Fahrerflucht mit Rollator

Rollator

Und weg war er – der Mann mit dem Rollator!

Der Rentner ist heutzutage desöfteren auch nicht mehr das, was er früher einmal war – ein liebenswürdiger, nachsichtiger Mensch. Manche von ihnen, natürlich nicht alle, begehen sogar Straftaten; es sind immerhin so viele, dass es schon seniorengerechte Knäste gibt. Dass es die auch wirklich braucht, musste mein Sohn lernen in seinem Leben als Mann.

Die Geschichte, der er mit ins Reihenmittelhaus brachte, geht so: Er war mit seiner Freundin unterwegs und parkte sein Auto. Ein Rentner ging vorbei und beschädigte mit seinem Rollator den Kotflügel. Anstatt aber seine Personalien aufzusagen oder sich wenigstens zu entschuldigen machte er sich mit unerwartet hohem Tempo von dannen. Es handelte sich sozusagen um eine Fahrerflucht mit Rollator.

Leider Gottes blieb er verschwunden und mein Sohn fürchtete schon, dass er den Schaden selbst begleichen muss. Und: Lackreparaturen sind teuer.

Glücklicherweise wiegte sich der Übeltäter in falscher Sicherheit. Am Sonntag darauf wagte er sich wieder auf die Straße. Samt Rollator. Und lief den beiden in die Arme. „Da ist er“, rief die Freundin meines Sohnes, als sie ihn wiedererkannte.

Der rabiate Rentner wollte seinen Fehler korrigieren – und flüchtete wieder. Doch diesmal waren die beiden schlauer und verfolgten ihn bis ins Seniorenheim. Nachdem er dort verschwunden war, riefen sie die Polizei.

Zwei Beamte kamen und ermittelten. Durchaus mit Erfolg: Sie fanden den Mann. Sie stellten die Personalien fest. Und trotz hartnäckigem Leugnens überführten sie in der Tat. Die Beweise waren so überwältigend, dass sie den Rollator als Tatwerkzeug nicht beschlagnahmen mussten. Um eine Haftstrafe kommt der ältere Herr noch einmal herum, aber nicht um die Begleichung des Schadens.

Und, was lernen wir daraus? Manche Sprichwörter stimmen eben doch. Zum Beispiel: Alter schützt vor Torheit nicht.

Der Anfang vom Ende

Plötzlich steht meine Frau vor mir. Und dem Sofa, auf dem ich im Reihenmittelhaus liege. Sie hat einen energischen Zug um den Mund. „So geht das nicht“, sagt sie. „Das kann nicht das Ende sein.“

Ende? Welches Ende? Das unserer Ehe? Ich winde mich zum Fragezeichen. Mein Leben als Mann droht plötzlich aus den Fugen zu geraten. Vorsichtshalber schweige ich.  Sie scheint aber meine Gedanken zu erahnen.

Deshalb lächelt sie etwas. „Es geht um Deinen Blog“, sagt sie. „Du hast monatelang nichts mehr geschrieben. Das geht so nicht.“ Ich versuche eine Entgegnung: „Du brauchst den Blog doch gar nicht. Du weißt doch sowieso, was hier los ist!“

„Ich schon“, sagt sie. „Aber Deine Leser? Nix wissen die! Du hast Dich noch nicht einmal verabschiedet. Das geht gar nicht!“

Ich murmle etwas von Stress, zuviel Arbeit und dergleichen. „Es war einfach zuviel in den letzten Monaten. Ist auf fast nichts Lustiges passiert.“

„Ha“, sagt sie, „und was war mit der Fahrerflucht am Rollator? Ist das etwa nicht lustig gewesen?“ Schon, sehr, auch wenn unser Sohn darunter ein wenig hat leiden müssen.

„Also gut“, verspreche  ich ihr. „Ich mache weiter. Jedenfalls bis Weihnachten, und dann gibt es das große Finale“.

