Glocken sind vegan, Kinderlieder nicht

Lasst doch die armen Tiere leben! Eine Frau in der hessischen Bischofsstadt Limburg hat hierfür ein famoses Zeichen gesetzt. Auf ihren Protest hin wird das Glockenspiel des Rathauses das Kinderlied „Fuchs, du hast die Gans gestohlen“ nicht mehr intonieren. Grund: Die Veganerin fühlt sich belästigt, weil sie immer an die Textzeile „Sonst wird dich der Jäger holen, mit dem Schießgewehr“ denken muss.

Hinterfragen wir die Argumentation der Frau. Der Fuchs stiehlt die Gans nicht ohne Hintergedanken. Er meuchelt sie ganz ohne tierwohl-orientierte Hilfsmittel, um sie anschließend zu verspeisen. Das gehört bestraft, da auch ein Fuchs von Pflanzen leben könnte, wenn er denn lernen würde, wie man mit Reißzähnen Grashalme zupft.

Der Jäger wiederum vollstreckt in diesem Sinne die gerechte Strafe, zunächst ohne Essens-Absicht. Sein Hilfsmittel ist natürlich brachial. Aber der Versuch, einen Fuchs bei einer gemeinsamen Meditation zum freiwilligen Dahinscheiden zu überreden, darf in einer global beschleunigten Welt als undenkbar angesehen werden.

Bei allem Verständnis für seinen Auftrag ist der Jäger trotzdem ein Lump. Dient das Töten des Fuchses doch letztlich der Existenzsicherung für eine auf menschlichen Verzehr ausgerichtete Geflügelwirtschaft. Folgerung: Auch wer tierproduktfreie Schrotkugeln einsetzt, kann zum Komplizen des Bösen werden.

Vorteil Veganerin. Jedoch, was ist dann noch zu tun? Viele andere Kinderlieder haben zweifelhafte Botschaften. Die Liedzeile „Hänschen klein, ging allein, in die weite Welt hinein“ könnte von Zeitgenossen  wie Björn Höcke als unerhörte Ermunterung unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge verstanden werden. Die Passage „Kehre heim mit reicher Habe, Bau uns manche volle Wabe“  aus dem Lied „Summ, summ, summ“ ist ausbeuterisch unvegan. Und bei „Backe, backe Kuchen“ geht es nicht ohne Eier, Schmalz, Butter und Milch.

Wir haben gelernt: Unser Liedgut für Kinder stammt im Wesentlichen aus einer Zeit, in der Fleisch ein Stück Lebenskraft war. Immerhin sind Glocken vegan. Weshalb es für das Limburger Rathaus Alternativen gibt. Etwa das Lied vom Bi-, Ba-, Butzemann: „Er bringt zur Nacht dem guten Kind, die Äpfel die im Säcklein sind.“ Das passt, aber bitte mit Jute ohne Tier.

Nur die dümmsten Kälber . . .

Das Kalb gilt uns nicht als Paradebeispiel tierischer Intelligenz. Sondern als Wesen, welches regelmäßiges Füttern mit Urvertrauen in den Ernäherer belohnt, um völlig überraschend an einem Fleischerhaken im Schlachthof zu enden. „Vertrauen ist gut“ war das Lebensmotto. Der Preis war hoch.

Urvertrauen erleben wir bei einem Teil des Wahlvolkes, wenn es um die Alternative für Deutschland geht. Weil man nur einer Frauke Petry zutraut, sich im dunkelblauen Business-Kostüm wirksam den muselmanischen Horden entgegenzuwerfen. Weil man zu wissen glaubt, dass sich nur ihr Parteifreund Alexander Gauland mit dem Gewehr im Anschlag nicht von dunklen Kinderaugen erpressen ließe.

