Warum Adelheid besser geschwiegen hätte

Ach ja, die Sozis. Wenn es sie nicht schon gäbe, es müsste sie jemand erfinden. Wunderbar, wie sie sich mal wieder selbst zerlegen in  München.

Da hat doch tatsächlich Adelheid Rupp ausgesprochen, was etliche ihrer Genossen denken: dass nämlich, wenn sich die SPD in einem Jahr oder so neu aufstellen wolle für die Wahlen, über alle Posten geredet werden müsse. Namen hat sie nicht genannt, aber auch so wusste jeder, wen sie meint: Franz Maget, glückloser Wahlkämpfer, der die SPD von Rekord-Niederlage zu Rekord-Niederlage geführt hat, keine Lust mehr verspürt auf einen neuen Anlauf und deshalb die Bahn freimachen wird für den nächsten glücklosen Genossen. So sich denn einer findet. Aber das wird schon.

So weit so schlecht. Dafür haben sie Adelheid Rupp kräftig gescholten, stundenlang, und, man stelle sich das vor, tatsächlich überlegt, ob man sie nicht gleich ganz aus der Fraktion werfen solle. Welch ein Luxus: 39 Abgeordnete hat die SPD noch, 39 von 187. Und trotzdem wollen sie Rupp feuern, einer solchen Sache wegen.

Dabei ist es ja nicht so, dass die liebe Adelheid als Erste auf den Gedanken gekommen wäre. Wer mit den Landtags-Genossen redet (und mal ehrlich: Viele sind es nicht mehr, man ist schnell durch mit ihnen), der hört oft, dass das mit dem Franz ja ganz nett sei und wie sehr der sich aufgeopfert habe für seine Partei. Aber irgendwie habe der sich verändert durch die Niederlagen und eigentlich sei es ja an der Zeit, aber der Franz, der wolle nicht, und wer solle es ihm nur sagen, dass er mal besser gehen sollte? Und wenn es ihm dann jemand sagt, ist der Aufschrei groß.

Jetzt haben sie Adelheid Rupp also abgestraft und ihr zwei Posten genommen, darunter ausgerechnet den in der Landesbank-Kommission. Den bekommt die Kulmbacher Ex-Oberbürgermeisterin Inge Aures, die sehr fränkelt (ein angenehmer Klang), aber von der Landesbank leider irgendwie so überhaupt keine Ahnung hat, gern Dinge behauptet und sie auf Nachfrage wieder zurücknehmen muss. Rupp wäre das nicht passiert. Sie hat sich tief in die Materie eingearbeitet, sie kennt sich aus, sie weiß Bescheid. Nur schweigt sie eben nicht.

So sind sie, die Genossen. Haben kaum noch Abgeordnete im Landtag und noch weniger Talente darunter. Aber selbst die wenigen Talente rasieren sie noch auf Bodenhöhe ab. Wenn schon Mittelmaß, dann wenigstens für alle. Kein Wunder, dass die CSU im Moment wieder etwas glücklicher aus der Wäsche schaut. Mit so einer Opposition ist recht gut leben.

Es sei, sagt Franz Maget, keine Strafaktion gegen Rupp gewesen. Ja was, um Himmels Willen, war es dann? Wenn ich mir etwas wünschen dürfte, dann das: Nennt die Dinge beim Namen. So blöd ist das Volk nun auch wieder nicht, dass es den Braten nicht riecht.

Die Sozis jedenfalls sind zufrieden mit sich selbst. Und wenn sie schon inhaltlich nicht mehr auf er Höhe sind, technisch sind sie es: Das Urteil der Fraktion gegen Adelheid Rupp war kaum verkündet, da hatte die Geschäftsstelle schon die Fraktionsinternetseite auf den neuesten Stand gebracht und die Pöstchen bei Rupp gestrichen. Wenn sie doch nur überall so schnell wären.

Ein Turm, kein Tor

Ich finde das schrecklich. Immer wieder erwische ich mich dabei, dass ich zwar wachen Auges durch die Welt gehe, wie es sich für einen Journalisten gehört. Nur meldet mir das Auge nicht alle wesentlichen Dinge weiter. Und dann stelle ich plötzlich fest, dass da seit Jahren etwas ist, etwas Seltsames, Ungewöhnliches, Berichtenswertes. Nur ich habe wieder nichts mitbekommen.

