Die Gier siegt über die Gerechtigkeit

Recht und Gerechtigkeit sind nicht dasselbe, manchmal geht beides für uns überhaupt nicht zusammen. Das Ende des Gerichtsverfahrens um den Formel-1-Strippenzieher Bernie Ecclestone ist so ein Fall. Er hat einem kriminellen Banker mächtig Geld zukommen lassen, zahlt eine mehr als doppelt so große Summe an die Staatskasse – und verlässt das Gericht quietschfidel als freier Mann. Wir sitzen da mit offenem Mund. Diese Welt verstehen wir nicht mehr.

Es bringt uns sowieso ins Grübeln, dass ein einzelner Mann mit schnellen Autos in internationalen Kreisverkehren mehr Geld verdienen kann als 99 Prozent der Weltbevölkerung.  Denn wo 100 Millionen Dollar angesichts der Verdienst- und Vermögensverhältnisse als angemessen gelten, muss ein Vielfaches vorhanden sein. Man will einen begnadeten alten Zocker, der heute noch der Freund schönster Frauen ist, aber bald schon ein Pflegefall sein kann, schließlich nicht komplett ruinieren.

25 Millionen Dollar hatten Ecclestone und seine Anwälte selbst angeboten. Also kommt die Frage: Wenn einer bereit ist, nochmal das Dreifache draufzulegen, spricht das dann nicht sehr dafür, dass er Dreck am Stecken hat? Müsste ein Gericht an dieser Stelle nicht „Stopp!“ sagen und das Angebot zurückweisen?

Moralisch betrachtet ganz bestimmt. Das jedoch interessiert nicht. Nach dem 100-Millionen-Deal wurde erklärt, dass eine Verurteilung des Angeklagten nicht sicher gewesen sei. Wenn nun schon die Staatsanwaltschaft erkennen lässt, dass sie auf dem Basar mitspielen würde, fällt es den Richtern sowieso schwer, anders zu entscheiden. Man weiß nicht, was in deren Beratungszimmer alles gesprochen wurde. Aber die Einstellung des Verfahrens war nur mit der  Zwei-Drittel-Mehrheit sämtlicher hauptberuflicher und ehrenamtlicher Richter möglich. Gänzlich absurd kann die Entscheidung also nicht gewesen sein.

Nun gut, immerhin profitiert die bayerische Staatskasse dramatisch in Form von 99 Millionen Dollar. Ja, es gibt sogar eine Million für ein Kinderhospiz in Olpe.

Das ist schön. Aber bitte: Nenne niemand Bernie Ecclestone deshalb einen Wohltäter. Das wäre der allerletzte Sargnagel für die Gerechtigkeit.  Übel ist es uns auch so.