Posts Tagged ‘Tod’
Todesanzeige für Knut: Wenn Tierliebe hirnkrank wird
Ich will ja gar nichts sagen. Nein, ich will ruhig sein. Die Hände betroffen vor den Mund legen und mir mit einem Taschentuch eine Träne aus dem Augenwinkel wischen. Aber ich schaffe es nicht. Ich denke an die Trauergemeinde von Eisbär Knut – und schreie laut “Aaaargghhhh!!!”.
Schönheit? Ich müsste mir die Haare raufen
Manchmal empfinde ich es als Segen, dass ich nicht mehr so ganz viele Haare auf dem Kopf habe. Es wäre nicht gut. Denn ich müsste sie dauernd raufen, also ein Dasein voller Schmerzen erleiden. Es müsste ja nicht, wie bei Jesus, zu einem “Haupt voll Blut und Wunden” ausarten (Titel eines der m. E. schönsten Kirchenlieder überhaupt). Aber die Verlogenheit, die mich an jedem Kiosk anspringt, bewegt sich gerade wieder auf allerhöchstem Niveau.
Da wollte sich also eine seit ihrem Aufenthalt im Big-Brother-Haus weltbekannte Pornodarstellerin mit dem Künstlernamen “Sexy Cora” ihre Brüste vergrößern lassen. Bei dieser Operation ist sie überraschend gestorben. Sofort weint die “Bild”-Zeitung Krokodilstränen, schreibt, wie furchtbar das alles sei und wirft am Rande die Frage auf, ob mit diesem Unfall das Ende der Schönheitschirurgie eingeläutet würde.
Schon ist der wieder da, mein schwer zu zähmender Raufzwang. Weil die Heuchelei dieser Zeitung
Loveparade-Tragödie: Warum beherrscht uns dieser Herdentrieb?
Furchtbar: Da machst du Urlaub in einer WLAN-freien Zone, in der du dir Nachrichten nur über überteuerte deutsche Tageszeitungen zum Taschenbuchpreis oder über die von einer Zimmerantenne grießelig herbeigesaugten Nachrichten italienischer Fernseh-Stationen beschaffen kannst. Und du denkst, dass Ole van Beust ein nettes Blog-Thema wäre. Weil da ein CDU-Politiker abspringt, der vor nicht allzu langer Zeit noch “junger Wilder” genannt wurde. Und dann siehst du diese Bilder aus Duisburg…
Schicksal ist mehr als eine Landtagswahl
Na toll, wir haben wieder Schicksalswochen. Weil uns Entscheidungen ins Haus stehen, die scheinbar von Hergott, Tod und Teufel gesteuert sind. Und doch ganz und gar irdisch sind.
Wir könnten nun Heidi Klum und ihre Topmodels in Augenschein nehmen, drängender ist freilich die Situation im Profifußball. Seit Wochen reiht sich da ein “Schicksalsspiel” ans andere. Die Funktionäre, die unseren Sprachgebrauch um das Wort “Relegation” bereichert haben, bescheren uns in Nürnberg zwei weitere solcher Erlebnisse. Jedoch: Würde der x-te Abstieg in die Zweite Liga auch als tödliche Schmach gelten, ist doch gerade im Sport eine Auferstehung immer möglich.
Oder die heutige NRW-Wahl. Die deutsche Nachkriegszeit ist gespickt mit so genannten “Schicksalswahlen”. Aber was wäre denn, wenn der bei bestimmten Gelegenheiten käufliche Jürgen Rüttgers samt seiner Regierung einpacken müsste? Wenn daraufhin Angela Merkel stürzen würde?
Klare Antwort: Das Leben würde weitergehen. Vielleicht mit anderen Menschen an der Spitze. aber ansonsten nur unwesentlich anders.
Seien wir also doch ein bisschen sparsamer mit dem Begriff “Schicksal”. Dieser passt doch egentlich nur für ganz schlimmer Ereignisse, für ganz schwere Stunden im Leben eines Menschen. Aber nicht für die Folgen eines verschossenen Elfmeters oder einer Wahl.
