Das Unrecht lauert im Kaufhaus

Nein, diese Welt ist nicht gerecht. Diskriminierung ist überall! Diese Erfahrung machst du als Man spätestens dann, wenn die Haare ausfallen, der Bart grau und der Bauch größer wird. Wo? Zum Beispiel in jedem gut geführten Kaufhaus.

Du musst ja nur mal mit Karohemd und abgetragener Jeans in die Marken-Mode-Anzugs-Abteilung der entsprechenden Filialen gehen. Wenn du Glück hast, wirst du vom Verkäufer überhaupt bemerkt. Oder Mr. Schniegelmann gibt dir durch ein leichtes Naserümpfen zu verstehen, dass er Besseres zu tun hat, als ausgerechnet dich zu bedienen. So wird dir klar: Der taillierte Armani-Blazer ist nichts mehr für dich. Und du fragst gleich, wo es die Hawaii-Hemden gibt.

Plagt den Verfasser, also mich, gerade eine Midlife-Eisheiligen-Depression? Nein, gar nicht. Denn Konsumenten-Diskrimierung ist ein weit verbreitetes Phänomen. Wie Wissenschaftler des Lehrstuhls für „Valued Based Management“ der Universität Augsburg herausgefunden haben, wird nahezu jede(r) dritte Konsument(in) in Deutschland beim Kauf von Produkten und Dienstleistungen diskriminiert.

Die Forscher haben in ihrer Studie verschiedener Merkmale berücksichtigt, die Grundlage von Diskriminierung sein können. Nämlich Alter, Behinderung, Geschlecht, ethnische Herkunft, physisches Aussehen, ein ungepflegtes Äußeres, Religion, sexuelle Orientierung/Identität sowie den sozioökonomischen Status. Bezogen auf die Gesamtbevölkerung sind die am häufigsten auftretenden Diskriminierungsmerkmale das Geschlecht (11,5 Prozent), das Alter (11,0 Prozent) sowie der sozioökonomische Status (9,2 Prozent). Und: Wenn du Deutscher bist, kommst du noch gut weg. Türkische Konsumenten/-innen klagten ganz überwiegend über Diskriminierung. 81 Prozent gaben dies in der Befragung zu Protokoll.

Wahrscheinlich ist es bei den Verkäufern im Einzelhandel so, wie früher bei den Schalterbeamten. Sie werden schlecht bezahlt und lassen das der Kundschaft auf ihre Weise spüren. Im Top-Fashion-Store eben durch ihren Stolz darauf, dass nur sie perfekt ins schöne Umfeld passen.

Man muss das entwender ertragen – oder ein anderes Geschäft besuchen. Wohin aber mit Haarausfall, grauem Bart und Bauch? Nein, das mittelständische Sanitätshaus muss es nicht gleich sein. Ich empfehle die nächstgelegene Filiale von Harley Davidson. Dort sehen alle Kunden so aus. Heavy Riders, wir sehen uns!