Ein DJ für’s Klo. Was will frau mehr?

Ich weiß, ich weiß: Es klingt schnell nach Neid, nach Missgunst und verletztem Stolz, nur weil ich einmal nicht rein gekommen bin, oder, schlimmer noch, weil mir mein Schwager helfen musste an der härtesten Tür Münchens. Liegt zwar schon ein paar Jahre zurück. Aber es gibt Dinge, die verschmerzt einer wie ich nicht so leicht.

Die härteste Tür Münchens also, die vor der Nobel-Edel-Super-Diskotheken-Bar-Lounge P1wird sich demnächst für einige Zeit schließen. Nicht nur für mich, für mich hat sie sich ohnehin nur ein einziges Mal geöffnet, sondern für alle. Weil drinnen alles neu werden soll. Statt zwei Räumen nur noch einer, statt zwei Tanzflächen dann nur noch eine. Wusste ich gar nicht, dass da zwei Räume waren. Und zwei Tanzflächen.

Nun, das ist an sich nicht epochal. Spektakulärer ist da schon die Idee, dass so genannte Private Rooms kommen sollen. Was früher mal ein eher anrüchiges Séparée in eher einschlägigen Läden war, peppt heute die Disko auf. Wer will, kann sich einen eigenen Diskjockey holen, weithin DJ genannt. Und, falls das Ego eher klein geraten ist, auch einen eigenen Türsteher. Damit quasi die härteste Tür nicht mehr die härteste Tür am Eingang ist. Sondern die allerhärteste Tür am Private Room.

Wow. Noch mehr wow aber sollen die Klos werden, jedenfalls die für die Mädels. „Die außergewöhnlichsten Restrooms der Welt“ verspricht das Management. Wer in Wolfratshausen im neuen Lokal neben der alten Loisachhalle mal ins gutbürgerlich-biedere Lokal geht und dort auf die Toilette, der bekommt einen Vorgeschmack. Bewegungsmelder, die den Durchgang öffnen. Sanfter Regen statt Wasserhahn am Waschbecken. Klotüren aus durchsichtigem Glas. Echt. Die werden aber trübe, wenn der Riegel ins Schloss schnappt. ist trotzdem ein seltsames Gefühl.

Die vom P1 toppen das noch, locker. Mit einem DJ, einem Diskjockey. Eigens für die Damentoilette wollen sie einen anstellen. Was für ein Job. Aber denen im P1 ist eh wenig fremd. Die haben für die Reichen von München mal eine Pennerparty veranstaltet. Und bei einem anderen Fest einen Studenten wie Jesus ans Kreuz gehängt, als Dekoration. Da ist der DJ auf dem Klo nur die logische Konsequenz.

Er wird sein Geld wert sein. Denn Geld, das wussten schon die alten Römer, stinkt nicht. Dachte sich auch die Stadt München. 69 öffentliche Toiletten gehören ihr. Die will sie loswerden, als geldwerte, wenn auch leicht anrüchige Investition. Seltsam findet die Stadt nur, dass es an Interessenten mangelt. Jedenfalls an solchen, die tief genug in die Tasche greifen.

Wahrscheinlich fehlt der Stadt nur ein wenig Fantasie. So ein Klo lässt sich doch aufpeppen. Mit feschen Türen oder DJs à la P1. Wir hätten da noch ein paar Ideen. Ein Zeitungsvorleser zum Beispiel wäre eine nette Idee, ideal für alle, die im leicht schummrigen Licht nicht mehr so reichtig mit der Lektüre zurande kommen. Oder einer, der einem das Handtuch am Waschbecken reicht. Dazu vielleicht ein Kaffee und ein kleiner Imbiss? Wäre auch ein super Gedanke für die Toiletten in diversen Firmen. Dann endlich bekäme dieses leidige „Mahlzeit“ einen Sinn, mit dem sich Kollegen, bevorzugt männliche, am Örtchen begrüßen. Also, München, auf zu neuen Ufern!