Posts Tagged ‘Wirtschaft’

April 4th, 2014

Die lustigen Rentner sind unser Ruin

Ach, diese Rentner. Sie werden uns ruinieren. Sie sind unser Verderben. Wollen bezahltes Nichtstun schon mit 63. Obwohl der Zusammenbruch der Ökonomie droht. Widerliche Egoisten!

Erstmal: Die Debatte ist aufgeblasen. Wer mit 63 ohne Abschläge gehen will, muss ja 45 Jahre als Beitragszahler/-in gearbeitet haben. Daran dürfte der schnelle Abgang öfters scheitern. Aber das ist eine Randbemerkung.

Erstaunlicher ist die Verlogenheit unserer Wirtschaftsbosse. Vor ein paar Jahren wurde das Thema noch ganz anders gehandhabt. Ältere Beschäftigte wurden als Problem gesehen. Sie seien unflexibel, könnten dem technologischen Fortschritt nicht mehr folgen. Außerdem seien sie ständig wochenlang krank oder auf Reha. Und teurer seien die Alten sowieso.

„Jung und dynamisch“ war angesagt. Also wurde in vielen Firmen aufgeräumt. Die Generation Ü50 wurde weggschickt, bevorzugt mit hoch subventionierten Altersteilzeitverträgen.

Inzwischen fehlen die jungen Kräfte – und schon entdeckt unsere Wirtschaft neue Werte. Ältere Beschäftigte verfügten über unersetzliche Erfahrungswerte. Sie seien genauso lernwillig wie ihre jungen Kollegen. Und meldeten sich auch nicht häufiger krank. Was übrigens stimmt.

Vielleicht sind die Alten aber auch selber schuld daran, dass sie neu entdeckt werden. Würden sie sich, wie es sich für Rentner gehört, auf eine Parkbank setzen und mit ihrem Altersgenossen über ihre neuesten Wehwehchen reden, würde man voll des Mitleids an ihnen vorbeigehen. Stattdessen sitzen sie zur besten Arbeitszeit beim Latte Macchiato im Café, schwimmen, fahren Rad, klettern und kleben sich für’s Rockfestival eine Rolling-Stones-Zunge an den Rollator.

Diejenigen, die von den Controllern in computergestützte Vollstress-Jobs gepresst worden sind, können so viel gute Laune natürlich nicht ertragen. Also, liebe Rentner, zeigt endlich Demut! Dann lassen wir euch gerne gehen. Wenn’s sein muss, auch schon mit 63.

 

Mai 25th, 2013

Kauflust ist nur die pure Verzweiflung

Die Zeiten für die Märkte sind schwer. Aber es gibt, so heißt es neuerdings, sehr viel Hoffnung. Denn die Konsumenten machen den ganzen Pessismus angeblich nicht mit. Die Kauflaune der Deutschen, behaupten die einschlägigen Forscher, sei überragend gut. Es gebe keine Rezession, weil das Geld herausgehauen werde. Und zwar mit Herzenslust. Ach Leute, was für ein unglaublicher Quatsch! Gekauft wird doch vor allem aus Verzweiflung.

Ich habe gerade Post bekommen. Von meiner Genossenschaftsbank, die ich eigentlich wirklich schätze. Beigelegt war ein Prospekt, mit dem mir “Starke Zinsen” versprochen werden. Zu erreichen durch einen famosen neuen Sparbrief. Daneben stand ganz groß die Zahl “1,5″. Wie bitte, Einskommafünf?

Wenn das starke Zinsen sein sollen, dann bedeutet das, dass es heutzutage spezieller Bankprodukte bedarf, um die schleichende Enteignung durch die Inflation zumindest einzudämmen. Das Sparbuch hingegen unterscheidet sich vom Sparstrumpf nur noch dann, wenn die eigene Bank keine Gebühren verlangt. Eigentlich ist es aber egal, ob man Geld im Tresor oder unter dem Kopfkissen ablegt. Es ist so oder so totes Kapital, viel öder als ein neues Sofa.

Also ziehen wir die Scheckkarte und helfen den Konjunktur-Gesundbetern. Oder ist das alles nur ein Irrtum?

