Dicke Bretter bohren? Bei Waffen geht es schnell

Trifft man Politiker*innen, insbesondere in Wahlkampfzeiten, weisen sie gerne darauf hin, dass sie es auch nicht leicht hätten. Sie hätten, im Gegenteil, ein schweres Geschäft. Um zu einem Ziel zu kommen, müssten unablässig dicke Bretter gebohrt werden. Spontan passiere nichts.

Diese Fälle gibt es aber doch. Bankenrettung und Atomausstieg sind Paradebeispiele. Und nun den Militärhaushalt. Da reicht es offenbar, dass ein prolliger US-Präsident gewählt wird, der den Europäern rotzig unter die Nase reibt, dass sie gefälligst mehr für ihre Verteidigung tun sollen. Ein paar Reden bei der Münchner Sicherheitskonferenz – und schon ist geklärt, dass aufgerüstet werden muss. 30 Milliarden Euro mehr pro Jahr sollen es für Deutschland sein.

Das Böse lauert schließlich überall, vor allem aber im unberechenbaren Russland. Weist jemand darauf hin, dass die Nato-Staaten rund 900 Milliarden Euro für’s Militär ausgeben, Putins Riesenreich aber nur 66 Milliarden Euro, wird seitens der USA daran erinnert, dass sich alle Nato-Staaten auf zwei Prozent des Bruttoinlandsproduktes geeinigt hätten. Übertroffen hat diese Quote in der EU Griechenland mit 2,4 Prozent. Allerdings nur, weil zuvor die Wirtschaft zusammengebrochen ist.

„Wir haben verstanden“, beteuerte Ministerin Ursula von der Leyen auf der Sicherheitskonferenz. Aber müssen wir wirklich verstehen, dass die alte Formel vom Frieden schaffen mit immer mehr Waffen wieder stimmen soll? „Waffen sind die schlechtesten Argumente“, sagt man in Donald Trumps aktuellem Lieblings-Staat Schweden. Bringen nachdenken und verhandeln nicht doch mehr Frieden?

Vielleicht, sagen die Aufrüster. Aber der Staat hat gerade einen gewaltigen Überschuss. Da kann man doch auch mal investieren. Stimmt. Wie wäre es zum Beispiel mit den Renten?

Unser angeblich leistungsfähiges Sozialsystem schafft es, dass die durchschnittliche Altersrente bei uns in Mittelfranken 1090 Euro für Männer und 590 Euro beträgt. In Österreich sind die Renten doppelt so hoch.

100 Prozent mehr, das ist ein dickes Brett. Aber für diese Sache sollten wir es gerne bohren.

 

Denk‘ ich an Schweden in der Nacht…

Wir sollten Donald Trump dankbar sein. Richtete er doch den Schweinwerfer auf ein famoses, aber im Allgemeinen ziemlich vergessenes Nachbarland. Der US-Präsident hat Schweden entdeckt. Und er hat – Fak, Fake, Fake – öffentlich behauptet, dass dort nachts etwas passiert.

Das ist, statistisch betrachtet, ziemlich unwahrscheinlich. Schweden ist mit 450.000 Quadratkilometern fast 30 Prozent größer als Deutschland. Es hat aber nur zehn Millionen Einwohner, mithin nicht einmal ein Achtel der Bevölkerungszahl unseres Landes. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Schwede zufällig einen Schweden trifft, um gemeinsam Unsinn zu machen, ist also relativ gering. Vermutlich deshalb gibt es hier bloß 18.000 Polizisten. Alleine in Bayern sind es 41.000.

Die Schweden gelten uns als ein Volk, in dem die Frauen blond sind und trotzdem nicht mehr Elternzeit als ihre Männer nehmen. Ein bedeutendes Unternehmen von dort hat es geschafft, dass Kinder Kötbullar statt Frikadelle oder Fleischküchle sagen. Schweden hat sechs Mal den Eurovision Song Contest gewonnen, drei Mal so oft wie Deutschland. Dieses Land kann Popkultur. Seine Designer verzieren Kerzenhalter, Serviettenständer oder  Weinkorken mit Elchen und nennen Hängeleuchten Söder.