Mein Leben als Mann gibt es bis dahin wieder jeden ersten Montag im Monat. Beim nächsten Mal mit dem fahrerflüchtigen Senior am Rollator.

Drucker ohne Tinte

 
Drucker

Der Beweis: Alter Drucker, neue Patrone

Ich muss gestehen: Gelegentlich bin ich ein konservativer Mensch. Ich liebe es, wenn die Dinge so bleiben, wie sie sind. Einmal habe ich meiner Frau gesagt, dass ich darum gern bei ihr bleibe. Das war grundfalsch, musste ich lernen. Es folgte eine kleinere Krise in meinem Leben als Mann.

Aber es geht hier nicht um meine Frau. Sondern um meinen Drucker. Der ist schon etwas älter, tut aber brav seinen Dienst. So er denn Tinte hat. In einer Patrone. Und da liegt das Problem.

Es ist schon viele Jahre her, da ließ mich einer dieser Nerds im Elektronikmarkt wissen: Die stellt Canon nicht mehr her. Und wollte mir sofort ein neues Gerät andrehen. Ich habe ihn dann grußlos stehen lassen. So schnell trenne ich mich nicht.

Vor allem weiß ich: Tintenpatronen lassen sie wiederaufbreiten. Ich habe eine gute Quelle aufgetan. Firma in Großbritannien. Lieferung aus der Schweiz. So ganz habe ich das nicht geblickt. Aber es hat funktioniert. Und die Patronen auch.

Tja, dann ist die Quelle versiegt. Mein Drucker war bereit, aber ganz ohne Tinte. Aber: Es gibt Google. Und Ebay. Und die USA.

Ich gab BC 02 ein, die Bezeichnung der Patrone. Und, oh Wunder: Sie gibt es noch. Nagelneu. In den USA. Canon liefert sie offenbar nicht mehr nach Deutschland. Oder die Elektronikmärkte bieten sie nicht mehr an, um neue Drucker zu verkaufen. Oder beides. Offenbar geht so Kapitalismus. Aber nicht mit mir.

Also, ich habe sie bestellt. In Erlanger, Kentucky. Sie kostete nur ein Drittel so viel wie damals in der Bundesrepublik. Gut, die Transportkosten waren etwas höher. Aber fünf Tage später traf sie per Luftfracht im Reihenmittelhaus ein. Die CO2-Bilanz ist wahrscheinlich nicht so toll. Aber dafür habe ich der Umwelt Herstellung und Transport eines neuen Druckers erspart. Das müsste mal einer ausrechnen.

Ich kann das nicht. Aber ausrechnen, wie viel mich jetzt das Ganze gekostet hat: Ich schwöre, genau so viel wie damals vor Jahren eine neue Patrone im Elektronikmarkt. Amerika, Du hast es doch manchmal besser – jedenfalls, so lange es nicht ums Abhören geht.

Planung mit Frau

Frau an der Kasse

Da wird es schwierig - wenn eine Frau zur Suipermarkt-Kasse kommt...

Erfahrene Organisatoren wissen: Planung ist der Ersatz des Zufalls durch den Irrtum. Gut, das ist schon problematisch  genug. Aber alles und noch mehr kann  außer Kontrolle geraten, wenn Frauen im Spiel sind. Besonders Marita. Eine Tragikomödie aus meinem Leben als Mann  zeigt es.

Alte Freunde waren zu Besuch. Marita und Bob waren für ein Wochenende gekommen, und es sollte richtig schön werden. Spanischer Rotwein, irischer Whiskey, phänomenales Essen.

Marita, Bob und ich hatten eingekauft. Saftige, da gut abgehangene  Steaks, knackige Bio-Salate – was der Mensch halt so braucht. Der Wagen war ziemlich voll.

Wir standen also an der Kasse, und Bob machte einen Plan: „Dieter“, sagte er, „Dieter, Du packst die Sachen ein.“ Dann drehte er sich um: „Marita, Du bezahlst bitte.“ Er legte selbst legte die Ware aufs Band.

