Posts Tagged ‘Wahl’

Mai 7th, 2012

Der Präsident bremst an der Dänen-Ampel

Die Wahlen sind gelaufen. Jetzt ist die Stuner, um die Ergebnisse sorgfältig in den Gremien zu analysieren. Da mach’ ich doch mal mit.

Vor allem ist mir Sonntagabend aufgefallen, wie provinziell wir denken. Oder wie wenig internationales Hirn uns die seriösen Medien zutrauen. Entgegen aller Bekundungen, dass Europa für unser Schicksal entscheidend sei, wurden wir fast ausschließlich mit Schleswig-Holstein befasst. Sicher, man darf ein Bundesland mit 2,8 Millionen Einwohnern nicht vernachlässigen. Aber muss tatsächlich bei jeder noch so nebensächlichen Regionalwahl die komplette Demoskopie-, Wählerwanderungsanalyse-, Elefantenrunden- und Talk-Show-Maschinerie in Gang gesetzt werden?

Ich kann zwar gut über den Begriff “Dänen-Ampel” schmunzeln, aber es ist es mir reichlich egal, wie viele Krabbenfischer zu den Piraten übergelaufen sind. Und dass der “Genosse Trend” nicht stramm marschiert, sondern eher mit dem Rollator herumschlurft, sollte der SPD inzwischen auch ohne Kieler Ergebnisse klar sein.

Da ist die Wahl in Frankreich doch erheblich schicksalshafter. Immerhin haben einige Atomraketen den Besitzer gewechselt. Ex-Präsidenten-Gattin Carla Bruni hat gerade dies an ihrem Nicolas très sexy gefunden. Der sitzt nun, seines Phallus’ beraubt, beschäftigungslos auf dem Sofa. Meine Prognose: Von dieser Ehe werden wir noch einiges hören und lesen.

Tja, und dann Griechenland. Dieser Staat ist für Europa von der Einwohnerzahl ungefähr so bedeutend wie Schleswig-Holstein für Deutschland. Das dortige Wahlergebnis sollten wir uns aber ganz genau anschauen. Offensichtlich wird der politische Kurs, der die einen kaputt macht, während sich andere im Glanz ihrer Exporterfolge sonnen, nicht mehr akzeptiert.

Erschreckend viele Griechen haben radikalen Politikern Vertrauen geschenkt. So haben Revolutionen oder sogar Bürgerkriege begonnen. Alsdenn: Diese Wut sollte uns viel mehr interessieren, als die Frage, ob ein norddeutscher Landtag künftig in Jamaika liegt.

März 26th, 2012

Das Saarland wird abgeschafft

Als Angehöriger einer im eigenen Bundesland unterdrückten Minderheit, den Franken, sollte man ich mit Schmähungen von Randgruppen zurückhalten. Aber ich kann es nicht anders schreiben: Seit gestern lehne ich das Wort “Saarland” in allen Schreibweisen und Darstellungsformen ab. Es war einfach zu viel.

800.000 Menschen leben in diesem “Bundesland”. Das ist hierzulande das Format einer Großstadt, das würde aber zum Beispiel in Istanbul nur für einen weniger bedeutenden Stadtteil reichen. Trotzdem: Im Fernsehen gab es Sonntagabend stundenlang Prognosen, Hochrechnungen, Interviews, Analysen, Kommentare und eine Elefantenrunde.

Kurzum, es wurde das seit Jahrzehnten erprobte komplette Repertoire für Landtagswahlen abgespielt. Endlos lange wurde geredet, um den Menschen das Gefühl zu vermitteln, dass diese bessere Kommunalwahl irgendeine Bedeutung für Deutschland, Europa und die Welt hätte.

Aber das ist falsch. Vom Saarland wissen wir doch bloß, dass es deswegen mal Ärger mit den Franzosen gegeben hat, dass Erich Honecker dort geboren wurde und dass die Leute einen eigenwilligen Dialekt sprechen. Wir wissen, dass der alte Oskar Lafontaine dort immer noch Politik macht, dass die Landesmutter einen Doppelnamen hat, der in kein Überschrift passt und dass die FDP dort nur wenige Stimmen mehr bekommt als die NPD. Ansonsten kommt dieses Land nicht mal in der Zweiten Fußball-Bundesliga vor. Als Ort für umwälzende Ereignisse ist es somit völlig überschätzt.

