Unions-Frieden: Liebe ist anders

Friede sei mit Euch! CDU und CSU haben wieder zueinander gefunden. Strahlende Gesichter, fröhliche Statements – man hat sich – für’s Publikum – wieder lieb. Gemeinsam will die frisch geeinte Union diesen Martin Schulz bremsen, der ihnen gerade so fürchterlich die Show stiehlt.

Erwartungsgemäß haben die Medien die Versöhnungs-Inszenierung von Angela Merkel und Horst Seehofer ganz groß vermeldet und unter Einsatz ihres geballten Intellekts kommentiert. Notwendig war das eigentlich nicht. Denn dieses Treffen war vom Thema her ein außerordentlich langweiliges Ereignis. Die Chance, dass dort etwas anderes herauskommen könnte, als die Inthronisierung der Kanzlerin als gemeinsame Spitzenkandidatin, lag bei 0,1 zu 99,9 Prozent.

Interessant war allerdings, bei der Pressekonferenz die Szenen einer Zwangsehe zu beobachten. Augenscheinlich saßen da zwei Menschen nebeneinander, die sich absolut nicht ausstehen können. Oder die sich nachhaltig auseinandergelebt haben, sich aber aufgrund der äußeren Umstände allenfalls durch den politischen Tod scheiden lassen können.

Der bayerische Nörgler warb um ein bisschen Liebe. Aber da sprühte kein Funken, weshalb er an Muttis  Seite auf seine tatsächliche Größe geschrumpft ist. Viele Ehemänner kennen das. Und somit lautet das Fazit: Ruhig, Horst! Dann herrscht Frieden.

Hillary, zeig‘ uns deine Mails

Kaum zu glauben: Da hat Hillary Clinton bereits mit ihren Beratern darüber diskutiert, welches ihrer künstlichen Lächeln für ihre Vereidigung als US-Präsdentin am besten geeignet ist, da rammt ihr die Bundespolizei FBI ein moralisches Küchenmesser in den Rücken. Sie soll beim Umgang mit dienstlichen E-Mails allzusehr geschludert haben.

Bei einem Staat, der ganz selbstverständlich den Anspruch erhebt, auf sämtliche weltweit genutzte Daten zuzugreifen, wirkt das irgendwie lächerlich. Das Ungeheime kann dort doch kaum mehr als ein Kavaliersdelikt sein. Man denkt fast an den früheren Bundes-Wirtschaftsminister Jürgen Möllemann und seinen Sturz über Einkaufswagen-Pfandsysteme.

Doch betrachten wir die Sache arbeitsrechtlich. Wenn ein Arbeitgeber das private Nutzen von E-Mails ohne Einschränkung freigibt, kann nichts passieren. Im Normalfall wird es aber Regeln geben. Üblich ist zum Beispiel, dass geschäftlichliche Dateien nicht in private Postfächer gesendet werden sollen. Wer da erwischt wird, riskiert die Kündigung. Für Hillary Clinton sähe es demnach auch ohne ihren Widersacher übel aus.

Allerdings widerspricht es jeglicher Lebenserfahrung, dass sich das Führungspersonal an solche Vorgaben hält, die es für seine Untergebenen formuliert hat. Wer oben ist, hält sich stets für freier. Und eine Frau, die für ein bisschen politisches Palaver fünf- bis sechsstellige Dollar-Honorare einzustreichen gewohnt ist, verortet sich selbst wahrscheinlich erheblich über dem Oben.

Wir dürfen von einem Unrechtsbewusstsein nahe der Nulllinie ausgehen, weshalb Hillary Clinton schwer verärgert sein dürfte, dass sie wegen solcher Peanuts in Not gerät. Sie findet es, ganz bestimmt, extrem ungerecht.

Bei der aktuellen Lage hilft nur eines: Schonungslose Offenheit. Wir wissen über Hillary Clinton ohnehin schon mehr, als wir schmerzfrei ertragen können. Also dürfen wir auch erfahren, was Hillary Clinton jemals irgendwem gemailt hat. Jeder kleine Satz muss ins Internet.

