Verdiente Watschn für eine träge Partei

Das Wesen der bayerischen “Watschn” wie auch der fränkischen “Schelln” ist es, dass diese krachende Ohrfeige für die meisten Betroffenen unerwartet kommt. Ihr Effekt ist dafür umso donnernder. Denn sie ist zwar eine unmoderne, aber meistens auch gerechte Maßregelung. In diesem Sinne hat es jetzt die CSU erwischt. Das 40-Prozent-Ergebnis bestraft eine Partei, die denkfaul und träge geworden ist.

Diese vermaledeiten Landtagswahlen. Immer wenn diese gut gelaufen sind, steigt der CSU der Erfolg zu Kopf. Das war so, als Edmund Stoiber mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit gesegnet wurde und sich danach in einen krankhaft fanatischen Aktionismus gestürzt hat. Nach einem brutalen Absturz gewann man vor einem Jahr die absolute Mehrheit zurück. Horst Seehofer und die Seinen vermittelten danach den Eindruck, dass ihr Allmachtsanspruch für Bayern fortan für alle Ewigkeit bestehen würde. Egal, ob das, was heute gesagt wird, morgen noch gilt. Eigentlich egal, was überhaupt gesagt wird.

Großer Irrtum! Das gestrige Wahlergebnis ist so, als würde Bayern München die Qualifikation für die Europa-League verpassen. Beim Nobelverein gäbe es sofort harte Konsequenzen, in der CSU wird man sich wahrscheinlich erst einmal fassungslos fragen: “Was erlaube Volk?” Dabei liegen die Gründe auf der Hand. Der CSU ist zu Europa nichts Originelles eingefallen. Zu hören war nur die alte Leier, dass außerhalb des Muster-Freistaates das Böse lauert. Dass Armut zuwandert, dass Flüchtlinge die Sozialkassen plündern und dass wichtigtuerische Bürokraten in Brüssel nur eines vwollen: Das schöne weiß-blaue Leben mit unnötigen Vorschriften zu erschweren.

Nur die CSU kann Bayern in Europa retten. Das war die Melodie der CSU-Wahlwerbung schon in den 80er Jahren. Aber wer sollte bitteschön daran glauben, dass acht Gesandte des Freistaates den Kurs von 760 Europaabgeordneten steuern könnten? Oder jetzt nur noch fünf?

Märchen sind schön. Aber in der Politik helfen sie auf Dauer nicht. Die Ideensuche darf beginnen…

Europawahl – es ist ein Jammer

Es ist schon eine seltsame Zeit. Wenn du in diesen Tagen zu jemand “Denk dran, am Sonntag wird gewählt” sagst, kann es dir leicht passieren, dass du in etwa diese Antwort bekommst: “Ja, es ist im Wirtshaus immer qualvoll, diese Entscheidung zwischen Schäufele und Jägerschnitzel.” Dabei ist es doch wichtig. Es geht um das künftige Europaparlament. Um unsere Zukunft. So richtig interessiert ist kaum jemand.

Das liegt stark an den großen Parteien. Die Plakate von CDU und CSU zum Beispiel wirken, als habe man vergessen, sie nach den letzten Wahlen wegzuräumen. Angela Merkel und Horst Seehofer grinsen uns an, haben aber selbst keinerlei Ambitionen, jeden Tag in Brüssel mit Edmund Stoiber zu frühstücken. Es läuft eben nach dem Prinzip “Sie kennen mich”. Wenn uns Kanzlerin und Landesvater beistehen, wird es schon  in Ordnung sein.

Und weil die Angelegenheit nicht mal die großen politischen Akteure interessiert, schlägt die Stunde der Desinformation. Die  EU hat den  Friedensnobelpreis bekommen. Wir jedoch lieben Debatten über Kleinigkeiten. Über mutmaßlich sinnlose Verordnungen, welche von einer gigantischen Bürokratie im Minutentakt ausgestoßen werden. Da geht es um krumme Gurken, Sicherheitsvorschriften für Friseure, Stromverbrauchsgrenzen für Staubsauger oder um das Olivenölkännchen-Verbot.

