Merkel und Trump: Szenen keiner Ehe

Wie riecht Donald Trump? Angela Merkel muss es seit diesem Wochenende wissen. Denn geht es nach den bedeutendsten Politik-Beobachtern dieses Landes, hatte die erste Begegnung der beiden Anführer der westlichen Welt vor allem diesen Zweck: Man sollte sich beschnuppern.

Was gar nicht so einfach war. Beim offiziellen Fototermin standen die Sessel weit auseinander, zu erleben war eine Szene, wie man sie aus sehr langjährigen Beziehungen kennt. Unsere Mutti amüsierte sich dezent über den grantigen alten Mann neben ihr, zeigte sich aber von der Körpersprache zugewandt. Mr. President wiederum saß da wie Opa Paul, der wegen einer lästigen Familienangelegenheit das Endspiel des DFB-Pokals verpasst.

Was peinlich und extrem unhöflich wirkte, hat das Weiße Haus inzwischen erklärt. Donald Trump habe die leisen Hinweise der Kanzlerin und die lauten Aufforderungen der Fotografen schlicht und ergreifend überhört. Absicht habe keinesfalls vorgelegen, erklärte sein Sprecher Sean Spicer auf Nachfrage des Spiegel. Vielleicht versteckt sich ja unter dem dichten Blondhaar ein Hörgerät, dessen Akku gerade leer war.

Möglicherweise war der Präsident einfach abgelenkt und in Gedanken schon beim nächsten Dekret. Er hat ja viel zu tun. Er muss zum Beispiel die Betonmischung für seine Mauer festlegen und darüber nachdenken, wie viele muslimische Staaten  mit einem Einreisebann zu belegen sind, damit auch die höchsten Richter der USA zustimmen. Oder hat er überlegt, wie er es mit Angela Merkels Hilfe erreichen kann, dass im Kaufhaus des Westens eine Vitrine mit Tochter Ivankas Modekreationen aufgestellt wird? Hat Ehefrau Melania aus Langeweile ihr Haushaltsgeld für März bereits verprasst und fordert einen Nachschlag, für den das karge Präsidenten-Gehalt nicht reicht?

Solche Probleme vermutet man bei Donald Trump. Vielleicht aber war die Szene pure Strategie, nämlich im Sinne eines Versöhnungssignals an die Adresse radikaler Muslime. Er hat, immerhin, einem unreinen Weib den Handschlag verweigert. Vielleicht hat er diese Chance erschnuppert.

Wir warten auf das Lob des Kalifen. Um dann zu wissen: Unser großer Verbündeter ist mehr Profi als wir alle denken.

Denk‘ ich an Schweden in der Nacht…

Wir sollten Donald Trump dankbar sein. Richtete er doch den Schweinwerfer auf ein famoses, aber im Allgemeinen ziemlich vergessenes Nachbarland. Der US-Präsident hat Schweden entdeckt. Und er hat – Fak, Fake, Fake – öffentlich behauptet, dass dort nachts etwas passiert.

Das ist, statistisch betrachtet, ziemlich unwahrscheinlich. Schweden ist mit 450.000 Quadratkilometern fast 30 Prozent größer als Deutschland. Es hat aber nur zehn Millionen Einwohner, mithin nicht einmal ein Achtel der Bevölkerungszahl unseres Landes. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Schwede zufällig einen Schweden trifft, um gemeinsam Unsinn zu machen, ist also relativ gering. Vermutlich deshalb gibt es hier bloß 18.000 Polizisten. Alleine in Bayern sind es 41.000.

Die Schweden gelten uns als ein Volk, in dem die Frauen blond sind und trotzdem nicht mehr Elternzeit als ihre Männer nehmen. Ein bedeutendes Unternehmen von dort hat es geschafft, dass Kinder Kötbullar statt Frikadelle oder Fleischküchle sagen. Schweden hat sechs Mal den Eurovision Song Contest gewonnen, drei Mal so oft wie Deutschland. Dieses Land kann Popkultur. Seine Designer verzieren Kerzenhalter, Serviettenständer oder  Weinkorken mit Elchen und nennen Hängeleuchten Söder.