Ausschließlich die AfD, so glauben viele, kann das – wenn auch bei Idomeni unchristlich gewordene – Abendland retten. Weshalb die Partei nach neuesten Informationen ihren Anti-Islam-Kurs verschärfen wird. Wie das Journalismus-Portal Correct!v aufgedeckt, hat Partei-Vizechefin Beatrix von Storch  ihren Vorstandsfreunden mitgeteilt, dass die Themen „Asyl und Euro verbraucht sind“. Deshalb müsse die Islam-Kritik verschärft werden. (hier der Link zum Bericht)

Die AfD will sich massiv gegen das „betäubungslose Schächten“ von Schlachttieren wenden und den Ruf des Muezzins als „islamisches Herrschaftssymbol“ anprangern. Auch die Rituale jüdischer Gemeinden sollen gemäß von Storch an den Pranger gestellt werden.

Jawohl, hier kämpfen Politiker für den christlichen kleinen Mann. Aber tun sie das wirklich? Nein, denn Teile des AfD-Wahlprogramms lesen sich, als wären sie in den Konzernzentralen des Großkapitals geschrieben. So wendet sich die Partei gegen den gesetzlichen Mindestlohn. Sie ist beim Thema „Gleichberechtigung“ gegen Frauenquoten, Gleichstellungsbeauftragte und „staatliche Propaganda für sexuelle Minderheiten“. Die Einkommenssteuer soll für alle – egal ob Krankenschwester oder Top-Manager – einheitlich 25 Prozent betragen. Kernenergie soll angstfrei genutzt werden. Schließlich soll Hartz IV durch so genannte „Bürgerarbeit“ ersetzt werden.

Käme die AfD an die Macht, dürfte somit die Friseurin im Osten wieder für 4,50 € pro Stunde die Haare schneiden. Der Langzeitarbeitslose düfte den Stadtpark kehren. Hauptsache unverschleiert.

Wir lernen. Der alte Spruch stimmt. Nur die dümmsten Kälber wählen ihre Metzger selber.

 

 

Mit veganer Kost ins Mops-Nirwana

Nein, ich bin kein Hundefeind. Dank langjähriger Erfahrung mit Vierbeinern schätze ich mich selbst als einen der besten Zeckenherausdreher dieser Republik ein. Manchmal jedoch stößt meine Liebe zum Hund an Grenzen. Oder sagen wir besser, die Liebe zu den Herrchen und Frauchen.

Hunde sind ein Phänomen. Sie sind so etwas wie die Edith Piaf unter den Haustieren. Diese sang in einem Chanson: „Mein einziges Glück auf dieser Welt ist mein Mann. Er schlägt mich, er beklaut mich. Aber er geht mir sowas von unter die Haut.“ Das könnten auch unsere Vierbeiner hecheln, mit ihrer ungemeinen Fähigkeit, auch dem größten Trottel Zuneigung entgegenzubringen, wenn sie ihn denn als menschlichen Alpha-Rüden anerkannt haben.

Aber nicht jeder quält seinen Hund durch Prügel. Manche erdrücken ihn mental, indem sie ihn zu Ihresgleichen machen. So war diese Woche im Internet eine Fotostrecke zum Thema „Die lustigsten Hundetrachten auf der Wies’n“ zu sehen. Dass das Oktoberfest eine in verschiedener Hinsicht abartige Veranstaltung ist – geschenkt. Aber was bringt Menschen dazu, ihrem Rehpinscher ein Dirndl überzustreifen und das auch noch originell zu finden. Derselbe Versuch mit einer durchschnittlichen Hauskatze – und man wäre dank blutiger Hände schnell kuriert.

Der Gedanke, dass der beste Freund des Menschen selbst humane Züge aufweisen müsse, wird auch auf anderen Feldern gepflegt. Gerade hat eine Hundeexpertin in der Nürnberger Lokalpresse verlauten lassen, dass es für Welpen gesundheitsschädlich sein könnte, wenn sie mit veganer Kost aufgezogen werden. Wie dieses? Wo man sich doch selber als Pflanzenesser so gut fühlt?

Nein, dieser Trend ist nicht zu Ende geführt. Im Bemühen, aus unserem besten Freund einen sanften Gefährten zu machen, könnten wir beim Zahnarzt dessen Reißzähne weghobeln und die Backenzähne verbreitern lassen. Das würde das Kauen von Eisbergsalat nachhaltig erleichtern. Höchste Zeit ist es auch für die Teilnahme an Hunde-Yoga.