So hat das Nürn­berger Marktforschungsunterneh­men GfK beobachtet, dass sein “Konsumbarometer” im Mai auf den höchs­ten Stand seit fast sechs Jahren gestiegen sei. Kein Wunder. Dieses Barometer hängt wahrscheinlich vor dem Fenster des für Kaffeesatzleserei zuständigen Abteilungsleiter. Es ist so geeicht, dass es kräftig nach oben ausschlägt, sobald das Wetter weihnachtlich wird. Und was haben wir? Einen klimatischen Bockmist, der uns davon abhält, in Freibädern herumzuliegen oder im Biergarten herumzusitzen. Wir bekämpfen unsere Nachtfrost-Depression, indem wir uns wenigstens was Schönes gönnen. Jacken und Smartphones sind aber teurer als die Currywurst am Stausee.

Somit haben wir gelernt: Der Umsatz passt – aber von Lust keine Spur. Stattdessen Verzweiflung, wohin das Auge blickt. Gegen die Inflation hilft uns wahrscheinlich nichts. Ansonsten flehen wir mit lauter Stimme: “Verzeih’ uns endlich! Kachelmann hilf!”

Mai 2nd, 2013

Die Gesellschaft der feinen Asozialen

Was sind Steuersünder wirklich? Fehlgeleitete Schafe, die man mit ausgebreiteten Armen liebevoll wieder in die Gemeinschaft aufnehmen sollte? Oder strunznormale Kriminelle, die den großen Vorteil haben, dass ihnen bei offiziell bekundeter Reue Straffreiheit winkt? Der Präsident des FC Bayern München, Uli Hoeneß zählt sich selbst ganz klar zur ersten Kategorie. Und klagt deshalb von der Titelseite der “Zeit”: “Ich gehöre nicht mehr dazu.”

Er sieht sich also als Ausgestoßener. Da aber täuscht er sich radikal. Hoeneß wurde durch seinen Steuerbetrug eben nicht aus der Gesellschaft hinauskatapultiert. Er war gar nicht drin.

Reiche, mächtige und berühmte Menschen kreieren sich ihre eigene Gesellschaft. Sie basteln sich ihr persönliches Umfeld, in dem die Regeln der großen Masse nicht gelten. Der Golfplatz ist kein Wirtshaus, die Schweizer Privatbank keine Kleinstadt-Sparkasse. Und der FC Bayern München ist, nun ja, sowieso von Lichtgestalten bevölkert und mithin nicht mehr erdgebunden, sondern Zentralgestirn einer von allen Zwängen befreiten Lederhosen-Galaxie.

Einer wie Uli Hoeneß macht keine Fehler. Sie werden mit ihm gemacht. Wenn er jetzt im Interview darauf hinweist, dass er zum krankhaften Zocker geworden war, dann hat nicht er Mist gebaut. Er wurde durch die Sucht, durch die äußeren Umstände dazu getrieben. Diese Problembeschreibung kennt jede betrogene Ehefrau.

Aber ist dieser Fußball- und Bratwurstpräsident mehr als die Spitze des Eisbergs? Das wiederum nicht. Dazu gibt es zu viele Abzocker. Nehmen wir nur die vielen Unternehmen, die Dumpinglöhne bezahlen. Deutschland hat den größten Niedriglohnsektor in Europa. Mehr als jede/r Fünfte wird auf geringem Niveau entlohnt.

Wenn es für diese Menschen aber doch zum Leben reicht, dann durch das Aufstocken über Hartz IV. Das Geld hierfür kommt aus den Steuern und Sozialbeiträgen der Masse der Beschäftigten. Auch ein Uli Hoeneß lässt (selbstredend ausschließlich durch seinen Sohn) in seinem Familienbetrieb Niedriglöhne zahlen. Eine Bananenflanke von Ribéry ist zehntausend Mal mehr wert als eine sauber geschlachtete Sau.

Und so kommt es, dass feine bis feinste beziehungsweise wichtige bis wichtigste Persönlichkeiten unserer Wirtschaft in Wirklichkeit nichts anders als elende Schmarotzer sind, die sich ihren Profit über die Gemeinschaft sichern lassen. Der Bundespräsident liegt richtig, wenn er für die Abzocker das Wort “Asozial” verwendet. Gut für sie, dass es so viele fromme Schafe gibt.