Doch genug der Länderkunde. Was war los Freitagnacht in Schweden? Der Witze gibt es viele, Tatsache ist aber, dass der 87-jährige Sänger Owe Thörnquist bei seinen Proben zum Vorentscheid für den Eurovision Song Contest technische Probleme hatte. Wegen Sturm und Schnee wurde die Straße E 10 wegen Schnee und Sturm zwischen Katterjak und Riksgränsen gesperrt. In Stockholm beendete die Polizei eine Trunkenheitsfahrt. Später am Wochenende schießt der migrationshintergründige Schwede Imbrahimovic ein tödliches Tor. Aber das war im englischen Blackburn.

Der Präsident hat inzwischen eingeräumt, dass sein angeblich schlimmer Vorfall aus einer Fernsehsendung stammt, die er allerdings falsch verstanden hat. Unser Fazit: Laut einer Studie der Barmer Ersatzkasse hatten im Jahr 2015 rund 9,3 Prozent der Deutschen regelmäßig Kopfweh. Seit dem Erscheinen von Donald Trump dürften es stetig mehr werden.

Ein Horst wird niemals Kini

Na also. Unser neuer Lieblingsfeind, Donald Trump, hat in Deutschland wenigstens einen Bewunderer. Es ist der bayerische Ministerpräsident und CSU-Vorsitzende Horst Seehofer. Dieser findet es beeindruckend, wie zügig und kompromisslos der neue US-Präsident seine Wahlversprechen erfüllt. Und man darf vermuten: Da träumt einer davon, auch mal so zu dürfen wie er gerne wollen würde.

Greifen wir zwei Grundregeln für erfolgreiches politisches Handeln heraus: Laut Machiavelli tun Regierende gut daran, die Grausamkeiten am Beginn ihrer Amtszeit zu begehen. Das hat Donald Trump bei Obamacare und beim einen oder anderen Naturschutz-Gedöns getan. Die Entscheidung für den Mauerbau an der Grenze zu Mexiko sowie das gegen Muslime verhängte Einreiseverbot ist gemäß seiner Ideologie indes als Geschenk ans Volk zu betrachten.

Die US-Amerikaner finden dies, gemäß einer neuen Umfrage des Ipsos-Meinungsforschungsinstitutes, noch okay. 52 Prozent der dabei Befragten vertraten die Meinung, dass er ein guter Präsident sein werde. Euphorischer äußern sich Russen und Inder. Dort strecken 72 beziehungsweise 64 Prozent die Daumen nach oben. Der Rest der Welt hält wenig von Trump. 78 Prozent der Deutschen glauben, dass er schlecht arbeiten wird, die Briten gehen davon zu 80 Prozent aus. Am größten ist die Ablehnung mit 81 beziehungsweise 84 Prozent in Mexiko und Spanien.

Nicht aber bei Horst Seehofer. Bei ihm, einem Freund der fragwürdigen Visionen, wie sein Einsatz für die Pkw-Maut zeigt, kommt Mr. President gut an. Was aber auch einfach ein Ausdruck persönlicher Sehnsüchte sein kann.

Weiß er doch, dass in seinem bayerischen Revier sowieso geschieht, was seine CSU will. Er braucht für’s Handeln keine Meinung der Opposition. Aber die Demokratie verlangt danach, dass er sich das Gemaule wenigstens anhört. Wie viel könnte man im Bund durchsetzen, wenn das sinnlose Herumsitzen im Landtag nicht wäre?

Regieren per Dekret: Das ist der Weg für den Freistaat! Wir hatten das auch schon. Doch Vorsicht: Zum Bayern-Regenten gehört der passende Name. Ein Horst wird niemal Kini. Ein Donald aber auch nicht.

 

 

 

Donald Trump: Zu kühn für diese Welt

Das Leiden an der Politik – vielleicht ist es bloß Langeweile. Im Großen und Ganzen ist es gut, dass Probleme im Merkel-Stil pragmatisch und seriös abgearbeitet. Doch wo ist die Kühnheit, wo der große Entwurf für die Zukunft? Wo ist die Vision, die uns begeistert und antreibt?

Donald Trump macht es gerade vor. Eine 3200 Kilometer lange Mauer bauen und die hierfür investierten Dollar-Milliarden von anderen bezahlen lassen, ist ein erstaunlicher Gedanke. Der Anti-Tortilla-Schutzwall an der Grenze zu Mexiko wäre 20 Mal länger als die Berliner Mauer, hätte allerdings – alternativlose Fakten, sorry – nur ein Siebtel der Ausdehnung der Chinesischen Mauer.