Selbstverständlich macht uns die Armutszuwanderung kaputt, wir müssen wegen der EU das Sozialamt der Welt sein, müssen mit unseren hart erarbeiteten Steuergeldern kaputte Staaten retten. Und wenn das alles noch nichts hilft, halten CSU-Politiker  Kruzifixe in die Höhe und werben flehend für die Rettung des christlichen Abendlandes.

Ach ja. Man müsste den Verblödungsstrategien trotzden und richtig wählen. Wir aber lassen es uns gerne gefallen, weil uns Europa zu undurchsichtig, zu kompliziert oder einfach zu weit weg erscheint. Einziger Trost: Ganz egal ist den Parteien die Abstimmung dann doch nicht. Wenn es darum geht, die Menschen zu einer hohen Wahlbeteiligung zu bringen, wird sogar das ganz große Versöhnungswerk beschworen. Das glauben wir gerne. Aber nur, weil wir nicht wissen, dass es für jede einzelne Stimme Wahlkampfkostenerstattung gibt. Keine Wähler, kein Geld. Wehe, wenn sich das herumspricht…

 

Wählen kann auch sexy sein

Absolute Mehrheit für die Nichtwähler! Nach der Kommunalwahl herrschte nicht nur bei uns in Nürnberg unter Politikern und politisch Interessierten totales Unverständnis, wieder einmal. Woher in aller Welt komme diese Wurstigkeit? Was erlaube Wahlvolk?

Wundern kann man sich schon. Das bayerische Kommunalwahlrecht ist Demokratie pur. Man ist an keine Partei gebunden. Man kann einzelne Kandidaten favorisieren oder streichen. Ganz wie man will. Bei uns hatten die Menschen 70 Stimmen zum persönlichen Jonglieren. Das Jammern, dass man ganz und gar den Vorgaben der Parteien ausgeliefert sei, passt hier nicht. Trotzdem lag die Wahlbeteiligung nur bei 44 Prozent.

Wundern muss man sich nicht. Eine hohe Wahlbeteiligung entsteht durch Spannung. Wenn kontroverse Themen fehlen, wenn sich die Stadtbewohnern wohlfühlen, anstatt zu diskutieren, fehlt das Gefühl, dass man als Nichtwähler etwas verpassen könnte. Wenn dann auch noch Sofawetter herrscht, panaschiert man eben lieber mit Kaffee, Chips und Bienenstich.

Wundern muss man sich nicht. Denn wir sind gar nicht so interessiert daran, was vor unserer Haustüre passiert. Wenn der Schnee zuverlässig von der Straße geräumt wird, ist schon viel errreicht. Wir schimpfen über Hundekot, Ratten, Tauben, Müll auf den Straßen, Spielsalons und benzingetriebene Laubbläser. Für die wirklich großen Probleme fehlt uns die Zeit. E läuft ja Bundesliga.

Freuen darf man sich doch. Ein aus Afrika stammendes Ehepaar wählt, frisch eingebürgert, zum ersten Mal. Mit Stolz und strahlenden Gesichtern. Wählen kann also sexy sein. Man muss es nur zu schätzen wissen.

Aliens sind unsere Hoffnung

Weltsensation! Die Bild-Zeitung, die gerade mit einer Sonderausgabe zur Bundestagswahl 41 Millionen Haushalten die Altpapiertonnen verstopft hat, meldet also außerirdisches Leben in unserer Stratosphäre. Es handle sich um Einzeller, deren DNA-Struktur einer irdischen Algenart gleiche. Liebe Leute, warum wundert uns das? Es muss extraterristrisches Spezies geben. Alles andere wäre ein dramatisches Versagen der Evolution.

Stellen wir uns doch bloß mal vor, es wäre der Endpunkt der Schöpfung, dass Bild, RTL 2 und Bunte nebeneinander existieren können. Stellen wir uns vor, Gott würde mit Wohlgefallen auf den Euro-Rettungsschirm und auf das deutsche Steuerrecht in seiner Gesamtheit schauen. Er würde sagen, dass beides so blendend aufgebaut sei, als wäre es direkt vom Baum der Erkenntnis gepflückt.

Stellen wir uns weiter vor, dass es galaxieweit keine Spezies gäbe, die erkannt hätte, dass Telefon-Flatrates mit angegliedertem Schrottservice zu überwinden sind. Und dass es so genannte Führungs-Nationen gäbe, in denen eine Angela Merkel an der absoluten Mehrheit kratzt.

