Andere Frauen? Geht gar nicht!
Gegen genetische Programmierungen lässt sich nichts machen. Fast nichts, jedenfalls. Hunger verlangt Essen, Durst trinken. Das ist, einerseits, harmlos. Doch, andererseits, wurde ich für mein Leben als Mann noch mit anderen Eigenschaften ausgestattet. Ich gestehe: Gelegentlich gucke ich nach anderen Frauen. Ich fand nichts dabei.
Bis, ja bis ich einmal zu meiner Frau unterwegs gesagt habe: „Der Minirock steht dem Mädchen aber gar nicht.” Es folgte ein intensives, längeres Gespräch. Nicht etwa über den schlechten Geschmack der jungen Dame. Sondern über mein Verhalten. Es war einer der Momente, in denen ich einfach schweige. Und warte. Bis sich der Pulverdampf verzogen hat.
Ich habe gelernt: Ich soll nicht gucken. Aber die Gene sind dagegen. Manchmal jedenfalls. Im Sommer hilft eine Sonnenbrille. Aber im Winter? Es ist ein einsamer, verzweifelter Kampf gegen mich selbst. Dabei: Ich suche keine andere Frau. Aber bei meiner eigenen spielt sich wahrscheinlich ein genetischer Gegenentwurf ab. Gucken bedeutet Gefahr. Abgründe tun sich wahrscheinlich für sie auf. Die Evolution hat eine Sollbruchstelle geschaffen.
Nicht einmal eine Kollegin hat mir geglaubt. Das war, nachdem ich einem Freund die Gesundheit gerettet habe. Weil ich auf seine Beine schaute. Er hat gehinkt. Deshalb habe ich ihm zum Arzt geschickt. Es war ein Bandscheibenvorfall, der gerade noch gut behandelt werden konnte.
Leichtsinnigerweise habe ich ihr erzählt, dass ich gern anderen Menschen auf die Beine schaue. „Auch Frauen?“, hat sie hinterlistig gefragt. „Ja“, habe ich voll innerer Unschuld gesagt. „Soso“, antwortete sie. Und fügte an, dass sie so eine Ausrede noch nie gehört habe. Aber trotzdem durchschaue.
Man kann sagen: Ich bin ausreichend gewarnt. Trotzdem ist es letzten Sonntag wieder passiert. Meine Frauen und ich waren Joggen. Eine, nun ja, attraktive Frau lief uns entgegen. „Sieht gut aus“, rutschte es mir heraus. Und ich wusste im gleichen Moment: Das Wochenende kann ich vergessen. Jedenfalls, wenn mir jetzt nichts Überzeugendes einfällt.
Tat es zum Glück. Ich lächelte fein und sagte: „Ich meine nur den Laufstil.“ „Schon verstanden“, kam als Antwort. Sie hatte es mir abgenommen. Oder tat wenigstens so. Der Tag ging jedenfalls friedlich zu Ende.
2 Kommentare
Ich bin zum Glück mit einer Frau zusammen, die mich gucken lässt und selber guckt. Wenn es zu arg wird, dann teilt man das mit. Es ist ja nicht so, dass ich jedem Rock hinterher glotz und dabei deftige Sprüche ablasse.
Wer nicht damit klar kommt, dass sein Partner andere Menschen attraktiv findet, der hat ein großes Problem mit dem Selbstbewusstsein oder darüber hinaus auch mit Ansprüchen, Besitz, Kommunikation.
Ich plädiere hier nicht für eine offene Beziehung und ein Blick auf die Brüste einer Frau hat nichts mit Fremdgehen zu tun. Manchmal denke ich mir “Warum hat meine Frau nicht solche Brüste? Mei. Sind die geil ” … aber dann fällt mir ihr wirklich traumhafter Hintern ein …
Ganz im ernst, Schuldgefühle bezüglich der eigenen Sexualität (ein Grundbedürfnis wie Essen und nicht etwa Luxus, den man sich gönnt) haben in einer Beziehung nichts zu suchen.

“Ich bin zwar verheiratet aber nicht blind” sagte mal ein Kollege zu mir als wir auch über einen Ferrari auf zwei Beinen schwärmten und ich sag mir immer “Apetit holen darf man sich, aber gegessen wird zu Hause”. Was ist jetzt aber wenn zu Hause nur Tiefkühlkost wartet??