Vielleicht schrumpft der Skandal dann tatsächlich zu einem Affärchen. Denn was schickt eine erfolgreiche Frau an ihren pensionierten Pantoffelhelden? „Bill, hast Du an die Kartoffeln gedacht?“, „Wir tagen noch. Bitte fang‘ schon mal mit dem Essen an.“, „Wir müssen reden.“ oder einfach: „Wer ist die Schlampe?“

Zeig‘ es uns, Hillary. Und dann lasst diesen miesen Wahlkampf endlich enden…

 

US-Wahlkampf: Fremdschämen hilft auch nicht

Irre und fies. So läuft der Wahlkampf um die US-Präsidentschaft. Wir erfahren viel über miesen Charakter, Geldgier, kriminelles Handeln, frauenfeindliches Gerede oder echte Vergewaltigung. Man könnte jetzt sagen: Na ja, die Amis halt. Waren ja schon immer durchgeknallt. Leider ist es nicht so einfach. Diese Schlammschlacht schadet uns allen.

Hillary Clinton und Donald Trump attackieren sich auf übelste Art und Weise. Vor allem das Wühlen unterhalb der Gürtellinie ist in dieser Nicht-Qualität unter demokratischen Politikern neu. Beim jüngsten Fernsehduell konnte man den Eindruck haben, hier würden sich zwei Ekel-Pakete vor einem Millionenpublikum duellieren.

Aber wechseln wir die Blickrichtung. Die USA und „der Westen“, also auch wir, beanspruchen für sich, Bewahrer der edelsten Werte dieser Welt zu sein. Menschenrechte, Demokratie, Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit – all das gebe es im christlichen Kulturkreis so ehrlich und umfassend wie nirgends sonst. Die Bewahrer dieser Werte wiederum sind die Regierungen, in den Vereinigten Staaten vor allem der oder die Präsident*in.

Wie soll nun ein Araber oder Afrikaner, dem das hässliche Gebell oder das falsche Lächeln dieser Kandidaten per Satellit ins Wohnzimmer übermittelt wird, glauben können, dass es gut sein soll, solchen Menschen die Verantwortung für Atomwaffen zu übergeben? Wer soll glauben, dass ihnen Clinton oder Trump eine bessere Zukunft garantieren könnten als ihre eigenen zweifelhaften Anführer? Es kann eigentlich nicht sein.

Und noch etwas: Nehmen wir an, Donald Trump hieße Erdogan oder wäre der selbst ernannte Kalif von Bagdad. Eine Empörungswelle rollte durch das Land. Viele würden vor dem Irrsinn der frauenfeindlichen Muslime warnen und schärfere Anti-Terror-Gesetze fordern. Nur die Satiriker hätten ihre Freude.

Es kommt immer auf den Blickwinkel an. Das Duo Clinton/Trump allerdings ist objektiv widerlich. Hülfe Fremdschämen, wir würden gerne rot. Aber leider wird das nicht so sein.

 

 

Nur die dümmsten Kälber . . .

Das Kalb gilt uns nicht als Paradebeispiel tierischer Intelligenz. Sondern als Wesen, welches regelmäßiges Füttern mit Urvertrauen in den Ernäherer belohnt, um völlig überraschend an einem Fleischerhaken im Schlachthof zu enden. „Vertrauen ist gut“ war das Lebensmotto. Der Preis war hoch.

Urvertrauen erleben wir bei einem Teil des Wahlvolkes, wenn es um die Alternative für Deutschland geht. Weil man nur einer Frauke Petry zutraut, sich im dunkelblauen Business-Kostüm wirksam den muselmanischen Horden entgegenzuwerfen. Weil man zu wissen glaubt, dass sich nur ihr Parteifreund Alexander Gauland mit dem Gewehr im Anschlag nicht von dunklen Kinderaugen erpressen ließe.