Beim gemeinsamen Dampfbad mit anschließender Pfotenzonenreflexmassage finden die Seelen von Mensch und Tier zueinander. So sehr, dass uns der Ratgeber „Zwölf Wege ins Mops-Nirwana“ dahin führt, dass unser Welpen-Veganer zum erleuchteten Wesen wird, welches fortan völlig ohne Nahrung auskommt.

Was, jedoch, denkt über all das unsere Rehpinscherin im Dirndl? Wahrscheinlich nichts. Sie ist ja bloß ein Hund.

Die Kunst der Vergrämung

Wir leben in Zeiten von Landlust, Landliebe und Jakobsweg. Alle drängt es hinaus ins Freie, wir huldigen dem Ursprünglichen, der wilden Natur. Was aber, wenn uns diese Natur die Zunge hinausstreckt? Wenn Tiere machen, was sie wollen?

Dann wird es schwierig. Ungern denken wir zurück an den „Problembären“ Bruno. Dieser war – ohne Ausweis oder Raubtier-Vignette – auf bayerisches Hoheitsgebiet vorgedrungen. Die Staatsregierung zog alle Register, um Wildnis und öffentliche Sicherheit in Einklang zu bringen. Geendet ist dieser Versuch mit dem Tod des Bären.

Jetzt gibt es wieder Ärger. Am Wöhrder See, einem künstlichen Gewässer in Nürnberg, hat ebendiese Staatsregierung, namentlich vertreten durch Finanz- und Heimatminister Markus Söder, einen Strand anlegen lassen. Für (wahlberechtigte) Menschen. Schön auf der sonnenbeschienenen Nordseite gelegen, ganz ohne störendes Gebüsch.

Gerade diese  Kombination aus Wärme und der fehlenden Deckung für natürliche Feinde, hat die dortigen Wasservögel begeistert. Die vereinigten Nürnberger Quak-Rebellen, bestehend Gänsen und Enten, haben den Strand okkupiert und genussvoll zugekackt.

Weil aber Geflügel- und Hundekot gleichermaßen unappetitlich sind, müssen staatliche und städtische Stellen etwas unternehmen. Die rettende Idee: Menschliche Vogelscheuchen. Das erinnert sofort an die Schauspieler, die zwecks Primaten-Vergrämung in Affenkostümen durch Neu-Delhi rennen sollen. Aber so schlimm ist es nicht. Gedacht ist an Freiwillige, die gegen Honorar vogelstörend über den Strand stapfen. Wenn es sein muss, auch mit Hund.

Wer mit offenen Augen durch sein Leben geht, wird zuversichtlich sein, dass sich Vogelscheuchen finden lassen sollten, Aber warum so schlicht gedacht?

Nürnberg ist auch der Arbeitsort von Ottmar Hörl. Dieser Künstler hat mit Plastik- Hasen und -Eulen für Furore gesorgt. Er ist zudem Präsident der hiesigen Kunstakademie. Also könnte man doch für seine Studenten einen Wettbewerb in Vergrämungskunst beauftragen. Skulpturen, deren Anblick auch renitente Wasservögel zuverlässig in die Flucht schlägt: Ein Dürerhase mit Reißzähnen, eine Eule mit Adlerkrallen oder ein chinesischer Koch mit gewetzten Messern.

Das macht dem Vogelspuk ein Ende. Möge die Übung gelingen!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die neue Show: Zu Gast bei Uli Hoeneß

Ja, es ist so: Uli Hoeneß erweitert unseren Horizont. Im Zuge seiner Steueraffäre haben wir nicht nur erfahren, was einen 62-Jährigen Metzger zum Weinen bringt. Wir entdecken ein für uns bis dahin völlig unwichtiges Thema: Das Leben im Gefängnis.

