (in meinem Alter wippt man nur noch dezent mit dem Fuß im Takt mit und zuckt leicht mit dem Kopf, wirkt cooler), das Wasser auf der Stirn stand.

Was das musikalisch genau war, weiß ich nicht so recht. Im Internet liest sich das so:

„Musikalisch und ästhetisch sind Katzenjammer von unterschiedlichen Stilrichtungen inspiriert und präsentieren in ihrem Repertoire eine bunte Mischung, die „nach Montmarte in Paris, nach russischem Zirkus, Zigeuner-Jahrmärkten und düster-verrauchten Whiskey-Bars in Oslo“ klingen. Neben Anklängen an den Stil von Bands wie B52’s fließen in anderen Stücken Elemente von Jazz, Rock, Balkan-Musik, Folk, Country und Chanson. Die erste Single A bar in Amsterdam wurde als „Mariachi-Polka mit hysterischem Trompetenthema“ beschrieben. Ihre kraftvollen und energiegeladenen Performances auf der Bühne veranlassen manche Kritiker zu Vergleichen mit Gogol Bordello, Dixie Chicks oder Leningrad Cowboys.

Eine Besonderheit von Katzenjammer ist, dass jedes Bandmitglied mehrere Instrumente beherrscht, die während Liveauftritten bei fast jedem Lied gewechselt werden. Zu den verwendeten Instrumenten gehören Bass-Balalaika, Akkordeon, Mandoline, Klavier, Schlagzeug, Geige, Mundharmonika, Banjo, Trompete, Glockenspiel und auch improvisierte Instrumente wie Blecheimer.“

Auch nicht schlecht. Auf jeden Fall sind sie mit Spaß dabei. Und hinterher verkaufen sie ihre CDs noch selbst an einem kleinen Tisch. Das hat etwas fast Rührendes Ich als Laie sage: Hingehen, wenn sich die Gelegenheit bietet. Tut sie, noch zweimal in Bayern. Zum Beispiel am 28. Oktober in Würzburg. Oder am 31. in Augsburg. Nur leider nicht in Nürnberg. Schwerer Fehler.

Sollte sich nicht wiederholen. Und deshalb rufe ich Katzenjammer zu: Ei jenter, neste gang deres kommer til Nürnberg, men, ok?