Das war eine klare Ansage. Also packte ich ein, zwei große Körbe voll.  Wir waren in Rekordzeit fertig. Indes, was uns fehlte, war Geld. Marita war verschwunden. Wir fanden sie dann, nur wenige Mintuen später, in der Drogerie-Abteilung. Die Schlange hinter uns, beim Einpacken noch hocherfreut, wurde merklich unruhig. Wir Männer guckten lieber niemanden mehr so genau an.

Wir brachten es schließlich noch fertig, dass Marita zahlte. Auch ein paar neue Cremes.

Bob ist eine Seele von einem Menschen, so bliebt der Fauxpas ohne große emotionale Folgen.

Er und ich standen dann im Reihenmittelhaus an der Küche. Bob kümmerte sich um die Steaks, ich machte die Salatsoße.  Am Esstisch war noch keiner, insbesondere unsere beiden Frauen nicht. „Ruf’ sie“, sagte er.

Ich tat es: „In zehn Minuten sind wir fertig.“ Sie hat sehr wohl verstanden und an Marita weiter, die noch im Bad ihre Creme ausprobierte. Also, die Frau im Reihenmittelhaus rief nach oben: „Marita, Du kannst Dir Zeit lassen, sie brauchen noch zehn Minuten.“

Es war so ziemlich das genaue Gegenteil von dem, was ich gemeint hatte. Ich wurde bleich, Bob aber grinste süffisant. So kannte ich ihn nicht. Ich riss mich vom Salat los und sah: Es war noch noch kein Steak in der Pfanne. „Ganz ruhig“, sagte Bob. Er briet sie dann und schon sie anschließend in den  Backofen. Nur 20 Minuten später waren sie fertig, dunkle Farbe, innen zartsosa.

Marita war mittlerweile auch aus dem Bad an den Esstisch gekommen. Sie wirkte leicht aufgelöst und seufzte: „Mein Gott, wie kurz doch zehn Minuten sein können.“ Bob lachte leise in sich hinein. Ich dann auch.

Das Drama des Bassisten

Steht überall am Rand: Der Mann am Bass

Steht überall am Rand: Der Mann am Bass

Es gibt Dinge, die gibt es nicht. Die sind kaum zu glauben. Vor allem, wenn sie passieren. Wie in meinem Leben als Mann.

Da verbrennt ein Ahnungsloser Tausende von D-Mark in einem alten Backofen. Und entdeckt sie erst, wenn alles zu spät ist. Oder da wird ein Teppich um ein paar Zehntausend Euro verhökert, der Millionen wert ist. Oder ein Kunstwerk landet auf dem Müll, weil der Vermieter einfach die Garage einfach ausräumt. Aber das ist alles nicht im Vergleich mit einem Bassisten.

Den braucht jedes Orchester und viele Bands. Aber, das ist sein Drama, seine persönliche Tragödie: Es liebt ihn keiner. Schon gar nicht so, dass er freiwillig ein Solo spielen dürfte. Kein Dirigent, kein Hornist, kein Geiger und schon gar kein Paukenschläger möchte es hören. Und, bei der  Gelegenheit, die meisten Zuschauer auch nicht. Es sei denn, sie sind mit dem Bassisten verheiratet. Oder anderweitig verwandt.

Es konnte also nur ein tiefgründiger Abend werden, als ein leibhaftiger Bassist ins Reihenmittelhaus kam. Zum Glück ohne Instrument. Denn er hätte nur ein Solo spielen können.

Das sagte ich nicht. Dafür stärkte meine Frau sein Selbstbewusstsein. Mit vielen aufmunternden Worten über die Bedeutung des Bassisten. Fürs Orchester, für die Musik und die Welt überhaupt. Der Herr Bassist guckte immer trauriger. Und schüttelte still den Kopf.

Wir schwiegen.

Dann erzählte er. Von einem Kollegen aus Großbritannien. Von seinem Leiden unter dem Ausbleiben eines Bass-Solos. Und dass er vor lauter Verzweiflung nach Afrika gereist sei.