Dezember 6th, 2012

Die Not hilft nur den “höheren Wesen”

“It’s the economy, stupid”. Mit diesem Satz hat Bill Clinton vor 20 Jahren die US-Präsidentenwahl gewonnen. Es kommt auf die Wirtschaft an. Zwar sträubt sich bei mir innerlich etwas gegen diese Erkenntnis. Weil ich das Leben lieber idealistisch betrachten möchte. Aber ich muss zugeben: Der Mann hatte recht.

Außerdem: Seit einiger Zeit sind mir bestimmte Textzeilen aus der “Internationalen” ins Hirn gedübelt. In diesem Arbeiter-Kampflied heißt es:  “Es rettet uns kein höh’res Wesen. Kein Gott, kein Kaiser, noch  Tribun. Uns aus dem Elend zu erlösen, müssen wir schon selber tun.” Über 100 Jahre ist dieser Text alt. Und trotzdem hoch aktuell. Denn er sagt auch: Wenn die Wirtschaft nicht richtig funktioniert, wenn Wohlstand nicht gerecht verteilt ist, wächst die Sehnsucht nach höheren Wesen.

Ein Beispiel dafür ist für mich Ägypten. Dort hat das Volk einen Diktator aus dem Amt gejagt. Es gab die Hoffnung, dass dort die Demokratie ausbrechen würde. Aber die Wirtschaft ist am Ende, auch deshalb, weil die Touristen, aus Angst vor unkontrollierten freiheitlichen Umtrieben, weggeblieben sind. Kein Geld, keine Perspektive – also hilft vielleicht der liebe Gott. Man baut auf die Religion und auf jene, die sie für Machterwerb und -erhalt nutzen. Solche Kräfte haben zudem die reichsten Sponsoren. Wahrscheinlich wird eine Diktatur durch eine andere ersetzt.

In Europa sieht es nicht besser aus.  Je mehr Menschen in EU-Staaten in die Armut getrieben werden, desto voller werden die Kirchen. Umso größer werden aber auch die Chancen für politisch extreme Rattenfänger. Man sieht das in Ungarn, wo im Parlament unverblümt gegen Juden gehetzt wurde. In Italien, wo die Demokratie von einer vermeintlichen Lichtgestalt so ziemlich erledigt wurde, sind rassistische Ausfälle gegen afrikanische Bootsflüchtlinge oder gegen Rumänen gesellschaftsfähig. Und auch in Griechenland wächst die Zustimmung für “höhere Wesen” vom rechten Rand. In Spanien herrscht eine enorm hohe Arbeitslosigkeit, vor allem bei jungen Leuten.  Unter Hinweis auf die Krise wurden Rechte von Arbeitnehmern beschnitten.

Während Deutschland dank niedriger Zinsen bisher stark von der Krise profitiert, wird anderswo die Demokratie kaputtgespart. Dass das nicht mehr lange gut geht, ist schwer zu befürchten. Wenn aber die “höheren Wesen” eingreifen, wird es ganz bestimmt so sein.

 

Juli 25th, 2012

Billigbier, oder: Wir bejubeln den Stillstand

Wie schön, wir sind bescheiden geworden. Über Jahrzehnte hinweg galt es als wichtiges und richtiges  Ziel, für Wachstum zu sorgen. Und das auch in den Geldbeuteln der Menschen. Heute aber feiern wir folgende Meldung: Es geht uns genauso gut wie vor 21 Jahren.

Damals, nach der deutschen Wiedervereinigung, herrschte in der Wirtschaft die pure Euphorie. Mit einem Schlag waren über 16 Millionen hungrige Konsumenten dazugekommen.  Menschen, die endlich ein richtiges Auto fahren und in völliger Freiheit Bananen essen wollten. Die es nicht erwarten konnten, die Schlange im HO-Geschäft mit jener bei Aldi oder Lidl einzutauschen. Von nun an, so war man sich sicher, würden alle Statistik-Kurven unserer Wirtschaft nur noch eine Richtung kennen. Nämlich nach oben.

