Es gibt ein Recht auf Faulheit

Spüren Sie, wie schön es ist? Seit Tagen kein Amoklauf, keine wichtigen Spiele der Bundesliga, kein akuter Streit um Erdogan. Es herrscht sommerliche Ruhe. Wir können uns entspannen, unterm Sonnenschirm Espresso oder Bier schlürfen. Unser gestresstes Gehirn hat Pause, es macht Urlaub von den bösen Gedanken.

Diese Situation passt zum internationalen Faulpelztag am 10. August. Dessen Titel klingt zwar negativ, aber er soll der Menschheit die richtige Erkenntnis vermitteln, dass es völlig in Ordnung ist, einfach einmal gar nichts zu tun. Dasitzen, auf die imaginäre Prärie starren oder olympisches Dressurreiten schauen, und das Bruttosizalprodukt nicht zu steigern. Doch wo die Chinesen 28 Stunden am Tag arbeiten: Ist dann nicht unanständig?

Gar nicht. Hilfe bekommen wir von der Wissenschaft. Im Interview mit den Nürnberger Nachrichten hat der Neurologe Frank Erbguth klargestellt, dass das menschliche Gehirn schöpferische Pausen braucht. Wer sich diese gönne, sei hinterher frischer und ausgeruhter als die rastlosen Schaffens-Fanatiker. Wer döst, schafft es auf die Überholspur. Dauerhektik ist widernatürlich, erläutert der Hirnforscher und belegt es mit diesem Satz: „Kein Hund käme auf die Idee, einfach mal durchzumachen.“

Das sitzt. Danke für die Erkenntnis, Herr Professor. Auch wenn sie nicht neu ist. Die Arbeiterbewegung hat schon im 19. Jahrhundert erkannt, dass es nicht gut sein kann, wenn Arbeiter rund um die Uhr schuften. Im Jahr 1900 wurde der 10-Stunden-Tag, 1918/19 der Acht-Stunden-Tag geregelt. Schließlich wurden Verkürzungen der Arbeitszeit bis hinunter zur 35-Stunden-Woche erstreikt.

Chefs sehen die Sache meistens anders. Fürs Ranklotzen gibt es Schulterklopfen, fürs Burnout eher nicht.

Doch: Wir haben es selber in der Hand. Legen wir Pausen, denn ein Recht auf Faulheit gibt es. Sagt das Arbeitszeitgesetz. Ob wir dabei der Gewerkschaft oder einem Hirnforscher folgen, ist letztlich egal. Hauptsache, wir machen es.