Dort reiste er von Dorf zu Dorf. Bis er eins fand, wo viele Trommler um ein Feuer saßen. Und trommelten.

Sehr musikalisch, dachte er. Vielleicht eine Bleibe für micht. Und stellte sich dazu.

Sie trommelten. Und trommelten. Und trommelten.

Und trommelten.

Und trommelten.

Es wurde ihm unheimlich. Er fragte einen Mann, der neben ihm stand: „Warum trommeln sie so lange?

„Ach, wissen Sie“, sagte der in feinstem Oxford-Englisch: „Die wissen genau: Wenn sie jetzt aufhören, kommt das Bass-Solo.“

Unser Besuch trank zwei doppelte irische Wiskeys und eine halbe Flasche Rotwein. Dann wurde es doch noch ein ganz lustiger Abend.

Wenn die Liebe plötzlich weg ist

Mein Metzgereifachverkäufer ist einfach weg - und sein Laden zu.

Mein Metzgereifachverkäufer ist einfach weg - und sein Laden zu.

Er ist weg. Einfach nicht mehr da. Es ist eine dieser unheimlichen Tragödien in meinem Leben als Mann. Es war eine innige Beziehung über zwei Jahrzehnte, und ich liebte ihn. Oder besser: Sein Fleisch. Er war mein Metzgereifachverkäufer.

Er war der Mann, der mir beigebracht hat, was beim Kochen wirklich wichtig ist: das Einkaufen. Ich wusste das vorher nicht. Denn in meiner Kindheit stammte das Fleisch vom Bauernhof meiner Großeltern. Der Opa war Metzger. Er wusste, wie Tiere zu halten sind, damit sie gut schmecken.

Irgendwann habe ich mich selbst an den Herd gestellt. Die Großeltern lebten schon lange nicht mehr. Ich musste mein Fleisch also kaufen. Als Student. Also im Supermarkt. Konnte das schmcken? Nein. Tat es auch nicht.

Später konnte ich zum Metzger gehen. Meine Braten wurden besser. Meine Steaks auch. Sogar die Schnitzel. Da keimte in mir der Verdacht: Das Fleisch, es ist das Fleisch. Ich war zufrieden. Auch wenn es nicht ganz so gut schmeckte wie bei Oma. Die Erinnerung verklärt, dachte ich.

Dann kam er. Ich ging eigentlich nur in den Laden, weil er dort so alleine stand, am Anfang. Sein Fleisch kam von Tieren aus der Region. Artgerecht gehalten. Stressarm geschlachtet. Mein Essen wurde noch besser. So gut, dass ich mir die Frau fürs Reihenmittelhaus erkochen konnte.

Er war – vor allem ehrlich. „Dieses Roastbeef verkaufe ich Ihnen nicht“, hat er mehr als einmal gesagt. „Warum nicht?“, habe ich ihn gefragt. „Tut mir Leid“, antwortete er, „es ist noch nicht richtig abgehangen. Das wird nur zäh.“ Ich verstand.

Vielleicht rechnet es sich ja nicht, wenn ein Metzgereifachverkäufer Fleisch erst verkauft, wenn es richtig gut ist. Sein Laden in Stein ging allmählich nicht mehr richtig. Lange Straßensperrungen, wenig Parkplätze. Und dann Fehler, für die  der Chef im fernen Zirndorf verantwortlich war. Zu wenig Personal, lange Warteizeiten. Das mögen Käufer bei hohen Preisen nicht. Mein Metzgereifachverkäufer wusste das. Aber er schwieg, weil er nichts ändern konnte.

Jedenfalls: Eines Tages sagte er: „Wir schließen jetzt“ und gab mir zum Abschied die Hand. Ich war fassungslos. Ich konnte nicht begreifen, was da passiert ist. Langsam merke ich es: Das gute Fleisch fehlt wirklich. Ich muss weit finden, damit ich etwas vergleichbares finde. Aber: Meine Frau ist verwöhnt. Ich habe Angst, dass sie mir wegläuft. Ohne prima Essen.

