Kleine Sachen – große Wut

Himmel, es fällt mir nicht ein. Ich komm’ nicht drauf, ich komm’ nicht drauf. In der Mathematik gibt es doch so ein Wort, mit dem beschrieben wird. dass alles auch irgendwie anders und andersrum sein kann. Wonach es passieren kann, dass das Große das Kleine und das nochmal Andere im umgekehrten Verhältnis zu seiner Bedeutung steht. Nein, nicht die Wurzel. Nicht die Potenz. Reziprok, irgendwie. Und umgekehrt proportional…

Sie haben den Eindruck, dass hier ein verwirrter Mensch schreibt? Das stimmt, nach der vergangenen Woche ist das fast zwangsläufig. Die Koordinaten der Logik und der Klarheit haben sich wieder einmal völllig verschoben. Da lautete die letzte große Katastrophenmeldung zum Wochenende, dass die Post beim Porto hinlangt. Briefe werden um 2 Cent teurer.

Ja, und? Wer schreibt eigentlich noch Briefe, tütet sie ein, frankiert sie und wirft sie in den Briefkasten? Die Zahl der Opfer ist überschaubar. Mit den Reiseverlosungs-, Spendenaufrufs- und Handyangebots-Versendern habe ich kein Mitleid.

Eine ähnliche aufgeblasene Nebensächlichkeit war und ist die Gerichtsverhandlung gegen Christian Wulff. Der Ex-Präsident soll also sagenhafte Siebenhundertundeinpaarzerquetschte Euros ohne Beleg und Durchschläge um die Ecke gebracht haben.  Weil er seine völlige Unschuld beweisen will, wird nun also nachhaltigst getagt. Es wird auch eifrig berichtet, wobei manche Journalisten aus Verzweiflung über den kleinstkriminellen Stoff dazu übergehen, boulevardtechnisch hinzugucken. Der Ex-Präsident habe, wie früher, beim Reden eine Hand in die Hosentasche gesteckt, war da zu lesen. Sollte man nicht tun, vor all den Leuten.

Der andere Präsident, Uli Hoeneß, hat richtig hingelangt. Er hat die Steuer-Milliönchen dutzendfach hinterzogen. Aber die Massen lieben ihn. Seltsam, dieser FC Bayern München. Da hält ein frisch Vorbestrafter, Karl-Heinz Rummenigge, die Laudatio auf einen wahrscheinlich künftigen Vorbestraften. Und die armen Schlucker aus der Fankurve, die mangels Masse gar nicht die Chance haben, den Staat zu bescheißen, gröhlen selig: “Uli Hoeneß, Du bist der beste Mann!”. Sein Bruder Dieter schwadroniert gar über eine “öffentliche Hinrichtung”.

Die hatten wir, allerdings beim anderen Präsidenten. Dem tut das höhere Porto der Post vielleicht tatsächlich weh. Es ist eben, wie gesagt, alles irgendwie reziprok oder so. Der nächste Beweis dafür kommt bald: Eine große Koalition bringt kleine Ergebnisse.

 

 

Wenn zwei das Gleiche tun…

Wenn zwei das Gleiche tun, ist es noch lange nicht dasselbe. Ja, dieses Sprichwort ist abgedroschen. Aber es stimmt. Das erleben wir gerade am Beispiel der Affäre Hoeneß.

Zwar gibt es viele Stimmen, die nach Rücktritt rufen. Doch alles in allem ist die Reaktion auf seinen Steuerbetrug moderat. Weil Uli Hoeneß eine Reizfigur ist, die man trotz alledem nicht missen möchte. Er zählt zu den Oberhäuptern der einzigen weltumspannenden Religion, des Fußballs. Also ist mancher willens, dem kaiserlichen Steueroptimierer Franz Beckenbauer zu glauben, wenn dieser, wie auf Sky geschehen, dreist erklärt: “Na ja, der Uli. Der macht immer zehn Sachen gleichzeitig. Da hat er halt was vergessen.” Und so lernen Menschen, die in einem kompletten Arbeitsleben einen Bruchteil von dem verdienen, was der Bayern-Präsident an Zinsgewinnen einsackt, ein großes Wort aus der Welt der Justiz fehlerlos auszusprechen: UNSCHULDSVERMUTUNG!