Und noch etwas wissen wir: Aus Saarbrücken kommt Deutschlands schlechtester “Tatort”. Aus Franken dagegen gar keiner. Lasst uns zeigen, dass wir es besser können. Das Saarland wird abgeschafft. Dann werdet Ihr schon sehen.

März 20th, 2012

Die Freiheit gehört zu Deutschland!

Er sei weder Heilsbringer, noch Heiliger und auch kein Engel. Das sagt der neue Bundespräsident Joachim Gauck über sich selbst. Wenn man die ersten Reaktionen auf seine Wahl so anschaut, fragt man sich allerdings: Wissen das auch die
anderen? Die Verehrung des neuen Mieters von Schloss Bellevue hat etwas leicht Hysterisches.

Am ehesten stemmen sich noch die Fernseh-Talkshows gegen den sich anbahnenden Personenkult. Deren Macher bekämpfen ihren Phantomschmerz nach Christian Wullfs ruhmlosem Abgang damit, dass sie tagtäglich analysieren, ob dieser Gauck denn tatsächlich der Richtige sei und wie es aussähe, wenn alles ganz anders gekommen wäre. Die Suche nach dem zweiten diskussionsfähigen Thema  neben alten und neuen Präsidenten ist in den Redaktionen bislang erfolglos geblieben.

Aber zurück zu Joachimg Gauck. Wirklich günstig ist seine Lage nicht. Denn das Ausmaß der Verehrung bestimmt die Fallhöhe. Die ist erheblich. Bei Gaucks Vorgänger Christian Wulff waren die Erwartungen von vorneherein niedrig. Er scheiterte allerdings auch daran, dass sein reales Verhalten nicht zu seinem Image gepasst hat. Man hatte ihn als farblosen
Saubermann eingeschätzt – tatsächlich war er ein Freund gewinnbringender Netzwerke.

Öffentliche Einschätzung und tatsächliches Auftreten und Handeln müssen zusammenpassen. Dissonanzen werden vom Volk nicht verziehen. Und so steht der neue Bundespräsident vor der Aufgabe, fünf Jahre lang der klügste, wachsamste, kritiscthe und mitfühlendste Präsident aller Zeiten zu sein. Einer zu sein, der zu jeder Zeit und in jeder Situation ein Stückchen besser ist als der Rest der politischen Kaste.

Als Zyniker möchte man da von Herzen „Viel Vergnügen“ wünschen. Und übrigens: Von Christian Wullff ist als positivie Leistung eigentlich nur der Satz „Der Islam gehört zu Deutschland!“ in Erinnerung geblieben. Einen zentralen Satz von Joachim Gauck haben wir bereits begriffen, ohne dass er ihn genau so gesagt hätte: „Die Freiheit gehört zu Deutschland!“. Weitere Ideen sind willkommen…

 

 

März 6th, 2012

Wie endet Putin? Wie Stoiber oder wie Rasputin?

Ach, Wladmir! Da gibt es so viele Menschen auf dieser Welt, die so gerne gewählt werden möchten.  Du, Putin, zeigst ihnen, wie es richtig geht. Mache ein Land zu deinem Besitz. Mache den Menschen klar, dass das genau und nur so richtig ist. Und sie werden dir folgen.

Ein klein bisschen erinnerst Du uns EU-Europäer an den großen Demokraten Silvio Berlusconi. Auch er war nach außen nie von Selbstzweifeln geplagt. Auch er war körperlich klein, aber in seiner komprimierten Form ein ganzer Kerl. Die schönsten Frauen lagen ihm (und seinem Geldbeutel) zu Füßen.

Der letzte lupenreine Demokrat, der bei uns ein annäherndes Ergebnis wie Du geschafft hat, hieß Edmund Stoiber. Und deshalb sei vorsichtig. Beim weißen Ritter von Wolfratshausen mündete die Zwei-Drittel-Mehrheit in eine absolutistisch-durchgeknallte Phase. Bis sich eine rothaarige Hexe aus dem Fränkischen daran machte, dessen wilden Treiben einen Rücktrittsfluch entgegenzusetzen. Das Ende ist bekannt: Stoiber kämpft jetzt in Brüssel gegen die Demokratie und muss in Passau reden, wenn in Berlin ein Bundespräsident zurückgetreten ist.

