Posts Tagged ‘Wulff’

November 17th, 2013

Kleine Sachen – große Wut

Himmel, es fällt mir nicht ein. Ich komm’ nicht drauf, ich komm’ nicht drauf. In der Mathematik gibt es doch so ein Wort, mit dem beschrieben wird. dass alles auch irgendwie anders und andersrum sein kann. Wonach es passieren kann, dass das Große das Kleine und das nochmal Andere im umgekehrten Verhältnis zu seiner Bedeutung steht. Nein, nicht die Wurzel. Nicht die Potenz. Reziprok, irgendwie. Und umgekehrt proportional…

Sie haben den Eindruck, dass hier ein verwirrter Mensch schreibt? Das stimmt, nach der vergangenen Woche ist das fast zwangsläufig. Die Koordinaten der Logik und der Klarheit haben sich wieder einmal völllig verschoben. Da lautete die letzte große Katastrophenmeldung zum Wochenende, dass die Post beim Porto hinlangt. Briefe werden um 2 Cent teurer.

Ja, und? Wer schreibt eigentlich noch Briefe, tütet sie ein, frankiert sie und wirft sie in den Briefkasten? Die Zahl der Opfer ist überschaubar. Mit den Reiseverlosungs-, Spendenaufrufs- und Handyangebots-Versendern habe ich kein Mitleid.

Eine ähnliche aufgeblasene Nebensächlichkeit war und ist die Gerichtsverhandlung gegen Christian Wulff. Der Ex-Präsident soll also sagenhafte Siebenhundertundeinpaarzerquetschte Euros ohne Beleg und Durchschläge um die Ecke gebracht haben.  Weil er seine völlige Unschuld beweisen will, wird nun also nachhaltigst getagt. Es wird auch eifrig berichtet, wobei manche Journalisten aus Verzweiflung über den kleinstkriminellen Stoff dazu übergehen, boulevardtechnisch hinzugucken. Der Ex-Präsident habe, wie früher, beim Reden eine Hand in die Hosentasche gesteckt, war da zu lesen. Sollte man nicht tun, vor all den Leuten.

Der andere Präsident, Uli Hoeneß, hat richtig hingelangt. Er hat die Steuer-Milliönchen dutzendfach hinterzogen. Aber die Massen lieben ihn. Seltsam, dieser FC Bayern München. Da hält ein frisch Vorbestrafter, Karl-Heinz Rummenigge, die Laudatio auf einen wahrscheinlich künftigen Vorbestraften. Und die armen Schlucker aus der Fankurve, die mangels Masse gar nicht die Chance haben, den Staat zu bescheißen, gröhlen selig: “Uli Hoeneß, Du bist der beste Mann!”. Sein Bruder Dieter schwadroniert gar über eine “öffentliche Hinrichtung”.

Die hatten wir, allerdings beim anderen Präsidenten. Dem tut das höhere Porto der Post vielleicht tatsächlich weh. Es ist eben, wie gesagt, alles irgendwie reziprok oder so. Der nächste Beweis dafür kommt bald: Eine große Koalition bringt kleine Ergebnisse.

 

 

April 28th, 2013

Wenn zwei das Gleiche tun…

Wenn zwei das Gleiche tun, ist es noch lange nicht dasselbe. Ja, dieses Sprichwort ist abgedroschen. Aber es stimmt. Das erleben wir gerade am Beispiel der Affäre Hoeneß.

Zwar gibt es viele Stimmen, die nach Rücktritt rufen. Doch alles in allem ist die Reaktion auf seinen Steuerbetrug moderat. Weil Uli Hoeneß eine Reizfigur ist, die man trotz alledem nicht missen möchte. Er zählt zu den Oberhäuptern der einzigen weltumspannenden Religion, des Fußballs. Also ist mancher willens, dem kaiserlichen Steueroptimierer Franz Beckenbauer zu glauben, wenn dieser, wie auf Sky geschehen, dreist erklärt: “Na ja, der Uli. Der macht immer zehn Sachen gleichzeitig. Da hat er halt was vergessen.” Und so lernen Menschen, die in einem kompletten Arbeitsleben einen Bruchteil von dem verdienen, was der Bayern-Präsident an Zinsgewinnen einsackt, ein großes Wort aus der Welt der Justiz fehlerlos auszusprechen: UNSCHULDSVERMUTUNG!

Nehmen wir doch einmal an, Uli Hoeneß wäre ein unbeliebter Politiker. Bei der Klage gegen den ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff geht es noch um ein paar hundert Euro. Aber weil die Bild-Zeitung die Jagd mit allem Nachdruck betrieben hat, wurde der blutleere Nicht-Kämpfer radikal zum Abschuss freigegeben. Was hätte ihm geblüht, wenn er einen Millionenbetrug begangen hätte. Lebenslänglich? Oder Vierteilung durch mit Ecstasy aufgeputschte Heidschnucken?