Doch genug der Länderkunde. Was war los Freitagnacht in Schweden? Der Witze gibt es viele, Tatsache ist aber, dass der 87-jährige Sänger Owe Thörnquist bei seinen Proben zum Vorentscheid für den Eurovision Song Contest technische Probleme hatte. Wegen Sturm und Schnee wurde die Straße E 10 wegen Schnee und Sturm zwischen Katterjak und Riksgränsen gesperrt. In Stockholm beendete die Polizei eine Trunkenheitsfahrt. Später am Wochenende schießt der migrationshintergründige Schwede Imbrahimovic ein tödliches Tor. Aber das war im englischen Blackburn.

Der Präsident hat inzwischen eingeräumt, dass sein angeblich schlimmer Vorfall aus einer Fernsehsendung stammt, die er allerdings falsch verstanden hat. Unser Fazit: Laut einer Studie der Barmer Ersatzkasse hatten im Jahr 2015 rund 9,3 Prozent der Deutschen regelmäßig Kopfweh. Seit dem Erscheinen von Donald Trump dürften es stetig mehr werden.

Ein Horst wird niemals Kini

Na also. Unser neuer Lieblingsfeind, Donald Trump, hat in Deutschland wenigstens einen Bewunderer. Es ist der bayerische Ministerpräsident und CSU-Vorsitzende Horst Seehofer. Dieser findet es beeindruckend, wie zügig und kompromisslos der neue US-Präsident seine Wahlversprechen erfüllt. Und man darf vermuten: Da träumt einer davon, auch mal so zu dürfen wie er gerne wollen würde.

Greifen wir zwei Grundregeln für erfolgreiches politisches Handeln heraus: Laut Machiavelli tun Regierende gut daran, die Grausamkeiten am Beginn ihrer Amtszeit zu begehen. Das hat Donald Trump bei Obamacare und beim einen oder anderen Naturschutz-Gedöns getan. Die Entscheidung für den Mauerbau an der Grenze zu Mexiko sowie das gegen Muslime verhängte Einreiseverbot ist gemäß seiner Ideologie indes als Geschenk ans Volk zu betrachten.

Die US-Amerikaner finden dies, gemäß einer neuen Umfrage des Ipsos-Meinungsforschungsinstitutes, noch okay. 52 Prozent der dabei Befragten vertraten die Meinung, dass er ein guter Präsident sein werde. Euphorischer äußern sich Russen und Inder. Dort strecken 72 beziehungsweise 64 Prozent die Daumen nach oben. Der Rest der Welt hält wenig von Trump. 78 Prozent der Deutschen glauben, dass er schlecht arbeiten wird, die Briten gehen davon zu 80 Prozent aus. Am größten ist die Ablehnung mit 81 beziehungsweise 84 Prozent in Mexiko und Spanien.

Nicht aber bei Horst Seehofer. Bei ihm, einem Freund der fragwürdigen Visionen, wie sein Einsatz für die Pkw-Maut zeigt, kommt Mr. President gut an. Was aber auch einfach ein Ausdruck persönlicher Sehnsüchte sein kann.

Weiß er doch, dass in seinem bayerischen Revier sowieso geschieht, was seine CSU will. Er braucht für’s Handeln keine Meinung der Opposition. Aber die Demokratie verlangt danach, dass er sich das Gemaule wenigstens anhört. Wie viel könnte man im Bund durchsetzen, wenn das sinnlose Herumsitzen im Landtag nicht wäre?

Regieren per Dekret: Das ist der Weg für den Freistaat! Wir hatten das auch schon. Doch Vorsicht: Zum Bayern-Regenten gehört der passende Name. Ein Horst wird niemal Kini. Ein Donald aber auch nicht.

