Sonntag, März 20th, 2011

Manifest

Schriftsteller ist, wer sich schreibend in der Welt hält.

Schreiben ist existentiell. Wie auch das dazu komplementäre Lesen.

Es geht – für Schriftsteller wie Leser – darum, eine Sprache zu finden. Für sich, die Welt, das Ungesagte, das ans Leben bindet.

Die Publikation ist sichtbarer Ausdruck von Autoreneitelkeit, Verlegerhoffnung und Leserhunger – ein Agieren aus der Bedürftigkeit heraus. Literatur ist immer auch Eingeständnis, bedürftig zu sein.

Goldene Literaturregel: Nicht alles, was auf den Tisch kommt, muss verspeist werden.

Nicht verdauen müssen, nicht verdaut werden: Das kann für beide Seiten, Leser wie Schriftsteller, ein Segen sein. Für den Verleger nicht unbedingt.

Der Markt kann in der Welt der Literatur nicht atmen – sein Wesen macht ihm den Zutritt unmöglich. Daher beschränkt er sich darauf, Überfahrten in die Literaturwelt zu organisieren, Fahrscheine zu verkaufen. An sich ist er überflüssig. Das Internet hätte die Kraft, ihm seine autoritäre Funktion zu nehmen. Wird es wohl aber nicht. Weil der Markt längst in die Menschen eingedrungen ist, sie in Besitz genommen hat. Auf diese Weise ist er doch noch in die Welt der Literatur gekommen.

Trotz allem wird der Wert eines Buchs nicht vom Markt bestimmt – er ist nicht (ver)handelbar.

Jedes Schreiben, jedes Lesen hat seinen eigenen Ausgangspunkt. Die Begegnung von Schriftsteller und Leser mittels Buch kann daher aus großer Nähe oder großer Entfernung stattfinden. Im schlechtesten Fall auch: gar nicht. Für dieses Scheitern ist niemand verantwortlich. Denn: Der Leser hat immer Recht – der Schriftsteller aber auch.