Der Rindermarkt in München zum Beispiel. Der liegt in der Innenstadt, gleich hinter der Fußgängerzone. X-Mal war ich schon dort, in letzter Zeit sogar noch öfter, weil die FDP dort residiert. Und seit einigen Monaten müssen wir sie ja ernst nehmen und zu ihr hin.

Aber um die FDP soll es jetzt gar nicht gehen, sondern um den Löwenturm. Der wirkt ein wenig fremd in seinem Viertel, ein historischer Bau aus Backstein, umgeben von allerlei moderner, mal mehr, meist weniger gelungener Architektur. Gesehen habe ich ihn oft, wie er da so steht am Rindermarkt. Aber er blieb immer am Rande meiner Wahrnehmung, zwar existent, und trotzdem fern.

Blöd eigentlich. Denn der Turm ist etwas ganz Besonderes mit seinen 500 Jahren, seinen 23 Metern Höhe, seinen 16 Fenstern, und seiner fehlenden Tür (http://mpics.teamone.de/cgi-bin/index.cgi?sort=1&menu=loewtow). Nirgends geht es in den Turm hinein, das habe ich gelesen. Selbst eine Treppe soll es drinnen nicht geben. Nicht einmal den ursprünglichen Zweck des Turms wissen die Wissenschaftler ganz genau. Vielleicht Bestandteil des einstigen Stadtwalls sei er gewesen, glauben die Münchner. Eher schon Wasserturm für eine frühere Gartenanlage, sagen die Forscher. Und ich latsche achtlos an so was vorbei. Was für eine Schande.

Er hätte wohl eine Geschichte zu erzählen, der Löwenturm. Ich müsste nur hinhören, wenn schon die Augen nicht wollen. Wenn ich wieder einmal bei der FDP bin, werde ich das tun, nicht auf Leutheusser und Co. lauschen, sondern auf den Turm ganz in der Nähe. Vermutlich ist das eh interessanter, was er weiß.

Und mit meinen Augen rede ich auch demnächst ein ernstes Wörtchen. So kann das jedenfalls nicht weitergehen.

Von Migranten und zugeschleiften Schuhen

Gott, es gibt schon schreckliche Wortungetüme: „Jugendlicher mit Migrationshintergrund“ sagt unser Schulminister. Das mag ja politisch überaus korrekt sein. Aber der Begriff selbst klingt einfach grauenhaft, soll nicht diskriminieren, tut es aber gerade durch dieses krampfhafte Vermeiden. Und wirklich aussagekräftig ist der auch erst, wenn ich ihn im Mund wie ein Stück heiße Kartoffel ein paar Mal hin und her gedreht und mir dabei meinen Teil gedacht habe.

Alles nicht so einfach. Was, zum Beispiel, soll ich meiner Tochter antworten, wenn sie fragt, wie man einen Dunkelhäutigen richtig nennt. Afroamerikaner? Farbiger? Obama? Was ist zurzeit die korrekte, die politisch akzeptierte Formulierung? Und soll ich ihr jetzt beibringen, dass sie alles sauber durchgendert und nicht mehr nur von Klassenkameraden erzählt, sondern von Klassenkameraden und Klassenkameradinnen? Allein, was damit an Erzählzeit verloren geht – schrecklich.

Kinder zwingen einen manchmal dazu, dass wir über Dinge nachdenken, die wir als allzu selbstverständlich hinnehmen. Wir sollten gelegentlich einfach auf sie hören. Meine schnüren sich die Schuhe nicht einfach, sie „schleifen sie zu“. Ein wunderbares Wort. So simpel kann man es auf den Punkt bringen.

Solidarität mit den Taxlern dieser Stadt!

Uhhh, die Taxifahrer streiken in München. Das ist mal eine hammerharte Nachricht. Da werden die Münchner Massen aber zittern. Okay, sie streiken nicht im ganzen Stadtgebiet, sondern nur draußen am Flughafen. Und auch nur von morgens um zwei bis mittags um elf. Für die Allgemeinheit ist das jetzt wenig schmerzhaft, für die Geschäftsreisenden schon eher, weil sie die hundert Euro für eine Stadtfahrt hin und zurück auf die Spesenrechnung setzen könnten, wenn denn ein Taxi da wäre. Ist es aber nicht.