Da hat also die Justizvollzugsanstalt Landsberg/Lech gut 150 Journalistinnen und Journalisten durch ihre Wohnräume geführt. Es war zu erfahren, dass die Zellentüren mit 20 Quadratzentimetern großen „Kostklappen“ versehen sind, dass die Häftlinge im rund 1000 Quadratmeter großen Hof Tischtennis und Schach spielen können und dass der „Generaleinschluss“ täglich um 19 Uhr ist. Die Zellen verfügen über ein Waschbecken mit Kaltwasserhahn und über ein Fernsehgerät ohne Pay-TV. Der einzige Luxus für den prominenten Gefangenen könnte eine Zelle in Südlage sein. Diese wäre einfach heller und freundlicher.

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer fand den Presserundgang geschmacklos und hat ähnliche Aktionen für die Zukunft verboten. Aber warum bloß? Im Knast gibt es viele gute Geschichten. „Schöner wohnen“ könnte über das Thema „Schrankvariationen aus Sperrholz“ schreiben. „Men’s Health“ brächte den Ratgeber-Artikel „Gesund durch kaltes Wasser“. Der dem FC Bayern München schwerstmöglich gewogene Burda-Verlag könnte die neue Fernsehzeitschrift „Alles außer Sky – Das Beste bei ARD und ZDF“ auf den Markt bringen. „natur“ könnte uns mit einem Artikel zum Thema „Eidechsen im Gefängnishof. Freie unter Unfreien“ beglücken. „Ein Herz für Tiere“ brächte „Lustige Freunde: Uli und die Kakerlaken“.

Adidas wirft das erste Sporttrikot in kompletter Gitteroptik auf den Markt. Und Audi rollt den Markt mit seinem neuen Offroad-Modell „Alcatraz“ auf.

Überhaupt das Thema Entertainment. Man darf doch davon ausgehen, dass die famose TV-Produktionsfirma Endemol am rapide abflauenden Interesse an ihrem „Big Brother“ verzweifelt. Warum also nicht Hoeneß-Totalüberwachung mit Livestream ins Internet? Und wenn sich noch ein paar Gauner mit Fußball-Sachverstand finden sollten, wovon schwer auszugehen ist, gibt es nach jedem Bundesliga-Spieltag die Talkrunde „Zu Gast bei Uli Hoeneß“. Erdinger Weißbier darf natürlich nicht serviert werden. Aber da helfen wir Franken gerne mit Früchtetee aus dem Greuther Teeladen. Ja, so wird das was. Fast wie in Freiheit.

 

Von First Lady bis Neonazis: Die Hirndübel-Top-Ten 2012

Noch ein Jahresrückblick? Muss das sein? Muss nicht, kann aber – also biete ich mit diesem Beitrag das Hirndübel-Best-Off von 2012.

Ich klaue damit eine Idee meines Kollegen Peter Viebig. Er hat zurückgeschaut, was in seinem vipraum im alten Jahr am häufigsten angeklickt wurde. Logisch, die meistgesehenen Beiträge müssen nicht die besten gewesen sein. Es kommt ja auch darauf an, an welchem Wochentag und zu welcher Uhrzeit man postet, ob eine Geschichte über soziale Netzwerke weiterverbreitet wird, undsoweiter. Aber die Leser(innen) haben ein gutes Gespür dafür, was interessant, intelligent oder witzig ist. Es kommt kaum vor, dass Gelungenes bezeihungsweise Relevantes ignoriert wird.

Klicktechnisch die Nummer 1 von 139 Beiträgen war der Text über unsere Nürnberger „First Lady“, Daniela Schadt. Das berührt die Frankenherzen, zudem wirkt meine Herkunft als Ex-Gesellschaftsreporter nach. Sehr erfolgreich war auch eine – national betrachtet – Verrätergeschichte: Ich habe dem Fußballgott für die EM-Niederlage gegen Italien gedankt. Das große Fußballturnier landet mit Betrachtungen zu den verschiedenen Tier-Orakeln auch noch auf Platz 8.