Ausschließlich die AfD, so glauben viele, kann das – wenn auch bei Idomeni unchristlich gewordene – Abendland retten. Weshalb die Partei nach neuesten Informationen ihren Anti-Islam-Kurs verschärfen wird. Wie das Journalismus-Portal Correct!v aufgedeckt, hat Partei-Vizechefin Beatrix von Storch  ihren Vorstandsfreunden mitgeteilt, dass die Themen „Asyl und Euro verbraucht sind“. Deshalb müsse die Islam-Kritik verschärft werden. (hier der Link zum Bericht)

Die AfD will sich massiv gegen das „betäubungslose Schächten“ von Schlachttieren wenden und den Ruf des Muezzins als „islamisches Herrschaftssymbol“ anprangern. Auch die Rituale jüdischer Gemeinden sollen gemäß von Storch an den Pranger gestellt werden.

Jawohl, hier kämpfen Politiker für den christlichen kleinen Mann. Aber tun sie das wirklich? Nein, denn Teile des AfD-Wahlprogramms lesen sich, als wären sie in den Konzernzentralen des Großkapitals geschrieben. So wendet sich die Partei gegen den gesetzlichen Mindestlohn. Sie ist beim Thema „Gleichberechtigung“ gegen Frauenquoten, Gleichstellungsbeauftragte und „staatliche Propaganda für sexuelle Minderheiten“. Die Einkommenssteuer soll für alle – egal ob Krankenschwester oder Top-Manager – einheitlich 25 Prozent betragen. Kernenergie soll angstfrei genutzt werden. Schließlich soll Hartz IV durch so genannte „Bürgerarbeit“ ersetzt werden.

Käme die AfD an die Macht, dürfte somit die Friseurin im Osten wieder für 4,50 € pro Stunde die Haare schneiden. Der Langzeitarbeitslose düfte den Stadtpark kehren. Hauptsache unverschleiert.

Wir lernen. Der alte Spruch stimmt. Nur die dümmsten Kälber wählen ihre Metzger selber.

 

 

CDU-Idee: Auch Touristen müssen draußen bleiben

Drei Landtagswahlen stehen vor der Tür. Und zumindest zwei von drei Kandidaten wollen bis dahin vor allem Folgendes beweisen: Wir sind härter als Merkel. Wir beschützen Euch vor dem Fremden. Wählt uns – und fürchtet Euch nicht.

Die Qualität steigt jedoch nicht zwingend mit der Zahl der Vorschläge. So hat der CDU-Spitzenkandidat für Baden-Württemberg, Guido Wolf, gemeinsam mit seiner rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin in spe, Julia Klöckner, folgende Idee plakatieren lassen: „Ohne Asylgrund oder Schutzstatus sollte niemand mehr in unser La

nd einreisen dürfen.“ Klingt alltäglich. Aber denken wir es doch einmal zu Ende.

Wären wir AfD-Anhänger, könnten wir feststellen, dass die Flüchtlingsfreunde in der Politik selbst ihre Maske vom Gesicht gerissen haben. Politisch Verfolgte sollen also einreisen dürfen, während lustige Japaner mit Ziel Rothenburg ob der Tauber und trinklustige Italiener, die zum Münchner Oktoberfest wollen, an den Flughäfen oder an der Grenze bei Kiefersfelden abgewiesen werden. Sie haben ja weder Asylgrund noch Schutzstatus.

Wird unsere Tourismusbranche diesen brutalen Hieb überleben? Was wird aus Daimler und Porsche, wenn reiche Scheichs ihre Autos nicht mehr abholen dürfen? Was wird ohne ausländische Gäste aus den rheinland-pfälzischen Weinfesten, welche doch die Keimzelle des politischen Wirkens von Frau Klöckner sind?