Andere Beispiele: Der zurecht vergessene Ex-Bundesverkehrsminister der Nachwendezeit, Günther Krause, stolperte darüber, dass seine Ehefrau eine Putzhilfe zu 70 Prozent aus Fördermitteln des Arbeitsamtes bezahlt hatte. Die Menschen fanden es gut. Dem FDP-Politiker Jürgen Möllemann machte im Jahr 1992 die so genannte “Briefbogen-Affäre” den Garaus. Mit dem Briefkopf des Bundesministeriums für Wirtschaft hatte er deutschen Handelsketten einen Chip empfohlen, der als Pfandmünze bei Einkaufswagen zum Einsatz kommen sollte. Ein solcher Chip wurde von der Firma eines seiner Verwandten vertrieben. Der Rücktritt wurde bejubelt.

Das war auch immer so, wenn gierige Manager in die Wüste geschickt wurden. Für den Ex-Vorstandschef der Deutschen Post, Klaus Zumwinkel, hatte nach dessen Abgang wegen Steuerhinterziehung niemand mehr ein gutes Wort.

Volkes Sympathie macht jedenfalls den Unterschied. Als Bundesbildungsministerin Annette Schavan wegen einer teilweise abgeschriebenen Doktorarbeit den Hut nehmen musste, heulten nur einige Parteifreunde und das Volk nahm es eher gleichgültig auf. Dagegen wären dem dreisten CSU-Lügenbaron Karl Theodor zu Guttenberg vermutlich Hunderttausende gefolgt, wenn er dazu augerufen hätte, ihn per blutiger Revolution zurück ins Amt zu bringen.

Wie sehr ein entlarvter Gauner tatsächlich verachtet wird, hat also mehr mit dem persönlichen Image als mit dem Ausmaß seiner Tat zu tun. Verlassen kann man sich in dieser Situation wohl nur auf den Volksmund. Alsdenn, Sprichwort Nummer 2: “Bei großem Gewinn ist großer Betrug.” Stimmt.

Januar 10th, 2013

Glamour in Großburgwedel

Es ist so furchtbar: Abschied, Trennung, Niedergang, Phantomschmerz, wohin das Auge blickt. Barbie van der Vaart trennt sich von ihrem Fußballer, die FDP in Kürze von Philipp Rösler und Bettina Wulff vom früheren Bundes-Christian. Das Weibliche verstößt das Männliche.

Gerade bei letzterer Trennung frage ich mich, warum das überhaupt jemand interessiert. Angeblich – so wurde es zumindest über die Medien transportiert – handelt es sich bei den beiden um ein “Glamour-Paar”. Was bitte? Christian Wulff, der Mann mit der Kermit-Stimme, verstrahlt so viel Glanz wie eine Milchglasscheibe im sanften Gegenlicht. Manches wäre mir zu ihm eingefallen. Aber Glamour?

Hierbei handelt es sich laut Wikipedia um eine spezielle Attraktivität beziehungsweise ein Faszinosum. Zum Beispiel also ein besonders prunkvolles oder elegantes Auftreten in der Öffentlichkeit, welches sich von Alltag und Durchschnitt abhebt.

Nun mag seine verflossene Bettina, je nach Geschmack des Betrachters, eine hübsche Frau sein. Mehr aber doch nicht. Die glamourösesten Aspekte an ihr sind die Gerüchte über ihr Vorleben oder ihre Tätowierung.  Aber eigentlich würde sie nicht mal auf einem fränkischen Opernball  sonderlich auffallen.

Dieses Paar wird trotzdem glamourös genannt. Weil die interessierte Guckloch-Presse eine Bezeichnung braucht, die nach etwas Besonderem klingt. Ich bleibe lieber sachlich, und stelle im Einvernehmen mit mir selbst fest: Die Wulffs waren das glamouröseste Paar von Großburgwedel. Mehr Faszinosum war aber nicht.

 

 

 

September 11th, 2012

“Bild” rettet die Seele der Bettina W.

Nein, ich habe nichts gegen Bettina Wulff. Gar nichts. Aber so allmählich weiß ich nicht mehr, was ich an ihrer Affäre nervtötender finden soll. Die Rotlicht-Gerüchte oder die machtvolle Verteidigungs-Inszenierung samt Buchverkaufs-Werbung.

