Nach Kerner, Steffi und KT: Schickt die RTL-Kasper ins Wüstencamp

Frontsoldaten wissen: Diese Frau ist eine Granate.

Frontsoldaten wissen: Diese Frau ist eine Granate.

Heute Abend also die Fernseh-Sensation des Jahres: Johannes B. Kerner sitzt gemeinsam mit Verteidigungsminister Karl Theodor zu Guttenberg auf einer Bühne im Bundeswehr-Camp Mazar-e-Sharif und schildert der staunenden Nation, wie das Leben der Soldaten in Afghanistan wirklich ist. Bevor dieses Theater beginnt, sage ich: Eklatante Fehlbesetzung. Das wird nichts.

Unser christlich-sozialer „Sonnenbrillenträger des Jahres“ passt hin, da gibt es gar nichts. Hat er doch wieder einmal für großartige Bilder aus der Wüste gesorgt. Wie er an der Seite seines blonden Schutzwesten-Engels Stephanie auf die Fotografen zumarschiert ist, war ein neuerliches Staatsschauspiel der allerersten Güte. Er wie Bruce Willis mit Haaren, sie wie Lilli Marleen ohne Laterne. Glaubwürdig, optimistisch, erfolgsorientiert.

Aber Kerner? Da ist doch einer nach Afghanistan geflogen, der seine Schlacht um die Zuschauer längst verloren hat. Beim ZDF war er für jeden und alles zuständig. Für Fußball, Kochen, Menschen und andere Sensationen. Sein Wechsel zu Sat1 ist ihm aber überhaupt nicht bekommen. Keiner mag ihn mehr sehen. Was sich auch daran zeigt: Sein todesverachtender Talkshow-Fronteinsatz wird erst ab 23.15 Uhr gezeigt. Nach „Out of Time – Sein Gegner ist die Zeit.“ Stimmt. Kurz vor Mitternacht sind die Einschaltquoten eher schlecht.

Eine afghanische Fernseh-Sensation müsste ohnehin RTL übernehmen. Mitte Januar startet das neue Dschungelcamp, unter anderem mit Kachelmanns SMS-Tussi Indira Weis, Liebesgott Rainer Langhan, Spaßkugel Dirk Bach sowie unserer unvergleichlichen oberfränkischen Sex-Göttin Tatjana Gsell.

Dieses Grauen in Mannschaftsstärke müsste vorübergehend als „Wüstencamp“ an den Hindukusch verlegt werden. Ungeziefer aller Art sollte reichlich vorhanden sein, als Mutprobe wäre ein Bergdorf-Burka-Lauf denkbar. Wir würden zusehen, bibbern, für unsere Kandidaten beten.

Und die Taliban würden vielleicht sogar kapitulieren. Denn eines würde ihnen mit aller Macht klar: Eine Gesellschaft, die trotz solcher Sendungen ohne Selbstmordattentate auskommt, kann man nicht besiegen.