Das ist Vergangenheit. Heute feiern wir den Stillstand.Wie das Institut der deutschen Wirt­schaft mitgeteilt hat, sind Nettolöhne und Warenpreise seit 1991 im gleichen Ver­hältnis zueinander gestiegen. 2011 habe demnach ein Arbeitnehmer für die geleistete Arbeitsstunde netto 45 Prozent mehr Lohn als vor 20 Jahren bekommen. Die Warenpreise seien im selben Zeit­raum um 43 Prozent geklettert. Die Kaufkraft sei daher gleichgeblieben.

Ein schlagendes Beispiel für seine Vergleichsrechnung liefert das Institut gleich mit. Eine Flasche erfordere wie früher eine Arbeitsleistung von drei Minuten. Für ein Kotelett reichten pro Kilo Fleisch sogar statt damals 36 heute 30 Minuten.

Nette Statistik, aber was ist mit den Preisen für Benzin oder Gas? Auch andere ausgewählte Produkte haben sich stärker verteuert. Bienenhonig ist innerhalb der letzten zehn Jahre um 134 Prozent teurer geworden, Schokolade um 112 Prozent, italienische Spaghetti um 84 Prozent und Joghurt um 67 Prozent.

Offensichtlich gilt auch hier der Satz: Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast. Solange wir noch billiges Bier haben, ist uns Trost gewiss.

April 11th, 2012

Eigener Herd ist Geldes wert

So ist's recht: Diese Familienidylle geht aber nur, wenn Mami am Herd bleibt.

So ist's recht: Diese Familienidylle geht aber nur, wenn Mami am Herd bleibt.

Wenn es um Mann, Frau, Kind und Familie geht, sitzt bei der CSU der Stachel der Moderne tief. Gerade Kinderkrippen sehen Teile unserer früheren Alleinregierungspartei noch immer als Teil einer sozialistischen Verschwörung an. Wurde dieses System doch in der früheren DDR eingeführt und erprobt.

Was solle denn bitteschön, hieß es in zurückliegenden Diskussionen, aus der Beziehung von Eltern und Kind werden, wenn schon kleinste Kinder von der Mutterbrust gerissen und in die Obhut staatlich ausgebildeter Fachkräfte gegeben würden? Auch das staatliche Familiengeld war lange Zeit nicht im Sinne der CSU. Deren Idealbild war die oberbayerische Vorzeigefamilie, in der die Kinder den Papa bei dessen Rückkehr aus dem rauen Alltag mit zünftiger Zither- und Hackbrettmusik empfangen und Mamas Schweinebraten mit einem innigen Tischgebet begrüßen.

Aber die Zeiten haben sich gewandelt. Selbst die naivste Frau weiß inzwischen, dass es für ihr Geschlecht drei entscheidende Karrierehindernisse gibt: 1. Die Möglichkeit, dass sie ein Kind bekommt. 2. Dass sie ein Kind bekommen hat. 3. Dass sie wegen eines Kindes für längere Zeit nicht mehr am Arbeitsplatz erscheint. Entsprechend handelt der Großteil unserer famosen Wirtschaft.

Also bleibt für die CSU nur das Betreuungsgeld als letztmögliche Brandmauer gegen die alles verderbende Kinder-Gleichmacherei. Die Mütter und Väter sollen „freiheitlich” ent­scheiden dürfen, ob sie ihre Kinder in eine Krippe geben oder sie zu Hause erziehen wollen. Und wer daheim erzieht, soll finanziell belohnt werden.

Parteichef Horst Seehofer will das bedingungslose Heimerziehungs-Grundgehalt mit ganzer Macht einführen. Verschiedentliche Zweifel hat er mit dem Satz gekontert: “Da wird kein Jota verändert.” Gut, allerdings wissen wir auch: Schon mehrfach in den letzten Jahren hat der Stellvertreter des bayerischen Löwen auf Erden laut gebrüllt. Doch wenn es ernst wurde, waren die Zähne immer weg. Also, schaumer mal.

März 29th, 2012

Warum sind Chefs so herzlos?

Weil die Chefs in Deutschland ihre Mitarbeiter viel zu selten loben, haben sich immer mehr Menschen gedanklich von ihrer Arbeit verabschiedet. Doch wollen wir wirklich von jedem Chef gestreichelt werden? Und was denken Vorgesetzte wirklich?