Unser Präsident hat aber mehr vor: Er möchte Straßen, Brücken, Flughäfen und Öl-Pipelines in einem bislang unbekannten Ausmaß bauen lassen, aber zugleich die Steuern wie noch nie senken. Er findet Folter nicht so ganz verkehrt  und möchte die US-Unternehmen von 75 Prozent der gesetzlichen Vorgaben entlasten. Alleine diese Kühnheit verdient eine eigenständige Betrachtung.

Und wir? Können wir hier auch nur ein bisschen mithalten? Yes. we can. Das Deutsche Zentrum für Luft und Raumfahrt will Ende 2017 einen Satelliten ins All schießen, auf dem Tomaten heranwachsen können. Sollten diese in der Schwerelosigkeit tatsächlich keimen, sollen sie später einmal Astronauten bei ihren Reisen in ferne Welten als Nahrungsgrundlage dienen. Tomaten im Weltall. Wir trauen uns.

Aber halt: Denkt nicht, bei genauer Betrachtung, dieser Donald Trump viel zu groß für diese Welt? Würde es ihn nicht reizen, galaktisch zu agieren? Also Miss-Universe-Wahlen auf dem Planeten Venus durchzuführen oder den Ring des Saturn zu asphaltieren? Er müsste nur vor Ort sein.

Alsdenn: Sollten wir einen US-Präsidenten auf den Mond schießen? Welch schöne, welch kühne Idee.

 

Trump und Höcke – wir kriegen eine neue Mauer

Ab heute ist er da: Donald Trump. Und schon melden Geheimdienste, dass es unserer Bundeskanzlerin Angela Merkel superschnell an den Kragen gehen wird. Der neue US-Präsident verbündet sich mit AfD. Die Bundesregierung schweigt bisher.

Angestachelt zum Geheimplan wurde der Neue im Weißen Haus durch Extrem-Rechtsaußen Björn Höcke. Demnach wird Trumps Unternehmen in Deutschland eine neue Mauer bauen. Dieser „antiislamistische Schutzwall“ soll im Wesentlichen entlang der früheren Ost-West-Grenze verlaufen

Dank dieser Grenzziehung hat die AfD in den befreiten Gebieten die Chance, den Regierungschef zu stellen.  Ein neuer Westteil von Berlin ist vorgesehen, allerdings soll er gezielt aus Stadtteilen mit hohem Ausländeranteil gebildet werden.

Kreuzberg-Friedrichshain und Neukölln werden zwingend eingemauert. Doch auch ein unbedeutendes Viertel am Stadtrand soll einbezogen werden. Es soll – nicht als Herz, sondern als Blinddarm der Stadt – das Holocaust-Denkmal übernehmen.

Dann ist ausgemistet – und selbst Berlin wieder vorzeigedeutsch.

Danke, Mister President, we love you.

Wobei unsere Enthüllung einen kleinen Nachteil hat: Sie ist frei erfunden.

FAKE-NEWS also. Aber das sollte weder Trump noch Höcke stören.

 

Die Märkte mögen es charakterlos

Am Ende eines Jahres wird Bilanz gezogen. Dazu gehört stets auch die Frage, wer der Liebling „der Märkte“ ist. Welches Unternehmen also die Geldfürsten des Finanzkapitalismus am meisten begeistert. Das Geheimnis ist gelüftet, der Star der Börsianer ist gekürt: Der Apple-Konzern darf sich „wertvollstes Unternehmen der Welt“ nennen.

Das US-Unternehmen wird an den Finanzmärkten mit 625 Milliarden Dollar bewertet. Das ist mehr, als die sieben am höchsten bewerteten deutschen Firmen zusammen aufweisen. Als Mitglieder der digitalen Elite verstehen wir das.

