Angela, das tapfere Schneiderlein

Dem tapferen Schneiderlein gelingt es im Märchen, „Sieben auf einen Streich“ zu erschlagen. Fragt man nun, welche/-r führende Politiker/-in diesem Helden der Fliegenvernichtung am Nächsten kommt, kann  es nur eine Antwort geben: Es ist Angela Merkel.

Mit ihrem Abarbeiten des Themas „Ehe für alle“ hat es die Bundeskanzlerin allen gezeigt. Wie sehr hatten sich die anderen Parteien bereits in Stellung gebracht? SPD, Linke, Grüne und FDP hatten die Rückständigkeit der Konservativen als Übel für dieses Land ausgemacht und hatten den Empörungsmodus auf Stufe 3 hochgestellt. Sie waren gerade dabei, ihre Toleranz-Werbeballons aufzupumpen.

Und was macht Merkel? Hört und schaut dem Treiben der anderen ein bisschen zu. Um dann zu erklären: „Na gut, dann machen wir es eben.“ Die Luft rauscht aus den Ballons, die Empörten sind belämmert. Vier Parteien erschlagen. Das Thema ist durch.

Unterm Strich hat sich ein mutmaßlicher Wahlkampf-Hit zu einem kuriosen Ding entwckelt. Selbst die strengsten Hüter konservativer Werte müssen nun damit leben, dass in ihrer Regierungszeit die Ehe für alle freigegeben wurde. Und auf der anderen Seite steht neben der Partei bibeltreuer Christen nur noch die AfD, welche wiederum von einer Spitzenkandidatin angeführt wird, die mit einer Frau in einer lesbischen Beziehung lebt.

Noch hält die katholische Kirche die Fahne der Mann-Frau-Ehe hoch. Noch kehren einige CSU-Vertreter ihren inneren Hautausschlag verbal nach außen. Aber bald werden wir auch aus dieser Richtung hören, dass das neue Gesetz gar nicht so verkehrt sei. Die Ehe sei doch der konservative Wert. Wer darin lebt, sei zweitrangig.

Und parteiintern wird Angela Maerkel fragen: „Wollt Ihr nun die Macht oder nicht? Und schaut, wir haben das Recht auf befristete Teilzeit und die Abschaffung der sachgrundlosen Befristungen verhindert. Da hätten wir Ärger mit der Wirtschaft bekommen.“ Der Papst verzeiht, Konzerne nicht. So geht Politik.