Geheimnisvolle Stöckelschuhe
Wir hatten es in diesem Blog zuletzt von unflätigen Herren, die im Umgang mit Frauen die Regeln der sexual correctness verletzt haben. Wenn stimmt, was gegen sie angeführt wird, dann sind sie eine Schande für das ganze, also für mein Geschlecht. Und sollen, so sie strafrechtlich gefehlt haben, hinter Gitter. Punkt.
Trotzdem die Frage: Wie es ist mit den Frauen? Können nur Männer so böse sein?
Jede Frau antwortet jetzt spontan „Ja“. Fast jede, Catherine Millet vermutlich nicht. Sie hat einen Bestseller geschrieben mit dem Titel „Das sexuelle Leben der Catherine M.“. Beim Durchblättern lässt sich der Eindruck gewinnen: Dagegen ist selbst Berlusconi ein kleiner Wicht. Das Buch nährt den Verdacht: Frauen sind nicht ohne. Sie verstecken es bloß besser. Weil sie nicht ständig protzen müssen.
Ich habe mich vor dem Reihenmittelhaus auf die Lauer gelegt und Frauen belauscht. Heimlich. Schwer war es nicht, denn einige waren in einem Alter, wo es mit dem Hören schwieriger wird. Dementsprechend laut haben sie erzählt.
Von Stöckelschuhen, mit denen sie Männer betörten. Von den richtigen Kleidungsstücken, besonders in Brusthöhe. Und wie schwer es ist, das Passende in der richtigen Größe zu kriegen. Es hörte sich an, wie ein kluger, raffinierter Schlachtplan. Männer wären zu so viel Raffinesse, glaube ich nach meinem Leben als solcher, nicht in der Lage. Viele lassen an ihren Körper bloß Schiesser-Feinripp, Wasser und Kernseife.
Und, was sagte dann eines meiner Beobachtungsobjekte, ausweislich eines Ringes verheiratet? „Eigentlich wird es Zeit für einen jüngeren Mann.“ Und sie überlegt, in welcher Disco er zu finden sei. „Fünfzig sollte er höchstens sein“, definierte sie das Anforderungsprofil. „Fünfzig?“, echote ihre Gesprächspartnerin, „fünfzig? Dann hast Du in fünf Jahren wieder einen Pflegefall.“ Danke, dachte ich bei mir, jetzt weiß ich endlich, was ihr von mir haltet.
„Aber da müsste ich flirten. Ich weiß gar nicht mehr, wie das geht“, warf eine Dritte ein. Plötzlich herrschte ratloses Schweigen. Ich hütete mich vor einem guten Tipp, denn ich wollte meine Beobachterposition nicht aufgeben. Plötzlich breitete sich schweigen aus, obwohl die Damen nachweislich noch in Hörweite standen. Ich gluckste leise in mich hinein. Das war die Rache für den Satz mit dem Pflegefall. Der war wirklich gemein.
In dieser Frauengruppe war das Schweigen eher selten. So kam eine wieder auf die Stöckelschuhe zurück. Sie sollten wohl das Flirten ersetzen. Eine hatte einen guten Tipp.
Bei einem Treffen im Restaurant zog sie immer ihre gewagtesten High Heels an. Weil sie in denen so schlecht laufen konnte, tat sie das erst kurz vor dem Eingang. Die bequemen Halbschuhe versteckte sie unter einem Blumenkübel.
Es kam, wie es kommen musste: Eines Nachts waren sie spurlos verschwunden. Und die Arme musste den ganzen, weiten Weg zum Parkplatz zurück stöckeln. Vermutlich hat sich der Mann an ihrer Seite gewundert, warum sie sich gar so intensiv einhängt. Und sich über den weiteren Verlauf der Nacht ziemlich Illusionen gemacht.
Seither bin ich am Überlegen, ob ich Frauen nicht doch ein wenig überschätze. Falls ich zu einem Ergebnis komme, lasse ich es hier wissen.

Wenn es stimmt, was sie getan haben, dann sind sie eine Schande für sich denn Sippenhaft ist generell abzulehnen, egal ob ethnisch, gendergemäß, religiös oder was auch immer.
“Trotzdem die Frage: Wie es ist mit den Frauen? Können nur Männer so böse sein?”
Tipp, lesen Sie mal ein gutes Buch über KZ-Aufseherinnen und NS-Gruppies.
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