Ja, hier werden gravierende Fragen aufgeworfen. Und es kommt noch schlimmer: Denn auch deutsche Touristen müssten abgewiesen werden, wenn sie mit ihrer Schmuggelw

are, aber ohne Schutzgrund heimkehren wollen. Wenn man sieht, wie viele Deutsche im Ausland Ferien machen, wäre unser Land ziemlich rasch ziemlich menschenleer.

Platz für Flüchtlinge wäre dann reichlich da. Angela Merkels betreibt über ihre Partei eine ganz große Vorschwörung. Und: Insgeheim haben wir das längst gewusst.

 

 

 

Wenn Tourismus hinterfotzig wird…

Es ist also „Sozialtourismus“. Das „Unwort des Jahres“ gehört zu jenen Erfindungen, für die man der hohen Wissenschaft zutiefst dankbar sein darf. Deckt es doch die Hinterfotzigkeit dieser politischen Parole auf, welche uns ausschließlich Folgendes suggerieren soll: Passt auf. Das Fremde ist böse. Wir aber beschützen Euch.

Man muss das Unwort 2014 nicht unbedingt negativ lesen. Tourismus kann ausgesprochen sozial sein. Dann nämlich, wenn er dazu beiträgt, dass es den Menschen in der besuchten Region besser geht. So, wie es früher bei den Ägyptern war, welchen wir aber den Rücken gekehrt haben, weil sie uns wegen ihres Strebens nach Demokratie bedrohlich erscheinen. Der so genannte Ballermann auf Mallorca stand für die Variante Asozialtourismus. Die Unkultur der Saurauslasser soll es ja auch geben.

Aber dem nunmehr Sprachschöpfer des Unworts ging es um etwas anderes. Er will uns einreden, dass es dunkelhaarige, braunäugige, ungepflegte Menschen gibt, die mit ihren Schrottkisten nur deshalb in unsere Städte kommen, weil sie auf der Durchfahrt die famosen Hartz-IV-Leistungen mitnehmen oder anderweitig schmarotzen wollen. Subjekte, die man nie in unseren schönsten Kirchen und Museen lustwandeln sehen wird. Sie machen uns Angst. So sehr, dass der freistaatsgläubige Altöttinger Saufkopf nach jedem Schluck den Bierdeckel auf den Maßkrug legt, damit ihm kein Bulgare überfallartig die Schaumkrone vom Madonnen-Schwarzbräu wegschlürft.

Warum aber wird uns die Fremdenfeindlichkeit nicht direkt ins Gehirn gedübelt? Warum wählt man nett klingende Begriffe? Wahrscheinlich, weil man „Zigeuner“ nicht mehr sagen darf.

Die Hinterfotzigkeit der aktuellen politischen Kampagne ist doch, dass man so tut, als wäre Armut kein ehrbarer Grund, eine neue Heimat zu suchen. Das ist nicht immer so. Wenn irgendwo in Deutschland eine größere Fabrik schließt oder wenn ein Firmenstandort verlagert wird, schreien Wirtschaft und Politik laut nach der Flexibilität der Arbeitnehmer. Wer diese zeigt, wird ausdrücklich gelobt.

Und: Sind nicht ab Ende des 19. Jahrhunderts Hunderttausende Deutsche auf Dampfschiffen vor ihrer Armut nach Amerika geflüchtet? Wie ist es mit den Sudetendeutschen, die von Gewalt und Enteignung in die Flucht geschlagen wurden? Werden sie nicht in Festreden als „der vierte Volksstamm Bayerns“ gefeiert? Und zwar mit besonderer Hingabe von CSU-Politikern?

Ja aber, kommt es dann, das seien schließlich Landsleute, Menschen von unserem Blut. Dazu fällt mir: Mein Arzt hat schon mehrfach meinen Hämoglobin-, Harnsäure oder Cholesterinwert ermittelt. Den Deutschseins-Koeffizienten noch nie. Das Mann muss bei den Grünen sein…

 

 

 

 

 

 

Mit Stinkefinger und Valium-Drohne

Stinkefinger? So geht's richtig.

