#FreeDeniz: Die Türkei verdient keinen Dank

Es ist gut und richtig, dass die Freilassung des Journalisten Deniz Yücel gefeiert wird. Doch wird dieser erfreuliche – und spektakuläre – Einzelfall inzwischen nicht zu sehr in den Vordergrund gerückt? Möglicherweise ist es genau das, was die türkische Regierung anstrebt.

Im Präsidentenpalast zu Ankara hat man mit Sicherheit registriert, dass gerade der Fall Yücel die Menschen wütend gemacht hat. Ihn aus der Haft zu entlassen, kann also das Verhältnis zu Deutschland ein Stück weit normalisieren. Was für die Türkei gut wäre, braucht man doch Nachschub an Waffen und Ersatzteile für den Krieg in Syrien.

Tatsächlich hat sich der Tonfall zum Teil geändert. In offiziellen Verlautbarungen war zum Beispiel ein Dank für die besonderen Bemühungen des türkischen Außenministers zu hören. Ein Dank? Wofür denn bitte? Dafür, dass ein Journalist ein Jahr lang ohne Anklage weggesperrt wurde, bloß weil er seinen Job gemacht hat? Dafür, dass er aus Sicht der Staatsanwaltschaft hierfür 18 Jahre ins Gefängnis soll? Dafür, dass am Tag seiner Freilassung mehrere seiner Kollegen zu lebenslanger Haft verurteilt worden sind?

Das ist nicht nur daneben. Es ist geradezu verrückt. Und: Selbst wenn es im Fall Yücel keinen Deal gegeben haben sollte, so erwartet die türkische Regierung doch zumindest größeres Wohlwollen bei Verhandlungen über Militär und Wirtschaft.

Die Antwort kann nur lauten: „Ihr bekommt nichts.“ Die Türkei muss ihre Verhältnisse in Ordnung bringen. Willkür muss beendet werden. Wer wegen seiner journalistischen Arbeit eingesperrt ist, ist freizulassen. Nicht nur einer, sondern alle.

Die Pressefreiheit ist kein Recht, dass es einfach so geschenkt gibt. Sie ist bedroht, in der Türkei, in Ungarn, Polen und in vielen anderen Ländern der Welt. Wer sie bewahren möchte, braucht eine klare Haltung. Als Handelsware für Deals taugt sie nicht.