Nehmen wir doch einmal an, Uli Hoeneß wäre ein unbeliebter Politiker. Bei der Klage gegen den ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff geht es noch um ein paar hundert Euro. Aber weil die Bild-Zeitung die Jagd mit allem Nachdruck betrieben hat, wurde der blutleere Nicht-Kämpfer radikal zum Abschuss freigegeben. Was hätte ihm geblüht, wenn er einen Millionenbetrug begangen hätte. Lebenslänglich? Oder Vierteilung durch mit Ecstasy aufgeputschte Heidschnucken?

Andere Beispiele: Der zurecht vergessene Ex-Bundesverkehrsminister der Nachwendezeit, Günther Krause, stolperte darüber, dass seine Ehefrau eine Putzhilfe zu 70 Prozent aus Fördermitteln des Arbeitsamtes bezahlt hatte. Die Menschen fanden es gut. Dem FDP-Politiker Jürgen Möllemann machte im Jahr 1992 die so genannte “Briefbogen-Affäre” den Garaus. Mit dem Briefkopf des Bundesministeriums für Wirtschaft hatte er deutschen Handelsketten einen Chip empfohlen, der als Pfandmünze bei Einkaufswagen zum Einsatz kommen sollte. Ein solcher Chip wurde von der Firma eines seiner Verwandten vertrieben. Der Rücktritt wurde bejubelt.

Das war auch immer so, wenn gierige Manager in die Wüste geschickt wurden. Für den Ex-Vorstandschef der Deutschen Post, Klaus Zumwinkel, hatte nach dessen Abgang wegen Steuerhinterziehung niemand mehr ein gutes Wort.

Volkes Sympathie macht jedenfalls den Unterschied. Als Bundesbildungsministerin Annette Schavan wegen einer teilweise abgeschriebenen Doktorarbeit den Hut nehmen musste, heulten nur einige Parteifreunde und das Volk nahm es eher gleichgültig auf. Dagegen wären dem dreisten CSU-Lügenbaron Karl Theodor zu Guttenberg vermutlich Hunderttausende gefolgt, wenn er dazu augerufen hätte, ihn per blutiger Revolution zurück ins Amt zu bringen.

Wie sehr ein entlarvter Gauner tatsächlich verachtet wird, hat also mehr mit dem persönlichen Image als mit dem Ausmaß seiner Tat zu tun. Verlassen kann man sich in dieser Situation wohl nur auf den Volksmund. Alsdenn, Sprichwort Nummer 2: “Bei großem Gewinn ist großer Betrug.” Stimmt.

Glamour in Großburgwedel

Es ist so furchtbar: Abschied, Trennung, Niedergang, Phantomschmerz, wohin das Auge blickt. Barbie van der Vaart trennt sich von ihrem Fußballer, die FDP in Kürze von Philipp Rösler und Bettina Wulff vom früheren Bundes-Christian. Das Weibliche verstößt das Männliche.

Gerade bei letzterer Trennung frage ich mich, warum das überhaupt jemand interessiert. Angeblich – so wurde es zumindest über die Medien transportiert – handelt es sich bei den beiden um ein “Glamour-Paar”. Was bitte? Christian Wulff, der Mann mit der Kermit-Stimme, verstrahlt so viel Glanz wie eine Milchglasscheibe im sanften Gegenlicht. Manches wäre mir zu ihm eingefallen. Aber Glamour?

Hierbei handelt es sich laut Wikipedia um eine spezielle Attraktivität beziehungsweise ein Faszinosum. Zum Beispiel also ein besonders prunkvolles oder elegantes Auftreten in der Öffentlichkeit, welches sich von Alltag und Durchschnitt abhebt.