Nein, es wäre eine Tragik des universalen Lebens, wenn es keine klügere Lebewesen als uns Menschen gäbe. Wenn Wahlkämpfe der SPD und der Grünen den Standard für andere Planenten setzen würden. Wenn die die AfD auf dem Mars die Abschaffung des Sonnendollars fordern könnte.

Nein, Aliens sind keine Bedrohung. Sie sind unsere Hoffnung. Aber wer weiß, vielleicht hat das Aufräumen schon begonnen. Die FDP wurde am Wahlsonntag eindrucksvoll eliminiert. Wie? Sie meinen, das kann nicht das Werk von Aliens sein, weil die doch bestenfalls in der Stratosphäre sitzen? Tja, aber war da nicht dieser Irre, der aus größter Höhe abgesprungen ist? Ja, er hat sie mitgebracht. Red Bull verleiht der Evolution Flügel. Sie sind da. Herzlich willkommen!

Geh wählen! Hier ist der allerbeste Spot

Ich gestehe, dass ich Fan von Wahlwerbespots bin. Wann sonst erfährt man, was die Partei Bibeltreuer Christen im Programm hat? Die handverwackelten Videos der Kleinparteien sind allemal lustiger als die geradezu klinisch Filme der Großen. Aber das hier ist für mich der ultimative Spot. Gemacht von der IG Metall, temporeich, witzig und aufrüttelnd. Anschauen lohnt sich!

http://www.youtube.com/watch?v=qorPt1dxxWY

Eine Schlande für das Lande

Sie ist einfach unerhört: Die Flapsigkeit und Schludrigkeit, mit der die größten Fernsehmacher dieser Republik mit unser aller Schicksal umgehen. Da wird mit viel Brimborium ein durch und durch faires TV-Duell zwischen Angela Merkel und ihrem Herausforderer Peer Steinrück angekündigt. Alles ist reguliert.  Wer wie lange antworten darf, wer zuerst reden muss und wer das Schlusswort hat. Und dann dieses: Man erlaubt die “Schlandkette”.

Da hat sich die Kanzlerin also ein Schmuckstück in den deutschen Farben um den Hals gehängt. Hergestellt in Idar-Oberstein in Rheinland-Pfalz aus Bergkristall, Onyx und Schaumkristallen. Und schon geht der Wahnsinn los. Die halbe Welt diskutiert über die so genannte “Schlandkette”.  Billigjobs? Finanzkrise? Energiewende? Wer sich am patriotischen Schmuck ergötzt, muss sich nicht mit wirklichen Problemen quälen.

Denn noch während sich die Politiker an sich und an den Moderatoren abarbeiteten, lief auf Twitter die Debatte heiß. Ist die Kette nicht eher belgisch? Wann wird die Bestell-Hotline eingeblendet? Ist diese Kette ein Schmuckstück oder doch ein Halsband? Wann wird die Kette zu mächtig, bekommt das vollste Vertrauen ausgeprochen und wird daraufhin für immer ins Schmuckkästchen gesperrt?

Zumindest Letzteres wird nicht passieren, denn die Schlandkette hat viele Beschützerinnen und Beschützer. Stand heute haben 3500 Facebook-User die Schlandketten-Seite mit “Gefällt mir” markiert. Auf Twitter hat @schlandkette 8300 Follower/-innen, die begierig auf neue Erlebnisse am Hals der Kanzlerin warten.

Wir waren und sind also mächtig abgelenkt. Was nur bedeuten kann, dass das Duell wiederholt werden muss. Das Herzeigen nationaler Symbole wird untersagt. Peer Steinbrück wird genötigt, eine Perücke mit Merkel-Frisur aufzusetzen und den gleichen Lippenstift zu verwenden. Dafür muss die Kanzlerin einen blauen Anzug mit Krawatte tragen.

Wie es wirkt, wenn sich die Rivalen ähneln, war beim bayerischen TV-Duell zu erleben. Zwei reife Herren im Anzug tauschten ihre Argumente aus. Wie zu hören war, soll die Sendung nicht gerade prickelnd gewesen. Langweilig ja, aber eben in aller Würde.  Gut so, denn alles andere ist eine Schlande.

