„Meine Name ist Schmid, ich bin Fraktionsvorsitzender“

Georg Schmid

Georg Schmid

Es liegt noch nicht allzu lange zurück, da standen Filme über den Vietnamkrieg hoch im Kurs. Dauernd produzierte Hollywood diese Streifen und zeigte heroische US-Soldaten, die den fiesen Vietkongs in die Hände gefallen waren, in Bambuskäfigen hockten und übelste Foltereien über sich ergehen lassen mussten. Und all diese tapferen Soldaten redeten nicht, verrieten niemanden und wiederholten immer wieder nur den einen Satz: „Mein Name ist Sergeant Pain von der soundsovielten Kompanie.“ Es war ihr Mantra, ihre Überlebensstrategie, die das Hirn blockierte und den Vietkong fernhielt. Jedenfalls vom Innersten der Seele und des Wissens.

Georg Schmid muss diese Filme gesehen haben. Schmid ist Chef der CSU-Landtagsfraktion und mit einiger Regelmäßigkeit lädt er die Münchner Landtagspresse zum Stammtisch. Bei diesen Gelegenheiten redet er gern offen vor sich hin und sich selbst gern um Kopf und Kragen, schwadroniert mal über Kindererziehung, mal über die unerträgliche Gewalt im Tatort.

Nun sind wir Journalisten nicht die Unmenschen, als die uns manche sehen. Wir haben Regeln aufgestellt, die anderen helfen sollen. Etwa jene, dass Dinge unter eins gesagt werden können und mit Namen zitierfähig sind, unter zwei (die berühmten „informierten Kreise“) oder unter drei. Dann wird über ds gesagt geschwiegen, auch wenn es nicht immer leicht fällt.

Heute Vormittag also saß Georg Schmid vor der Münchner Presse. Was er zum Beinahe-Rauswurf von

Christine Haderthauer

Christine Haderthauer

Sozialministerin Christine Haderthauer sage und dazu, dass sie Franz Josef Strauß nicht einmal ansatzweise kritisieren dürfe. Unter drei, sagt Schmid, sage er dazu Folgendes: „Franz Josef Strauß war und ist für uns alle ein Vorbild. Er hat Zeichen gesetzt, die bis heute fortwirken. Für die gute, prosperierende Entwicklung Bayerns war er unersätzlich.“

Gut, er hätte das auch offen sagen können. Warum die Welt das nicht erfahren soll, dass Schmid den einstigen CSU-Chef und Ministerpräsidenten für einen tollen Mann hält, erschließt sich nicht sofort. Er hat den Passus dann später auf Nachfragen auch freigegeben. Und alles Weitere unter drei gesetzt.

Doch das weitere unterschied sich nicht vom ersteren. Egal, welche Frage auch kam, Schmid antwortete mit dem immer gleichen Satz. Hätte ihm jemand einen Euro für jedes Mal gezahlt, wenn er das Wort Vorbild in den Mund nahm, Schmid wäre jetzt gewiss ein reicher Mann. Er wirkte, als säße er nicht ein paar Journalisten gegenüber, sondern dem Vietkong. Fehlte nur noch, dass er jede Frage mit einem „Mein Name ist Schmid, ich bin Fraktionsvorsitzender“ beantwortet hätte.

Das ist schlecht für Haderthauer. Sie kann sich zwar damit trösten, dass sie offen ausgesprochen hat, was etliche ihrer niederen, höheren und höchsten Parteifreunde denken. Doch denken und reden sind  zweierlei Dinge, gerade in der CSU. Das immerhin hat Georg Schmid mittlerweile verstanden. Haderthauer lernt es gerade. Und wir lernen, dass die CSU auch 21 Jahre nach dem Tod von FJS den rechten Umgang mit diesem kantigen Menschen noch nicht gelernt hat.