Die “taz” hat es am 10. September hervorragend auf den Punkt gebracht. Auf ihrer Titelseite zeigte sie den jungen Ex-Bundespräsidenten an der Seite von Altkanzler Helmut Kohl. Die Überschrift lautete “Wulffs peinliches Vorleben enthüllt”. Im erklärenden Text hieß es: “Ein neu aufgetauchtes Bilddokument belegt, wie Bettina Wulffs Gattte als junger Mann lebte – angepasst, devot, karrieregeil und in engem Kontakt zu äußerst dubiosen Gestalten.”

Danke für diesen Wink. Er zeigt uns, dass wir schief gewickelt sind. Wir erregen uns hechelnd an einem mutmaßlichen Sex-Skandal. Und übersehen dabei nur allzu gerne die wahren Schweinereien, wie sie im Umfeld mächtiger und machtversessener Menschen immer wieder passieren. Dabei zeigen wir unsere verklemmte Doppelmoral. Denn nur mal so gefragt: Wenn die junge Bettina Wulff gegen Geld zahlungskräftige Männer durch die Nacht begleitet hätte – wäre es überhaupt der Rede wert? Man mag die Arbeit einer Bardame oder einer Escort-Lady unappetitlich finden. Aber es handelt sich um  Dienstleistungen, die normalerweise keinen Schaden anrichten.

Dagegen gibt es in zahlreichen Firmen, zum Beispiel im mittleren Management, meist männliche Huren ihrer Chefs, die als willige Vollstrecker sinnloser Anweisungen viele andere Menschen ins Unglück stürzen. Da gibt es genügend Skandale, die man anprangern könnte.

Aber wir betrachten lieber die schönen Bilder einer seelisch verletzten Frau, welche die Bild-Zeitung in diesen Tagen verbreitet. Wer anständig ist, bedauert sie. Aber wir könnten auch überlegen, wie es um den Charakter einer Person bestellt sein muss, die sich ausgerechnet von jenem Blatt hofieren lässt, das ihr vorheriges Leben zerstört hat. Wahrscheinlich weiß Bettina Wulff, dass das nutzlose Projekt einer Biographie einer 38-jährigen Frau nur durch Deutschlands beste Vermarktungsmaschine für Unsinn aller Art zum Erfolg werden kann. Wir gönnen ihr das Geld.

 

 

März 20th, 2012

Die Freiheit gehört zu Deutschland!

Er sei weder Heilsbringer, noch Heiliger und auch kein Engel. Das sagt der neue Bundespräsident Joachim Gauck über sich selbst. Wenn man die ersten Reaktionen auf seine Wahl so anschaut, fragt man sich allerdings: Wissen das auch die
anderen? Die Verehrung des neuen Mieters von Schloss Bellevue hat etwas leicht Hysterisches.

Am ehesten stemmen sich noch die Fernseh-Talkshows gegen den sich anbahnenden Personenkult. Deren Macher bekämpfen ihren Phantomschmerz nach Christian Wullfs ruhmlosem Abgang damit, dass sie tagtäglich analysieren, ob dieser Gauck denn tatsächlich der Richtige sei und wie es aussähe, wenn alles ganz anders gekommen wäre. Die Suche nach dem zweiten diskussionsfähigen Thema  neben alten und neuen Präsidenten ist in den Redaktionen bislang erfolglos geblieben.

Aber zurück zu Joachimg Gauck. Wirklich günstig ist seine Lage nicht. Denn das Ausmaß der Verehrung bestimmt die Fallhöhe. Die ist erheblich. Bei Gaucks Vorgänger Christian Wulff waren die Erwartungen von vorneherein niedrig. Er scheiterte allerdings auch daran, dass sein reales Verhalten nicht zu seinem Image gepasst hat. Man hatte ihn als farblosen
Saubermann eingeschätzt – tatsächlich war er ein Freund gewinnbringender Netzwerke.

Öffentliche Einschätzung und tatsächliches Auftreten und Handeln müssen zusammenpassen. Dissonanzen werden vom Volk nicht verziehen. Und so steht der neue Bundespräsident vor der Aufgabe, fünf Jahre lang der klügste, wachsamste, kritiscthe und mitfühlendste Präsident aller Zeiten zu sein. Einer zu sein, der zu jeder Zeit und in jeder Situation ein Stückchen besser ist als der Rest der politischen Kaste.

Als Zyniker möchte man da von Herzen „Viel Vergnügen“ wünschen. Und übrigens: Von Christian Wullff ist als positivie Leistung eigentlich nur der Satz „Der Islam gehört zu Deutschland!“ in Erinnerung geblieben. Einen zentralen Satz von Joachim Gauck haben wir bereits begriffen, ohne dass er ihn genau so gesagt hätte: „Die Freiheit gehört zu Deutschland!“. Weitere Ideen sind willkommen…

 

 

März 11th, 2012

Die Energiewende als Kreisel

Das ist es nun also: Ein Jahr Fukushima. Deutschland ist auf dem Weg zur atomkraftfreien Republik. Weil unsere Bundeskanzlerin und Physikerin damals so entschieden und aus vollster Überzeugung gehandelt hat. Aber war das wirklich so?