Auch das (doofe) Fernsehen interessiert immer. Deshalb gab es Platz 3 für den Beitrag „Verblöden mit dem Bachelor“. Platz 4 für einen Beitrag über das Meldegesetz überrascht mich, dagegen ist Platz 5 für meinen Vorschlag, Markus Söder zum König von Griechenand zu ernennen, aus meiner Sicht normal. Markus Söder ist in unserer Region vom Aufmerksamkeitswert her so etwas wie die Tatjana Gsell der großen Politik. Also ein zuverlässiger Quotenbringer.

Unerwartet oft geklickt war ein Video über die DJ-Ausbildung im Jahr 1969. Es kam auf Platz 6. Dagegen landete der Beitrag über die Promi-Saufbilanz beim Bundespresseball schon wegen seiner gesellschaftlichen Bedeutung zurecht auf Platz 7. Platz 9 gab es für einen Beitrag über die Folgen von Stromausfällen. Und ebenfalls in den Top Ten landete der Aufruf, gegen Nazis klare Kante zu zeigen.

Hier also meine Meistklick-Liste für 2012:

1. Glückwunsch an unsere First Lady

2. Lieber Fußballgott, Du bist so weise

3. Voll im Trend: Verblöden mit dem Bachelor

4. Meldegesetz: Wir surfen über Schlaglöcher

5. Markus Söder, unser neuer König von Griechenland

6. Ein DJ braucht saubere Finger

7. In Stadion oder Ballsaal: Der Alkohol lenkt alles

8. EM-Orakel: Ein göttlicher Funke steckt in jedem Tier

9. Wenn der Strom ausfällt, wächst das Vertrauen

10. Gegen Nazis hilft nur die klare Kante

EM-Orakel: Ein göttlicher Funke steckt in jedem Tier

Hirndübel-Orakelhamster Gerd rechnet in Sachen Fußball-EM auch mit dem Unerwarteten.

Hirndübel-Orakelhamster Gerd rechnet in Sachen Fußball-EM auch mit dem Unerwarteten.

Als Orakel galt uns früher eine göttliche Offenbarung, die in Form eines Zeichens Aufschluss über die Zukunft geben soll. Je nach Religionszugehörigkeit dachte man, dass uns ein jeweils allwissender Herr mitteilen würde, was uns oder anderen Menschen in nächster Zeit blüht. Doch wo früher ein göttlicher Funke war, regiert in unserer profanen Zeit der tierische Instinkt. Zur Fußball-Europameisterschaft wird jedes Viech wird zum Propheten.

Angefangen hat das alles im Jahr 2010 mit Krake Paul. Einem Tier, das aufgrund seiner körperlichen Besonderheiten durchaus als Torwart geeignet wäre. Der alte Fisch löste seine Aufgaben mit Bravour. Er lag immer richtig.

Und jetzt bricht die Tier-Orakel-Flut über uns herein wie einst der EHEC-Virus. Es gibt höchst sympathische Hellseher wie Mops Otto von nordbayern.de oder Bayern 1-Mini-Bulldogge Xaver. Ziege Traudl tippt für eine obayerbayerische Molkerei, in der Ukraine wiederum grunzt ein dicker Eber in den visionären Futtertrog.

Auch Otter, Seehunde, Möwen und eine Elfantenkuh aus Krakau sind im Einsatz. Und schließlich die einstige Fluchtkuh Yvonne. Sie hat ihrem Ruf, ein eigenwilliger Charakter zu sein, bereits alle Ehre gemacht und auf einen Sieg von Portugal gegen Deutschland getippt.

Mir sind diese reinen Futtervorhersagen allerdings viel zu untranszendentral. Mir fehlt da das Übersinnliche. Deshalb würde ich gerne den erschossenen bayerischen Problembär Bruno einschalten. Vom weltberühmten Löffeltöter Uri Geller spiritistisch befragt, müsste sich vor dem Bären der jeweils passende Ländernapf unter heftigen Vibrationen verbiegen. Bruno wiederum, der ja wie alle Mordopfer nächtens als verlorene Seele am Tatort umherstreift, bekäme nach dem fünften Treffer die ewige Erlösung geschenkt.