Und denke daran, Wladimir, es gab schon einen, der deinen Namen in seinem Namen trug.  Rasputin, Grigori Jefimowitsch, ein Wanderprediger und Geistheiler, dem breiten Publikum auch als “Lover of the Russian Queen” bekannt. Nicht zuletzt dank der immensen Kraft seiner Lenden erarbeitete er sich am Hof der Zarin einen enormen Einfluss. Im Laufe des Ersten Weltkriegs wurde er aber  zum Sündenbock für die militärische Schwäche des großen russischen Reiches. Am 17. Dezember 1916 wurde Rasputin unter Führung von engen Verwandten von Zar Nikolaus II. ermordet.

Darum, merke, Wladmir. Alle Macht ist endlich. Pass auf, sonst endest Du wie Edmund Stoiber. Im besseren Fall.

Februar 20th, 2012

Glückwunsch an “unsere” First Lady

Daniela Schadt ist die neue First Lady.

Daniela Schadt ist die neue First Lady.

Achtung, hier kommt Nürnberg! Jetzt, wo es so gut wie sicher ist, dass Joachim Gauck neuer Bundespräsident wird, steht es wohl auch fest, dass die neue First Lady aus unserer Stadt kommt. Ich gratuliere meiner Kollegin Daniela Schadt und wünsche ihr für die kommenden fünf Jahre viel Glück und vor allem gute Nerven.

Joachim Gauck ist seit zirka zwölf Jahren mit Daniela Schadt liiert. Bei der „Nürnberger Zeitung“ leitet sie das Ressort  Innenpolitik. Zwar verfügt die 51-jährige einen hessischen Migrationshintergrund, hat aber längst bedeutende fränkische Eigenschaften angenommen.

Als da wären ein großer Fleiß sowie die Fähigkeit, widrige äußere Umstände bei Bedarf zu ignorieren. Vor allem aber auch ein feiner, hintersinniger Humor. Ich selber habe Daniela Schadt als offen, interessiert, schlau und richtig nett erlebt. Ihre unmittelbaren Kolleginnen und Kollegen loben ihre Fähigkeit, herzlich zu lachen und heben ansonsten ihre Freude an klassischer Musik sowie ihren enormen Hunger auf Bücher hervor.

Sollte Joachim Gauck gewählt werden, wäre sie die erste „Präsidentengattin“ ohne Trauschein. Auch ansonsten dürfte sie lockerer auftreten als ihre Vorgängerin. Edle Kostümchen oder Fototermine mit Glamour-Bekanntschaften sind nicht so ihr Ding. Die Gesellschaftsreporter werden es bei ihr nicht so ganz leicht haben.

Schade ist aus hiesiger Sicht, dass Daniela Schadt ihren Job vermutlich aufgeben muss. Es ist ja schwer vorstellbar, dass die First Lady die deutsche Innenpolitik kommentiert. Sollte sie ihre Beziehung zum künftigen Präsidenten unkonventionell fortsetzen wollen, bliebe wohl bloß der Wechsel ins weitestgehend politikfreie Sportressort.

Vielleicht hieße es dann der Fußball-EM nicht mehr “Was sagt der Kaiser?”, sondern “Was denkt die First Lady?”. Eigentlich ist das gar kein dummer Plan…

April 20th, 2011

Die bösen Finnen und der Zorn bei uns

Europa hat ein neues Schreckgespenst: Die “Wahren Finnen”. Sie also sind es, die unseren geliebten Euro weich machen, die wie einst die Hardrock-Monster beim Eurovision Song Contest aus Wäldern und mückenumtosten Seen auftauchend in unsere beschaulichen Städte stürmen und dort Angst und Schrecken verbreiten. Werden wir den Frontalangriff dieser 19-Prozent-Partei überstehen?

