Wer denkt an die Schlecker-Männer?

Arme Schlecker-Frauen. Mit Euch hatten die FDP-Politiker kein Mitleid. Hilfe vom Staat gibt’s nicht. Geht doch zum Arbeitsamt, wenn Ihr Kohle braucht.
Aber wieso klagen alle immer nur über das Schicksal der Schlecker-Frauen? Denkt keiner an die Schlecker-Männer? An die Bezirks-, Oberbezirks- und Hauptbezirksleiter? Jedes Ausbeutersystem funktioniert erst durch willige Vollstrecker.
Es war doch nicht Schlecker senior persönlich, der seine Frauen im Sozialraum und auf der Toilette ausspioniert und der für jede Kleinigkeit Abmahnungen oder Kündigungen geschrieben hat. Nein, das waren jene Männer, die sauber ihren Job erledigt haben.
Das Prinzip funktioniert überall: Wenn der Mächtige dem Ohnmächtigen die Chance gibt, auf andere Menschen Macht auszuüben, ist dieser gnadenloser als der wirklich Mächtige selbst. Das gibt es im Kleinen, wenn der Abteilungsleiter seinen Mitarbeitern klarmacht, warum man leider, leider nur Minilöhne zahlen kann.
Es klappt auch im Großen. Ein Diktator Assad jagt ja nicht persönlich Stromstöße durch die Körper von Gefangenen oder schneidet Gliedmaßen mit dem eigenen Küchenmesser ab. Er hat seine Helfer. Die erledigen das, weil es für das Vaterland notwendig ist.
Schauen wir also dankbar auf das Werk der Bezirks-, Oberbezirks- und Hauptbezirksleiter. Hätten wir sie ungestört machen lassen, wären Shampoo und Klopapier bei Schlecker am billigsten. Die Firma wäre niemals pleite gegangen. Die wahren Liberalen wissen: Auch der Ausbeuter ist ein Erfolgsfaktor in einer freien Marktwirtschaft. Aber wer fragt demnächst schon noch die FDP?