Oktober 14th, 2011

Wie weise sind die Wirtschaftsweisen?

Jetzt fragen wir doch mal Wikipedia: “Als Weisheit wird eine transkulturell-zeitlose, universal-menschliche, reale oder ideale, entweder als reifungsbedingt erwerbbar oder aber als göttlich verliehen gedachte exzeptionelle Fähigkeit bezeichnet. Sie zeichnet sich durch eine ungewöhnlich tiefe Einsicht in das Wirkungsgefüge von Natur, Leben und Gesellschaft, besonderes Wissen, eine herausragende ethisch-moralische Grundhaltung und das damit verbundene Handlungsvermögen aus.”

Erstmal herzlichen Glückwunsch, falls Sie diese Definition stolperfrei hinter sich gebracht haben. Sie klingt herausragend. Aber passt diese Beschreibung, zu den größten ökonomischen Denkern unserer Tage, den fünf Wirtschaftsweisen? Doch eher mal nicht.

Einen Rat der Weisen stelle ich mir als eine Gruppe mehrerer alter Männer und deutlich weniger alter Frauen vor. Menschen, die Krieg und Wirtschaftsaufschwung, im Zweifel auch Gamma-Strahlung und Cholera erlebt haben – und die auf dieser Basis in aller Sorgfalt die Welt analysieren. Ich denke da an Heiner Geißler, Helmut Schmidt, Arnulf Baring, Peter Scholl-Latour und – als Gaststar – Madeleine Albright. Ihrem Urteil könnten wir trauen, weil sie ja nun rein wirtschaftlich nichts mehr zu gewinnen oder zu verlieren haben.

Aber diese Leute vom “Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung” nehme ich nicht ernst. Jedes Jahr wird ihr Auftritt vor der Pressekonferenz als Top-Nachricht durch die Medien genudelt. Und immer wieder stellt sich heraus, dass die Prognose des Vorjahres falsch war.

Ganz ehrlich: Ich würde bei meiner Geldanlage inzwischen eher Krake Paul, der Volksfest-Kaffeesatztante Madame Julischka oder Kater Carlo vertrauen. Aber was soll ich mich ärgern? Wut ist unweise. Da suche ich lieber Trost bei großen Denkern.

“Alle menschliche Weisheit liegt in den zwei Worten »Harren und Hoffen!«”. So sprach Alexandre Dumas. Und ein weiteres Wort zur Eurokrise stammt von Adolph Kolping: “Sich heldenmütig ins Unvermeidliche fügen ist ja auch Weisheit.” Wer’s glaubt, wird vielleicht selig.

Juli 26th, 2011

Kaufhof-Rettung? Da hilft nur Geld.

Kennen Sie den? Den Primat der Politik? Dieser Begriff steht für die Meinung, dass bei wichtigen Entscheidungen der politische Wille Vorrang vor allen anderen Interessen, insbesondere vor wirtschaftlichen, haben sollte. Manchmal aber ist dieser Primat ein Witz. Aus gutem Grund.

Namhafte Gelehrte bezweifeln ohnehin längst, dass eine Welt funktionieren kann, in der die Politiker/-innen stets zuallererst den Ton angeben. Sie beschäftigen sich dabei gerne mit der Globalisierung. Ich nehme ein Nürnberger Thema. Den Kaufhof.

Jüngst hatte ich geschildert, dass mich das für 2012 geplante Aus für das traditionsreiche Nürnberger Südstadt-Kaufhaus richtig traurig macht. Mich verbinden damit viele persönliche Erinnerungen. Auch zahlreiche andere Menschen zeigten sich geschockt.

Alle, die in dieser Gegend Verantwortung tragen, sollten daher schleunigst gemeinsam nach der besten Lösung für die Zukunft suchen. Meint man. Aber das gelingt nicht. Zurzeit jedenfalls sucht offenbar jede Partei nach einer eigenen Lösung, die Einzelhändler-Vereinigung “Südstadt Aktiv” verbündet sich ganz offiziell mit der CSU,  bedient sich aber auch bei Ideen bei der SPD. Aus Sicht der Bürger entwickelt sich ein “Herr-Lehrer-ich-weiß-was-Spiel”. Am vergangenen Samstag waren auf dem Aufseßplatz zwei Stände zum Thema Kaufhof aufgebaut. Ein seltsames Bild.

