Wer ins Feuer geht, wird verehrt

Groß ist unsere Sehnsucht nach dem Puren, Schönen und Wahren. So auch nach Menschen, die selbst bei schlechter Bezahlung alles geben. Die helfen, ohne sich zu bereichern. Wir sehnen uns nach Helden – und finden sie in den Feuerwehrleuten.

Bei der jährlichen Frage der Zeitschrift Reader’s Digest nach Deutschlands beliebtesten Berufsgruppen sind die Männer mit der Drehleiter seit Jahren in Front. Zuletzt fuhren sie einen Zustimmungswert von 92 Prozent ein. Und das leuchtet ein. Schließlich gehen sie dorthin, wo andere weglaufen. Nur ausgesprochene Zyniker nennen die Feuerwehr eine Organisation, die ruiniert, was die Flammen verschont haben. Der Rest der Welt hat Respekt. Löschen, wo das schiere Chaos herrscht – es klingt wie eine große Aufgabe für viele Lebenslagen.

Auf Platz zwei rangieren die Krankenschwestern mit einer Zuneigungsquote von 88 Prozent, wobei man hier von einem Männer-Votum von deutlich über 100 Prozent ausgehen darf. Die Piloten wiederum, die zum Beispiel noch im Jahr 2002 die Spitzenreiter der Bewunderungs-Skala waren, schaffen zwar noch Rang drei. Nach der Streikerei der letzten Zeit werden sie aber allmählich nach unten durchgereicht. Mit 82 Prozent wurden sie eingeholt von den Apothekern. Einer Berufsgruppe, bei der blendendes Image und wachsende wirtschaftliche Not nicht so recht zusammenpassen.

Gibt es Beliebtheits-Trends? Auf jeden Fall weist die Liste ganz überwiegend Verlierer aus. Besonders stark getroffen hat es die Taxifahrer. Konnten sie sich noch vor zehn Jahren über eine Sympathiequote von 65 Prozent freuen, erreichen sie jetzt nur noch 49 Prozent. Das kommt davon, wenn man Mindestlohn will. Die Pfarrer und Priester, die vor fünf Jahren noch die Hälfte der Deutschen als Freunde hatten, liegen jetzt bei 39 Prozent. Deren Kundschaft geht eben nach und nach verloren.

Wo aber sind die großen geistigen Lenker des Landes? Journalisten kommen auf 26 Prozent Vertrauen, was sie auf ein Niveau mit den Gewerkschaftsführern bringt. Ein ganzes Stück schlechter schneiden mit mageren zwölf Prozent die Politiker ab. Man braucht sie. Man wählt sie. Aber man glaubt ihnen nur jedes achte Wort.

Und das Ende der Vertrauens-Skala? Dies zieren die Callcenter-Agenten. Nur fünf Prozent der Deutschen finden sie richtig gut. Und das, obwohl sie wichtige Qualitäten mitbringen. Ein allzeit offenes Ohr trotz beschissener Bezahlung und den festen Vorsatz, anderen Leuten oder wenigstens ihrer Firma zu helfen. Verstehe einer die Menschen dieses Landes…