Werden wir gelassener. Ansonsten gilt ein Satz des Philosophen Freiherr von Humboldt, nach dem in Nürnberg eine sehr schöne Straße benannt ist: “Wie ein Mensch sein Schicksal meistert, ist wichtiger, als was sein Schicksal ist.”
Afghanistan: Wir haben wieder Feinde
Wenn man die heutigen neuesten Todesnachrichten aus Afghanistan hört, muss man staunen. Darüber, wie sich Deutschland innerhalb weniger Jahre verändert hat. Unser Land hat wieder Feinde. Es wird scharf geschossen.
Als ich vor 30 Jahren meinen Militärdienst abgeleistet habe, gab es zwar “den Russen”. Aber der Gedanke an einen Kampfeinsatz erschien nicht nur mir als völlig abwegig. Einerseits würde die Bundeswehr sich immer nur wehren und niemals wieder irgendwo einmarschieren. Und wenn schon Krieg, dann würde dieser wegen der zwangsläufig eingesetzten Atomwaffen innerhalb kürzester Zeit mit dem Tod des letzten Menschen für alle Zeiten beendet sein.
Nun also wird Deutschland auch am Hindukusch verteidigt. Wer immer dem damaligen Verteidigungsminister Peter Struck diesen Satz aufgeschrieben hat, kann einerseits stolz sein. Er ist zum Sprichwort geworden. Kaum jemand stellt jedoch die Frage, ob er überhaupt so stimmt. Verteidigt sich Deutschland oder macht es sich vor allem unbeliebt?
Sicher, die Terroristen müssen bekämpft werden. Aber mal anders betrachtet: Was würden wir als Afghanen oder Iraker sagen, wenn Soldaten eines anderen Landes bei uns auftauchen würden, weil deren Regierung beschlossen hat, dass wir alle zu rückständig und korrupt sind? Und dennoch mit unseren eigenen korrupten Politikern zusammenarbeitet? Würden wir vielleicht fragen, warum sich diese fremde Macht so absolut überlegen fühlt, und außerhalb von Museen keinerlei Respekt vor unserer Kultur hat, die noch viel älter ist? Und von der sie selbst – siehe arabische Medizin – in vielfältiger Weise profitiert hat.
Gut möglich also, dass unsere Form der Landesverteidigung als Anmaßung empfunden wird. Was aber, wenn sich die Geretteten als Unterdrückte fühlen? Wenn sie mit Widerstand statt mit Dank antworten?
Dann greift die Logik des Krieges. Deutschland will nicht “vor den Taliban in die Knie gehen.” Ein Zurück gibt es nicht, es wird aufgerüstet, die Waffen werden schwerer, die Zahl der Toten wird größer. In diesem Stadium sind wir wohl. Aber wenn eines fernen Tages alle fremden Soldaten Afghanistan verlassen haben: Wie lange wird es dauern, bis alles wieder so ist, wie es vorher war?
An einem Abend wie diesem sind die Aussichten wahrlich trostlos…
Es stimmt: Dicke Senioren leben länger!
Warum kann man Personenwaagen nicht verbieten. Immer dieser Terror beim draufschauen. Man fühlt sich federleicht und beschwingt, steigt fröhlich pfeifend drauf, aber dann: Bomm. Wieder neuer Höchststand. Also kauen wir fettfreien Schinken, balgen uns mit der Lebensgefährtin um die Lätta und traben sinnlos am Ufer des nächstgelegenen Entenweihers entlang. Weil man uns eingetrichtert hat, dass schlanke Menschen gesünder sind.
Tja, bloß: Das ist falsch. Zumindest bei Senioren. Wie das von mir seit Beginn dieses Textes heiß geliebte „Journal of the American Geriartric Society“ jetzt gemeldet hat, muss Übergewicht im Alter nicht unbedingt von Nachteil sein. Wer ab dem 70. Lebensjahr etwas zu viele Pfunde auf die Waage bringt, hat nach einer Studie der Universität von Western Australia bessere Überlebenschancen als dünne oder normalgewichtige Gleichaltrige.
