Die Stürme toben. Doch das wahre Grauen ist das Tier

Ach ja, diese Natur. Wo früher ein laues Lüftchen geweht hat, drehen heute Windhosen ihre Runden. Wo es getröpfelt hatte, werden Keller überschwemmt. Gewitter stoppen rebellisch gekleidete Rockmusiker. Und das ist noch längst nicht alles.

Für die Klimaforscher ist die Sache klar. Auch die Menschen in Deutschland bekommen die Quittung dafür, dass sie rücksichtslos mit dem Weltklima geaast haben. Das sagen sie trotz einer angekratzten Glaubwürdigkeit. Versprochen waren Palmen, Sandstrände und Cocktailbars entlang unserer Flussläufe. Stattdessen arbeitet die Natur augenscheinlich an einem skandinavischen Regenwald. Sollte es so weitergehen, werden wir uns in Zukunft nach jedem längeren Spaziergang die Flechten von der Übergangsjacke kratzen müssen.

Experten für Wasserbau neigen übrigens zum Widerspruch. Sie erklären, dass es schon immer schlimme Überschwemmungen gegeben hat. In der Tat: In den meisten Städten erinnern die Flut-Erinnerungstafeln an Ereignisse aus vergangenen Jahrhunderten.

Vermutlich liegt die Wahrheit, wie so oft im Leben, irgendwo in der Mitte. Das Klima hat einen Schaden weg. Aber das Wetter macht schon immer,  was es will.

Doch Glück ist nicht, dass man keinen Ärger hat. Glück ist, wenn man trotz alledem zurechtkommt. Das schaffen wir. Unser Leid wird nicht zu groß werden. Jedenfalls dann nicht, wenn es jungen Menschen nicht massenhaft die Ladekabel wegschwemmt. Die Natur mag die Natur sein. Aber wir sind immer noch wir.

Vergessen haben wir allerdings: DAS TIER! Der Wandel von der böse stinkenden Schwerindustrie und der mosantonischen Groß-Landwirtschaft zur verschämt müffelnden Dienstleistungswirtschaft schafft Lebensräume für Viecher, die wir nicht brauchen können. In Bayern wurde bereits ein Bär gesichtet – und erschossen. Wölfe durchstreifen weite Gebiet Mecklenburg-Vorpommerns, in Berlin rufen Hotels in den Außenbezirken dazu auf, zum Schutz vor marodierenden Wildschwein-Rotten nachts sorgfältig die Türen zu schließen.

Und erschreckt hat uns auch diese Meldung: Ein Affe hat offenbar in ganz Kenia einen mehrstündigen Stromausfall ausgelöst haben. Unser naher Verwandter soll auf das Dach eines Kraftwerks geklettert und auf einen Transformator gefallen sein. Und dann ging nichts mehr. 80 Prozent der Stromanschlüsse in dem 45-Millionen-Staat sollen tot gewesen sein.

So gesehen sollten wir froh sein, dass das Wetter bei uns noch nicht allzu tropisch geworden ist. Tiere, die unsere Ladekabel nutzlos machen brauchen wir nicht. Wir wollen ja zurechtkommen. Trotz alledem.