Nun mag seine verflossene Bettina, je nach Geschmack des Betrachters, eine hübsche Frau sein. Mehr aber doch nicht. Die glamourösesten Aspekte an ihr sind die Gerüchte über ihr Vorleben oder ihre Tätowierung.  Aber eigentlich würde sie nicht mal auf einem fränkischen Opernball  sonderlich auffallen.

Dieses Paar wird trotzdem glamourös genannt. Weil die interessierte Guckloch-Presse eine Bezeichnung braucht, die nach etwas Besonderem klingt. Ich bleibe lieber sachlich, und stelle im Einvernehmen mit mir selbst fest: Die Wulffs waren das glamouröseste Paar von Großburgwedel. Mehr Faszinosum war aber nicht.

 

 

 

"Bild" rettet die Seele der Bettina W.

Nein, ich habe nichts gegen Bettina Wulff. Gar nichts. Aber so allmählich weiß ich nicht mehr, was ich an ihrer Affäre nervtötender finden soll. Die Rotlicht-Gerüchte oder die machtvolle Verteidigungs-Inszenierung samt Buchverkaufs-Werbung.

Die “taz” hat es am 10. September hervorragend auf den Punkt gebracht. Auf ihrer Titelseite zeigte sie den jungen Ex-Bundespräsidenten an der Seite von Altkanzler Helmut Kohl. Die Überschrift lautete “Wulffs peinliches Vorleben enthüllt”. Im erklärenden Text hieß es: “Ein neu aufgetauchtes Bilddokument belegt, wie Bettina Wulffs Gattte als junger Mann lebte – angepasst, devot, karrieregeil und in engem Kontakt zu äußerst dubiosen Gestalten.”

Danke für diesen Wink. Er zeigt uns, dass wir schief gewickelt sind. Wir erregen uns hechelnd an einem mutmaßlichen Sex-Skandal. Und übersehen dabei nur allzu gerne die wahren Schweinereien, wie sie im Umfeld mächtiger und machtversessener Menschen immer wieder passieren. Dabei zeigen wir unsere verklemmte Doppelmoral. Denn nur mal so gefragt: Wenn die junge Bettina Wulff gegen Geld zahlungskräftige Männer durch die Nacht begleitet hätte – wäre es überhaupt der Rede wert? Man mag die Arbeit einer Bardame oder einer Escort-Lady unappetitlich finden. Aber es handelt sich um  Dienstleistungen, die normalerweise keinen Schaden anrichten.

Dagegen gibt es in zahlreichen Firmen, zum Beispiel im mittleren Management, meist männliche Huren ihrer Chefs, die als willige Vollstrecker sinnloser Anweisungen viele andere Menschen ins Unglück stürzen. Da gibt es genügend Skandale, die man anprangern könnte.

Aber wir betrachten lieber die schönen Bilder einer seelisch verletzten Frau, welche die Bild-Zeitung in diesen Tagen verbreitet. Wer anständig ist, bedauert sie. Aber wir könnten auch überlegen, wie es um den Charakter einer Person bestellt sein muss, die sich ausgerechnet von jenem Blatt hofieren lässt, das ihr vorheriges Leben zerstört hat. Wahrscheinlich weiß Bettina Wulff, dass das nutzlose Projekt einer Biographie einer 38-jährigen Frau nur durch Deutschlands beste Vermarktungsmaschine für Unsinn aller Art zum Erfolg werden kann. Wir gönnen ihr das Geld.

 

 

Die Freiheit gehört zu Deutschland!

Er sei weder Heilsbringer, noch Heiliger und auch kein Engel. Das sagt der neue Bundespräsident Joachim Gauck über sich selbst. Wenn man die ersten Reaktionen auf seine Wahl so anschaut, fragt man sich allerdings: Wissen das auch die
anderen? Die Verehrung des neuen Mieters von Schloss Bellevue hat etwas leicht Hysterisches.