Wir warten auf DAS DUELL

Seit Wochen wabert der Wahlkampf durch unser Leben. So recht will uns die ganze Sache nicht begeistern. Aber nun schlägt die Stunde der Entscheidung, es gibt die Mutter aller Schlachten. Deutschland erlebt “D A S   D U E L L”.

Welch Ereignis! Identische Themen auf vier Sendern gleichzeitig erlebt man sonst nur bei Traumhochzeiten im englischen Königshaus. Aber klar, auch hier geht es um den Kern unser aller Existenz. Was aus uns wird, wird an diesem 1. September entschieden. Alles, was vorher in diesem so genannten Wahlkampf war, ist Makulatur.

Allerdings: Ein richtiges Duell ist das Ganze nicht. Das war früher. Da hat man sich im Morgennebel am Fluss oder um zwölf Uhr mittags zur Musik von Ennio Morricone zwischen Saloon und Telegrafen-Station getroffen. Es war abgemacht, dass nur einer überleben würde. Friedrich Nietzsche hat das so auf den Punkt gebracht: “Das Duell ist der letzte übrig gebliebene, völlig ehrenvolle Weg zum Selbstmord, leider ein Umschweif, und nicht einmal ein ganz sicherer.”

Also werden wir genau zuhören, was sie oder er sagen. Wir werden die Gesten, den Gesichtsausdruck von Angela Merkel und Peer Steinbrück beobachten – und uns am Ende unser Bild machen. Wir sind dann reif zu entscheiden, wen wir als Kanzler/in wollen. Wir machen unsere Kreuze bei der entsprechenden Partei.

Aber Vorsicht, die Sache ist ungewiss. Es könnte auch so laufen, wie es der Dichter Gottlieb Konrad Pfeffel im 18. Jahrhundert in seinem Gedicht “Das Duell” geschildert hat (bitte berücksichtigen, dass sich damals nur Männer duelliert haben):

Um eine Ziege balgten sich

Zwei Böcke, warm von Herz und Stirne.

Der Kampf war lang und fürchterlich

Zum Glück erschien zuletzt die Dirne

Und rief: Ihr Herren, haltet ein;Weswegen rauft ihr?

“Nur um dich allein!”

“Um mich?

Den Streit kann ich entscheiden.

Ich liebe keinen von euch beiden.”

 

Söders Salat und der Arsch der Republikaner

Was haben Menschen und Botschaft miteinander zu tun?

Was haben Menschen und Botschaft miteinander zu tun?

Ganz ehrlich, ich langweile mich. Nur zu gerne würde ich über die großen Dramen und Tragödien anlässlich der bevorstehenden Wahlen schreiben. Es drängt mich danach, leidenschaftlich für die einen zu werben und vor den anderen zu warnen. Ich möchte der Demokratie dienen. Allein, es geht nicht.

Es gibt ein klares Indiz dafür, dass Politik und Wahlvolk diesmal gleich träge sind. Keine/r der Matadore/-innen droht bisher mit einer “Schicksalswahl”. Die Bundeskanzlerin schweigt, ihr Herausforderer Peer Steinbrück sagt immer etwas, was irgend jemand aufregt. CSU-Chef Horst Seehofer sagt immer das, was nach den jeweils aktuellen Umfragen den meisten Menschen gefällt.

Das Leid dieser Wahlen zeigt sich auch an den Plakaten. Hierzu nur Beispiele: Für die CSU kandidiert bei der bayerischen Landtagswahl im Stimmkreis Nürnberg-Nord der Landwirt Michael Brückner. Auf dem Plakat steht unter seinem Namen der Slogan “Frisches aus dem Knoblauchsland”. Was bedeutet das politisch? Wurde gentechnisch ein Zwirbelsalat gezüchtet, der sich beim Wachstum genauso oft um die eigene Achse dreht wie Horst Seehofer bei der Anwendung seiner Prinzipien? Soll konservativen Müttern eine kostenlose Tüte Karotten als Dreingabe zum Betreuungsgeld versprochen werden? Oder können Panini-Sammelbilder mit dem Porträt von Finanzminister Markus Söder ab sofort mit der Gemüsekiste bestellt werden?

