Mit Rollator-Pizza und Parkinson-Frisur

Elf Prozent. Das ist sie, die aktuelle Chiffre für die wahrhaftige Altersteilzeit in Deutschland. Dieser Anteil der Rentner/-innen – jede/r Neunte – geht nebenher arbeiten. Einige aus Lust, die meisten aber, weil das Geld nicht reicht. Uns allen ist klar: Die Tendenz ist steigend.

Wenn Abschiedsbriefe an ausscheidende Beschäftigte verschickt werden, ist gerne vom „wohlverdienten Ruhestand“ die Rede. Dieser Begriff soll ausdrücken, dass es völlig in Ordnung ist, wenn jemand, der über 40 Jahre gearbeitet hat, fortan nur noch die Füße hochlegt und keinen Finger mehr krümmt. Außer für seine Hobbys. In Zukunft könnte „wohlverdient“ für etwas Anderes stehen. Dafür, dass der sorglose Ruhestand nur solchen Menschen gilt, die ihn sich „wohl verdient“ haben. Ein Durchschnittseinkommen wird da kaum reichen, ein Mindestlohn schon gar nicht.

Die Politik sagt es noch nicht in dieser Schärfe, Aber im Hintergrund laufen die Vorbereitungen. Die Zahl der in Deutschland lebenden Hundertjährigen hat sich seit dem Jahr 2001 verdreifacht. Und dies ruft die Forscher am Institut für Gerontologie der Universität Heidelberg auf den Plan. Sie haben jetzt ihre zweiten „Heidelberger Hundertjährigen-Studie“ fertiggestellt.  In dieser wollen sie der Welt ein umfassendes Bild der deutschen Hochaltrigen und ihrer Lebenssituation zeigen. Neben den Herausforderungen des Alltags werden darin auch „die Stärken der Hundertjährigen“ dargestellt.

Na, wenn da nicht was dahintersteckt. Zum Beispiel die Überlegung der Märkte, dass die ärgerliche produktivitätsfreie Lücke zwischen Kinderkrippe und G-8-Abitur über einen Generationenvertrag durch die Alten geschlossen werden könnte. Und Stärken haben sie doch: Keiner kann so gut zuhören wie ein alterstauber Psychologe. Keiner kommt mit der Pizza so schnell durch den Stau wie der Rollator-Kurier. Und keiner zaubert ähnlich kreative Fransen wie der Parkinson-Friseur.

Es warten noch viele Herausforderungen. Und irgendwann wird auch die Politik  – kurz nach einer Wahl – mitteilen: Liebe Leute, Ihr habt Euch den Ruhestand verdient. Aber Ihr kriegt ihn nicht. Macht aber nix. Man lebt ja nur einmal.

P.S.: Der Hundertjährige (Kalender) meint für die Zeit vom 15. bis 31. Juli: „Schön bis schwül warm“. Sie haben Stärken, die Alten.