Am ehesten stemmen sich noch die Fernseh-Talkshows gegen den sich anbahnenden Personenkult. Deren Macher bekämpfen ihren Phantomschmerz nach Christian Wullfs ruhmlosem Abgang damit, dass sie tagtäglich analysieren, ob dieser Gauck denn tatsächlich der Richtige sei und wie es aussähe, wenn alles ganz anders gekommen wäre. Die Suche nach dem zweiten diskussionsfähigen Thema  neben alten und neuen Präsidenten ist in den Redaktionen bislang erfolglos geblieben.

Aber zurück zu Joachimg Gauck. Wirklich günstig ist seine Lage nicht. Denn das Ausmaß der Verehrung bestimmt die Fallhöhe. Die ist erheblich. Bei Gaucks Vorgänger Christian Wulff waren die Erwartungen von vorneherein niedrig. Er scheiterte allerdings auch daran, dass sein reales Verhalten nicht zu seinem Image gepasst hat. Man hatte ihn als farblosen
Saubermann eingeschätzt – tatsächlich war er ein Freund gewinnbringender Netzwerke.

Öffentliche Einschätzung und tatsächliches Auftreten und Handeln müssen zusammenpassen. Dissonanzen werden vom Volk nicht verziehen. Und so steht der neue Bundespräsident vor der Aufgabe, fünf Jahre lang der klügste, wachsamste, kritiscthe und mitfühlendste Präsident aller Zeiten zu sein. Einer zu sein, der zu jeder Zeit und in jeder Situation ein Stückchen besser ist als der Rest der politischen Kaste.

Als Zyniker möchte man da von Herzen „Viel Vergnügen“ wünschen. Und übrigens: Von Christian Wullff ist als positivie Leistung eigentlich nur der Satz „Der Islam gehört zu Deutschland!“ in Erinnerung geblieben. Einen zentralen Satz von Joachim Gauck haben wir bereits begriffen, ohne dass er ihn genau so gesagt hätte: „Die Freiheit gehört zu Deutschland!“. Weitere Ideen sind willkommen…

 

 

Die Energiewende als Kreisel

Das ist es nun also: Ein Jahr Fukushima. Deutschland ist auf dem Weg zur atomkraftfreien Republik. Weil unsere Bundeskanzlerin und Physikerin damals so entschieden und aus vollster Überzeugung gehandelt hat. Aber war das wirklich so?

Heute loben viele Menschen Angela Merkel für ihren Mut, die Kernkraft zu beerdigen. Zu oft wird dabei vergessen, dass sie mit ihrer Energiewende nichts Neues hat beschließen lassen. Den Atomausstieg gab es schon vor ihrer Amtszeit. Die Kanzlerin hat nur den Mut zum Zurückrudern bewiesen. Sie hat zuerst mit den Kernkraft-Lobbyisten gekuschelt, um ihnen dann abrupt die kalte Schulter zu zeigen. Die Bezeichnung “Energiedrehung” träfe ihre Politik also besser.

Ungewöhnliche Dinge sind damals passiert. Ein Regierungssprecher trug einen blauen Schutzanzug wie aus einem Godzilla-Film. Die Fernseh-Nachrichtensendungen wurden um das “Japan-Wetter” verlängert. Damit auch die Deutschen wussten, ob wegen der jeweiligen Windrichtung Großstadtmenschen, Reisplantagen oder Pottwale besonders strahlungsgefährdet waren. Hätte es Atomausstieg II ohne Fukushima gegeben, hätte möglicherweise Schriftstellerin Charlotte Roche ein Problem gehabt. Sie hatte  Christian Wulff kostenlosen Sex angeboten, falls sich dieser dem Gesetz zur Laufzeitverlängerung verweigern würde. Eine gefährliche Offerte, wie man angesichts der Vorliebe des Ex-Bundespräsidenten für Geschenktes aus heutiger Sicht weiß.