Man muss ja erstmal dahin kommen, diese Partei ernsthaft zu betrachten. Gut, es gibt seltsame Parteinamen. Berlusconi “Haus der Freiheiten” oder sein “Furz für Italia” etwa. Aber “Wahre Finnen”? Das klingt wie “Alter Schwede”, wie der Stammtisch eines Karnevalvereins oder  nach einer 80er-Jahre Neue-Deutsche-Welle-Combo, aber nicht nach harter Politik.

Aber die Finnen waren uns ja schon immer suspekt. Wir denken da an die Neigung zum Komasaufen, an die hohe Selbstmordrate oder an jenen Skispringer Janne Ahonen, der selbst im Moment größter Freude grundsätzlich keine Miene verzogen hat.  Dass Finnland die Heimat der Weltmeisterschaft im Ameisenhaufensitzen sowie im Handy- und Gummistiefelweitwurf ist, passt ins Bild. Andererseits: Wenn Kinder, die diese seltsame Sprache lernen müssen, trotzdem jeden Pisa-Tests gewinnen, spricht das doch sehr dafür, dass im hohen Norden höchste Intelligenz versammelt ist.

Nein, man darf den Protest gegen den Euro nicht unterschätzen. Denn es brodelt auch bei uns. Ich selber habe vor ein paar Tagen in der Nürnberger Fußgängerzone nur einen Sonnenschirm mit dem Logo meiner Gewerkschaft aufgespannt – und wurde sofort in Gespräche über die Ungerechtigkeiten in diesem Land und über Versagen aller möglichen Institutionen verwickelt.

Die Äußerungen waren wirklich massiv. Wollen wir hoffen, dass das den “Wahren Deutschen” nicht hilft.

Mai 31st, 2010

Horst Köhler geht. Wer soll kommen?

Ich schwöre: Ich war entschlossen, in die allgemeine Lena-Glückseligkeit einen Beitrag zu bringen, in den an tragisch gescheiterte Menschen erinnert wird. Ich hatte die einstige Polit-Ikone Gabriele Pauli auf der Rechnung. Doch dann kam  Horst Köhler (siehe Video).

Der Bundespräsident ist zurückgetreten. Weil er wegen seiner Äußerung, wonach es beim Afghanistan-Einsatz auch um Wirtschaftsinteressen gehe, Kritik bekommen habe, die den notwendigen Respekt vor dem Amt habe vermissen lassen. Sein Auftritt kam überraschend, er wirkte irgendwie absurd.

Tja, Äußerungen von Horst Köhler. Hierzu ist zu sagen, dass dieser Bundespräsident vieles war, aber ganz bestimmt kein großer Redner. Er kam langweilig rüber und war immer in der Gefahr von falschen Betonungen. Aber Köhler war auch geradlinig und ehrlich – und wurde insofern als bürgernah angesehen. Er traute sich auch, der jeweiligen Bundesregierung zu widersprechen. Er war für diese kein einfacher Partner.

Was Konservative und Liberale angeht, entwickelt sich die deutsche Politik immer mehr zu einem Trauerspiel. Wer Ecken und Kanten oder Mut zur eigenen Meinung hat, ergreift die Flucht. Zurück bleiben handelnde Personen, von denen immer weniger Menschen glauben, dass sie Probleme lösen können.

Wenn also in den Twitter- und Facebook-Communities heftig darüber gewitzelt wird, ob Stefan Raab ein Bundespräsidenten-Casting organisieren oder den Job selbst machen soll, dann hat das einen bitteren Hintergrund. Man glaubt nicht mehr, dass eine gute Personalentscheidung auf normalem Weg gelingt.

Alsdenn: Wer soll es werden, wer kann es richten?

Mai 9th, 2010

Was fehlt uns ohne Jürgen Rüttgers?

Nochmal die Frage: Was wird uns fehlen, wenn NRW-Wahlverlierer Jürgen Rüttgers nicht mehr regiert?

Zum Beispiel das hier…

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Mai 9th, 2010

Schicksal ist mehr als eine Landtagswahl

Na toll, wir haben wieder Schicksalswochen. Weil uns Entscheidungen ins Haus stehen, die scheinbar von Hergott, Tod und Teufel gesteuert sind. Und doch ganz und gar irdisch sind.