Zwar kann ein ein iPhone kaum mehr als ein ganz offiziell in Fernost produziertes Smartphone. Aber dank neuem Wasserschutz ermöglicht es Selfies beim Schnorcheln, es hat Stereo-Lautsprecher, drahtlose Kopfhörer und ein Retina-Display mit Force Touch. Erstmals sind auch die Antennenstreifen an den Gehäusekanten effektiv getarnt. Schließlich stehen dem Quad-Core-Prozessor A10 Fusion 3 GB RAM zur Seite. Das ist, keine Frage, Fortschritt pur. Darauf hat die Welt gewartet.

Mit kühlem Kopf betrachtet, wirkt das iPhone übertrieben teuer. Aber vielleicht werden die Apple-Arbeiter besser bezahlt.  Mag sein, dass das für die Software-Entwickler, Designer und Marketing-Experten gilt. Fabrikarbeit lässt auch unser Vorzeige-Unternehmen allerdings wie alle anderen in Ostasien leisten. Zu konkurrenzfähigen, also elend schlechten Konditionen für die Menschen am Band.

Das allerdings wird gegenüber den Öffentlichkeit weggewischt. Was erst recht für die Förderung der für ein iPhone erforderlichen Rohstoffe gilt. Da sind so viele Subunternehmer, Rohstoffhändler und Milizenchefs aus unsicheren Regionen beteiligt, dass keine Verbindung zu Apple mehr hergestellt werden kann, wenn wieder einmal irgendwo in Afrika der Einsturz einer Mine ein paar Bergbau-Sklaven tötet. Und die in dreistellihger Millionenhöhe hinterzogenen Steuern von Apple lagern dem Vernehmen nach auf einer Südsee- oder Karibik-Insel. Wo jedoch, erscheint auf keinem Display.

Unser Fazit: „Die Märkte“ lieben Blender, Betrüger und eiskalte Ausbeuter. Hauptsache, man schaut gut aus. Champagner für die Märkte!

 

 

 

Trumps nächster Coup: Lady Gaga regiert mit

Donald Trump ist ein erstaunlicher Mann. Im Wahlkampf hatte sich der Milliardär mit den vergoldeten Gemächern zum Anwalt der kleinen Leute erklärt. Er wollte aufräumen mit dem so genannten Establishment. Wer bis dahin in Washington als Politiker, Mitarbeiter oder Lobbyist Einfluss hatte, würde in die Wüste geschickt und könnte sich allenfalls noch als Bauarbeiter an der mexikanischen Mauer bewerben. Und nun? Alles ist anders – und der neue US-Präsident schämt sich nicht mal.

Statt seine Wahlverprechen zu erfüllen, hat er einige Jobs in seiner künftigen Entourage an Milliardäre vergeben. Neuer Finanzminister wird ein Superreicher. Trumps Begründung: So einer wisse wenigstens, wie man Geld verdient. Weitere Experten kommen von Goldman Sachs. Das ist in westlichen Demokratien nicht ungewöhnlich. Auch der Präsident der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, entstammt diesem Stall. Die Richtung für das Weiße Haus wird klar. Neuer Verteidigungsminister soll mit James Mattis ein General werden, der öffentlich bekannt hat, dass er Freude am Töten hat.

Das Justizministerium könnte, dieser Logik folgend, an einen Einbrecher gehen. Dessen Chef sollte ja wissen, wie man ein Verbrecher verübt. Als Sportminister wäre Lance Armstrong erste Wahl. Er hat Ahnung davon, wie man im globalen Leistungssport erfolgreich sein kann. Mit Blick auf das Ernährungsministerium hat Gevatter Tod dem Präsidenten einen Strich durch die Rechnung gemacht. Jim Delligatti, Erfinder des Big Mac, hätte nachweisen können, dass man mit dieser kulinarischen Kreation 98 Jahre alt werden kann. Leider ist er gerade gestorben.

Landwirtschaftsminister sollte ein Manager von Monsanto werden. Einer, der tatsächlich daran glaubt, dass man Gylaphosat trinken kann.

Die Frauenministerin schließlich dürfte im weitesten Sinne aus dem Showbusiness kommen. Wobei noch nicht klar ist, ob sich Donald Trump für Pamela Anderson oder doch gleich für ein Pornosternchen aus den einschlägigen Filmstudios in Los Angeles holt. Absolute Überraschungskandidatin wäre allerdings Lady Gaga. Sie wäre zugleich Trumps Geniestreich schlechthin. Schließlich ist sie bloß 1,55 Meter groß. Authentischer kann man die kleinen Leute nicht vertreten.