Über 9000 Männer und Frauen im Alter von 70 Jahren waren in einer Langzeitstudie beobachtet worden. Und siehe da: Nach zehn Jahren war die Sterblichkeitsrate bei den Dickeren um 13 Prozent niedriger. Der Mensch schrumpft eben im Alter, weshalb es gut ist, wenn er beim Verfall von ein paar nährenden Reserven gestützt wird.
Zeigen wir also wieder mehr Respekt vor den Dicken. Wie zum Beispiel die Air France: Sie will fettleibigen Fluggästen ab April 2010 den Preis für einen zweiten Sitz erstatten, falls das Flugzeug nicht ausgelastet ist.
Ich wiederum werde nun ganz gelassen an Gewicht zulegen. Schließlich muss man sich an das Seniorenleben mit Übergewicht auch erst mal gewöhnen. Ich pfeife auf die Lätta und dreh den Weiherenten eine lange Nase. Guten Appetit allerseits!
Bitte Michael, keine Moonwalk-Plastinierung
Suizid verhindert! Es tut immer gut, eine solche Schlagzeile zu lesen. Und ich will jetzt auch einmal ein Leben retten. Das von Michael Jackson. Denn der hat, glaube ich, was Schlimmes vor.
Über die “Bild”-Zeitung wurde ruchbar, dass sich der – alles in allem betrachtet sehr zweifelhafte – “King of Pop” von Gunther von Hagens plastinieren lassen will. Sie wissen schon, von diesem hageren Typen mit dem irren Blick und dem Humphrey-Bogart-Hut, der Leichen das ewige Leben schenkt. “Ein Mitarbeiter von Michael Jackson hat mit uns Kontakt aufgenommen”, bestätigte der Professor dem Boulevardblatt, das ihn zärtlich “Dr. Tod” nennt.
Nun fragt man sich doch, warum jemand, der schon seit vielen Jahren wie ein Gespenst aussieht, unbedingt auch noch nach seinem Tod auf die Bühne will. Wenn man Bilder von Michael Jackson sieht, kann man Zweifel bekommen, ob es ihn überhaupt geben kann. Und ob es ihn je gegeben hat. Seine legendären Interviews (“Love you” – Ende – hab ich selbst im Münchner Olympiastadion erlebt) hätte auch ein Roboter von Sony geben können. Und die Frage, ob er bis hierhin irgendeine Art von erstrebenswertem Leben hatte, wird man ja auch eher mit Nein beantworten müssen. Trotz aller Erfolge. Finde ich jedenfalls.
Dieser Sänger, der in den 80er Jahren ein gewalitger Pop-Komet war, seit seinem “Thriller”-Album aber eigentlich nur noch verglüht ist, sieht also angeblich in Hagens “postmortalem Schönheitssalon der Moderne” (so Meister von Hagens über sein Labor) die allerletzte Chance auf ewigen Ruhm.
Und das macht mir Sorgen, denn: Am 8. Juli startet Michael Jackson in London seine Comeback-Konzertreihe. In der gleichen Stadt zeigt Professor von Hagens bis 23. August die Ausstellung „Körperwelten“.
Plant da also einer den ganz großen Abgang? Einen realen Bühnentod mit anschließender Moonwalk-Plastinierung?
Tu`s nicht Michael, Dein Plan ist hiermit aufgeflogen und somit uninteressant. Und wenn doch: Frag Tatjana Gsell, ob sie sich dazustellt.
Leichenhandel lohnt sich nicht
Es gibt verschiedene Wege, zum allgemein anerkannten Unsympathen zu werden. Einer davon ist, Geschäfte mit Leichen zu machen. Man denke an Gunther von Hagens. Man ließ den zweifelhaften Professor letztlich in Ruhe, da man wohliges Schaudern angesichts seiner plastinierten Leichen verspürte, konnte ihn aber nie wirklich ausstehen. Oder denken wir an die Zahngold-Mafia im Nürnberger Krematorium. Das waren Arbeiter, die sich für besonders schlau hielten. Sie wurden gefeuert.
Und nun gibt es wieder jemand, der es geschafft hat, sich mit der Kombination aus Tod und Gier für die Öffentlichkeit wahlweise zum Unmenschen oder zum Trottel zu machen: Rechtsanwalt Wolfgang Spachmüller.