Wir könnten nun Heidi Klum und ihre Topmodels in Augenschein nehmen, drängender ist freilich die Situation im  Profifußball. Seit Wochen reiht sich da ein “Schicksalsspiel” ans andere. Die Funktionäre, die unseren Sprachgebrauch um das Wort “Relegation” bereichert haben, bescheren uns in Nürnberg zwei weitere solcher Erlebnisse. Jedoch: Würde der x-te Abstieg in die Zweite Liga auch als tödliche Schmach gelten, ist doch gerade im Sport eine Auferstehung immer möglich.

Oder die heutige NRW-Wahl. Die deutsche Nachkriegszeit ist gespickt mit so genannten “Schicksalswahlen”. Aber was wäre denn, wenn der bei bestimmten Gelegenheiten käufliche Jürgen Rüttgers samt seiner Regierung einpacken müsste? Wenn daraufhin Angela Merkel stürzen würde?

Klare Antwort: Das Leben würde weitergehen. Vielleicht mit anderen Menschen an der Spitze. aber ansonsten nur unwesentlich anders.

Seien wir also doch ein bisschen sparsamer mit dem Begriff “Schicksal”. Dieser passt doch egentlich nur für ganz schlimmer Ereignisse, für ganz schwere Stunden im Leben eines Menschen. Aber nicht für die Folgen eines verschossenen Elfmeters oder einer Wahl.

Werden wir gelassener. Ansonsten gilt ein Satz des Philosophen Freiherr von Humboldt, nach dem in Nürnberg eine sehr schöne Straße benannt ist:  “Wie ein Mensch sein Schicksal meistert, ist wichtiger, als was sein Schicksal ist.”

Oktober 4th, 2009

Neuer SPD-Chef? Fragt Jauch oder macht ein Casting!

Ist schon ein seltsames Gefühl. Da bist du zehn Tage außer Landes – und das Volk stimmt für die “Tigerenten-Koalition” (Maybritt Illner). Dagegen wird die SPD derart abgestraft, dass man es kaum glauben möchte.

Die älteste deutsche Partei braucht also wieder mal einen Vorsitzenden – und hat ihn in Sigmar Gabriel scheinbar schon gefunden. Aber jetzt wartet doch mal. Die SPD hat mit der Variante “Chef wird, wer einmal eine richtig gute Rede hält” einmal vorübergehend gute und einmal schlechte Erfahrungen gemacht. Nachdem Oskar Lafontaine den armen Rudolf Scharping rhetorisch an die Wand genagelt hatte, gab es Schröders Wahlsieg. Nach Münteferings Rückkehr via Münchner Wirtshaus-Rede ist eigentlich gar nichts passiert. Weil Münte nach seinem Comeback fast völlig abgetaucht ist.

Jetzt also soll es nach diesem Prinzip gehen: “Vorsitzender wird, wer die meisten Talkshow-Auftritte überstanden hat.” Tatsächlich war Gabriel in den Wochen vor der Wahl als Anti-Atomkraft-Löwe in nahezu jeder Polit-Plauderei vertreten.  Aber reicht das?

Die SPD braucht doch vor allem neue Themen braucht. In der Großen Koalition waren ihre Leute für die unangenehmen und komplizierten Angelegenheiten zuständig. Finanzen, Krankenkassen, Sozialhilfe, etc. Daran dürfen sich jetzt mal die anderen abarbeiten. Die SPD sollte sich dafür jemanden gönnen, der den Menschen Spaß vermitteln und der das Bedürfnis nach richtigen Antworten auf schwierige Fragen befriedigen kann. Letzteres könnte ein Helmut Schmidt, den Spaßbringer könnte ein Horst Schlämmer abgeben. Beides zusammen aber jemand wie Günther Jauch.

Ob man ihn bezahlen kann? Falls nicht, gäbe es den Weg über ein öffentliches Casting. Parteiintern gab es ein solches ja schon mit Scharping, Schröder und Wieczorek-Zeul. Stefan Raab würde die Aktion “DSDSS” (“Deutschland sucht den Super-Sozi”) bestimmt gerne machen. Und ein TV-Casting wäre sogar angemessen. Schließlich haben die Sieger solcher Veranstaltungen üblicherweise eine Lebensdauer von knapp über einem Jahr. So wie SPD-Vorsitzende der letzten fünf Jahre ja auch.

