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Angst vor Frauen
Die Frauen haben mir ziemlich schnell gezeigt, was eine Harke ist – in meinem Leben als junger Mann. Sie besorgten sich lila Latzhosen, zogen sich die unförmigen Dinger über und rotteten sich zusammen. Das nannten sie Frauengruppen, mit denen sie die Diktatur des Patriarchats beenden wollten. Also mich in meiner Existenz attackierten.
Es war ein Schock – und hat gewirkt. Bis heute. Ich traue mich nicht einmal mehr etwas Negatives über Frauen sagen, wenn ich unter meinesgleichen bin. Neulich zum Beispiel. Ich hatte das Reihenmittelhaus verlassen, um eine Zeitung zu besorgen. Im Geschäft stand hinter der Theke ein junger Mann mit Migrationshintergrund – aus der Levanthe, wo es bis zur Zusammenrottung von lila Latzhosen noch eine Weile dauert dürfte.
Er hielt ein Handy in der Hand, schwieg und guckte derart fassungslos, wie ich es lange nicht mehr gesehen hatte. Offensichtlich froh, dass er mir Geld abnehmen musste, beendete er das Gespräch. Und sagte mir statt einer Begrüßung: „Frauen sind definitiv ein doofes Volk.“
Ich war sprachlos. Und das kommt selten vor. Ich guckte mich um. Niemand in der Nähe. Schon gar keine Frau. „Defintiv ein doofes Volk“, wiederholte er. Ich war erschüttert: Es war politisch unkorrekt. Das sagt Mann nicht mehr. Er denkt es nicht einmal. Außerdem: Väter von Töchtern wissen einfach, dass das grober Unfug ist.
Ehe er es noch einmal wiederholen konnte, fragte ich ihn einfach: „Wieso?“ Und er erzählte die Geschichte. Von der Freundin seines Freundes, die nicht schweigen konnte. Und irgendwann einmal erzählt hatte, dass sie ihm zum Geburtstag einen Flachbildfernseher schenken wollte. Das hatte sich der Typ gut gemerkt, und kurz vor seinem Ehrentag sicherheitshalber Frage: „Ich bekomme doch so ein Gerät?“
Es lagerte zwar schon im Keller, aber das Mädchen war tief erschüttert. Sie dachte, der Typ kann ihre Gedanken lesen. Das mögen Frauen nicht. Erst im Telefonat wurde ihr klar, dass sie sich verbabbelt hatte. Kann passieren. Fassungslos war sie trotzdem.
Der Typ aus dem Zeitungsladen lachte wieder lauthals, und ich konnte sehen, wie es in ihm gärte. Er wollte den Satz wiederholen. Ich musste es verhindern. „Sehen Sie“, sagte ich in den Heiterkeitsausbruch hinein, „sehen Sie, da wollen Frauen immer, dass wir ihnen zuhören. Dann macht es einmal einer – und das kommt heraus.“ Er lachte noch mehr, und ich tat es jetzt auch.
Der unsägliche Spruch war verhindert, die Situation gerettet und ich kriegte endlich meine Zeitung. Als ich nach draußen ging, guckte ich mich vorsichtig um. Nirgends ein lila belatzhostes Schreckgespenst. Zum Glück. Es reicht völlig, wenn es in meinem Kopf herumspukt.