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Beifall für die Kellnerin
Die Kellnerin mag sich noch so abschleppen: Kommt der Schweinebraten zu spät, sind die Gäste sauer.
Es ist der Klassiker. Sitzen im Wirtshaus. Mit knurrendem Magen. Warten auf das Essen. Alle anderen haben schon. Nur auf dem eigenen Tisch steht noch nichts. Mist. Ärgern.
Die Bedienung, schon klar, kann nichts dafür, wenn die Küche nicht nachkommt. Sie kann bloß sagen: „Tut mir Leid, wir sind heute sehr voll. Ihre Bestellung kann eine dreiviertel Stunde dauern.“
Das hat meine Lieblingskellnerin auch gemacht, in einem Lokal auf dem Land, eine halbe Stunde vom Reihenmittelhaus entfernt – genau so heimelig wie das in Bad Windsheim. Das Paar, es war aus Fürth, blieb dennoch. Das erste Bier stand auf dem Tisch. Es wurde eine interessante Szene in meinem Leben als Mann.
Denn die Situation eskalierte.
Nach einer halben Stunde fragte der Herrr: „Wo bleibt denn mein Schweinebraten?“
Meine Lieblingskellnerin, sehr höflich: „Ich habe Ihnen doch gesagt, wir sind heute sehr voll. Bitte gedulden Sie sich noch eine Viertelstunde.
Es nutzte nichts.
„Alle anderen haben schon“, motzte der Gast, mit leicht erhobener Stimme. „Wir haben vorher bestellt.“
Meine Lieblingskellnerin, nur noch höflich: „Diese Gerichte gehen schneller. Bitte haben Sie Verständnis.“
Der Gast, etwas lauter: „Müssen Sie das Schwein noch schlachten?“
Meine Lieblingskellnerin, jetzt nachdrücklich: „Nein, die Klöße waren aus.“
Der Gast, so laut, dass die anderen Gäste die Unterhaltung mühelos verfolgen können: „Ich möchte den Chef sprechen.“
Meine Lieblingskellnerin, schlagfertig: „Der hat keine Zeit, und ich bin der Vize-Chef.“
Der Gast, sehr laut und völlig verärgert: „Mit einer Kellnerin diskutiere ich nicht.“
Meine Lieblingskellnerin, scheinheilig freundlich: „Dort ist die Tür. Ich bringe Sie gerne hin. Die Getränke gehen auf das Haus.“
Die anderen Gäste, teilweise im Stehen: Klatschen.
Das Paar: Steht auf, er mit roten Kopf, sie peinlich berührt. Abgang.
Ich: Gratuliere meiner Lieblingskellnerin zu der gelungenen Vorstellung. Und bestelle mein zweites Bier. Denn mein Schweinebraten ist auch noch nicht da.