Heute loben viele Menschen Angela Merkel für ihren Mut, die Kernkraft zu beerdigen. Zu oft wird dabei vergessen, dass sie mit ihrer Energiewende nichts Neues hat beschließen lassen. Den Atomausstieg gab es schon vor ihrer Amtszeit. Die Kanzlerin hat nur den Mut zum Zurückrudern bewiesen. Sie hat zuerst mit den Kernkraft-Lobbyisten gekuschelt, um ihnen dann abrupt die kalte Schulter zu zeigen. Die Bezeichnung “Energiedrehung” träfe ihre Politik also besser.

Ungewöhnliche Dinge sind damals passiert. Ein Regierungssprecher trug einen blauen Schutzanzug wie aus einem Godzilla-Film. Die Fernseh-Nachrichtensendungen wurden um das “Japan-Wetter” verlängert. Damit auch die Deutschen wussten, ob wegen der jeweiligen Windrichtung Großstadtmenschen, Reisplantagen oder Pottwale besonders strahlungsgefährdet waren. Hätte es Atomausstieg II ohne Fukushima gegeben, hätte möglicherweise Schriftstellerin Charlotte Roche ein Problem gehabt. Sie hatte  Christian Wulff kostenlosen Sex angeboten, falls sich dieser dem Gesetz zur Laufzeitverlängerung verweigern würde. Eine gefährliche Offerte, wie man angesichts der Vorliebe des Ex-Bundespräsidenten für Geschenktes aus heutiger Sicht weiß.

Zwei Anti-Atom-Aspekte wirken erstaunlich: Obwohl der japnische Super-Gau inzwischen ein Jahr zurückliegt, hat sich an der breiten Ablehnung der Atomenergie in Deutschland nichts verändert. Erstaunlich in einer Zeit, in der sich die Themen beziehungsweise Empörungen ansonsten sehr rasch verändern.

Erstaunlich ist aber auch, dass so wenig passiert, um das atomkraftfreie Leben wirklich zu ermöglichen. Zuletzt hat die Regierung das Umsteigen auf erneuerbare Energien eher erschwert. Die Stromkonzerne wollen ihre Aktionäre befriedigen und rufen nach dem Klimafeind Kohle. Kann es also sein, dass irgendwann wieder gerudert wird? Dass die Energiedrehung zum Energiekreisel wird? Dann wird es uns noch richtig schwindlig. Auch ohne Strahlung.

März 8th, 2012

Wulffi räumt das Zauberland

Leute, jetzt seid doch nicht so böse. Natürlich regt uns Ex-Bundespräsident Christian Wulff mit seinen raffgierigen Trotteleien auf. Aber wir können sicher sein: Es geht vorbei. Es ist Zapfenstreich.

Die letzte spannende Frage seines bedeutungsvollen öffentlichen Daseins ist, ob es seinen Gegnern gelingen wird, die feierliche Blasmusik mit Vuvuzelas wirksam zu stören. Ich halte das für unwahrscheinlich, sind doch die afrikanischen Brutal-Tröten seit dem WM-Finale 2010 komplett  aus dem öffentlichen Leben verschwunden.

Und es wäre auch schade, denn Christian Wulff ist ein Romantiker. Einer, der sich nicht scheut, über eine Schnulze sein Innenleben preiszugeben. “Over The Rainbow” stammt aus dem Film “Zauberer von Oz” aus dem Jahr 1939. Die junge Judy Garland, spielt darin Dorothy, ein Mädchen vom flachen Land, das sich nach einem Streit mit seiner bösen Tante in ein Land voller Abenteuer wünscht.

Ein Tornado trägt Dorothy tatsächlich in ein verzaubertes Land. Dort lernt sie merkwürdige Freunde wie eine Vogelscheuche ohne Verstand oder einen Blechmann ohne Herz kennen, muss sich aber auch mächtiger Feinde erwehren. So etwa der bösen  Osthexe, die im Märchen für die Macht der US-amerikanischen Großbanken und -unternehmen steht. Nach vielen Abenteuern findet sie den Weg zurück nach Hause.

Sind Christian und Dorothy nicht wesensverwandt? Ist Berlin das Zauberland? Könnten Blechmann und Vogelscheuche nicht für Maschmeyer und Ferres stehen? Gibt es die Osthexe nicht auch bei uns, während sich die Westhexe heute Nicolas Sarkozy nennt?

Egal, unser romantischer Präsident glaubt offenbar an diese Lied-Textzeile:  ,Und alle Sorgen schmelzen einfach weg, so wie Zitronenbonbons über’m Kaminfeuer.’ Und schon bald ist er zurück in seinem Großburgwedel. Am besten für immer. Denn dort gehört er hin.