Der Advokat, der gerne CSU-Bundestagskandidat geworden wäre, ist im Fall der in Klagenfurt gestohlenen Leiche des Milliardärs Friedrich Karl Flick auf unrühmliche Weise in Erscheinung getreten. Im Namen einer ungenannten Mandantin forderte er die von Flicks Familie als Belohnung ausgelobten 100.000 Euro Belohnung. Zusätzlich forderte er ein Honorar in Höhe 11.900 Euro und verlangte, dass seine Mandantin straffrei davonkommen würde. Inzwischen sieht es so aus, als sei Spachmüller auf eine Wichtigtuerin hereingefallen. Sie hatte behauptet, Fähigkeiten zu haben, mit denen sie den Sarg Flicks aufspüren könne.
Die Trottel-Variante rückt also offenbar näher. Aber Spachmüller hat – wenngleich er inzwischen die Finger von der heiklen Sache lässt – noch mehr verbockt: Er hat Werte verraten, die er an anderer Stelle als Vorbild hochhält. Als “Vice Governor” und “Zonen-Beauftragter” ist er ein wichtiger “Amtsträger” des Lions-Clubs. Eine Führungsperson jener Vereinigung also, in der finanziell gut gepolsterte Persönlichkeiten einerseits heftig klüngeln, aber auch den wahren, schönen und guten Werten frönen, indem sie ärmeren Leuten etwas von ihrem Geld abgeben.
Noch in den “BNNews”, dem Mitteilungsblatte der Lions für Bayern-Nord, grinst Spachmüller als ein Teilnehmer einer Fortbildung für Zone-Beauftragte heraus. Ob er zugehört hat. Der Lions-Wahlspruch heißt “We serve“ oder „Wir dienen“. Damit verpflichtet sich jedes Lions-Mitglied, den Dienst am Nächsten über seinen persönlichen Profit zu stellen. Passt das zur Maklertätigkeit nach Leichen-Kidnapping? Wohl kaum.
Nun ist klar, dass selbst der sanftmütigste “Lion” manchmal doch vor allem den Profit braucht. Insofern ist der hehre Anspruch kaum besser einzuhalten als die zehn Gebote.
Andererseits: Angeblich ist Lions eine Abkürzung, die für „Liberty, Intelligence, Our Nation’s Safety“ steht. Was übersetzt „Freiheit, Intelligenz, Sicherheit unserer Nation“ bedeutet. “Intelligenz” und Anwalt Spachmüller? Was sein Auftreten in Sachen Flick-Leiche angeht, kann man beides beim besten Willen nicht mehr in Verbindung bekommen.
Man spürt es. Da kriegt einer noch jede Menge Schwierigkeiten. Es wäre nicht mal unverdient.
Fan-Friedhof: Das Familiengrab am Elfmeterpunkt
“Treue bis in den Tod” haben Fußballfans ihrem Lieblingsverein schon oft geschworen. Und das Lied des 1. FC Nürnberg – “Die Legende lebt” – ist nicht weit weg vom Thema Auferstehung. Alsdenn: Ist es wirklich verrückt, dass der Hamburger Sportverein am 9. September einen Fan-Friedhof eröffnet hat?
An diesem Tag wurden der staunenden Presse unter anderem zwei Mustergräber vorgestellt und Beispiele für HSV-Särge und HSV-Urnen präsentiert (Foto: dpa). Der Eingang zum Friedhof ist als großes Fußballtor gestaltet, die Begleitmusik zu Bestattungen soll die Stadionhymne sein. Es wird gewissermaßen VIP-Loungen in Form von kostspieligen Familiengräbern geben. Für den einfachen Fan ist ein Grab für 25 Jahre zum Preis von 2500 Euro im Angebot.
