Reparatur – der verschollene Begriff

Der Sprachschatz ist eine dynamische Kostbarkeit. Neue Wörter tauchen auf, manches verschwindet in der Versenkung. Was früher war, ist heute verschollen. Die Wählscheibe zum Beispiel, das mit dem Aussetzen der Wehrpflicht verschwundene Kreiswehrersatzamt oder der robuste Mittelläufer, der im heutigen Fußball gerne paarweise als Doppel-Sechs auftritt. Es gibt aber auch Worte, die zwar gegenwärtig sind, jedoch im Alltag keine Rolle spielen. Reparatur ist so eins.

Wir erinnern uns: Wenn im vergangenen Jahrtausend etwas kaputt gegangen ist, war das Werkzeug schnell bei der Hand. Geräte waren so gebaut, dass auch Laien Chancen auf erfolgreiche Ausbesserungsarbeiten hatte. Defekte Autos etwa konnte man mit einigen geschickten Handgriffen wieder in Gang setzen. Sie waren einfach und übersichtlich konstruiert – Trabant, Käfer und Ente waren hierfür die Paradebeispiele. Und wenn man die Sache selbst nicht in den Griff bekommen hat, war da immer noch „der Meister“, der die Dinge regeln konnte. Ziel aller Bemühungen war es jedenfalls, dass man eine Sache nur im äußersten Notfall in die Mülltonne geworfen hat.

Wie sich die Zeiten geändert haben. Eine Studie von Umweltbundesamt und Öko-Institut hat ergeben, dass immer mehr große Haushaltsgeräte wegen Mängeln frühzeitig kaputt gehen. Der Anteil von Kühlschränken oder Waschmaschinen, die nach nicht einmal fünf Jahren aufgrund ei­nes Defekts ausgetauscht wurden, stieg von 2004 bis 2012 um mehr als das Doppelte von 3,5 auf 8,3 Prozent. Man nennt es auch „Sollbruchstelle“. Nehmen wir Smartphones: Wenn etwas repariert werden soll, ist der Preis derart hoch, dass sich die Aktion nicht lohnt. Eine Tintenpatrone ist kaum billiger als ein neuer Drucker.

Allerdings ist das vielen Verbrauchern ganz recht. Wer immer die jeweils neueste Technologie will,  entsorgt eben auch Geräte, die einwandfrei funktionieren.

Dieser Gesellschaft fehlt es an der Treue. Was heute top ist, langweilt spätestens übermorgen. Das ist der so genannte Megatrend. William Shakespeare sah das noch ganz anders: „Dem traue nie, der einmal Treue brach.“ Sympathisch eigentlich, aber das war spätes 16. Jahrhundert. Heute ist Container.