Zwei Anti-Atom-Aspekte wirken erstaunlich: Obwohl der japnische Super-Gau inzwischen ein Jahr zurückliegt, hat sich an der breiten Ablehnung der Atomenergie in Deutschland nichts verändert. Erstaunlich in einer Zeit, in der sich die Themen beziehungsweise Empörungen ansonsten sehr rasch verändern.

Erstaunlich ist aber auch, dass so wenig passiert, um das atomkraftfreie Leben wirklich zu ermöglichen. Zuletzt hat die Regierung das Umsteigen auf erneuerbare Energien eher erschwert. Die Stromkonzerne wollen ihre Aktionäre befriedigen und rufen nach dem Klimafeind Kohle. Kann es also sein, dass irgendwann wieder gerudert wird? Dass die Energiedrehung zum Energiekreisel wird? Dann wird es uns noch richtig schwindlig. Auch ohne Strahlung.

Wulffi räumt das Zauberland

Leute, jetzt seid doch nicht so böse. Natürlich regt uns Ex-Bundespräsident Christian Wulff mit seinen raffgierigen Trotteleien auf. Aber wir können sicher sein: Es geht vorbei. Es ist Zapfenstreich.

Die letzte spannende Frage seines bedeutungsvollen öffentlichen Daseins ist, ob es seinen Gegnern gelingen wird, die feierliche Blasmusik mit Vuvuzelas wirksam zu stören. Ich halte das für unwahrscheinlich, sind doch die afrikanischen Brutal-Tröten seit dem WM-Finale 2010 komplett  aus dem öffentlichen Leben verschwunden.

Und es wäre auch schade, denn Christian Wulff ist ein Romantiker. Einer, der sich nicht scheut, über eine Schnulze sein Innenleben preiszugeben. “Over The Rainbow” stammt aus dem Film “Zauberer von Oz” aus dem Jahr 1939. Die junge Judy Garland, spielt darin Dorothy, ein Mädchen vom flachen Land, das sich nach einem Streit mit seiner bösen Tante in ein Land voller Abenteuer wünscht.

Ein Tornado trägt Dorothy tatsächlich in ein verzaubertes Land. Dort lernt sie merkwürdige Freunde wie eine Vogelscheuche ohne Verstand oder einen Blechmann ohne Herz kennen, muss sich aber auch mächtiger Feinde erwehren. So etwa der bösen  Osthexe, die im Märchen für die Macht der US-amerikanischen Großbanken und -unternehmen steht. Nach vielen Abenteuern findet sie den Weg zurück nach Hause.

Sind Christian und Dorothy nicht wesensverwandt? Ist Berlin das Zauberland? Könnten Blechmann und Vogelscheuche nicht für Maschmeyer und Ferres stehen? Gibt es die Osthexe nicht auch bei uns, während sich die Westhexe heute Nicolas Sarkozy nennt?

Egal, unser romantischer Präsident glaubt offenbar an diese Lied-Textzeile:  ,Und alle Sorgen schmelzen einfach weg, so wie Zitronenbonbons über’m Kaminfeuer.’ Und schon bald ist er zurück in seinem Großburgwedel. Am besten für immer. Denn dort gehört er hin.

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Wenn Wulff die Gabriele Pauli wäre…

Christian Wulff kriegt also sein Geld. Und wir alle fragen uns, ob das irgendetwas mit Gerechtigkeit zu tun hat.  Schließlich kann kein/e Arbeitnehmer/in jemals in diese Pensionsregionen vordringen. Aber auch innerhalb der politischen Kaste gibt es Ungleichheit. Wie wäre es gewesen, wenn unser Ex-Bundespräsident Gabriele Pauli wäre?