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März 4th, 2012

Wenn Wulff die Gabriele Pauli wäre…

Christian Wulff kriegt also sein Geld. Und wir alle fragen uns, ob das irgendetwas mit Gerechtigkeit zu tun hat.  Schließlich kann kein/e Arbeitnehmer/in jemals in diese Pensionsregionen vordringen. Aber auch innerhalb der politischen Kaste gibt es Ungleichheit. Wie wäre es gewesen, wenn unser Ex-Bundespräsident Gabriele Pauli wäre?

Gabriele Pauli war jene “schöne Landrätin”, die den großen CSU-Zampano Edmund Stoiber quasi im Alleingang demontiert hat. Weitere massive politische “Vergehen” ihrerseits sind nicht überliefert. Die von ihr vorgeschlagene befristete Ehe war ja nur eine Idee. Für Bestechlichkeit ist sie nicht bekannt. Sie hat sich allerdings Latex-Handschuhe angezogen für Fotos, welche sexuell deutlich aufgeladener waren, als sämtliche “Bunte”-Bilderstrecken von Bettina Wulff.

Jedenfalls hat sie im Jahr 2008 ihr Büro im Landkreis Fürth aus freien Stücken geräumt. Im Alter von 50 Jahren. Nach 18-jähriger Amtszeit hat sie einen Anspruch auf eine monatliche Pension von 4000 Euro erworben. Also nicht einmal ein Viertel Ehrensold. Doch ihr Kreistag legte hinter verschlossenen Türen fest, dass die Auszahlung dieser Pension erst im Alter von 62 Jahren beginnen wird. Das war Auslegungssache – und wahrscheinlich auch ein Stück weit Rache.

Auf den Punkt gebracht hat die Angelegenheit der damalige bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) mit folgendem Satz: “Es kriegt niemand eine Rente mit 50 und wir sehen das auch für uns nicht vor.” Mit Blick auf die Wulff’sche Sofortrente drängt sich die Assoziation zu dem berühtem Satz “Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten”, irgendwie auf.

Aber egal. Auf die Frage, was geschehen würde, wenn Christian Wulff Gabriele Pauli wäre, gibt es eine klare Antwort: In Großburgwedel würde bald ein Möbelwagen vorfahren.

 

 

 

 

 

 

 

 

Februar 22nd, 2012

Nordkorea trauert um Christian Wulff

YouTube Preview ImageSpät, jedoch mit größtmöglicher Hingabe, hat sich das Staatsfernsehen Nordkoreas mit dem Rücktritt unseres geliebten Bundespräsidenten Christian Wulff befasst. Ein wunderbares Internet-Fundstück.

Februar 20th, 2012

Glückwunsch an “unsere” First Lady

Daniela Schadt ist die neue First Lady.

Daniela Schadt ist die neue First Lady.

Achtung, hier kommt Nürnberg! Jetzt, wo es so gut wie sicher ist, dass Joachim Gauck neuer Bundespräsident wird, steht es wohl auch fest, dass die neue First Lady aus unserer Stadt kommt. Ich gratuliere meiner Kollegin Daniela Schadt und wünsche ihr für die kommenden fünf Jahre viel Glück und vor allem gute Nerven.

Joachim Gauck ist seit zirka zwölf Jahren mit Daniela Schadt liiert. Bei der „Nürnberger Zeitung“ leitet sie das Ressort  Innenpolitik. Zwar verfügt die 51-jährige einen hessischen Migrationshintergrund, hat aber längst bedeutende fränkische Eigenschaften angenommen.

Als da wären ein großer Fleiß sowie die Fähigkeit, widrige äußere Umstände bei Bedarf zu ignorieren. Vor allem aber auch ein feiner, hintersinniger Humor. Ich selber habe Daniela Schadt als offen, interessiert, schlau und richtig nett erlebt. Ihre unmittelbaren Kolleginnen und Kollegen loben ihre Fähigkeit, herzlich zu lachen und heben ansonsten ihre Freude an klassischer Musik sowie ihren enormen Hunger auf Bücher hervor.

Sollte Joachim Gauck gewählt werden, wäre sie die erste „Präsidentengattin“ ohne Trauschein. Auch ansonsten dürfte sie lockerer auftreten als ihre Vorgängerin. Edle Kostümchen oder Fototermine mit Glamour-Bekanntschaften sind nicht so ihr Ding. Die Gesellschaftsreporter werden es bei ihr nicht so ganz leicht haben.

