Kampf-Frauen braucht es wirklich nicht

Es gibt so einen seltsamen Aspekt in unserem Leben: Erwarte das Unerwartete, aber errege dich über das Naheliegende. So geht es mir angesichts der neuen Meldungen über die Bundeswehr. Frauen seien dort – speziell in den Kampftruppen – nicht gerne gesehen, heißt es. Die Studie wird veröffentlicht, und ein Seufzen hebt an. Wie könne es auch heute noch geschlossene Männergesellschaften geben? Ich meine: Es ist nicht notwendig, Frauen zum Töten auszubilden und einzusetzen. Wir sollten uns das sparen.

Wer ehemaligen Soldaten zuhört, wird leicht erkennen, wie wichtig das vermeintlich Männliche für das Funktionieren einer Armee ist. Kaum einer wird davon erzählen, wie toll es war, an einem Nachmittag zehn blutrünstige Taliban erschossen zu haben. Die Legenden des schönen Soldatseins drehen sich um das, was man in diesem Umfeld als “Kameradschaft” versteht. Also zum Beispiel um das kollektive Komasaufen im Bierkeller der Kaserne. Wer zum Töten (was in der Kriegslogik liegt, weil er ansonsten selbst erschossen wird) rausfährt, möchte nicht in die Verlegenheit kommen, der Kollegin die Luke zum Panzer aufhalten zu müssen.

Genau in diese Richtung gehen aber die Verlautbarungen unserer “Flinten-Uschi” (Quelle: heute-show). Die Bundeswehr solle einer der modernsten Arbeitgeber werden. Vor allem die Vereinbarkeit von Familie und Beruf solle gefördert werden. Gut, es kann ja sein, dass ein Cyber-Soldat, der per Joystick Drohnen über den Jemen lenkt, unsere Demokratie lieber in Teilzeit verteidigt. Weil er auch mal bei den Kindern sein will. Gleiches gilt für die Vorschriftenverwalter in den Stäben. Aber ansonsten ist der Soldatenberuf dem Wesen nach familienfeindlich. Oder ist es wirklich so gedacht, dass Papa seine Zwillinge auf dem Weg zur Front in der Montessori-Kinderkrippe “Afghanenzwerge” abgibt?

Ich halte das für reine PR für einen Beruf, den keiner mehr machen will. Viel wichtiger wäre es, dass die Politik dafür sorgt, dass Soldaten nach Kampfeinsätzen ins normale Leben zurückkehren können. Zum Beispiel durch eine sichere Zusage für geeignete Jobs nach dem Ende der Dienstzeit. Der Attraktivität der Bundeswehr würde es helfen.

Ja, und was ist mit den Soldatinnen? Da bin ich komplett von gestern. Rein evolutionstechnisch sehe ich Frauen als Wesen, die Leben schenken. Und nicht nehmen. Gleichberechtigung an der Waffe? Das braucht es wirklich nicht. Weniger Soldaten überhaupt – das wäre das richtige Ziel.

 

 

 

 

Frau Ursula, wir warten auf die Sturmfrisur

Die Große Koalition ist perfekt! Und allen Grund zum Jubeln haben die Haar-Stylisten. Mit Ursula von der Leyen gibt es eine Frau mit allem Potential zum Trendsetting. Es lebe die Sturmfrisur.

Das Dasein der Friseurinnen und Friseure ist nicht das Leichteste. Sie müssen dafür sorgen, dass ihre Kundschaft so aussieht, wie sie sich selbst am liebsten sieht. Sie müssen aber auch fähig sein, die seltene Situation zu meistern, dass jemand einen ganz neuen Schnitt haben möchte. Gerade Frauen in Trennungs- beziehungsweise Veränderungssituationen neigen zu neuen Farben oder Föhnwellen. Dafür braucht es Vorbilder, bevorzugt Prominente. Beispiel: Auf Victoria Beckham und ihre professionellen Stilwechsel blickten die Figaros mit Hingabe.

Und jetzt Ursula von der Leyen. Es hat etwas Absurdes, dass ausgerechnet eine Mutter von sieben Kindern dafür verantwortlich sein soll, junge Menschen in Kriege zu schicken. Sollte sie es besonders überlegt tun, wäre das nur gut. Sicher darf man sein, dass die Betrachtungen der neuen Ministerin zur Sicherheitslage gut klingen werden. Diese Frau hat kein Problem, rhetorisch von der Frühförderung in der Krabbelstube zum Training für Scharfschützen zu wechseln. Sie kann zu jedem Thema ohne Punkt und Komma referieren,

Aber sie wird auch stylingtechnisch hinterfragt werden. Die ihrerseits journalistisch stilbildende “Bild am Sonntag” zeigte sie bereits mit lustiger Tarnschminke und Kampfhelm. Und was steckt drunter? Die bisherige saubere Blondfrisur ist für Berlin oder Hannover blendend geeignet. Im zugigen Sand- und Geröllstaat Afghanistan hält sie wohl nicht einmal mit Armee-Drei-Wetter-Taft. Da bleibt nur: Toupieren, wild und grell, so dass selbst der übelste Taliban den Fluchtreflex verspürt.