So werden die Akteure nicht zum Ziel kommen. Den Primat der Politik kann man vergessen. Es hilft nur jemand, der den Mut hat, in diesen grauen Kasten viel Geld zu investieren. “It’s the econonmy, stupid” – es kommt darauf an, was die Wirtschaft sagt. Der frühere US-Präsident Bill Clinton hat mit seinem berühmten Satz in Sachen Nürnberger Südstadt recht. Und das ist ja auch ein globaler Aspekt.

 

 

 

 

 

Juli 11th, 2011

Wer kennt sie – die Wahrheit über Frauen?

Im Journalismus lernt man von Anfang an, dass man es mit den Botschaften nicht übertreiben soll. Vor allem sollte man nie sensationelle Versprechen geben, die man nicht erfüllen kann. Aber was macht gerade das selbst ernannte Magazin für die Info-Elite, der “Focus”? Geht mit der Titelgeschichte “Die Wahrheit über Frauen” auf den Markt. Und illustriert diese Botschaft mit TV-Moderatorin Michelle Hunziker. Mit einer durchschnittlichen Frau also.

Muss Mann das kaufen? Keinesfalls. Schließlich kann es keine noch so gute Zeitschrift schaffen, jene Rätsel zu entschlüsseln, die zahllose Männer bis ans Lebensende und oft genug darüber hinaus begleiten. Ein Heft wie der “Focus” schon gar nicht.

Nein, Frauen bleiben ein Rätsel. Zu erleben ist das bei den Chefs in den allermeisten Firmen. Diese machen ihre Unternehmen zu Weltmarktführern, erfinden die besten Automotoren, Solarzellen und Kuhstall-Fliegenfallen überhaupt, haben aber mitunter erhebliche Probleme, ihren Mitarbeiterinnen bereits vor deren zehntem Betriebsjubiläum den jeweils richtigen Namen zuzuordnen. Vor allem tun sich Spitzenmänner schwer mit der Vorstellung, dass eine Frau ihren Job genauso gut machen könnte, wie sie selbst. Wo doch die eigene Gattin mit Tennis, Golfen, Kosmetik-Terminen oder mit dem Betreiben ihrer kleinen Kunstgalerie so irrsinnig ausgelastet ist.

Deshalb wurden wahrhaftige Glanzlichter der Frauenförderung in Deutschland bislang nur dann gesetzt, wenn ein alter Mann seine Frau durch ein jüngere Mitarbeiterin ausgetauscht hat und anschließend gestorben ist. Die so aufgestiegenen Chefinnen heißen dann zum Beispiel Friede Springer oder Liz Mohn. Und deren Läden laufen.

Aber ein bisschen muss man die Männer auch verstehen. Denn dann, wenn man Frauen einmal bedingungslos vertraut, versagen sie. Oder war es nicht ausgemacht, dass sie Fußball-Weltmeisterinnen werden? Und dann das Aus! Gegen diese Japanerinnen mit ihren kleinen Füßen! Wären sie im Halbfinale rausgeflogen, hätte man die DFB-Frauen wenigstens “Weltmeisterinnen der Herzen” rufen dürfen. Aber so. Wer braucht schon Weltmeisterinnen der Nieren.

Klar, sie waren schon mal die Besten der Besten. Aber für drei Siege in Folge haben unsere Frauen offenbar noch nicht den ausreichend langem Atem. Ähem, will nicht unsere Bundeskanzlerin 2013 auch noch mal….?

Mai 22nd, 2011

Liebe Männer: Finger weg von Teilzeit!

Zwei Typen von Menschen verursachen mir Pickel auf der Seele: Vorneweg notorische Lächler, die anderen Leuten genauestens erklären, was “Glück” ist und wie man dahin kommt. Und außerdem Experten, die behaupten, dass sie die Zukunft kennen.