Schade ist aus hiesiger Sicht, dass Daniela Schadt ihren Job vermutlich aufgeben muss. Es ist ja schwer vorstellbar, dass die First Lady die deutsche Innenpolitik kommentiert. Sollte sie ihre Beziehung zum künftigen Präsidenten unkonventionell fortsetzen wollen, bliebe wohl bloß der Wechsel ins weitestgehend politikfreie Sportressort.

Vielleicht hieße es dann der Fußball-EM nicht mehr “Was sagt der Kaiser?”, sondern “Was denkt die First Lady?”. Eigentlich ist das gar kein dummer Plan…

Februar 17th, 2012

Da geht der Wulff – und keiner weint

Mit Heiligenschein hätte es vielleicht geklappt.

Mit Heiligenschein hätte es vielleicht geklappt.

Da geht er hin. Und keiner, außer ein paar loyalen Amtssitz-Mitarbeitern, findet es zum Weinen.  Ex-Bundespräsident Christian Wulff hat einen Abgang dritter Klasse bekommen. Weil er zu spät kapiert hat, dass er keine Chance hatte. Ein paar Wochen früher, man hätte ihm den Rücktritt als Zeichen eines starken Charakters ausgelegt.  Jetzt aber heißt es, frei nach einem französischen Sprichwort: “Wenn der Wulff erlegt ist, beißen ihn alle Hunde.”

Der Präsident beugte sich dem Unvermeidlichen. Wobei seine  Amtszeit wird auf lange Sicht nur eine kleine Randnotiz  sein wird. Wulffs berühmtester Satz “Der Islam gehört zu Deutschland” dürfte gelegentlich zitiert werden. Aber ansonsten wird er als jenes Staatsoberhaupt in Erinnerung bleiben, das die Bild-Zeitung zum Opfer gemacht und der trotz anerkannter Farblosigkeit die meisten Talkshows beschäftigt hat. Jauch, Plasberg, Illner und Co. haben nun natürlich das Problem, dass sie auf die Schnelle ein zweites Thema brauchen.

Das Land braucht auf die Schnelle eine/n neue/n Präsidenten/-in. So schwierig wie bei “Wetten. dass…? wird die Suche nicht werden. Claudia Roth von den Grünen hat klargestellt, dass es kein Präsidenten-Casting geben wird. Wie zu hören ist trifft sich morgen eine Koalitions-Kungelrunde in der Besetzung Merkel, Seehofer, Rösler, Kauder, Hasselfeldt und Brüderle. Sie wird klären, was die Regierung denkt, was sie in Sachen Nachfolger denken könnte.

Ich rechne mit einem klaren Gegenentwurf zu Wulff. Also mit einer älteren Persönlichkeit mit reichlich Lebenserfahrung. Sollte Joachim Gauck noch mögen, hätte er gute Chancen. Auch Klaus Töpfer wäre nur schwer zu verhindern. Der verwegenere Plan wäre es,  Margot Käßmann zu berufen. Von ihr weiß man, dass sie gegebenenfalls schnell und konsequent zurücktritt. Zudem ist das dunkelste Kapitel ihrer Lebensgeschichte schon so gut bekannt, dass sich das Recherchieren auch für “Bild” nicht mehr lohnt.

Die besoffenste Idee kam übrigens von der Jungen Union Bayern. Sie hat Edmund Stoiber vorgeschlagen. Da sage ich: Vielen Dank, dann schon lieber Hape Kerkeling.

Januar 14th, 2012

Die Liebe der Nation: Dschungelmaden auf Silikon

Die Kundschaft der Medien ist schon etwas ganz Besonderes. Sie zeigt sich voller Abscheu über inhumane Kampagnen, sorgt sich um Ethik und um die Reinheit der Kinderseelen. Deshalb rufen Leser, Hörer und Seher immer wieder nach guten, schönen, glücklich machenden Nachrichten. Wenn dann aber Menschen dazu “eingeladen” werden, vor laufender Kamera Maden auszulutschen, Käfer zu essen oder Emu-Blut zu trinken, sitzt die halbe Nation vor den Fernsehgeräten. So geschehen beim Start der neuesten Staffel des RTL-Dschungelcamps.

6,88 Millionen Zuschauer haben die Marktforscher ermittelt, den Rekordwert für Freitagabend. Aber wie kann das sein, wo doch linke Intellektuelle solche Sendungen angewidert ablehnen, aber sogar konservative Kreise einst ein Verbot des Ekelcamps gefordert haben? Ist den Menschen gar nichts mehr heilig?