Dann ist das Versprechen erfüllt: Das deutsche Kabinett hat einen neuen Star. Blond, immer lächelnd, eher leise als laut – aber bei Bedarf ultra-hart. Wenn Panzer und Drohne gemeinsam inkarnieren…

 

 

 

 

 

Die Rente ist sicher – ein Wahlkampfthema

Die Szene gilt uns als die Rentenlüge schlechthin: Im Jahr 1986 beklebte der damalige Sozialminister Norbert Blüm eine Litfaßsäule mit einem Plakat und rezitierte in seinem hessischen Dialekt mit feierlicher Stimme den darauf gedruckten Slogan: „Denn oins ist sischää: die Räntä!“ Die Zweifel daran sind nie ausgeräumt worden. Heute weiß man: Die Rente ist sicher. Es fragt sich nur, in welcher Höhe.

Die von Ursula von der Leyen in die Diskussion gebrachte Zuschussrente wirft ein Schlaglicht auf unsere Eigenschaft, dass wir das Bekannte gerne übersehen, wenn es unangenehm ist. So geben wir uns noch immer schockiert, wenn die neuesten Schreckensnachrichten von der Polareis-Schmelze auftauchen. Bei der Rente ist Überraschung noch erstaunlicher.

Denn was Frau von der Leyen angeblich so spontan schockiert hat, die langfristige Absenkung des Rentenniveaus auf 43 Prozent, wurde 2001 von der rot-grünen Bundesregierung beschlossen. Schon damals war klar, dass ein solidarisches System nur so lange aus sich heraus funktionieren kann, so lange die Zahl und Leistungsfähigkeit der Geber und Nehmer im Lot ist. Das kann bei uns in 20 Jahren nicht mehr so sein. Die Alten werden immer älter – die Jungen immer weniger. Und Rentenbeiträge von Maschinen in durchrationalisierten Betrieben sind (noch) kein Thema. Hinzu kommt, dass die angeblich so clevere private Versicherungswirtschaft keine höheren Renditen hinbekommt als die staatliche Rentenkasse. Provisionen und Dividenden wollen ja auch bezahlt sein.

Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder werden die heute konsumfreudigen Rentner wieder zu zwangsweise bescheidenen Omas und Opas oder es gibt Zusatzgeld aus Steuermitteln.

Letzteres ist sinvoll, aber da ist ja noch die ideologische Hürde. Da lehnt die bayerische Sozialministerin Christine Haderthauer derartige Geschenke mit dem Hinweis ab, dass die Höhe der Rente immer auch ein Spiegel der Lebensleistung sein müsse. Leistung erbringen demnach also nur Besserverdiener.  Und Philipp Missfelder, der unumstrittene erprobter Unionsschnösel des Sozialwesens, rät armen Menschen dazu, doch etwas für das Alter auf die Seite zu legen. So habe man das früher auch gemacht.

Das sagt einer, der nie einen normalen Beruf ausgeübt hat, dafür aber regelmäßig durch dumme Sprüche zu Lasten Bedürftiger aufgefallen ist. Man hört und liest es, und verspürt einen grausamen Drang, solche Leute mit nicht unter sechs Wochen Spargelstechen zu bestrafen. Aber selbst das wird kaum helfen, denn wo Zukunftssorgen sind, sind die Schwätzer nicht weit.

Anders gesagt: Die Rente ist sicher – ein Thema für den nächsten Wahlkampf.

 

 

 

Dank sei Dir, Anti-Quoten-Frau!

Eigentlich das schönste Paar seit Barbie und Ken: Kristina Schröder (links) und Karl Theodor zu Guttenberg. F.: CDU

Fast wie Barbie und Ken: Kristina Schröder (li.) und Karl Theodor zu G. F.: CDU

Ist es Michelle HunzikerChristine Neubauer? Daniela Katzenberger? Narumol aus “Bauer sucht Frau”? Auf die Frage nach der eigentlichen Traumfrau des deutschen Mannes wird es viele Antworten geben. Dabei verdient, jedenfalls politisch gesehen, nur eine einflussreiche Dame diesen Titel: Kristina Schröder, unsere Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Sie ist fast schon mehr, nämlich Retterin des bedrängten männlichen Geschlechts.

Gerade gezeigt hat sie das anlässlich der Diskussion um die Frauenquote in der deutschen Wirtschaft. Mutig hat sie sich ihrer energischen Kollegin Ursula von der Leyen in den Weg geworfen, als diese die Firmen verpflichten wollte, 30 Prozent der Führungspositionen mit Frauen zu besetzen. Die junge Ministerin, die bei Betrachtungen zum Geschlechterkampf immer mal (für Männer erfreuliche) Tussi-Statements abgibt, will das lieber den Markt regeln lassen. Dafür findet sie laut Tagesschau-Deutschland-Trend zwischen 63 und 79 Prozent Zustimmung in allen Parteien. Schließlich und endlich hat sie Bundeskanzlerin Angela Merkel hinter sich gebracht. Also Basta!