 

 

 

Donald Trump: Zu kühn für diese Welt

Das Leiden an der Politik – vielleicht ist es bloß Langeweile. Im Großen und Ganzen ist es gut, dass Probleme im Merkel-Stil pragmatisch und seriös abgearbeitet. Doch wo ist die Kühnheit, wo der große Entwurf für die Zukunft? Wo ist die Vision, die uns begeistert und antreibt?

Donald Trump macht es gerade vor. Eine 3200 Kilometer lange Mauer bauen und die hierfür investierten Dollar-Milliarden von anderen bezahlen lassen, ist ein erstaunlicher Gedanke. Der Anti-Tortilla-Schutzwall an der Grenze zu Mexiko wäre 20 Mal länger als die Berliner Mauer, hätte allerdings – alternativlose Fakten, sorry – nur ein Siebtel der Ausdehnung der Chinesischen Mauer.

Unser Präsident hat aber mehr vor: Er möchte Straßen, Brücken, Flughäfen und Öl-Pipelines in einem bislang unbekannten Ausmaß bauen lassen, aber zugleich die Steuern wie noch nie senken. Er findet Folter nicht so ganz verkehrt  und möchte die US-Unternehmen von 75 Prozent der gesetzlichen Vorgaben entlasten. Alleine diese Kühnheit verdient eine eigenständige Betrachtung.

Und wir? Können wir hier auch nur ein bisschen mithalten? Yes. we can. Das Deutsche Zentrum für Luft und Raumfahrt will Ende 2017 einen Satelliten ins All schießen, auf dem Tomaten heranwachsen können. Sollten diese in der Schwerelosigkeit tatsächlich keimen, sollen sie später einmal Astronauten bei ihren Reisen in ferne Welten als Nahrungsgrundlage dienen. Tomaten im Weltall. Wir trauen uns.

Aber halt: Denkt nicht, bei genauer Betrachtung, dieser Donald Trump viel zu groß für diese Welt? Würde es ihn nicht reizen, galaktisch zu agieren? Also Miss-Universe-Wahlen auf dem Planeten Venus durchzuführen oder den Ring des Saturn zu asphaltieren? Er müsste nur vor Ort sein.

Alsdenn: Sollten wir einen US-Präsidenten auf den Mond schießen? Welch schöne, welch kühne Idee.

 

Trump und Höcke – wir kriegen eine neue Mauer

Ab heute ist er da: Donald Trump. Und schon melden Geheimdienste, dass es unserer Bundeskanzlerin Angela Merkel superschnell an den Kragen gehen wird. Der neue US-Präsident verbündet sich mit AfD. Die Bundesregierung schweigt bisher.

Angestachelt zum Geheimplan wurde der Neue im Weißen Haus durch Extrem-Rechtsaußen Björn Höcke. Demnach wird Trumps Unternehmen in Deutschland eine neue Mauer bauen. Dieser „antiislamistische Schutzwall“ soll im Wesentlichen entlang der früheren Ost-West-Grenze verlaufen

Dank dieser Grenzziehung hat die AfD in den befreiten Gebieten die Chance, den Regierungschef zu stellen.  Ein neuer Westteil von Berlin ist vorgesehen, allerdings soll er gezielt aus Stadtteilen mit hohem Ausländeranteil gebildet werden.

Kreuzberg-Friedrichshain und Neukölln werden zwingend eingemauert. Doch auch ein unbedeutendes Viertel am Stadtrand soll einbezogen werden. Es soll – nicht als Herz, sondern als Blinddarm der Stadt – das Holocaust-Denkmal übernehmen.

Dann ist ausgemistet – und selbst Berlin wieder vorzeigedeutsch.

Danke, Mister President, we love you.

Wobei unsere Enthüllung einen kleinen Nachteil hat: Sie ist frei erfunden.

FAKE-NEWS also. Aber das sollte weder Trump noch Höcke stören.

 

Tatort ja, Dobrindt nein

Fakten, Fakten, Fakten… Anlässlich der Kür von „Postfaktisch“ zum „Wort des Jahres“ wird von vielen klugen Zeitgenossen darüber geklagt, dass die Menschen nur noch ihren Gefühlen folgen. Ist die Lage wirklich so schlimm?