Ich mache den Anfang mit einer kleinen Umfrage. Im Bewusstsein, dass es nicht das letzte Politik-Casting wäre:  Die CSU sucht ja auch bald wieder…

September 16th, 2009

Sozialpsychologischer Wahltipp: Nur Politiker mit Schwestern wählen

Schon erstaunlich. Da stehen wir jeden Tag eine halbe Stunde früher auf. Nur, um wirklich alles über diesen packenden  Bundestagswahlkampf zu erfahren. Aber dann lesen wir wieder eine dieser Psycho-Lebenshilfe-Nachrichten. Und uns ist schlagartig klar: Wir wissen noch viel zu wenig über unsere führenden Politiker. Die große Frage ist nämlich: Haben sie Schwestern?

Gemäß einer Studie der englischen Universitäten Ulster und De Mortfort meistern Menschen mit Schwestern Krisen besser als Menschen ohne. Sie fühlten sich außerdem ausgeglichener und optimistischer als Menschen, die nur Brüder hätten. Darüber hinaus seien sie ehrgeiziger, motivierter, hätten mehr Freude und insgesamt ein besseres Sozialverhalten. Um zu dieser Erkenntnis zu kommen, hatten Sozialpsychologen 571 Menschen im Alter zwischen 17 und 25 Jahren befragt.

Nach Ansicht der Forscher bewähre sich der wohltuende Schwestern-Effekt vor allem bei traumatischen Erlebnissen wie der Scheidung der Eltern. Mädchen redeten mehr über ihre Gefühle und förderten so die offene Kommunikation in der Familie.

Sollten wir demnach Einzelkinder als Politiker ablehnen? Keineswegs, meinen die Sozialpsychologen. Die schlechtesten Voraussetzungen hätten nämlich Menschen mit Brüdern. Jungen neigten dazu, ihre Probleme in sich hineinzufressen und bremsten offene Kommunikation. Ein Ausschluss-Kriterium ist das aber offensichtlich nicht. Obwohl sie nur Brüder haben, sind zum Beispiel Otto Schily und Hans-Jochen Vogel als politische Krisenmanager berühmt geworden.

Wie aber sieht`s bei den aktuellen Spitzenkräften aus? Angela Merkel hat beides, Bruder und Schwester. Von Frank-Walter Steinmeier und Jürgen Trittin ist bekannt, dass sie Brüder haben. Guido Westerwelle hat sein Privatleben in dieser Hinsicht so gut verschleiert, dass es nach Einzelkind riecht. Dagegen hat Oskar Lafontaine einen Hardcore-Bruder. Er ist Zwilling.

Vorteil Merkel, könnte man also mit Blick auf die aktuelle Krise meinen. Und noch etwas spricht für eine Fortsetzung der Großen Koalition: Sie und Steinmeier wirkten im TV-Duell wie politische Geschwister. Wahrscheinlich wäre ein Kanzler Steinmeier aber noch besser für das Land:  Männlicher Macher, der von seiner Schwester gut beraten wird- das ist sozialpsychologisch die allerbeste Konstellation.

September 7th, 2009

Was Rüttgers mit Rumänen wirklich meint…

Wie soll man das nennen? Ein Politiker verzapft dummes Zeug, aber es rauscht zunächst an einem vorbei. Und erst nach Wiederholungen und eigenem Nachdenken wird einem klar, wie widerwärtig seine Rede war. Empörung mit Nachbrenner?

Geschafft hat das die Marktplatz-Hetze des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers. Er sieht ja so bieder aus, ist rhetorisch eher ein Langeweiler, er galt sogar mal als “linker” CDU-Politiker. Berühmt wurde er allerdings vor allem für den Slogan “Kinder statt Inder”. Damals, als es darum ging, Computerfachleuten die Zuwanderung zu erleichtern.