Klare Antwort: Nein. Jedenfalls nicht, wenn es um gescheiterte Promis geht. Scheiternde Berühmtheiten sind das Brot einer ganzen Branche. Wenn eine alternde Filmdiva von ihrem jungen Lover betrogen wird, wenn eine Sängerin mit ihrem Kinderwagen einen Linienbus rammt oder wenn ein Schauspieler auf Mallorca besoffen in den Hotelpool stolpert, dann tröstet das uns mutmaßlich normale Menschen. Weil es den Reichen und Schönen trotz all ihres Ruhms und ihres Geldes nicht besser geht. Noch mehr gefällt es uns, wenn sich Stars durch eigene Blödheit ruiniert haben.

Davon lebt die Klatschpresse – und davon lebt erst recht das Fachblatt für Ekeljournalismus, die Bild-Zeitung. Sie hat RTL in großen Lettern dazu gratuliert, dass schon in der ersten Sendung der neuen Staffel alle bisherigen Ekel-Grenzen überschritten wurden. Und der Umstand, dass ein übernatürlich vollbusiges Model zuallererst mit Dschungelviechern traktiert wurde, lieferte Stoff für die zweideutige Überschrift “Dschungel-Micaela schluckt alles”.

Da hechelt der geneigte Leser gemeinsam mit dem Redakteur. Und alle sind froh.

Ich eigentlich auch, aber aus einem anderen Grund. Weil in Australien wieder Stabheuschrecken gelutscht werden, werden die Schlagzeilen über unseren unglücklichen Bundespräsidenten Christian Wulff kleiner. Das Land hat ein zweites großes Thema. Hurra! Willkommen in der Normalität.

Januar 11th, 2012

Gesucht: Ein alter Mann zum Anlehnen

Achtung, hier kommt ein Stoßseufzer: Dieses Land braucht Vorbilder! Dringendst! Wenn selbst der Bundespräsident, also der “Erste Mann im Staat” in merkwürdige Geschäfte und Kungeleien verwickelt ist, müssen wahre Helden her. Aber wie das so ist, in unserer schnelllebigen Zeit. Diese sind voraussichtlich nur noch zeitlich begrenzt für uns da.

Denn das Volk zieht gnadenlose Konsequenzen aus dem Scheitern der Ministerial-Praktikanten von der FDP: Es setzt auf alte Männer. Nach einer neuen Umfrage im Auftrag der Zeitschrift “stern” gilt Nelson Mandela (bald 93) den Deutschen als absolute moralische Institution. 82 Prozent nannten ihn ein “großes Vorbild”. Gleich dahinter folgt Alt-Kanzler Helmut Schmidt (im Dezember) mit 74 Prozent. Ihm wird sogar verziehen, dass er Kettenraucher ist. Der Dalai Lama alias Tendzin Gyatsho auf Platz drei bekommt 69 Prozent. Er ist ein netter Kerl – und hat eventuell den Platz von Jopi Heesters eingenommen.

Wir haben also wieder Lust auf den Opa, der uns im Lehnstuhl sitzend die Welt erklärt. US-Präsident Barack Obama, der mit 64 Prozent den vierten Umfrage-Platz erreicht, ist in diesem Sinne ein echter Ausreißer. Während der Fünfplatzierte, Günther Jauch, mit 55 Jahren unverschämt jung ist, aber eben auch Unmengen sinnlosen Wissens unter die Menschen streut.

Der Trend zur Erfahrung zeigt sich auch beim ersten Fußball-Star unter den Vorbildern. Nicht Gomez oder Götze liegen vorne, sondern Bundestrainer Joachim Löw. Mit 54 Prozent rangiert er drei Punkte vor Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Papst Benedikt XVI., der in seinem schonungslosen Kampf gegen die Überbevölkerung die Homosexuellen zur Bedrohung für die Welt erklärt hat, rangiert mit 32 Prozent schon deutlich dahinter. Und erst dann folgt unser eigentliches hauptamtliches Vorbild, Christian Wulff. Nur jede/r Fünfte erklärt ihn um Idol.

Das ist dramatisch schlecht, aber wir wollen gerne annehmen, dass Guido Westerwelle und Herr Achmedinedschad aus Teheran noch schlechter dastehen. In unserer schnelllebigen Zeit wird man eben leicht mal unpopulär.

Eine Frage aber bleibt: Wo sind unsere vorbildlichen Frauen? gut, Inge Meysel und Heidi Kabel sind tot. Aber was ist mit unserer Familienministerin? Ach so, Kristina Schröder ist zu jung. Stimmt, doch Hoffnung ist da. 93 wird sie im Jahr 2070. Bis dahin, ganz sicher, ist sie eine richtig gute Politikerin.

Januar 4th, 2012

Der dumme Mann von Schloss Bellevue

Wer zuviel telefoniert, macht auch mal Fehler.

Wer zuviel telefoniert, macht auch mal Fehler.

