Störchin, fahr‘ zum Himmel!

„Wenn die Vernunft ein Geschenk des Himmels ist und wenn man vom Glauben das gleiche sagen kann, so hat uns der Himmel zwei unvereinbare, einander widersprechende Geschenke gemacht.“ So sah das im 18. Jahrhundert  der französische Philosoph Denis Diderot. Und tatsächlich haben wir allen Anlass, die Auswirkungen der Religionen kritisch zu betrachten. Doch muss der Himmel dafür ausgerechnet Leute wie Beatrix von Storch senden?

Unsere rechte Stimmenfängerin hat – vorgeblich besorgt – dem Islam den Kampf gesagt. Sie hat nichts dagegen, dass Muslime in ihren eigenen vier Wänden die Gebetsteppiche ausrollen. Sie dürfen dafür auch in Moscheen gehen. Allerdings sollten diese keine Minarette aufweisen. Allah im Keller – das ginge mit der AfD.  Aber „politisch“? Nein, das darf der Islam nicht sein.

Man fragt sich, ob die selbst ernannten Retter des christlichen Abendlandes ihre eigene Religion kennen. Wenn der Papst auf Lesbos die vielen ertrunkenen Flüchtlinge beklagt und mehr Barmherzigkeit einfordert, ist das eine ausgesprochen politische Botschaft. Man hört Ähnliches jeden Sonntag in den Kirchen beider großer Konfessionen. Von Storch & Co. scheinen das nicht zu wissen. Lehnen sie also Pfarrer grundsätzlich als naive Gutmenschen ab? Oder meiden sie die Gotteshäuser,  weil diese oft mit mächtigen Herrschaftssymbolen namens Kirchturm versehen sind?

Sie reden viel, sie widersprechen sich, manchmal wird es absurd. Aber es ist eben das Problem, dass Glauben und Vernunft nur schlecht zusammengehen. Also akzeptieren wir, dass in den Kirchen Frieden und Gerechtigkeit gepredigt wird, dass die Realität draußen aber anders aussieht. Weihrauch macht besinnlich, aber offensichtlich auch vergesslich.

Vielleicht sendet der Himmel bewusst unterschiedliche Geschenke. Damit jeder das abbekommt, was er gerne mag. Wir kennen nicht die allgemeinen Geschäftsbedingungen des Herrns. Doch besonders verkorkste Sendungen sollte er zurücknehmen – und sei es aus göttlicher Kulanz. Wir beten: „Allmächtiger, steh‘ uns bei. Lass‘ von Storch zum Himmel fahren. Für ewig und immerdar. Du als höheres Wesen kannst selbst diese Frau ertragen. Also lobpreisen wir Dich. Amen!“