Gabriele Pauli war jene “schöne Landrätin”, die den großen CSU-Zampano Edmund Stoiber quasi im Alleingang demontiert hat. Weitere massive politische “Vergehen” ihrerseits sind nicht überliefert. Die von ihr vorgeschlagene befristete Ehe war ja nur eine Idee. Für Bestechlichkeit ist sie nicht bekannt. Sie hat sich allerdings Latex-Handschuhe angezogen für Fotos, welche sexuell deutlich aufgeladener waren, als sämtliche “Bunte”-Bilderstrecken von Bettina Wulff.

Jedenfalls hat sie im Jahr 2008 ihr Büro im Landkreis Fürth aus freien Stücken geräumt. Im Alter von 50 Jahren. Nach 18-jähriger Amtszeit hat sie einen Anspruch auf eine monatliche Pension von 4000 Euro erworben. Also nicht einmal ein Viertel Ehrensold. Doch ihr Kreistag legte hinter verschlossenen Türen fest, dass die Auszahlung dieser Pension erst im Alter von 62 Jahren beginnen wird. Das war Auslegungssache – und wahrscheinlich auch ein Stück weit Rache.

Auf den Punkt gebracht hat die Angelegenheit der damalige bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) mit folgendem Satz: “Es kriegt niemand eine Rente mit 50 und wir sehen das auch für uns nicht vor.” Mit Blick auf die Wulff’sche Sofortrente drängt sich die Assoziation zu dem berühtem Satz “Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten”, irgendwie auf.

Aber egal. Auf die Frage, was geschehen würde, wenn Christian Wulff Gabriele Pauli wäre, gibt es eine klare Antwort: In Großburgwedel würde bald ein Möbelwagen vorfahren.

 

 

 

 

 

 

 

 

Glückwunsch an "unsere" First Lady

Daniela Schadt ist die neue First Lady.

Daniela Schadt ist die neue First Lady.

Achtung, hier kommt Nürnberg! Jetzt, wo es so gut wie sicher ist, dass Joachim Gauck neuer Bundespräsident wird, steht es wohl auch fest, dass die neue First Lady aus unserer Stadt kommt. Ich gratuliere meiner Kollegin Daniela Schadt und wünsche ihr für die kommenden fünf Jahre viel Glück und vor allem gute Nerven.

Joachim Gauck ist seit zirka zwölf Jahren mit Daniela Schadt liiert. Bei der „Nürnberger Zeitung“ leitet sie das Ressort  Innenpolitik. Zwar verfügt die 51-jährige einen hessischen Migrationshintergrund, hat aber längst bedeutende fränkische Eigenschaften angenommen.

Als da wären ein großer Fleiß sowie die Fähigkeit, widrige äußere Umstände bei Bedarf zu ignorieren. Vor allem aber auch ein feiner, hintersinniger Humor. Ich selber habe Daniela Schadt als offen, interessiert, schlau und richtig nett erlebt. Ihre unmittelbaren Kolleginnen und Kollegen loben ihre Fähigkeit, herzlich zu lachen und heben ansonsten ihre Freude an klassischer Musik sowie ihren enormen Hunger auf Bücher hervor.

Sollte Joachim Gauck gewählt werden, wäre sie die erste „Präsidentengattin“ ohne Trauschein. Auch ansonsten dürfte sie lockerer auftreten als ihre Vorgängerin. Edle Kostümchen oder Fototermine mit Glamour-Bekanntschaften sind nicht so ihr Ding. Die Gesellschaftsreporter werden es bei ihr nicht so ganz leicht haben.

Schade ist aus hiesiger Sicht, dass Daniela Schadt ihren Job vermutlich aufgeben muss. Es ist ja schwer vorstellbar, dass die First Lady die deutsche Innenpolitik kommentiert. Sollte sie ihre Beziehung zum künftigen Präsidenten unkonventionell fortsetzen wollen, bliebe wohl bloß der Wechsel ins weitestgehend politikfreie Sportressort.

Vielleicht hieße es dann der Fußball-EM nicht mehr “Was sagt der Kaiser?”, sondern “Was denkt die First Lady?”. Eigentlich ist das gar kein dummer Plan…