Das Nachdenken über die Frauenquote ist damit nicht am Ende. Wie also ist es damit?

Die hohe Politik lehrt uns, dass die Quotenregelungen für einen größeren Einfluss von Frauen gesorgt haben. Das hat aber keine Politik hervorgebracht, durch die das Vertrauen der Wähler(innen) in “die da oben” gewaltig gewachsen wäre. Gerade das Beispiel Merkel zeigt, dass Frauen, die an der Spitze angekommen sind, bei wichtigen Entscheidungen sehr ähnlich handeln, wie ihre männlichen Kollegen.

Wie ist es in der Wirtschaft? Wenn man sieht, welch grausame Versager durch funktionierende Männer-Netzwerke an die Spitze von Unternehmen geschubst werden, möchte man sofort für die Frauenquote sein. Schlechter können es Chefinnen nicht machen. Dagegen spricht, dass sich Frauen viel schwerer mit dem Umstand tun, dass ein Großteil der Macht einfach nur ersessen ist. Der Chef muss immer erreichbar beziehungsweise präsent sein. Schon deshalb, damit ihm kein Intrigant in seiner Abwesenheit ein Messer in den Rücken rammen kann.

Dem steht der Wunsch der Frauen gegenüber, auch noch andere Interessen zu pflegen oder auch nur für Familie und Freunde da zu sein. Weshalb sie stärker zu Teilzeitarbeit tendieren. Welche nach den immer noch geltenden Regeln dazu führt, dass sie schnell in der Bedeutungslosigkeit verschwinden. Wollen die Frauen also überhaupt so sehr nach oben, wie sie dank Quote könnten?

Eine Antwort auf diese Frage hat Zeit, denn eine Selbstverpflichtung der Wirtschaft wird nur sehr wenig bewirken. Zunächst aber sollten alle Männer Frau Schröder Grüße zum Valentinstag schicken: Dank Dir, Du Anti-Quoten-Frau!”

Die deutsche Politik braucht einen Messias

Vizehäuptling Reiner Calmund - kann er Deutschland retten?

Vizehäuptling Reiner Calmund - kann er Deutschland retten?

Warum gehen Menschen heute noch in die Politik? Es gibt kaum noch die Chance, mit einer wahrhaftigen Großtat berühmt zu werden. Gut ist schon, wer beim täglichen Regieren folgenschwere Fehler vermeidet. So recht geht nichts voran.

Nehmen wir Ursula von der Leyen. In ihrer Zeit als Familienministerin schien es so, als würde die oftfache Mutter ihren Landsleuten die Lust am zeugen, gebären und erziehen vermitteln können. Aber was passiert? Trotz Familiengeld? Noch nie kamen in Deutschland so wenige Kinder auf die Welt wie im Jahr 2009. DasStatistische Bundesamt meldete 651 000 neugeborene Jungen und Mädchen. Das waren rund 30000 oder 3,6 Prozent weniger als 2008. Nix war`s mit dem demographischen Wandel von unten.

Nehmen wir die Bankenkrise. Da wird ein gigantischer Rettungsschirm aufgespannt, da werden Leerverkäufe verboten. Und was ist? Das Ausland macht nicht mit, die Banken maulen – und der Eurokurs geht weiter nach unten.

Liegt das alles an Bundeskanzlerin Angela Merkel? Nein, das wäre ungerecht. So waren viele Deutsche monatelang davon überzeugt, dass Barack Obama übers Wasser gehen könne. Heute wissen wir: Das ist nicht der Fall. Immerhin hat er seine Gesundheitsreform so einigermaßen hingekriegt.

Ja, die Macht der Politik ist derart begrenzt, dass es schon eines Messias bedürfte, um das nachhaltig zu ändern. Nun ist der einzige Mensch, bei dem die Deutschen zuletzt göttliche Kräfte vermuteten, Bayern-Trainer Louis van Gaal, zwecks falscher Nationalität nicht wählbar.

Aber vielleicht tut`s ja auch eine schwergewichtige Light-Version? Reiner Calmund, einst erfolgreicher Fußball-Manager, hat gerade seinen Twitter- und Facebook-Freunden mitgeteilt, dass er in Paraguay zum Vize-Häuptling ernannt worden ist. Auch da vermuten Einheimische zumindest einen halbgöttlichen Status. Und mit diesem Amt kennt er sich aus, füllte er es ja lange Zeit mit Hingabe als bundesliga-Vize von Uli Hoeneß aus. Einer wie er könnte van Gaal vertreten.

Andererseits: Der aktuelle Deutschland-Vize heißt Guido Westerwelle. Einen wie ihn kann wohl auch ein Normalsterblicher ersetzen.