Also: Wer einen guten Metzger kennt, so in Eibach, Röthenbach oder Stein – bitte melden. Ich suche dringend. Damit der Haussegen nicht in Schieflage gerät.

Glückliche Frauen

 

Schneller Helfer in allen Lebenlagen - sogar wenn eine Frau bange fragen hat: das Smartphone.

Ich schreibe es mit verhaltenem Stolz: Ich habe durchaus die eine oder andere Frau glücklich gemacht. Ganz besonders jene im Reihenmittelhaus, sogar bis heute. Aber ansonsten fällt mir das in meinem Leben als älterer Herr zunehmend schwerer. Neulich ist es mir wieder einmal gelungen.

Die Geschichte fängt bei meinen Kindern an: Sie lächelten bis vor wenigen Monaten mitleidig, wenn ich mein Uralt-Handy in die Hand nahm. Ich habe es lange und geduldig ertragen. Bis ich die Schnauze voll hatte. Ich bestellte mit das edelste und teuerste Teil, das auf dem Markt angeboten wurden.

Nun ist eines noch peinlicher als ein Retro-Gerät: Ein High-End-Teil besitzen und damit gerade mal telefonieren können. Diesen Triumph wollte ich niemanden gönnen. Also orderte ich stapelweise Ratgeber und eroberte mir partisan-mäßig Funktion um Funktion. Heute kann ich praktisch alles, und meine Kinder schauen jetzt nur noch neidvoll, wenn sie das sehen.

Neulich saß ich in der S-Bahn, als eine junge Frau sich neben mich setzte und fragte: „Wissen Sie, wie lange ich die Fahrt von Nürnberg nach Schwabach unterbrechen darf? Ich habe mich gerade etwas verplaudert?“ Ich wusste es nicht, sie wollte gerade neu stempeln. Ich hatte eine Idee, sagte „Moment!“ und zückte mein Edel-Handy. Eine Minute später wusste ich: „180 Minuten“. Sie guckte auf den Stempel und sank zufrieden in den Sitz. So lange hatte sie dann doch nicht geredet.

Ein Mann, noch deutlich älter als ich, hatte die Szene beobachtet. „Wo haben Sie denn da nachgeschaut?“, fragte er verblüfft. „Smartphone mit mobilem Internet“, antwortete ich so cool wie möglich. „So was“ sagte er und erzählte: „Ich habe mich gerade mit Freunden getroffen. Wir haben uns über die Einführung des Faxgerätes unterhalten, das war 1980. Das ist doch erst ein paar Jahre her!“

Die Frau neben mir, immer noch glücklich über das gesparte Geld, zuckte etwas. Dann sah sie mich an und sagte leise: „1980 war ich doch noch gar nicht auf der Welt“.

Wickelrock in der Sauna

So ist es richtig: Handtücher gehören in der Sauna auf die Bank - und sonst nirgendwo hin.

 

Also, ich gehe gelegentlich in die Sauna. Wieder. Weil ich meine Freiheit zurück habe, seit die Kinder aus dem Haus sind und der Hase tot ist. Es entspannt mich in meinem Leben als Mann.

Weil es nicht weit ist, fahre ich nur ein paar Ecken weiter vom Reihenmittelhaus ins städtische Hallenbad. Da treffen sich Männlein und Weiblein,  im Wesentlichen nackt. Das ist praktisch; denn Schwitzen ist Sinn der Sauna. In Klamotten wäre das ziemlich blöd.

Mann und Frau gucken sich natürlich trotz aller Blöße an; das muss schon sein, um sich nicht über den Haufen  zu laufen. Oder, um sich nicht auf das falsche Handtuch zu setzen.