Aber geht das überhaupt? Können Tiere zu uns sprechen? Das wiederum glaube ich sehr wohl. Als ich jüngst vor einer Currywurst gesessen bin, habe ich ganz eindeutig die Worte „Du wirst mich essen! Jetzt!“ vernommen. Und sehet, genauso ward es!

Schlaft endlich, Ihr wachstumsbesoffenen Giraffen!

Alles schon erlebt: Du sitzt einem begnadeten mittelständischen Wirtschaftslenker gegenüber, der es,  sagen wir, zur Weltmarktführerschaft bei Kuhstall-Fliegenfallen gebracht hat. Er erzählt dir von seinem Leben, plaudert über Umsatz und Neuheiten, ehe es aus ihm herausbricht: „Ha, und was das Schlafen angeht. Ich brauche vier Stunden. Keine Minute mehr! Nur so boomt es richtig!“

Da du dich selbst zur fleißigen Elite dieses Landes zählst, fühlst du dich urplötzlich schlecht. Hast du nicht wieder sechs Stunden gepennt? Am Sonntag sogar acht Stunden plus ungeplantem Nickerchen auf dem Sofa. Na und? Schluss mit dem schlechten Gewissen! Gönnen wir uns den Schlaf, den wir brauchen!

Wir sind doch Menschen. Was uns den Vorteil bringt, dass wir umfallen oder uns hinlegen können, ohne dass wir Mordsprobleme bei

Dieser Mann ist übermüdet. Heidi Klums Ehemann Seal klagt, dass er wegen der Kinder zu wenig Schlaf bekommt.

Dieser Mann ist übermüdet. Heidi Klums Ehemann Seal bekommt wegen der Kinder zu wenig Schlaf.

m Aufstehen bekommen. Das erlaubt uns einen achtstündigen Schlaf, wie es auch bei den uns charakterlich manchmal nahe stehenden Spezies Hase und Schwein der Fall ist. Wenig Schlaf haben Tiere, denen das Stehen generell besser bekommt. Also Kuh, Ziege, Esel und Schaf (je drei Stunden), Pferd und Elefant (je zwei Stunden) sowie die Schutzheilige der chronisch Übermüdeten, die Giraffe. Sie schläft nur 20 Minuten am Tag. Immer so lange, dass sie nicht umfällt und zum wehrlosen Opfer blutrünstiger Raubtiere wird.

Wir Menschen sind also von der Natur in Sachen Schlaf gesegnet. Aber was machen wir damit? Wir verachten diese Tätigkeit. Bei einer Umfrage des Allensbach-Institutes (bei der Mehrfachnennungen möglich waren) brachten immerhin 89 Prozent der Befragten Schlaf mit Erholung in Verbindung, 62 Prozent empfanden ein Abschalten vom Stress.

Aber hintenraus, bei den seltener gegebenen Antworten, wird das ganze Ausmaß der Bettendepression des modernen Menschen deutlich. Für 15 Prozent ist Schlaf gleichbedeutend mit Schlafstörungen. Zwölf Prozent halten ihn für Luxus, elf Prozent für eine Form von Faulheit, zehn Prozent für verlorene Zeit. Und vier Prozent gaben an, im Schlaf Langeweile zu empfinden. Wer in dieser Gesellschaft vorwärts marschiert und das Wachstum beschleunigt verzichtet also auf Schlaf.

Andererseits: Wissenschaftler haben auch ermittelt, dass 24 Stunden ohne Schlaf die gleiche Wirkung wie ein Promille Alkohol im Blut haben. Und schon ist uns die wahre Ursache der Bankenkrise klar. Wer ständig derart besoffen Geschäfte macht, muss irgendwann alles gegen die Wand fahren.

Wir brauchen dringend ein Gesetz: Es geht nicht darum, ob Menschen dösen dürfen. Notwendig ist eine allgemeine Schlafpflicht, und zwar bald. Nur so werden manche Leute wieder normal.