Wie immer im Leben kommt es darauf an. Wir dürfen die Bedeutung der Wirklichkeit nicht überschätzen. Die Evolution hat uns die Begabung zur Phantasie geschenkt, weshalb es völlig unsinnig wäre, würden wir uns ausschließlich den Fakten widmen. Einhundert Prozent Realität – das ist Überlebenskampf und Stillstand. Träumen – das ist Fortschritt und Revolution. Der Flug zum Mond war als Idee zu seiner Zeit postfaktisch.

Der wahre Faktiker liest keine Romane. Was, bitteschön, sollte ihn interessieren, was sich ein verwuschelter Schriftsteller bei drei Schachteln Zigaretten und zwei Flaschen Rotwein ausgedacht hat? Postfaktisch muss auch nicht aggressiv sein. Wer gerne Krimis liest, wird darüber nicht zum Mörder. Schließlich: Wer sagt uns, dass alles so ist, wie wir glauben. Die Stubenfliege sieht die Welt anders. Aber sieht sie sie deshalb falsch?

Übel ist das Postfaktische allerdings dann, wenn es einem Menschenfeind gelingt, mit unwahren Botschaften andere zu begeistern. Wenn ein schlechter Krimi nach und nach real wird. Wenn zum Beispiel völlig faktenfrei behauptet wird, dass Menschen mit einem bestimmten Äußeren immer böse sind, weshalb sie bekämpft werden müssen. Das hat schon viele Leben gekostet.

Gefährlich ist auch, wenn der träumende Postfaktiker zum unbelehrbaren Wirklichkeitsleugner geworden ist. So wie der deutsche Verkehrsminister. Er drückt seine Pkw-Maut gegen alle Widerstände durch, obwohl er selber wissen müsste, dass er sein Ziel von 500 Millionen Euro jährlichen Einnahmen nie und nimmer erreichen wird. Da phantasiert einer. Und alle zahlen mit.

Bleiben wir phantasievoll und kreativ. Aber ziehen wir die richtigen Linien. Tatort ja, Dobrindt nein – dann muss uns „Postfaktisch“ niemals schrecken.

 

 

 

Trumps nächster Coup: Lady Gaga regiert mit

Donald Trump ist ein erstaunlicher Mann. Im Wahlkampf hatte sich der Milliardär mit den vergoldeten Gemächern zum Anwalt der kleinen Leute erklärt. Er wollte aufräumen mit dem so genannten Establishment. Wer bis dahin in Washington als Politiker, Mitarbeiter oder Lobbyist Einfluss hatte, würde in die Wüste geschickt und könnte sich allenfalls noch als Bauarbeiter an der mexikanischen Mauer bewerben. Und nun? Alles ist anders – und der neue US-Präsident schämt sich nicht mal.

Statt seine Wahlverprechen zu erfüllen, hat er einige Jobs in seiner künftigen Entourage an Milliardäre vergeben. Neuer Finanzminister wird ein Superreicher. Trumps Begründung: So einer wisse wenigstens, wie man Geld verdient. Weitere Experten kommen von Goldman Sachs. Das ist in westlichen Demokratien nicht ungewöhnlich. Auch der Präsident der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, entstammt diesem Stall. Die Richtung für das Weiße Haus wird klar. Neuer Verteidigungsminister soll mit James Mattis ein General werden, der öffentlich bekannt hat, dass er Freude am Töten hat.

Das Justizministerium könnte, dieser Logik folgend, an einen Einbrecher gehen. Dessen Chef sollte ja wissen, wie man ein Verbrecher verübt. Als Sportminister wäre Lance Armstrong erste Wahl. Er hat Ahnung davon, wie man im globalen Leistungssport erfolgreich sein kann. Mit Blick auf das Ernährungsministerium hat Gevatter Tod dem Präsidenten einen Strich durch die Rechnung gemacht. Jim Delligatti, Erfinder des Big Mac, hätte nachweisen können, dass man mit dieser kulinarischen Kreation 98 Jahre alt werden kann. Leider ist er gerade gestorben.