Wir werden es sehen…

 

 

Trump ist da. Wir hoffen auf Joschka Fischer

Alle waren gegen Donald Trump. bis auf die Mehrheit. So lässt sich die Wahl des neuen US-Präsidenten kurz und knackig bilanzieren. Die Zwielicht-Gestalt ist ganz oben angekommen. Was nun?

Ganz sicher wissen wir im Moment nur eines: Das Leben geht weiter. Das US-amerikanische Volk hat sich bei der Wahl unter zwei Unsympathen für die männlichen Variante entschieden. Was das auslösen wird, muss man noch sehen. Steht Donald Trump zu seinen Versprechen, kann er nicht viel Schaden anrichten. 25 Millionen Jobs will er schaffen. Das sollte ihn für einige Zeit beschäftigen. Außerdem plant er den Bau einer Mauer an der Grenze zu Mexiko. Logisch, mit hässlichen Bauwerken kennt er sich aus.

Aber hat dieser Wahlausgang vielleicht doch etwas Gutes? Ja doch. Zwar wirkt es absurd, dass sich die Benachteiligten und Verarmten ausgerechnet hinter einem stinkreichen Immobilien-Mogul versammeln. Aber es zeigt doch, dass die Politik die mitunter so bezeichnete Unterschicht nicht unterschätzen sollte. Die gesellschaftliche Ungleichheit in den USA ist erheblich größer als bei uns, die Konditionen für zig-tausende Jobs sind die Schlechtesten in der westlichen Welt, die Gefahr, komplett abzustürzen, ist Normalität.

Unsere Politik wird schnell begreifen, dass sie sich schon aus reinem Selbsterhaltungstrieb schleunigst den Verlieren zuwenden muss, wenn sie nicht abgewählt werden will. Gerechtigkeit wird auf der politischen Agenda nach vorne rücken.

Ansonsten ist die US-Wahl ein ziemlicher Jammer. Halten wir uns also an unseren letzten Hoffnungsträger, den früheren Vizekanzler und ganz früheren Steinewerfer Joschka Fischer. „Das Amt verändert den Menschen mehr, als der Mensch das Amt“, lautete sein bekanntester Lehrsatz. Möge es bei Präsident Trump so geschehen…

 

Lieber Gott, rette das Establishment!

Wie geht es weiter mit dieser Welt? Genau weiß das keiner, aber der 8. November wird uns schlauer machen. Sollte dieser Donald Trump nämlich Präsident werden, ist zumindest eines klar: Der Niedergang der Institutionen oder des „Essdäblischmends“, wie der US-Amerikaner sagt, wird nicht mehr aufzuhalten sein.

Unser vulgärer Schreihals verstärkt aber nur einen längst vorhandenen Trend. Bei einer Studie zur Lebenswelt der 18- bis 34-Jährigen gaben 71 Prozent der Befragten an, dass sie der Politik nicht vertrauen. 50 Prozent gaben an, überhaupt kein Vertrauen in religiöse Institutionen zu haben. Die Medien kommen mit einer Misstrauensquote von 25 Prozent noch relativ gut weg.

Diese Stimmung bereitet den Nährboden für seltsame Gestalten. So stellen wir erstaunt fest, dass so genannte „Reichsbürger“ oder „Germaniten“ deutlich zahlreicher sind als weiße Einhörner. Menschen, die ihr Haus und Grundstück zu einem eigenen Hoheitsgebiet erklären und die Existenz der Bundesrepublik Deutschland als Staat leugnen. Deshalb zahlen sie keine Steuern und drohen Gerichtsvollziehern Schläge an.

Aber lassen wir uns nicht täuschen: Diese Leute sind nicht aufrichtig. Wären sie es, müssten sie in ihrem Fernsehsessel verhungern. Sie dürften ja auch keine indirekten Abgaben, also etwa Mehrwert- oder Mineralölsteuern zahlen. Aktionen nach dem Motto „Wir schenken Ihnen 19 Prozent!“ veranstalten nur Möbelhäuser und Elektrogroßmärkte. Die Erwartung, dass der Metzger Schnitzel und Leberwurst an einer Duty-Free-Theke verkauft, ist abseitig. Der Hungertod müsste von Reichsbürgern billigend in Kauf genommen werden.

