„Angela, wir müssen reden!“

Ach komm, Angela. Hab dich nicht so. Mach doch mit beim zweiten Duell. Gar heftig ist das Flehen. Doch Mutti sagt Nein.

Man kann die Verzweiflung von Martin Schulz verstehen. Er hat bei der ersten Begegnung mit Kanzlerin Merkel seine Leib- und Magen-Themen nicht ans Volk gebracht. Nicht deshalb, weil Probleme wie zu hohe Mieten und das Hätscheln der Absahner niemand interessieren würden.

Er blieb zu höflich, hatte aber auch das Problem, dass Großverdiener der vier beteiligten Sender moderiert haben. Deshalb schwebte das Gespräch eher jenseits der allgemeinen Bodenhaftung. Wobei sich dank des Sat 1-Fragestellers Claus Strunz auch die AfD im Studio präsent war.

Sicherlich war Schulz‘ neue Duell-Anfrage durchschaubar populistisch. Denn kein anderer Beteiligter kann daran Interesse haben. Die Fernsehsender nicht, würde eine Neuauflage des Aufeinandertreffens von Kanzlerin und Kandidat ein zumindest indirektes Eingeständnis sein, dass die Themenauswahl für Runde eins unzureichend war.

Angela Merkel schon gar nicht. Die wichtigste Grundregel für Amtsinhaber hinsichtlich eines Herausforderers lautet: „Nicht einmal ignorieren“. Warum sollte sie bei mindestens 15 Prozent Vorsprung in den Umfragen davon abweichen?

Und nicht vergessen: Die Psychologie spricht gegen Martin Schulz. „Wir müssen reden“ ist ein Standard-Satz in jeder Beziehung. Aber im Normalfall ist er weiblich. Somit muss er selber reden. Ein großer Markplatz wird sich bis zum Wahltag schon noch finden.