Stinkefinger? So geht's richtig. Foto: Wikipedia

Dauernd frage ich mich in den aktuellen Wahlkämpfen: Geht’s noch dümmer? Es gäbe wirklich einiges Wichtiges zu debattieren. Doch worüber diskutieren wir? Über den Stinkefinger von Peer Steinbrück.

Hosianna! Wenn es wirklich möglich ist, dass ein ungewöhnliches Magazin-Foto eines Spitzenpolitikers die gesamte Republik als herausragendes Thema bewegt, dann habe ich hierfür zwei Erklärungen: Entweder sind wir mit richtiger Politik überfordert und lassen uns deshalb gerne von der Bild-Zeitung mit trivalem Mist zutexten (woraufhin die anderen Medien zuverlässig folgen). Oder es ist eine im Auftrag der Kanzlerin ausgesprühte Valium-Wolke über’s Land gezogen, so dass wir dem unvermeidlichen Wahltag halb ohnmächtig entgegen dämmern. Wer weiß es schon. Vielleicht testen unsere Rüstungskonzerne gerade neuartige Ritalin-Drohnen, welche dafür sorgen, dass auch erfolglose Regierende bis hin zum Despoten als nett und vertrauenswürdig wahrgenommen werden.

Peer Steinbrück hat sein Foto, das kurioserweise ausgerechnet  die Behelfs-Kabarettisten von der FDP geschmacklos finden, in den Umfragen nicht geschadet. Vielleicht schlägt Angela Merkel ja zurück. Indem sie einen Putzfrauen-Kittel anzieht und dem Mindestlohn den Vogel zeigt.

Was  den Konkurrenten zur Höchst-Provokation veranlassen würde, indem er auf seinem finalen Plakat genussvoll in der Nase bohrt. Das würde ihn vermutlich ruinieren – wenngleich er mit 96 Prozent der autofahrenden Männer auf einer Linie läge.

Warten wir einfach ab. Das wahre Wort zum Thema kommt indes aus dem Senegal. Dort sagt ein Sprichwort dieses: „Ohne die Finger wäre die Hand ein Löffel.“ Das sollten wir nie vergessen.

Wir warten auf DAS DUELL

Seit Wochen wabert der Wahlkampf durch unser Leben. So recht will uns die ganze Sache nicht begeistern. Aber nun schlägt die Stunde der Entscheidung, es gibt die Mutter aller Schlachten. Deutschland erlebt „D A S   D U E L L“.

Welch Ereignis! Identische Themen auf vier Sendern gleichzeitig erlebt man sonst nur bei Traumhochzeiten im englischen Königshaus. Aber klar, auch hier geht es um den Kern unser aller Existenz. Was aus uns wird, wird an diesem 1. September entschieden. Alles, was vorher in diesem so genannten Wahlkampf war, ist Makulatur.

Allerdings: Ein richtiges Duell ist das Ganze nicht. Das war früher. Da hat man sich im Morgennebel am Fluss oder um zwölf Uhr mittags zur Musik von Ennio Morricone zwischen Saloon und Telegrafen-Station getroffen. Es war abgemacht, dass nur einer überleben würde. Friedrich Nietzsche hat das so auf den Punkt gebracht: „Das Duell ist der letzte übrig gebliebene, völlig ehrenvolle Weg zum Selbstmord, leider ein Umschweif, und nicht einmal ein ganz sicherer.“

Also werden wir genau zuhören, was sie oder er sagen. Wir werden die Gesten, den Gesichtsausdruck von Angela Merkel und Peer Steinbrück beobachten – und uns am Ende unser Bild machen. Wir sind dann reif zu entscheiden, wen wir als Kanzler/in wollen. Wir machen unsere Kreuze bei der entsprechenden Partei.

Aber Vorsicht, die Sache ist ungewiss. Es könnte auch so laufen, wie es der Dichter Gottlieb Konrad Pfeffel im 18. Jahrhundert in seinem Gedicht „Das Duell“ geschildert hat (bitte berücksichtigen, dass sich damals nur Männer duelliert haben):

Um eine Ziege balgten sich

Zwei Böcke, warm von Herz und Stirne.

