Wer streikt, darf nicht in die Straßenbahn

Die VAG und ihre Straßenbahnen: Wichtig ist, wer drinsitzt.

Die VAG und ihre Straßenbahnen: Wichtig ist, wer drinsitzt.

Um 30 Prozent wollen die städtischen Verkehrsbetriebe in Nürnberg (VAG) ihre Fahrpreise erhöhen. Oberbürgermeister Ulrich Maly sprach in diesem Zusammenhang von einer der schwersten Entscheidungen seiner Amtszeit. Dem Unternehmen fehlt demnach das Geld. Aber nimmt es deshalb zahlende Kundschaft an? Nicht immer.

Da gehen also in der kommenden Woche die Tarifverhandlungen für die Zeitungsredakteure/-innen in die vielleicht entscheidende Runde. Die ver.di-Gewerkschaft, die Deutsche Journalisten-Union, wollte aus diesem Anlass mit einer Straßenbahn durch die Stadt fahren und Passanten auf ihre Forderungen aufmerksam machen. 540 Euro wäre der Gewerkschaft eine zweieinhalbstündige Fahrt wert gewesen.

Das Problem: Sie kriegt keine Straßenbahn. Das zuständige Vorstandsmitglied hat nämlich entschieden, dass das Ganze „zu politisch“ sei. Oder wie es sein Mitarbeiter dem potenziellen Kunden erklärte: „Wir sind eben ein besonderes Unternehmen.“ Und berichtete, dass er habe „antreten“ müssen, nachdem er eine Straßenbahn an die CSU vermietet hatte.

Jedenfalls zeigt sich an dieser Stelle, dass so etwas wie ein Streik für manche Menschen etwas höchste Bedrohliches ist. Wer die Arbeit verweigert, um bessere Konditionen am Arbeitsplatz zu erreichen, gilt als destruktives und mutmaßlich gewalttätiges Element. Es könnte ja was passieren.

Übersehen wird dabei Folgendes: Gewerkschaften sind vom Grundsatz her parteipolitisch neutral. Und außerdem ist das Streikrecht ein Grundrecht. Es gehört also zu den höchsten Gütern unserer Verfassung.

Aber erkläre man das mal einem Bürokraten, der vor allem seine Ruhe haben will…