Auf den ersten Blick wirkt das alles seltsam, was aber wahrscheinlich mit unserer verknöcherten Bestattungskultur zu tun hat. In anderen Ländern ist man längst dazu übergegangen, bei Trauerfeiern eine enge Beziehung zu den Leidenschaften des Verstorbenen herzustellen. Und seien wir doch ehrlich: Es gibt nichts und niemand, für den ein Mann eine größere Treue entwickeln kann, als zu seinem in der Kindheit gewählten Lieblingsverein. Neue Wohnung, neues Auto, neuer Job, neue Frau – alles geschenkt. Nur der Lieblingsclub bleibt.
Also haben in Argentinien die Anhänger von Boca Juniors schon lange einen eigenen Friedhof, in Amsterdam wurde das alte Staion für gestorbene Ajax-Fans hergerichtet. Und in England können die verbrannten Überreste der Fans auf dem Rasen des Fußballvereins verstreut werden.
Club-Fan-Trauerfeiern gibt es ja auch schon in Nürnberg. Ein Bestattungsunternehmen mit Sitz nahe des Wetfriedhofs macht dieses Angebot. Allerdings: Die Stadionhymne spielt man in der Trauerfeier lieber nicht. Und es dürfte sie auch auf einem späteren Club-Friedhof nie geben. Ihr Titel lautet, wie schon erwähnt, “Die Legende lebt!”. Und das käme wohl doch arg seltsam rüber.
Bald ist EM: Fußball, Sex, die Frau und der Tod
Ach so, Fußball-Europameisterschaft ist schon bald. Rein emotional ist das momentan noch eine laue Angelegenheit. Und so tut es gut, Meldungen zu lesen, die annähernd alles ansprechen, was im Leben eines Mannes wichtig ist: den Fußball, den Sex, das Fernsehen, die Frau und den Tod.
Die Agentur AP verbreitete nämlich dieses: “Der Hälfte der europäischen Fußballfans ist einer Umfrage zufolge ein bedeutendes Spiel wichtiger als Sex.” Vor allem spanische Fans sähen sich lieber ein wichtiges Fußballspiel an, als Geschlechtsverkehr zu haben, heißt es in einer Studie des britischen Instituts Sirc für die Firma Canon.Demnach gaben 72 Prozent der Spanier bei der Internetumfrage an, lieber dem rollenden Ball zuzusehen. Danach folgten die Norweger mit 67 Prozent sowie die Niederländer und die Deutschen mit 64 beziehungsweise 62 Prozent.
Hingegen gaben nur 17 Prozent der Portugiesen an, dass ihnen Fußball wichtiger sei als ekstatische Momente im Bett. Auch bei den Italiener will angeblich nur ein Viertel lieber Fußball als Sex. Naja, schaut Euch Berlusconi an. Das sind doch Blender. Andererseits holen sie sich die tägliche Dosis Sport in aus Journalisten-Sicht begrüßenswerter Form: Die „Gazzetta dello Sport“ ist die meistverkaufte Tageszeitung des Landes.
Ehe wir den Reiz des Fußballs näher erklären, ein kleiner historischer Exkurs: Wie wir alle wissen, war der Ball noch bis zum Erscheinen von Galileo Galilei eine Scheibe. Angesichts der üblen Kopfverletzungen wundert es uns nicht, dass uns die Historiker manches damalige Spiel als Schlacht schildern. Fußball schien am Ende, dann kam Kolumbus. Die Erde war nun rund, der Ball auch. Sein Ei und die mitgebrachte Fußballscheibe ließ Kolumbus auf dem neuen Kontinent. Daraus wurden American Football und Frisbee, das indianische Wort für “Der, der die Biene im Flug verzehrt.”
Zur heutigen Lage ist zu sagen: Fußball hat den Vorzug, dass er zumindest mit Blick auf langjährige Gebundene wie auch auf beruflich überlastete Singles entschieden häufiger und regelmäßiger stattfindet. Er ist planbarer, hat – mit Ausnahme des leicht sadomasochistischen Abseits’ (beobachtet mal nach dem Pfiff den Schmerz im Gesicht des Stürmers) – einleuchtende Regeln und kann problemlos mit Bier und Chips genossen werden. Außerdem muss es schon in der Evolution begründet liegen, dass Fußballleidenschaft ein stärkeres Gefühl ist als Liebe. Der Verlust des in der Kindheit gewählten Lieblings-Fußballvereins wäre für die meisten Männer schlimmer als, sagen wir, eine Ehescheidung.
