Montag, August 4th, 2008 von Dieter Schwab

Freude auf dem Fahrrad

In meinem Leben als Mann hätte ich mir lässig ein zweites Reihenmittelhaus leisten können, wenn ich  nicht so viel Geld an Tankstellen ausgegeben hätte. Gefühlt sind es hunderttausend Euro. Oder mehr. Aber derzeit fahre ich richtig gern an den Abzock-Stationen vorbei. Ich gucke auf den Preis, grinse und trete einfach weiter. Denn auf dem Fahrrad brauche ich keinen Sprit. Mein Diesel steht einsam in der Garage. Ich bin nur im Sattel unterwegs, in die Arbeit, zum Einkaufen oder zum Baden.

 Alles ist Training, für die Sommertour von Berlin nach Rügen, 600 oder 800 Kilometer nur auf dem Fahrrad. Total abgasarm und klimafreundlich. Arme und Beine sind schon braun geworden, die Waden stramm. Der Wiegetritt bergauf nähert sich der Perfektion. Vier Kilo habe ich verloren, und weitere werden folgen. Neulich hat mir sogar eine Frau nachgeguckt, die 20 Jahre jünger war als ich. Mindestens. Das ist mir schon lange nicht mehr passiert. Die Leiden der ersten Touren sind vergessen.

Allerdings: Meine eigene Frau macht mir ein wenig Sorgen. Sie nimmt es nicht so ernst mit der Vorbereitung. Gelegentlich fährt sie mit. Aber nicht sehr schnell. Meine Psycho-Tricks wirken nicht richtig: Ich fahre ein paar Meter vor, um ihren Ehrgeiz anzustacheln. Sie bleibt einfach bei ihrem Tempo. Ich fahre die Steigung locker hinauf. Sie steigt ab und schiebt. Ich muss oben warten.

Dafür hat sie die Triathleten in Roth angefeuert, als sie sich auf dem Rad den Solarer Berg hochgequält haben. Und ist zu mir aufs Sofa gekommen, wenn ich die Tour de France geguckt habe. Einmal hat sie mir dabei ihre Beinmuskeln gezeigt und hat gesagt: „Schau, sie werden wieder stramm.“ Nein, nicht vom Zuschauen. Vom selbst fahren.

Ich hoffe, dass das stimmt. Bedenklich habe ich den Kopf gewiegt, und „Hm, hm“ gebrummt. „Naja“, hat sie gesagt, „naja, ich habe unterwegs einen gut trainierten, engagierten Edelhelfer.“ Jetzt habe ich nicht nur zweifelnd, sondern zugleich fragend geguckt. „Nämlich Dich“, legte sie nach. Man wächst mit der Größe seiner Aufgabe, ist mir durch den Kopf geschossen. Gesagt habe ich  deshalb nichts, sondern aufmunternd gelächelt. Vielleicht werde ich so nicht nur Edelhelfer, sondern doch noch guter Psychologe.


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