Der Kampf war lang und fürchterlich

Zum Glück erschien zuletzt die Dirne

Und rief: Ihr Herren, haltet ein;Weswegen rauft ihr?

„Nur um dich allein!“

„Um mich?

Den Streit kann ich entscheiden.

Ich liebe keinen von euch beiden.“

 

Wahlmüde? Der Politik fehlt Sex-Appeal

Haaaallooo! Aufwachen! Wahl ist bald! Nicht zum ersten Mal frage ich mich, was mit den Menschen los ist. Politischer Meinungsstreit? Fehlanzeige. Das Land scheint sich zu einer Schnarchzapfen-Republik entwickelt zu haben. Die spannendsten Kommentare zur aktuellen Politik kommen von den erklärten Nichtwählern.

Woran liegt das? Vielleicht ja daran, dass Politiker/-innen nicht sexy sind. Das behauptet zumindest ein Dating-Portal, welches sich „Deutschland beliebtestes“ nennt. 5000 seiner Nutzer/-innen hat es nach den Berufen mit dem größten Sex-Appeal gefragt. Das Ergebnis für die Politiker/-innen ist niederschmetternd.

Besonders erotisch sind demnach Uniformträger/-innen. Insbesondere dann, wenn die Männer muskulös und die Arbeitskleidungen der Frauen knapp geschnitten sind.  Wäre demnach Peer Steinbrück von Anfang an in der Gala-Uniform eines Flotillen-Admirals aufgetreten, hätte er schon jetzt mindestens 28 Prozent. Angela Merkel müsste als Krankenschwester zum Gegenangriff übergehen. Denn Männer verehren zu 31 Prozent die helfenden Engel in den kurzen Schürzen. Dicht dahinter liegen Stewardess oder Ärztin. Frauen stehen der Umfrage zufolge vor allem auf Polizisten, Piloten und – endlich ein ziviler Beruf – Barkeeper.

Völlig abgeschlagen auf einem der letzten Plätze rangieren dagegen die Politiker. Für lediglich 0,8 Prozent aller befragten Männer und Frauen haben Politiker und Politikerinnen das gewisse Etwas, bilanziert das Dating-Portal, welches somit Rainer Brüderle und Claudia Roth gleichermaßen als schwer vermittelbar einstuft. Das Sex-Appeal der gewählten Weltenlenker entspricht jenem der Pfarrer/-innen. Es wird nur noch durch Bestatter/-innen, Metzger/-innen und Müllmänner und -frauen unterboten.

Richtig deutlich wird die Pleite der Politik, wenn man sieht, welche Berufe zehn Mal mehr Verehrer/-innen zählen: Bankkaufmann, IT-Experte oder – echt wahr – Sekretär nannten die Frauen. Und für die Männer sind Bankkauffrauen, Verkäuferinnen sowie Architektinnen deutlich heißer als Kristina Schröder.  Die Wahlkampfstrategen sollten all dies bedenken. Für 2013 ist es wohl zu spät. Aber für die Zukunft gilt: Baut Muskeln auf, macht Euch schick, setzt Häubchen auf oder näht Euch ein rotes Kreuz auf den Oberarm. Dann wird das gelingen, worauf wir alle warten: Dass die heiße Wahlkampfphase wirklich heiß wird.

WIR ist nett – aber SIE gewinnt

Ein Hoch auf politische Sprachkunst.

Ein Hoch auf politische Sprachkunst.

Wahlkampf wird’s. Also beginnt wieder das große Leiden der Parteien. Sie müssen plakattaugliche Sprüche erfinden, die zu ihrer Identität und zum Wahlprogramm passen. Slogans, mit denen eine massentaugliche Balance zwischen klug, blöd und nichtssagend gelingt. Die SPD probiert es mit „Das WIR entscheidet!“.