Dabei zeigt sich: Männern macht Nacktheit im Allgemeinen nichts aus. Sie sind es halt, egal, ob mit Bauch oder ohne. Spiegel gibt es eh keine, also sehen sie keine Wölbung oder Schlabbermuskeln.

Ältere Frauen sind da ganz ähnlich, in ihrem Selbstbewusstsein irgendwie Männern sogar überlegen. Sie tragen ihre Falten souverän zur Schau, und das strahlt praktisch immer innere Schönheit aus. Ich habe mittlerweile eine ganze Reihen von Rentnerinnen, mit denen ich mich ausgesprochen gern unterhalten. Sobald sie, und das ist die Einschränkung, mir nicht ihre ganze Krankengeschichte erzählen. Oder mich vor den Gefahren des Elektrosmogs warnen wollen.

Bleiben noch die jüngeren Frauen, und da wird die Nacktheit gelegentlich zum Problem. Fast noch harmlos sind die, die stets ihr Handtuch um Brust und Po legen. Andere kommen gleich im Bikini oder gar im Badeanzug. Es sieht irgendwie nicht gut aus, so verschämt unter lauter entspannten Männern und gelassenen Rentnerinnen. Eigentlich wollte ich eine der Damen mal fragen, warum sie in eine gemischte Sauna geht, aber dann offenbar Angst hat, dass ihr etwas weggeschaut wird. Ich habe es dann aber gelassen. Wäre vielleicht doof angekommen.

Höhepunkt der Un-Nacktheit war eine junge Dame, vor Blicken geschützt durch einen Wickelrock. Ja, durch einen Wickelrock!

Der Stoff leistete, wofür er getragen wurde. Aber offenbar war er schon etwas älter und, sagen wir, brüchig. Denn gerade an den heiklen Stellen klafften Löcher. Ich bin sicher: Die Frau zog so viele Blicke auf sich, wie ihr das ohne Wickelrock nie gelungen wäre.

Reifen für Männer

Reifen sind Männersache - und damit leider nichts für Frauen

Es gibt wenig Orte in diesem Land, wo der Mann noch als Mann zählt. Viele haben Frauen bereits erobert, die Polizei, die Armee, sogar die Feuerwehr. Nur den Reifenhandel noch nicht. Da traut sich frau besser nicht hin, wenigstens nicht allein. Noch nicht einmal die, die mich in meinem Leben als Mann begleitet. Und – das ist auch besser so.

Der Beweis: Für ihr Auto waren neue Winterreifen fällig. Die kauft man besser im Frühling, da sind sie billiger. Ich habe also Tests studiert, Preise verglichen und schließlich den allerbesten Reifen zum allergünstigsten Preis gefunden. Einen, der sich den Weg durch den Schnee praktisch von alleine bahnt.

Wir sind dann zum Händler gefahren, und alles schien ganz einfach: Reifen runter, neuer Reifen rauf, Räder ins Auto, fertig. Wir hatten allerdings nicht mit dem Werkstattleiter gerechnet, der sich stirnrunzelnd hinter dem Computer aufbaute.Abwechselnd den Kfz.-Schein – ja, heißt jetzt Zulassungbescheinigung Teil II – studierte und Daten in sein Terminal eingab.

Schließlich sagte er sorgenvoll: „Diese Reifengröße ist für Ihr Auto nicht zugelassen.“ Ich konterte: „Der Wagen wurde vom Werk damit ausgeliefert.“ Er gab nicht auf: „Hier steht sie aber nicht.“

Ich überlegte, und er nutzte die Pause: Der Versicherungsschutz geht verloren bei einem Unfall mit den falschen Reifen. Oder, die Polizei legt das Auto gleich still, wenn sie bei einer Kontrolle etwas merkt. Reifen hat bei mir die Polizei noch nie überprüft, sondern immer nur meinen Alkoholpegel. Stillgelegt hätte sie gern mich, was aber bei null Promille rechtlich schwierig ist.