Zerstört werden Institutionen aber auch aus dem herrschenden System heraus. Nehmen wir die Wahl des neuen Bundespräsidenten: Honorige Persönlichkeiten zeigen zwar Bereitschaft, aber nur, wenn vor der Abstimmung sicher ist, dass sie es auch werden. Da fragt man sich doch, ob es wirklich so ein unattraktiver Job ist, zwischen zwei richtungsweisenden Ansprachen mit dem Staatschef von Burundi Antilopenbraten zu essen. Müsste um dieses Amt nicht mit Leidenschaft gerungen werden?

Und dann noch die Clowns. Gerade ist der große Oleg Popov gestorben. Ein Spaßmacher der leisen Töne und im richtigen Leben ein herzensguter Mensch. Doch gute Institutionen bröckeln. Neuzeitliche Grusel-Clowns springen aus dunklen Ecken und ihr amerikanischer Kollege braucht nicht mal eine Maske, um uns zu erschrecken.

Wir schauen zum Himmel und flehen: Lieber Gott, lass‘ wenigstens diesen Kelch an uns vorübergehen. Darum bitten wir. Auch wenn Du zum Establishment gehörst.

 

 

 

Hillary, zeig‘ uns deine Mails

Kaum zu glauben: Da hat Hillary Clinton bereits mit ihren Beratern darüber diskutiert, welches ihrer künstlichen Lächeln für ihre Vereidigung als US-Präsdentin am besten geeignet ist, da rammt ihr die Bundespolizei FBI ein moralisches Küchenmesser in den Rücken. Sie soll beim Umgang mit dienstlichen E-Mails allzusehr geschludert haben.

Bei einem Staat, der ganz selbstverständlich den Anspruch erhebt, auf sämtliche weltweit genutzte Daten zuzugreifen, wirkt das irgendwie lächerlich. Das Ungeheime kann dort doch kaum mehr als ein Kavaliersdelikt sein. Man denkt fast an den früheren Bundes-Wirtschaftsminister Jürgen Möllemann und seinen Sturz über Einkaufswagen-Pfandsysteme.

Doch betrachten wir die Sache arbeitsrechtlich. Wenn ein Arbeitgeber das private Nutzen von E-Mails ohne Einschränkung freigibt, kann nichts passieren. Im Normalfall wird es aber Regeln geben. Üblich ist zum Beispiel, dass geschäftlichliche Dateien nicht in private Postfächer gesendet werden sollen. Wer da erwischt wird, riskiert die Kündigung. Für Hillary Clinton sähe es demnach auch ohne ihren Widersacher übel aus.

Allerdings widerspricht es jeglicher Lebenserfahrung, dass sich das Führungspersonal an solche Vorgaben hält, die es für seine Untergebenen formuliert hat. Wer oben ist, hält sich stets für freier. Und eine Frau, die für ein bisschen politisches Palaver fünf- bis sechsstellige Dollar-Honorare einzustreichen gewohnt ist, verortet sich selbst wahrscheinlich erheblich über dem Oben.

Wir dürfen von einem Unrechtsbewusstsein nahe der Nulllinie ausgehen, weshalb Hillary Clinton schwer verärgert sein dürfte, dass sie wegen solcher Peanuts in Not gerät. Sie findet es, ganz bestimmt, extrem ungerecht.

Bei der aktuellen Lage hilft nur eines: Schonungslose Offenheit. Wir wissen über Hillary Clinton ohnehin schon mehr, als wir schmerzfrei ertragen können. Also dürfen wir auch erfahren, was Hillary Clinton jemals irgendwem gemailt hat. Jeder kleine Satz muss ins Internet.

Vielleicht schrumpft der Skandal dann tatsächlich zu einem Affärchen. Denn was schickt eine erfolgreiche Frau an ihren pensionierten Pantoffelhelden? „Bill, hast Du an die Kartoffeln gedacht?“, „Wir tagen noch. Bitte fang‘ schon mal mit dem Essen an.“, „Wir müssen reden.“ oder einfach: „Wer ist die Schlampe?“

Zeig‘ es uns, Hillary. Und dann lasst diesen miesen Wahlkampf endlich enden…