Es ist das Schicksal der großen sozialen Volkspartei, dass sie immerzu Gemeinschaft muss gebären. Nun wird gesagt, dass der neue Spruch bereits von einer bayerischen Zeitarbeitsfirma verwendet werde. Dumm gelaufen. Andererseits gelingt den Sozialdemokraten mit diesen Worten wieder eine engere Verbindung zu den Gewerkschaften. Ver.di zum Beispiel ehrt erfolgreiche Mitgliederwerber unter dem Motto „Mehr wir. Dank dir“. Der neue Slogan folgt zudem einer langen Tradition. 1949 warb die SPD mit „In der Eintracht liegt die Macht“, 1961 mit „Hand in Hand – gemeinsam geht es besser“. Peer Steinbrück und seine Helfer folgen also dem üblichen Repertoire.

Dabei schlummern in den Parteien ungeahnt kreative Kräfte. Vor allem an der Basis. So feuert die Junge Union Nürnberg gerade mit folgenden Worten auf den dortigen SPD-Oberbürgermeister Ulrich Maly: „Genug von MiniMalystischer Politik“. Das ist famose Sprachkunst, die freilich nur der Name des Rathauschefs möglich macht. Ein Name, der seinen Gegnern auch Ausbrüche von Pazifismus ermöglicht: „Keine Bratwürste für Maly-Einsatz“. Es ginge auch „SPD? MalyFitz“ oder „Für eine Stadt ohne KaMalytäten“.

Doch die SPD könnte kontern. Der CSU-Kandidat heißt Sebastian Brehm und somit wie der Namenspatron von Nürnbergs traditionsreichstem Altenheim, dem Sebastiansspital. Warum also nicht den Slogan wagen: „Unser Rathaus ist kein Wastl“? Oder man holt zum Schlag gegen Finanzminister Markus Söder aus, welcher ja gerade dabei ist, den Wöhrder See in ein Bade- und Surfparadies verwandeln zu lassen. Man nehme ein Foto der dortigen grün-schleimigen Algenpest und verkünde: „Brehms Tierleben. Nicht mit uns!“. Und wenn es ganz hart kommt, zeigt man auf die Zukunft. „Wir lassen uns den Fortschritt nicht brehmsen. SPD“. Das haut rein.

Wozu diese Qualen, fragt man vielleicht bei den kleineren Parteien. Sie dürfen, was Peer Steinbrück nicht darf. Frech sein. Von den Grünen darf man durchaus einen neuen witzigen Slogan wie „Brüder durch Sonne zur Arbeit“ erwarten. Und bei der FDP sind, seitdem sich Guido Westerwelle sein Wunschwahlergebnis an die Schuhsohlen genagelt hat, die Spaßvögel sowieso von der Leine. Die Linken dagegen stecken bei aller Suche nach Originalität ebenfalls in der linken Solidaritätsfalle.

Was aber macht die CDU im Bund? Sie, die Partei der unantastbaren, unschlagbaren, unverzichtbaren, unübertrefflichen Eurobewahrerin Angela Merkel? Sie wird Plakate weglassen, sie wird auf Sprüche und Versprechen ganz verzichten. Denn es gibt SIE. Und SIE weiß, dass jede klare Aussage ein falsches Wort zuviel sein kann. Deshalb wird man am Brandenburger Tor eine der Tschenstochauer Papststatue nachempfundene Merkel-Plexiglasskulptur aufstellen. Mit zirka 15 Metern Höhe.

Diese wird dann unter dem Motto „Macht Angie“ von den örtlichen Laubsäge-Arbeitsgemeinschaften der Jungen Union in kaum geringerer Größe nachgebaut und sodann durch Städte und Dörfer gerollt. Und die Bild-Zeitung, allzeit treu auf der Schleimspur der Unbeschreiblichen, wird in großen Buchstaben vermelden: „Deutschland liegt Merkel zu Füßen“. So wird es sein. SIE gewinnt. WIR ist wurscht.