Es wäre fast eine Reise wert. Raus an den Flughafen, runter zur S-Bahn. Und dann zusehen, wie die Damen und Herren in ihren Bussiness-Klamotten mit den edlen Lederköfferchen vor den MVG-Automaten stehen und rätseln, wie viele Zonen das jetzt sein werden, wo das Geld reinkommt und wo die Karte raus, was eine Single-, was eine Tages-, was eine 24-Stunden-Karte ist. Und ob sie besser mit der S-Bahnlinie 1 oder doch mit der 8 fahren sollen. Das Leben kann kompliziert sein, auch und gerade für Manager in den heutigen Zeiten.

Die Taxler jedenfalls streiken, weil die Standgebühren für den Flughafen so teuer geworden sind. 243,95 Euro im Jahr müssen sie hinblättern. Plus einen Euro für jede Fahrt. Wusste ich gar nicht, dass sie zahlen müssen. Der Hauptbahnhof ist so gesehen geradezu ein Schnäppchen. Kostet nur 120 Euro im Jahr. Aber am Hauptbahnhof steigen ja auch nur Greti und Pleti zu.

Für die Betreiber der Stellplätze lohnt sich das bei rund 3500 Münchner Taxis. Für deren Fahrer lohnt sich der Job eher nicht mehr. Der Sprit ist zwar im Moment vergleichsweise billig. Das liegt allerdings daran, dass wir uns an die hohen Beträge allmählich gewöhnt haben. Sozusagen gefühlt billig. Gefühlt teuer ist dafür die Taxifahrt, weil in München die Strecken einfach weiter sind als in Nürnberg. Das kann sich ewig ziehen, während das Taxameter munter durchklickt.

Also doch ab in die U- und in die S-Bahn. Wenn die fahren. Was in diesen Tagen nicht sicher ist. Schnee auf den Schienen, Frost in den Weichen, klemmende Türen, all das macht den Fahrplan zu einer echten Herausforderung.

Aber zurück zu den Taxlern. Die wollen, heißt es, zwar streiken, sind aber zu Ausnahmen bereit. Immer dann, wenn Messen in München sind, könnten sie eine Streikpause einlegen, sagen sie.  Ah ja. Wie nett von ihnen. Das kennt man aus anderen Branchen: Immer wenn Sonntagszuschläge anstehen oder Sonderverdienste, ist der Streik plötzlich vorbei. Seltsam. Aber mal ehrlich: Auch die Taxifahrer müssen schließlich leben, ihre Familien ernähren, ihr Studium finanzieren, den Wagen, den Sprit. Die Gebühren. Lustig ist das schon lange nicht mehr. Und romantisch auch nicht. Also: Ich bin jetzt solidarisch mit den Taxlern und steige nicht mehr am Flughafen ein. Habe ich zwar noch nie gemacht. Aber jetzt mach ich es mit Absicht nicht mehr. Jungs (und Mädels)!!! Ich bin bei Euch!!!!

Heißer Kaffee und alte Rituale

Überstanden. Vorbei. Zumindest der erste Teil. Die CSU und die Medien haben Kreuth hinter sich gebracht. Jetzt bin ich wieder in München und frage mich, was ich tun soll. Die Sonne strahlt, die Luft hat sich auf milde minus vier Grad erwärmt, es wäre eigentlich Zeit für einen Kaffee zum Beispiel im Annast am Odeonsplatz. Das gehört zu den wunderbaren Dingen in der Stadt: Wann immer es die Temperaturen zulassen, rücken die Cafehausbesitzer ein paar Tische und Stühle ins Freie.

Das Annast ist so ein Haus. Die Front geht genau nach Süden, der Sonne entgegen. Und dann reihen sie die Stühle davor auf, fein säuberlich ausgerichtet, alle nebeneinander, alle in die gleiche Richtung, zur Sonne hin. Dazu noch ein paar Decken. Ist wie Busfahren, nur schöner. Das ist Münchner Lebensart. Was für eine Versuchung, was für ein Traum: Die Sonne auf dem Bauch, den Kaffee in der Hand und vor mir ein frisches Croissant. . . Wunderbar!

Meine Lebensart ist es als pflichtbewusster Franke, dass ich jetzt gleich trotzdem etwas schreiben werde, drinnen und über die CSU. Über dieses Kreuther Ritual, das Belanglosigkeiten zu Riesenmeldungen hochtreibt, weil sich die Medien gegenseitig aufstacheln. Anders als der echte Kaffee im Annast ist der politische in Kreuth schon leicht abgestanden und wird auch durch wiederholtes Aufwärmen nicht besser. Aber so funktioniert Politik nunmal. Wer weiß, vielleicht wollen es die Wähler ja so haben. Ganz sicher bin ich mir da aber nicht. Aber – wer kann sich schon bei irgendetwas noch sicher sein in diesen verrückten Zeiten?