Wie sich die Dinge doch manchmal entwickeln. Als die ersten Skandal-Meldungen über Christian Wulff zu lesen waren, war mein erster Gedanke, dass seine Affären genauso langweilig sind wie er selbst. Nun aber wackelt der Bundespräsident bedenklich. Und man muss sagen: Da droht einer an seiner eigenen Dummheit zu scheitern.

Die Aufregung um den Drohanruf bei Bild-Chefredakteur Kai Diekmann halte ich für übertrieben. Jede Aktion, die sich – von wem auch immer – gegen die Pressefreiheit richtet, ist Mist. Aber diese Welle der Solidarität, die nun über das fieseste Blatt der Republik schwappt, wirkt kurios. Die überleben das schon, keine Sorge.

Man darf auch nicht so tun, als wäre da etwas ganz und gar Ungeheuerliches passiert. Versuche, die Medien einzuschüchtern oder wenigstens zu beeinflussen, gibt es immer und überall. Anrufe bei Chefredakteuren sind sogar recht beliebt.

Allerdings: Sie sind das bevorzugte Druckmittel der mentalen Dorfbürgermeister. Der Könner zeigt sich kooperativ, verabreicht dem Journalisten ein Informationshäppchen, verbunden mit dem Satz “Ist doch alles nicht so schlimm, oder?”. Gerne wird auch auf noch laufende Untersuchungen (“Schwebendes Verfahren”) verwiesen. Der wahre Profi schließlich bietet im Gegenzug für Stillschweigen einen viel größeren Skandal an, in den eine andere Person verwickelt ist.

Erschreckend ist somit Wulffs Hirnlosigkeit, Drohungen auf einem Anrufbeantworter zu hinterlassen. Dumm ist seine Meinung, dass er sich ernsthaft mit Bild und dem Springer-Verlag anlegen könnte. Wo man ihn doch gerade von dieser Seite lange Zeit so überaus freundlich gehätschelt hat.

Man könnte sich damit trösten, dass ein dummer Bundespräsident keinen großen Schaden anrichten kann. Bei Christian Wulff allerdings kommt der Verdacht auf weitere massive Schwächen hinzu. Im April dieses Jahres war er umschwärmter Mittelpunkt bei der 200-Jahr-Feier der in Bielefeld erscheinenden Tageszeitung “Neue Westfälische”. In der Ankündigung des Besuches hieß es: “Bundespräsident Wulff liegen die Themen ,Tageszeitungen’ und ,Lesen und Leseförderung’ besonders am Herzen. Er hat die Schirmherrschaft über die Stiftung Lesen übernommen.” Er zeigte sich damals als aufgeschlossener Gesprächspartner streikender Redakteure/-innen und schwärmte in seiner Festrede vom überragenden Wert der Arbeit von guten und unabhängigen Journalisten.

“Aufgabe der Zeitungen ist es, den Dingen auf den Grund zu gehen”, sagte Christian Wulff damals. Vergesslich ist er also auch noch…

Dezember 22nd, 2011

Der Bundespräsident als böser Weihnachtsmann

Fernsehtipp: Lieber Benedikt als Christian gucken.

Fernsehtipp: Lieber Benedikt als Christian gucken.

Nein, ich habe keine Lust, mich groß über die moralische und sonstige Dimension des Skandals um Christian Wulff auszulasten. Aber für mich steht fest: Der Bundespräsident ist kein guter Christ.

Seine im typischen Knödelton vorgetragene “Entschuldigung” war doch nur eine Pflichtübung. Er musste eine Beruhigungspille unters Volk schmeißen, um ein bisschen aus der Schusslinie zu kommen. Damit er den Rücken frei hat, um zu Weihnachten über Nächstenliebe, über das famose mitmenschliche Engagement der Krankenschwestern und Feuerwehrleute, über den herausragenden einsatz deutscher Soldaten am Hindukusch und über die wunderbaren Revolutionen im arabischen Raum daherzureden.

Der Weihnachtsbaum gehört zu Deutschland. Jawohl. Aber was macht der Wulff in dieser Zeit, in der andere ans Schenken denken? Er feuert seinen langjährigen Sprecher Olaf Glaeseker. Hätte das nicht noch ein paar Tage Zeit gehabt? Nein, zu Weihnachten kündigen sonst nur ausgewiesene Raubtierkapitalisten oder ausgewiesene Nicht-Christen.

Und deshalb rufe ich alle dazu auf, Wulffs Rede nicht zu gucken, sondern zum Zeichen des Protests überall im Land die Toilettenspülungen zu drücken. Die Stadtwerke werden uns davon berichten.

Ich selber schaue mir zu Weihnachten und zum Jahreswechsel den Papst an. Der ist auch irgendwo schlimm. Aber seine “Espressione Cinese” ist immer wieder schön. Wie “Dinner for one” für die Stadt Rom und den Erdkreis. Hallelujah!