Einer weiteren Umfrage zufolge wird Fernsehen im Schlafzimmer immer beliebter. In Deutschland läuft der TV-Apparat mittlerweile im Durchschnitt 81 Minuten pro Tag, was seit 2003 eine Zunahme um 27 Prozent bedeutet. Das allerdings macht Hoffnung, denn schlechte Spiele, bei denen man sich nach Ablehnung sehnt, gibt es ja genug.
Aber wo ist jetzt der Tod? Stimmt, davon stand nichts in den Meldungen. Er aber lauert oft schon in der Vorrunde. Und spätestens beim Elfmeterschießen ist er ganz, ganz nah. Denken Sie an Ihr Herz! Das gilt demnach für den Fußball und den Sex in gleicher Weise.
Wenn der Tod ein Komödiant ist…
Mal eine ganz einfache Frage: Was ist der Sinn des Lebens? Klar doch, wir wollen Spuren hinterlassen. Andere Menschen sollen sich lebhaft an uns erinnern und uns in die Kategorie “Wichtig” einordnen. Zum Leben gehört aber der Tod. Also sollte auch dieser in angemessener Form eintreten.
Gut, wir mögen dieses Thema nicht. Aber es ist doch so, dass wir entweder im Kreise unserer Liebsten sanft entschlafen oder als Held nach einem erfolgreichen Kampf gegen außerirdische Eroberer sterben möchten. Oder, wie das in launigen Reden zum Ruhestands-Eintritt mutmaßlich bedeutender Männer gerne gesagt wird, als 105-Jähriger während einer wilden Sex-Orgie.
Es kommt aber oft anders. Viel zu viele Menschen sterben völlig sinnlos zur absolut falschen Zeit oder unter idiotischen Umständen. Jeder Verkehrsunfall und Flugzeugabsturz erfüllt diese Kriterien. Aber es ist auch saudumm, an einer Blutvergiftung zu verenden, nachdem man von der räudigen Nachbarskatze gekratzt worden ist. Oder nehmen wir die Fußball-Übertragungs-Herzinfarkte, die zudem so darwinistisch verteilt sind, wie das Geld und das Glück im Profifußball. Fans von unterlegenen Teams sterben nämlich erheblich häufiger. Gut, dass der Club mal wieder gewonnen hat. Und dann sind da noch die Fischgräten oder Fleischstückchen, die in den falschen Hals geraten sind.
Das geht aber noch, war halt Pech im Spiel. Aber völlig unangemessen sind jene Fälle, in denen der Tod schon fast als Komödiant auftritt. In denen es so absurd abläuft, dass sich die Trauergemeinde nur noch an den Kopf fasst oder bei der Rede des Pfarrers zu kichern beginnt. Nicht lustig, aber absurd, ist dieser Vorfall aus Buenos Aires. Ein Pudel verursachte vor 20 Jahren den Tod von drei Menschen. Und das ging so: Das Tier fiel von einem Balkon aus so unglücklich auf den Kopf eines Passanten, dass dieser verstarb. Ein Augenzeuge blieb vor Schreck wie angewurzelt stehen und wurde von einem Bus überfahren. Ein weiterer Augenzeuge erlitt eine tödlichen Herzanfall.
Auch vom Balkon aus gelangte ein Hausmeister aus Bremen ins Jenseits. Er wollte mit einer Tomate nach seinen Nachbarn werfen, die ein Stockwerk tiefer eine laute Party feierten und stürzte über das Geländer. Wirklich tragisch ist auch die Geschichte eines Mexikaners, der vier Zugunglücke überlebt hatte, um dann wegen eines Kurzschlusses an der Spielzeug-Eisenbahn seines Sohnes zu sterben. Oder der Tod des Mannes aus Ohio, der von seiner Ehefrau gefunden wurde, wie er nackt und leblos bäuchlings auf dem Sofa lag. Er hatte ein Loch ins Polster gebohrt und darunter zwecks sexueller Erregung zwei Schwingschleifer montiert. Auch hier kam es zum Kurzschluss.