Arme Kerle

Es ist an der Zeit, eine Lanze für unsere Ordnungshüter zu brechen. Wann immer ich nach Wildbad Kreuth zur CSU komme, stehen sie da und kontrollieren. Muss wohl zu den Insignien der Macht gehören, dass die CSU sich rund um die Uhr in der Abgeschiedenheit dieses Tales bewachen lässt. Oder jedenfalls die Berliner Abordnung. Die Landtagsabgeordneten fühlen sich offensichtlich etwas weniger bedroht vom Wahlvolk und lassen sich nicht ganz so hermetisch abriegeln – oder wegsperren? Lassen sich die Berliner etwa wegsperren?

Na, wie auch immer. Jedenfalls ist es kalt in Kreuth, bitterkalt. Morgens um neun zeigt das Autothermometer stolze minus 18 Grad. Und trotzdem stehen die armen Kerle draußen, überprüfen die Ausweise, kontrollieren die Kennzeichen. Wenigstens dürfen sie danach zurück in ihren Bus, der mit ständig laufendem Motor, Energiekrise hin oder her, an der Zufahrt steht.

Jetzt gehe das schon, erzählt einer der Beamten. Nachts aber, da sei das echt unangenehm gewesen. Denn die armen Kerle müssen Streife laufen, immer rund um das alte Gemäuer des Wildbades, auch morgens um vier noch. Die Wimpern seien ihnen zugeeist und die Nasen. Unter minus 20 Grad war da das Quecksilber schon gefallen. Doch der Einsatzplan kennt keine Gnade.

Wer, um alles in der Welt, frage ich mich, will morgens um vier ein paar CSU-Bundestagsabgeordnete klauen? Haben die keine Haustür, die sich abschließen lässt? Was überhaupt bewachen die Polizisten mitten in der Nacht? 46 Politiker? Deren Autos? Die Pferde im Stall? Vielleicht denken die Damen und Herren der CSU ja mal darüber nach. was sie den einfachen Beamten zumuten. Denn anders als sie sind die nicht freiwillig hier. Und deshalb bibbere ich jetzt solidarisch ein paar Minuten mit den Ordnungshütern mit. Bis der Akku meines Noetbooks in der Kälte den Geist aufgibt. Oder ich. Oder wir beide. Mal sehen, wer verliert . . .

Und wieder pilgern wir los

Es ist schon verrückt. Da verkündet sogar die CSU, dass sie diesmal, (DIESMAL!!!, als ob es jemals anders gewesen wäre), in Kreuth ganz leise bleiben werde, weil sie irgendwie das Große und das Ganze und den Rest auch nicht gefährden wolle. Wegen der Steuern und dem Volk und den Menschen und so. Und trotzdem rennt alles hinauf ins Wildbad, was eine Kamera oder einen Stift samt Block tragen kann. Als ob wir aus den vergangenen Jahren nichts gelernt hätten.

Dabei haben diese ritualisierten Treffen vor allem eines gemeinsam: Viele machen viel Lärm um Nichts. Und alle berichten darüber in irgendwelchen Sondersendungen, die sich vornehmlich dadurch auszeichnen, dass frierende Reporter in der kalten Kreuther Nacht stehen, sinnlose Atemwölkchen in die Luft blubbern und über das reden, was nicht gesagt worden ist. Was sagen eigentlich die Krankenkassen dazu? Besser nicht nachfragen…

Das ist so ein heimlicher Traum: Irgendeiner sagt, wir gehen da nicht mehr hin, und alle hören drauf. Dann, endlich, könnten die Parteien mal ernsthaft in Klausur gehen und darüber nachdenken, was sie wirklich wollen. Und die Medien könnten sich den Dingen zuwenden, die die Menschen auch noch beschäftigen.

Na, wenigstens passt das Wetter. Wenn die CSU im Moment schon sonst recht wenig im Griff hat – das funktioniert so sicher wie immer: Kaum kommt der Tegernsee ins Blickfeld, reißt die Nebeldecke auf und der Schnee glitzert in der Sonne. Rein touristisch ein echter Traum…