„Sie brauchen eine andere Größe“, sagte der Herr Werkstattleiter. „Was kosten die?“, fragte ich zurück. Er schaute wieder lange in seinen Bildschirm. Es waren 40 Euro mehr. Pro Stück.

Wir sind dann dankend wieder gegangen. Zum Glück gibt es Internet. Und eine Rufnummer in Wolfsburg, die solche Fragen beantwortet. Unsere Wunschgröße ist zugelassen, sagte der freundliche Mann im Servicecenter. Sie ist zugelassen, zeigte ein Reifenkonfigurator. Das ist die richtige, sagt sogar das Unternehmen des Herrn Werkstattleiters. Sie bietet nämlich Kompletträder für den Fahrzeugtyp meiner Frau an. Und, genau in der gleichen Größe.

Ich bin dann noch einmal hingefahren, und habe das alles erzählt. Er hat nicht mehr viel gesagt. Und als ich das mit den eigenen Kompletträdern erzählt habe, wollte er die Bestellnummer. Er hat sie eingegeben, anschließend ist er wirklich rot geworden.

Tja, meine Damen, zu irgendetwas sind Männer heutzutage immer noch gut. Und sei es für eine Ersparnis von 160 Euro beim Reifenkauf.

Hellas Angel auf Kreta

Besser als deutsche Kälte: Frühlingsgefühle in Griechenland

Ich habe es letzten Monat geschrieben: Wir Reihenmittelhäusler haben alles gegeben. An der Schneeschaufel. Und auch sonst in unseren Leben als Männer.

Wir haben zusätzlich Häuser isoliert. Fenster ausgeschäumt. Ganze Dächer ersetzt. Heizungen im Wert eines Kleinwagens installiert. Und eine Solarthermieanlage dazu. Nur um den Winter zu zeigen: Mit uns nicht!

Was macht der? Sieben Stunden Sonne im Februar. Ein paar Tage im März. Und dann kommt die Kälte zurück. Direkt aus der Arktis. Und mit Temperaturen wie in der Tiefkühltruhe. Das ist nicht fair. Nein, das ist wirklich nicht fair.

Mein lyrisch veranlagter Nachbar mit dem wallenden, grauen Bart hat mich neulich angeknurrt: „Etwas Besseres als die Kälte finden wir überall.“ Und gesagt, dass er jetzt in die Sauna geht. Damit ihm richtig heiß wird.

Der andere, ansonsten sportlich unterwegs, wagt sich gar nicht mehr vor die Tür. Einmal habe ich seine Frau getroffen. Ich habe gefragt. „Depressionen“, hat sie gemurmelt, „Winterdepressionen. Er wird damit nicht mehr fertig.“ Ich kann ihn verstehen. Aber aufgeben gilt nicht.

Der dritte wurde in seinem Garten gesichtet. Er hat das Erdreich lockern wollen. Obwohl es bis einen Meter gefroren war. Er hätte schon einen Pressluftbohrer gebraucht. Übersprunghandlung, nennen erfahrene Psychologen das. Man tut etwas, das keinen Sinn macht. Weil man glaubt, es macht Sinn. Aber das hilft nicht weiter.

Sauna, Depression, Garten – alles nichts für mich. Aber aufgeben zählt nicht.  Es muss eine Lösung geben. Eine bessere.

Denn wir Reihenmittelhäusler sind ja, ich muss es geschehen, nicht mehr so ganz jung. Trotz der knackigen Muskeln vom Schneeschaufeln. Und die maroden Knochen brauchen Wärme. Jetzt. Im Frühling.

Jetzt weiß ich es. Ich sitze das Problem aus. Im Internet gibt es billige Flüge nach Kreta. Jeder Grieche freut sich, wenn er mich sieht. Mit meinen Euros bin ich ein Hellas Angel. Einer, der dem Land über die Runden hilft. Wenigstens finanziell.

Ich bleibe dort. Und komme erst wieder, wenn es Frühling ist. Denn, eins ist sicher: Bis Kreta kommt der Winter nicht! Ätsch!