Nein, so wollen wir nicht sterben. Keinesfalls! Aber wie schon geschrieben: Der Tod hat manchmal ein skurrilen Humor. Da Bleibt nur eins: Leben , so spurenreich wie möglich!



Der Trauer-Pomp um den Beinahe-Kaiser
In diesen, vom Hang zu Klatsch und Oberflächlichkeit geprägten Zeiten, sind so genannte Traumhochzeiten der eigentliche Markenkern des Hochadels. Zurzeit werden wir jedoch Zeuge einer ausgedehnten Grablegung. Diese gilt Seiner Kaiserlichen und Königlichen Hoheit Franz Joseph Otto Robert Maria Anton Karl Max Heinrich Sixtus Xaver Felix Renatus Ludwig Gaetan Pius Ignatius, Kaiserlicher Prinz, Erzherzog von Österreich, Königlicher Prinz von Ungarn. Also (so der weltliche Name) Otto Habsburg-Lothringen, der gerade 98-jährig verstorben, ähem, “hinübergegangen” ist, wie das gläubige Katholiken sagen.
Bis Mitte Juli werden seine sterblichen Überreste an Orten aufgebahrt, an denen seine Dynastie besonders erfolgreich geherrscht hat. Inszeniert wird mit reichlich Pomp und ganz besonderen Zutaten: So hat Papst Benedikt dem toten Kaisersohn einen Apostolischen Segen per Fax geschickt. Den kriegt so nicht jeder. Und zum glaubensschwangeren Brimborium gehört auch, dass seine Ehefrau Regine mit ihm gemeinsam in die Kapuzinergruft im Wiener Stephansdom gelegt wird. Dass Selbige schon seit über einem Jahr tot ist, ist bei einem Ereignis dieser Kategorie offenbar kein Hindernis.
Ich selber habe Otto Habsburg-Lothringen nie aus nächster Nähe erlebt. Allerdings hat mir sein Büronachbar im Europäischen Parlament, der CSU-Politiker Ingo Friedrich, mit leuchtenden Augen von dessen überragender Bildung vorgeschwärmt. Tatsächlich sprach der letzte Kaisersohn neben Deutsch auch Ungarisch, Kroatisch, Englisch, Spanisch, Französisch und Latein fließend. Das flößt mir mächtig Respekt ein. Ein weiteres Erlebnis in Bezug auf Seine Majestät hatte ich, als ich in einer Glosse Tatjana Gsell empfahl, es anlässlich ihrer seinerzeit geplanten Prinzessinnenwerdung doch beim Beinahe-Kaiser zu probieren. Da ich den europäischen Hochadel bei dieser Gelegenheit als überflüssig bezeichnete, drohte mir ein angebliches Mitglied der kontinentalen Königsklasse ernsteste Konsequenzen an, die aber bisher ausgeblieben sind.
Gut, nehmen wir es hin, dass Otto Habsburg-Lothringen als “großen Europäer” bezeichnet wird. Es ehrt ihn, dass er immer ein entschiedener Gegner Hitlers war. Allerdings hatte er auch kein Problem damit, seine politischen Ambitionen vom früheren spanischen Diktator Franco fördern zu lassen. Ein ausgewiesener Kommunistenfresser war er auf jeden Fall.
Letztlich verbietet sich die Überhöhung, zu der viele von uns offenbar neigen, wenn es um Kaiser oder Fürsten geht. Im Online-Kondolenzbuch liest sich das so: “Ein Lichtstrahl, ein Engel, ein Mensch – all das war und ist Otto von Habsburg. Unbeugsam im Fleiß, fröhlich im Wesen. Wir werden ihn vermissen. Doch in unseren Herzen lebt er weiter.”
Also, in meinem nicht. Mich beschäftigen da schon eher die zahlreichen Titel Habsburgs. Er durfte sich ja unter anderem König von Jerusalem nennen. Also frage ich mich: Wird der Nahost-Konflikt jetzt, nach seinem Tod, leichter oder noch schwerer zu lösen sein? Oder ist der Hochadel heute doch viel unwichtiger, als mancher glauben möchte?