Eine solche Einrichtung ist die Bertelsmann-Stiftung. Diese beschäftigt sich damit, die Gesellschaft zu erforschen und den Spitzen der Politik Entscheidungshilfen für Themen zu geben, von denen diese nichts verstehen. Zu Fragen von Familie und Kindererziehung zum Beispiel. Politiker/-innen sind ja selten daheim.

Diese mächtige Stiftung hat also eine Umfrage in Auftrag gegeben. Und siehe da: Für sechs von zehn Deutschen ist der männliche Alleinverdiener in der Familie ein Auslaufmodell. Wobei das für mehr als 30 Prozent der Befragten mit dem gesellschaftlichen Fortschritt zu tun hat. Frauen seien grundsätzlich berufstätig und sollten in Gesellschaft und Beruf gleichberechtigt sein, meint diese Gruppe. Der Aussage, dass es wichtig sei, dass auch Frauen Karriere machen könnten, stimmen dann allerdings nur noch 17 Prozent in Ostdeutschland und äußerst magere fünf Prozent im Westen zu.

Wenn das mit dem Auslaufmodell “Papa Dagobert” stimmen sollte, würde das allerdings bedeuten, dass es in Zukunft immer mehr Teilzeit-Männer gäbe. Und da muss ich leider warnen und deutlich sagen: Liebe Männer, Finger weg! Lasst es bleiben!

Unsere Wirtschaft ist nämlich noch weit weg von dieser Zukunft. Frauen, die zuerst in die Familienpause gehen und danach Teilzeit arbeiten, können froh sein, wenn sie das Karriereniveau aus der Zeit vor der Geburt ihres Kindes erhalten können. Eine berufliche Förderung von Teilzeitkräften gibt es selten, weil zumeist männliche Chefs ihre Mitarbeiter/-innen ausschließlich anhand ihres eigenen Verhalten bewerten. Was bedeutet: Karriere wird durch ständige Präsenz, also im Grunde genommen mit dem Gesäß gemacht. Wer seltener da ist, arbeitet zwar meistens effektiver, verschwindet aber vom Aufstiegs-Radar.

Der wahre Grund, warum sich die Gesellschaft weg vom Alleinverdiener entwickelt, ist doch, dass dann Geld und Sicherheit nicht reichen. Es wäre reizvoll und wichtig, wenn Väter eine Chance hätte, ihre Kinder zu betreuen oder wenigstens zu kennen. Aber dafür müsste sich unsere Wirtschaft gewaltig ändern.

Und wann wird das sein? Da halt ich mich an den Dichter George Bernhard Shaw: “Prognosen sind schwierig. Vor allem, wenn sie die Zukunft betreffen.”

Januar 11th, 2011

Geld ist da – bloß immer am falschen Ort

Was ist eigentlich Geld? Ein seltsames Ding. Oder wie kann man sich eine Sache erklären, die es zwar in einer unfassbaren Menge gibt, die aber meistens am falschen Ort ist. Jedenfalls nicht dort, wo sie am dringendsten gebraucht würde.

Nehmen wir den Winterdienst. Die Kämmerer der Städte, Gemeinden und Landkreise stehen unter dem ständigen Druck, einen Sparbeitrag für den Haushalt zu erbringen. Das läuft so, dass die jeweiligen Kommunalpolitiker die Zahlen durchforsten. Dabei stellen sie zum Beispiel fest, dass der Streusalz-Etat über drei Jahre hinweg nicht ausgeschöpft wurde. Also wird gekürzt, bloß: Wenn es nach drei milden Wintern irrwitzig viel Schnee fällt, fehlt es am Salz. Autos  rutschen kreuz und quer durch die Gegend, Fußgänger brechen sich Arme und Hüften.

November 19th, 2010

Unser Klo – das Bollwerk gegen Fremdbestimmung

“In unserer schnelllebigen Welt steigen die Anforderungen an den Einzelnen ständig. Leistungsfähig bleibt nur, wer wachsende Fremdbestimmung und Hektik im Alltag durch Regenerationsphasen kompensieren kann. So werden individuelle Gestaltungsmöglichkeiten immer wichtiger.” Und nun die Preisfrage: Worum geht es hier? Die Antwort: um Bad und Toilette. Denn bei beidem handelt es sich – wie neueste Forschungen der Nasszellen-Soziologie ergeben haben – um unsere ”So-bin-ich-eigentlich”-Räume.