Die SPD wiederum offeriert ihren bayerischen Spitzenkandidaten Christian Ude als den Ministerpräsidenten, “der Wort hält”. Optisch wird das so umgesetzt, dass Ude einen vermutlich aus Styropor geschnitzten Schriftzug “Wort” in der Hand hält. Das ist jene Kategorie Kalauer, für die Comedians selbst bei der Bambi-Verleihung von der Bühne gepfiffen werden. Die Sozialdemokratie war nie das Biotop des Humors. Aber warum hat man, wenn schon, das Ganze nicht weiterentwickelt? Warum nicht Vegetarier mit dem Satz ansprechen “Ude, der Mann, der beim Schlachten bummelt”? Und Sportfans mit dem Slogan “Der Politiker, der den Fuß ballt”?

Die Plakate der Grünen sind mit ihren mehreren Köpfen so kompliziert, dass man sie schon beim Vorbeifahren auf dem E-Bike nicht erfassen kann. Auch die Linke bietet so viel Botschaft, dass Autofahrer allenfalls das Wort “sozial” erfassen werden. Bei der FDP reicht eigentlich der Hinweis, dass ein lokaler Kandidat Facharzt ist. Man kennt dann das Programm.

Die Piraten zeigen eine Oma mit zwei Enkelkindern und schreiben dazu “Nicht käuflich, nur wählbar”. Gibt es also die Forderung nach kostenlosen Tagesmüttern? Schließlich sind die Republikaner am Start. Sie zeigen vier Mal einen Hintern, wobei dieser mit den Farben der Konkurrenz unterlegt ist und fragen, welches A……… man diesmal zu wählen gedenke. Andy Warhol hat gestalterisch Marilyn Monroe auf diese Weise bearbeitet, die Rockgruppe Queen hat so ein missratenes Plattencover gestaltet. Man fragt sich nur: Warum fehlt hier der braune Arsch?

Trotz alledem: Ich will dieser Demokratie dienen. Meine Heimatstadt hat mich als Wahlvorsteher eingeteilt. Da werde ich ganz korrekt sein. Ich halte Wort.

 

Das große Finale für Angela Merkel

Am 1. Juni rollt es nochmal so richtig, das runde Leder. Auf zahllosen Sofas werden die Menschen verfolgen, ob der FC Bayern München Geschichte schreibt, indem er das Gleiche schafft wie die Fußballerinnen des VfL Wolfsburg: In einer Saison Meisterschaft, Champions League und DFB-Pokal zu gewinnen. Doch nach dem Abpfiff ist definitiv Schluss mit lustig. Dann wird es ernst für Angela Merkel. Denn dann schlägt die Stunde der Politik.

Schon unpraktisch, wenn in einem unrunden Jahr wie 2013 gewählt wird. Keine glanzvolle Fußball-WM oder -EM, kein deutscher Dreifach-Triumph beim olympischen Kanufahren, kein Dressurreiten zu “Glorious”. Neue Superstars und Top-Models sind schon gefunden, nur ein paar Bauern suchen noch eine Frau. Die Menschen, die sich zuletzt vor lauter Fußball so gar nicht über versemmelte Drohnen-Millionen, über die schleichende Enteignung durch Mini-Zinsen oder über das ungebremste Morden in Syrien aufregen konnten, sind jetzt nicht mehr abgelenkt. Sie können sich voll auf die Leistungen der Politik konzentrieren. Und werden vielleicht feststellen: Ähem, da ist ja gar nichts.

Gut, die Bild-Zeitung wird sich alle Mühe geben, damit Angela Merkel weiterhin weitgehend verdeckt operieren kann. Es werden sich schon ein paar unglückliche Promis für eine Schmerzensgeschichte finden lassen. Mit dem heutigen Aufmacher über einen “Malerfürsten”, der bei Rot über die Ampel gegangen und der Polizei in die Arme gelaufen ist, wurde der Doofheits-Level schon mal nach unten ausgelotet. Weiterer Krampf wird folgen. Wenn es sein muss, täglich.

Wenn all das nichts hilft, wenn sich kein Promi-Paar in Scheidung und Rosenkrieg stürzt, heißt es: Ring frei! Zu einem bislang ungleichen Kampf, bei dem – um im Fußball zu bleiben – Angela Merkel wie Jogi Löw und Peer Steinbrück wie Werner Lorant gewirkt hat.

Aber das kann sich ändern. Denn Geschichte wird immer wieder neu geschrieben. Warum eigentlich bloß durch Bayern München?