Nun also lässt er sich über die angeblich faulen Rumänen aus. Warum nimmt er gerade die? Warum redet er nicht von Franzosen, Griechen oder Ungarn? Weil er niedere Instinkte ansprechen will oder selbst über solche verfügt. Denn kommen aus Rumänien nicht ene Menschen mit den pechschwarzen Haaren, den Wohnwagen und den dicken Autos? Die Zigeuner? So hätte er das arbeitsscheue und diebische Gesindel doch am liebsten genannt.

Und die Chinesen? Da erinnern wir uns doch gerne an die Stammtischgespräche über die “Gelbe Gefahr”. Emsige Arbeitsameisen, die uns frei von eigenem Willen die Aufträge wegschnappen, unsere Spitzenprodukte kopieren und uns unser Erdöl wegkaufen.

Da beansprucht einer geradezu die Lufthoheit unter den Stammtischen. Und man sieht wieder: Auch wer bieder aussieht, hat das Zeug zum Brandstifter. Rüttgers im Original:

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September 1st, 2009

Frau Wöhrl, ich wär´so gern ein Pleitemanager

Krawatten braucht dieser Mann nach seiner Abfindung wohl nicht mehr.

Krawatten braucht Karl-Gerhard Eick nach seiner Abfindung wohl nicht mehr.

Twitter ist in diesen Wahlkampfzeitennicht das schlechteste Medium, um den Kandidatinnen und Kandidaten in Hirn und Seele zu schauen. So ließ Dagmar Wöhrl, Staatssekretärin und CSU-Bundestagskandidatin in Nürnberg-Nord, gestern dieses verlauten:  “Erschreckend, wieviele Menschen glauben, Wohlstand ist ohne Leistung möglich!”

Abgesehen vom schlechten Deutsch – es müsste “sei” heißen – braucht man sich über diese Meinung doch nicht zu wundern. Nehmen wir doch bloß Karl-Gerhard Eick, den gescheiterten Kurzzeitchef von Arcandor. Er war fünf Monate im Amt, erreichte sein Ziel, den Konzern zu retten, nicht. Und bekommt nun zwischen 10 und 15 Millionen Euro Abfindung.

Selbst wenn man davon ausgeht, dass ein Top-Manager keine Fünf-Tage-Woche kennt und 26 Stunden am Tag arbeitet, hat Eick damit einen höheren Stundenlohn erzielt, als viele andere Menschen im Monat bekommen. Was immer er auch geleistet hat – es hat sich gelohnt. Gemessen an der Summe kann es nicht so viel gewesen sein.

Was mir persönlich an der Sache stinkt? Dass ich nicht weiß, wo die Stellenanzeigen für solche Jobs stehen. Für eine solche Abfindung würde ich mich fünf Monate lang in Nachrichten- und Satiresendungen durch den Kakao ziehen lassen, würde mich auch drei Mal von Anne Will ausfragen lassen. Ja, sie könnten mich auf dem Hauptmarkt an den Pranger stellen oer mit Katalogen nach mir werfen. Wär doch egal.

Aber, verdammt, ich weiß nicht, wo man eine solche Arbeit kriegt.

Dagmar Wöhrl hat übrigens noch etwas Liebes getwittert. Die Parteien müssten sich ernsthafte Gedanken darüber machen, warum es so viele Nichtwähler gebe. Sie selbst denke besonders heftig nach.

Das sieht man ihrem Wahlplakat deutlich an: Darauf ist sie selbst, oben rechts ist eine Mini-Bundesflagge und links auf halber Höhe steht ihre Botschaft ans Volks: “Für Nürnberg.”

Wer könnte da wahlmüde werden.


August 27th, 2009

Gysis Reichtum passt gut zu Gabriele Pauli

Wunderbar: Herr Gysi verspricht allen alles

Wunderbar: Herr Gysi verspricht allen alles

Endlich hat`s ein Politiker kapiert. Gregor Gysi lässt jenen Wahlslogan plakatieren, auf den wir alle miteinander insgeheim gewartet haben: Er verspricht “Reichtum für alle”.  Wer wollte dem widersprechen?

Die Konkurrenz  ist über den Linken hergefallen. Unseriös sei das. Auch deshalb, weil es die gleiche Forderung von Horst Schlämmer gibt. Dabei ist es doch verdienstvoll, wenn ein Hauch von Ironie und Esprit in den Wahlkampf gebracht wird.