Landwirtschaftsminister sollte ein Manager von Monsanto werden. Einer, der tatsächlich daran glaubt, dass man Gylaphosat trinken kann.

Die Frauenministerin schließlich dürfte im weitesten Sinne aus dem Showbusiness kommen. Wobei noch nicht klar ist, ob sich Donald Trump für Pamela Anderson oder doch gleich für ein Pornosternchen aus den einschlägigen Filmstudios in Los Angeles holt. Absolute Überraschungskandidatin wäre allerdings Lady Gaga. Sie wäre zugleich Trumps Geniestreich schlechthin. Schließlich ist sie bloß 1,55 Meter groß. Authentischer kann man die kleinen Leute nicht vertreten.

Wir werden es sehen…

 

 

Fakten zählen? Nix da, das ist vorbei!

Postfaktisch. Das also ist der große Trend der Zeit. Jedenfalls hat der für seine richtungsweisenden Sprachbetrachtungen berühmte Verlag Oxford Dictionaries dieses Adjektiv zum internationalen Wort des Jahres 2016 gewählt. Weil immer Menschen auf Tatsachen pfeifen und stattdessen an etwas glauben, was ihnen besser ins eigene Weltbild passt. Wie man es aus dem Online-Handel kennt: Diese Meinung könnte Ihnen auch gefallen.

Verstehen kann man die Menschen. Die Wahrheit ist oft sehr vielschichtig und entsprechend lästig. Einfache Lösungen, wie man sie in Film und Fernsehen erlebt, also etwa Rettung vor Außerirdischen in knapp zwei Stunden, gibt es im realen Leben nicht. Das schürt Zorn auf jene, die man gewählt hat, damit sie Probleme schmerzfrei beseitigen. Und wertet jene Menschen auf, die einfache Lösungen anbieten.

Dann ist es egal, ob ein Donald Trump lügt, wenn er sich als Immobilienhai zum Anwalt der kleinen Leute macht und im Vorbeigehen das völlig absurde Versprechen von 25 Millionen neuen Jobs. Es juckt nicht, wenn sich nationale Alleingänge wie beim Brexit fatal auswirken können. Manche glauben sogar daran, dass die Bundesrepublik Deutschland als Staat gar nicht existiert. Man hat es ja „im Internet“ gelesen.

Nun soll allerdings niemand behaupten, dass unsere Politik immer nur „faktisch“ sei. Wenn die FDP behauptet, dass private Finanzkonzerne die Altersversorgung managen können, ist das genauso daneben, wie wenn jemand „Die Rente ist sicher“ plakatiert. Mancher fabuliert, dass man Probleme mit der Zuwanderung endgültig dadurch regeln könne, dass man eine Obergrenze festsetzt oder indem man einen Staatschef mit diktatorischen Zügen hofiert. Andere wollen mehr Steuergelder von Reichen, ohne Reichtum zu definieren. Und, und, und…

Man sieht: Fakten sind nicht alles. Die Gedanken sind frei. Und ja, man darf auch träumen. Aber: Muss es dann wirklich so oft, albtraumhafter Mist sein?

 

Politik ist schmutzig – auch beim Dieselauto

Politik ist ein schmutziges Geschäft. Selbst Donald Trump hat dies in seiner ersten Rede nach der Wahl festgestellt. Wir sagen gerne: Dieser Kerl ist ein Lügner. Solche Politiker gibt es bei uns nicht. Wirklich nicht? Dann denken wir mal an Dieselautos.

Seit Umweltproblemen immer offensichtlicher wurden, ist die Autoindustrie immer lebensbewahrender geworden. Zum Teil mit besserer Technik, zum Teil bloß in ihrer Werbung. Als Mitte der 80-er Jahre Katalysatoren auf den Markt kamen und schließlich mit reichlich Steuergeldern gefördert wurden, wurde den Autokäufern das gute Gefühl vermittelt, mit jedem Neuwagen drei Hektar Fichtenwald gerettet zu haben. Autos schienen endlich sauber zu sein. Unser Gewissen war rein.