August 15th, 2010

XL-Aufschwung? Die Ökonomen können bloß nicht rechnen

Insgeheim hatten wir diesen Verdacht doch immer: Die Damen und Herren der Zahlen, die Investmentbanker und die Volkswirte, können allesamt nicht rechnen. Aktuell zeigt das unser angeblicher “XL-Aufschwung”.

Januar 13th, 2010

Schlaft endlich, Ihr wachstumsbesoffenen Giraffen!

Alles schon erlebt: Du sitzt einem begnadeten mittelständischen Wirtschaftslenker gegenüber, der es,  sagen wir, zur Weltmarktführerschaft bei Kuhstall-Fliegenfallen gebracht hat. Er erzählt dir von seinem Leben, plaudert über Umsatz und Neuheiten, ehe es aus ihm herausbricht: „Ha, und was das Schlafen angeht. Ich brauche vier Stunden. Keine Minute mehr! Nur so boomt es richtig!“

Da du dich selbst zur fleißigen Elite dieses Landes zählst, fühlst du dich urplötzlich schlecht. Hast du nicht wieder sechs Stunden gepennt? Am Sonntag sogar acht Stunden plus ungeplantem Nickerchen auf dem Sofa. Na und? Schluss mit dem schlechten Gewissen! Gönnen wir uns den Schlaf, den wir brauchen!

Wir sind doch Menschen. Was uns den Vorteil bringt, dass wir umfallen oder uns hinlegen können, ohne dass wir Mordsprobleme bei

Dieser Mann ist übermüdet. Heidi Klums Ehemann Seal klagt, dass er wegen der Kinder zu wenig Schlaf bekommt.

Dieser Mann ist übermüdet. Heidi Klums Ehemann Seal bekommt wegen der Kinder zu wenig Schlaf.

m Aufstehen bekommen. Das erlaubt uns einen achtstündigen Schlaf, wie es auch bei den uns charakterlich manchmal nahe stehenden Spezies Hase und Schwein der Fall ist. Wenig Schlaf haben Tiere, denen das Stehen generell besser bekommt. Also Kuh, Ziege, Esel und Schaf (je drei Stunden), Pferd und Elefant (je zwei Stunden) sowie die Schutzheilige der chronisch Übermüdeten, die Giraffe. Sie schläft nur 20 Minuten am Tag. Immer so lange, dass sie nicht umfällt und zum wehrlosen Opfer blutrünstiger Raubtiere wird.

Wir Menschen sind also von der Natur in Sachen Schlaf gesegnet. Aber was machen wir damit? Wir verachten diese Tätigkeit. Bei einer Umfrage des Allensbach-Institutes (bei der Mehrfachnennungen möglich waren) brachten immerhin 89 Prozent der Befragten Schlaf mit Erholung in Verbindung, 62 Prozent empfanden ein Abschalten vom Stress.

Aber hintenraus, bei den seltener gegebenen Antworten, wird das ganze Ausmaß der Bettendepression des modernen Menschen deutlich. Für 15 Prozent ist Schlaf gleichbedeutend mit Schlafstörungen. Zwölf Prozent halten ihn für Luxus, elf Prozent für eine Form von Faulheit, zehn Prozent für verlorene Zeit. Und vier Prozent gaben an, im Schlaf Langeweile zu empfinden. Wer in dieser Gesellschaft vorwärts marschiert und das Wachstum beschleunigt verzichtet also auf Schlaf.

Andererseits: Wissenschaftler haben auch ermittelt, dass 24 Stunden ohne Schlaf die gleiche Wirkung wie ein Promille Alkohol im Blut haben. Und schon ist uns die wahre Ursache der Bankenkrise klar. Wer ständig derart besoffen Geschäfte macht, muss irgendwann alles gegen die Wand fahren.

Wir brauchen dringend ein Gesetz: Es geht nicht darum, ob Menschen dösen dürfen. Notwendig ist eine allgemeine Schlafpflicht, und zwar bald. Nur so werden manche Leute wieder normal.