Und die anderen hatten das Thema ja auch schon auf dem Plakat. A”Wohlstand für alle” war mal ein CDU-Slogan, mit “Mehr Netto für alle” versuchte die FDP zu punkten. Ziemlich platte Aussagen, die aber besser klingen als ein früherer SPD-Slogan: “Er will Astronaut werden und nicht arbeitslos.” Den ehrlichsten Slogan aller Zeiten hat eh ein Kandidat der “Guten” in Nürnberg auf die Straße gestellt:  “Wählt mich, ich tu`s doch auch”.

Als Gast bei „Hart aber fair“ erklärte Gysi am Mittwochabend, was er sich bei seinem Spruch genau gedacht hat. Es gehe ja auch um „Reichtum an Bildung“. Tatsächlich unterscheidet ihn von den Zielen der Union, dass „Wohlstand“ immer materiell ist, während „Reichtum“ auch etwas Höherwertiges sein kann. Siehe Goethe: „Der größe Reichtum des Menschen ist das Gemüt, das groß genug ist, keinen Reichtum mehr zu verlangen.“

Es geht also den Linken um Glück, und damit sind wir wieder bei Gabriele Pauli, die hja Glück zum Mittelpunkt ihres Wahlprogramms gemacht hatte. Leider darf sie nirgends mitmachen. Ganz aktuell ist die Kandidatur der „Freien Union“ an der Landtagswahl in Schleswig-Holstein gescheitert. Dort dürfen nämlich nur Parteien mit mindestens 50 stimmberechtigten Mitglieder im Land haben. Hat die Pauli-Partei aber nicht.

Sicher ist zweierlei: Die vormalige Rebellin tritt am Donnerstag, 27. August, um 18 Uhr in der Schwaimer Hütte auf dem Karpfhammer Volksfest auf und veranstaltet am Sonntag einen Bundesparteitag in Fürth.

Jede(r) kommt also dorthin, wo er/sie es verdient. Und Gregor Gysi? Keine Sorge, der hat genug Geld. Er ist Privstpatient.

August 25th, 2009

Willkommen in Angies Bundes-Stuben

"Schau doch mal vorbei, Seppi..."

"Schau doch mal vorbei, Seppi..."

Jetzt schlagen Sie wieder auf ihn ein, auf den armen Josef Ackermann. Der Mann kann doch machen, was er will. Zeigt er nach einem gewonnenen Prozess ein Siegeszeichen – Bätsch! Fordert er einen hohen Gewinn – Krawumm!. Will er für seine Bank (erfreulicherweise) kein Geld vom Staat – arroganz-zerquetsch! Jetzt also kommt raus, dass er vor mehr als einem Jahr seinen 60. Geburtstag in Deutschland nationalem Heiligtum gefeiert hat – in Angela Merkels Kanzleramt. Und die Chefin hat auch noch bezahlt.

Abgesehen davon, dass die Wahl der Location nicht für überragend guten Geschmack sprichdürfte klar sein, dass sich Ackermann bei der Sache nichts gedacht hat. Schließlich berät er die Kanzlerin in allen Schicksalfragen der Weltwirtschaft. Und wenn sie zu ihm nach Frankfurt kommt, gibt es ja auch was Leckeres.

Das zusammengenommen nannte man früher Filz. Auf der kommunalpolitischen Ebene ist das so, dass die Sparkassen den Politikern das Essen zahlen. Das fällt unter den Begriff „Humusverbindung“..

Ich finde, das Ganze ist keine haushaltstechnische Angelegenheit. Ackermann wird – wie immer – missverstanden. Er hat die richtige Richtung vorgegeben.

Denn genauso, wie immer mehr Kleingastronomen dazu übergehen, ihre Kneipen komplett für private Partys zu vermieten, könnte doch auch das Kanzleramt zeitweise vermietet werden. Da die Räume kostbar sind, könnte eine protzige Miete verlangt werden. Die Einnahmen kämen der Sanierung der Staatsfinanzen zugute.

Das neue Mietrestaurant „Angies Bundestuben” setzt Zeichen. Ackermann Party war erst der Anfang.