Schon bald rollte die große Dieselwelle. Diese Motoren verbrauchten weniger Treibstoff, der Staat half mit einer niedrigeren Mineralölsteuer. Auch der Diesel wurde als Öko-Auto propagiert. Die deutschen Hersteller profitierten von diesem Image-Gewinn ganz besonders, denn die Konkurrenz aus Fernost war bei dieser Technik im Hintertreffen.

Inzwischen wissen wir: Die Firmenangaben hinsichtlich der Abgaswerte sind gelogen, selbst aus dem Auspuff eines Drei-Liter-Autos kommt reichlich giftiges Zeug. Speziell Feinstaub ist aus Diesel gemacht.

Wir wurden also schmutzig belogen. Was in einer Nation von Autofahrern Groll verursacht, und uns schwer glauben lässt, dass mit Kohlestrom betriebene Elektroautos abgasfrei fahren sollen.

Aber so ist das eben. Politik dient nicht allein der Wahrheit. Sie dient der Wirtschaft, den Arbeitsplätzen, dem Export. Und flunkert deshalb, lügt oder verschweigt, was nicht zu diesen Zielen passt.

Jedoch, ist das ein Skandal? Sicherlich. Andererseits hat der Bürger, der mündig sein will, die Pflicht, selbst nach der Wahrheit zu suchen. Wir haben nicht den Himmel oder die Hölle auf Erden, wir haben die Erde auf Erden. Sie hat schmutzige Ecken, aber wir können sie säubern, wenn wir falschen Propheten nicht vertrauen.

Es kann besser oder sogar gut werden. Aber es liegt sehr an uns.

 

 

Trump ist da. Wir hoffen auf Joschka Fischer

Alle waren gegen Donald Trump. bis auf die Mehrheit. So lässt sich die Wahl des neuen US-Präsidenten kurz und knackig bilanzieren. Die Zwielicht-Gestalt ist ganz oben angekommen. Was nun?

Ganz sicher wissen wir im Moment nur eines: Das Leben geht weiter. Das US-amerikanische Volk hat sich bei der Wahl unter zwei Unsympathen für die männlichen Variante entschieden. Was das auslösen wird, muss man noch sehen. Steht Donald Trump zu seinen Versprechen, kann er nicht viel Schaden anrichten. 25 Millionen Jobs will er schaffen. Das sollte ihn für einige Zeit beschäftigen. Außerdem plant er den Bau einer Mauer an der Grenze zu Mexiko. Logisch, mit hässlichen Bauwerken kennt er sich aus.

Aber hat dieser Wahlausgang vielleicht doch etwas Gutes? Ja doch. Zwar wirkt es absurd, dass sich die Benachteiligten und Verarmten ausgerechnet hinter einem stinkreichen Immobilien-Mogul versammeln. Aber es zeigt doch, dass die Politik die mitunter so bezeichnete Unterschicht nicht unterschätzen sollte. Die gesellschaftliche Ungleichheit in den USA ist erheblich größer als bei uns, die Konditionen für zig-tausende Jobs sind die Schlechtesten in der westlichen Welt, die Gefahr, komplett abzustürzen, ist Normalität.

Unsere Politik wird schnell begreifen, dass sie sich schon aus reinem Selbsterhaltungstrieb schleunigst den Verlieren zuwenden muss, wenn sie nicht abgewählt werden will. Gerechtigkeit wird auf der politischen Agenda nach vorne rücken.

Ansonsten ist die US-Wahl ein ziemlicher Jammer. Halten wir uns also an unseren letzten Hoffnungsträger, den früheren Vizekanzler und ganz früheren Steinewerfer Joschka Fischer. „Das Amt verändert den Menschen mehr, als der Mensch das Amt“, lautete sein bekanntester Lehrsatz. Möge es bei Präsident Trump so geschehen…