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In der Textarena
Sich aussetzen. Das tut ein Autor mit jeder Veröffentlichung. Mit jedem Text macht er sich zur Zielscheibe für Kritiker, die aus sicherer Position heraus den Cäsarendaumen heben oder senken. Wer schon einmal öffentlich kritisiert wurde, weiß, dass es einer gewissen Konstitution bedarf, damit umzugehen. Umso mutiger ist es, Texte in die Öffentlichkeit zu halten, die noch im Werden sind. Genau das tun die Autoren, die sich in der „Textarena“ präsentieren. Sie bringen aus ihrer Schreibwerkstatt ein Gedicht, eine Kurzgeschichte oder einen Romanauszug mit und lesen vor einem Publikum, das sie womöglich nur teilweise oder auch gar nicht kennen; denn der Ort der „Arena“ ist jedermann zugänglich: die Zwingerbar. Am letzten Sonntag eines Monats findet dort die Textarena statt, die vor über zwei Jahren von Michael Lösel und Christian Schloyer ins Leben gerufen wurde.
Nach der Autorenlesung wird über den jeweiligen Text diskutiert. Es gibt keine schönfärbenden Rückmeldungen wie im Familienkreis. Es wird offen und ehrlich kritisiert. Im besten Fall hebt oder senkt sich der Cäsarendaumen nicht, stattdessen wird auf jene Text-Charakteristika gedeutet, die besonders gelungen oder verbesserungswürdig sind. So üben es die Anfänger in Schreibschulen wie Hildesheim oder Leipzig ein, so machen es auch etablierte Profis. Bevor beispielsweise Thomas Glavinic seinem Lektor ein Romanmanuskript gibt, bittet er andere Leser – meist sind es zehn bis fünfzehn Autorenkollegen, die er kennt – um ihr Urteil, um Anregungen, Verbesserungsvorschläge, mit der Absicht, „blinde Flecken“ zu erkennen, den eigenen Text überarbeiten und voranbringen zu können. Genau das ist auch das Ziel von Literaturwerkstätten, die eine Quasi-Öffentlichkeit darstellen, oder Runden wie der Textarena, die von vornherein öffentlich sind.
An diesem Abend nun wagen sich Christine Treiber, Alexandra Franck, Jörg Knapp und Günter Körner auf die Lesebühne. Die Kritiker, die entspannt an Bartischen sitzen, machen einen Romananfang aus, der stellenweise zu „recherchiert“ klingt; die Überarbeitung sollte das Ziel haben, den Leser schneller, leichter in die Romanwelt zu ziehen. Bei einem anderen Text wird die Frage aufgeworfen, ob die Figuren glaubhaft sind, ihre Sprache adäquat ist. Und ein Text, der Gostenhof thematisiert, sollte „goho“-hafter sein, mehr Lokalkolorit aufweisen.
Das Feedback ist sachlich, konstruktiv – was auch daran liegt, dass die Debatte von erfahrenen Autoren wie Michael Lösel, Andreas Neuner oder Christian Schloyer geprägt wird. Aber jede Kritik, selbst die behutsam formulierte, entwickelt Wucht. Die Autoren und Autorinnen müssen das wegstecken. Tun das auch, geben sich gefasst.
Anstrengend, sicher. Ein Abend jedoch, der auf dem literarischen Weg weiterbringt. Günter Körner beispielsweise, ein Mann der ersten Textarena-Stunde, hat sich in den vergangenen zwei Jahren als Autor stark weiterentwickelt. Das wird bei seinem Textvortrag schnell klar.
Im Video:
1) Jörg Knapp
2) Günter Körner
3) Alexandra Franck