Tatsächlich, es ist Zeit für Mut

„Lasst uns mutig sein!“ Zum Start ins Amt des Bundespräsidenten hat Frank-Walter Steinmeier diese schöne Botschaft in die Welt gesetzt. Denn Mut ist zeitgemäß. Die Welt um uns herum ist derart voller verrückter Zeitgenossen und Ereignisse, dass diese menschliche Regung alternativlos erscheint. Oder wie William Shakespeare dichtete: „Es steigt der Mut mit der Gelegenheit.“

Aber ist Steinmeiers Aufruf ein kluger Rat für alle Lebenslagen? Nehmen wir also an, es gäbe da einen Arbeitnehmer, der sich entschlösse, fortan nur noch mutig zu sein. Er würde keine unbezahlten Überstunden mehr leisten und eine angemessene Bezahlung fordern. Er würde auf Missstände oder Mängel am Arbeitsplatz mit Kritik und Verbesserungsvorschlägen regieren. Er würde seinem Chef immer offen und ehrlich seine Meinung sagen – auch wenn diese unangenehm oder lästig ist.

Würde dieser Mensch alsbald als „Mitarbeiter des Monats“ im Foyer präsentiert? Oder würde seine Karriere weniger glatt laufen oder gar scheitern?

Realisten werden Letzteres vermuten. Zumindest dann, wenn sie die Bosse kennen. Das Wochenblatt Die Zeit hat jetzt den 30 Chefs der im Dax notierten Unternehmen gefragt, welches Gehalt sie für angemessen haltenund ob sie Verständnis hätten, falls der Staat die Spitzengehälter deckeln würde. Das Ergebnis: Unsere geballte Wirtschaftselite verstummte auf der Stelle. Ob Joe Kaeser von Siemens (6,3 Millionen € Jahresgehalt), Bill McDermott von SAP (9,3 Mio. €) oder Daimler-Chef Dieter Zetsche (9,8 Mio. €) – fast alle wollten sich nicht äußern.

Andere, wie Kurt Bock von BASF (5,0 Mio. €), ließen anklingen, dass sie von den Aufsichtsräten beglückt würden, deren Gehalts-Entscheidung sie selbstverständlich respektierten. Von den Höchstverdienern traf immerhin Bernd Scheifele von Heidelberger Cement (7,3 Mio. €) die Aussage, dass es in seinem Unternehmen „angemessene Vorstandsvergütungen“ gebe. Nikolaus von Bomhard von der Münchener Rück bezeichnete seine 4,3 Mio. € als „moderat“.

Das hätten, Steinmeier’scher Mut vorausgesetzt, alle Konzernlenker so erklären können. Aber vielleicht ist es ihnen selbst peinlich, wenn der Boss  von Daimler das 300.000-Euro-Jahresgehalt der Bundeskanzlerin bereits nach zwei Wochen erreicht. Oder die Tatsache, dass Topmanager vor 25 Jahren das 25-Fache eines Durchschnitts-Arbeitnehmers verdient haben, während es heute das 83-Fache ist.

Uns macht das wütend? Und wir finden, dass dieser Abstand auf gar keinen Fall noch größer werden darf?

Dann seien wir mutig. Tun wir uns zusammen und starten unsere Aufholjagd. Bloß keine Scham, der Präsident hat es schließlich so gewollt.

 

 

 

Steinmeier: Die Eule hat Reißzähne

„Eulen und Falken sitzen nicht auf demselben Balken.“ Dieses Sprichwort sagt uns, dass wir die Eule als sanftes Wesen ansehen. Sie ist zwar Fleischfresserin, aber eben eine, die die meiste Zeit mit stoischem Blick herumsitzt. Ein Raubtier, das jenseits des Hungers den Frieden liebt und den gnadenlosen Jäger-Falken einen Falken sein lässt. Die Eule ist nicht sympathisch, aber sie meint es im Großen und Ganzen gut.

So haben wir bisher auch Frank-Walter Steinmeier angeschaut. Unser Außenminister, vom Gesicht her der Eule nicht unähnlich, galt uns als aufrechter Versöhner. Als einer, der in der Ukraine auch den eigenartigsten Regierungsvertretern, Separatistenführern und Oligarchen die Hand schüttelt. Ein Mann, der – mehr Beamter als Politiker – zuverlässig seinen Dienst verrichtet und dabei weder Merkel noch Gabriel scheut. Einer mit großem Herz, der seiner kranken Ehefrau eine Niere gespendet hat. Aber auch einer, der so trocken ist, dass der Rasensprenger losgeht, wenn er seinen Garten betritt.

Jetzt jedoch haben wir ihn ganz anders erlebt. Weil ihn Demonstranten auf  dem Alexanderplatz in Berlin als“Kriegstreiber“ beschimpft hatten, wurde die Eule zum wilden Tier. Mit einer fast schon beängstigend zornigen Rhetorik hat Steinmeier seinen Widersachern die Leviten gelesen.

Und ist ratfatz zum Pop-Star geworden. Ein zweiminütiger Redeausschnitt auf YouTube (http://www.youtube.com/watch?v=AX5m5swD-QU) hatte bis Freitagfrüh fast zwei Millionen Aufrufe. Damit ist der Minister Helene Fischer auf den Fersen, er hat sich in die Kategorie Udo Jürgens, Heino und Bembers katipuliert. Sogar die Video-Sammlung „Top 20 Motorrad fail – Idioten auf dem Bike“ hat nur wenig mehr Betrachter gefunden.

Aber warum ist das so? Weil es unerwartet kommt. Ein Politiker zeigt heftige Emotionen, wenn es um seine Arbeit geht. Er verteidigt sich ohne Wenn und Aber. Man glaubt ihm sogar, dass er für Europa Leidenschaft empfindet. Solche Reden überzeugen mehr als tausend Plakate. Vielleicht ist das mit dem Wählen doch nicht so verkehrt…

 


Gesucht: Ein alter Mann zum Anlehnen

Achtung, hier kommt ein Stoßseufzer: Dieses Land braucht Vorbilder! Dringendst! Wenn selbst der Bundespräsident, also der „Erste Mann im Staat“ in merkwürdige Geschäfte und Kungeleien verwickelt ist, müssen wahre Helden her. Aber wie das so ist, in unserer schnelllebigen Zeit. Diese sind voraussichtlich nur noch zeitlich begrenzt für uns da.

Denn das Volk zieht gnadenlose Konsequenzen aus dem Scheitern der Ministerial-Praktikanten von der FDP: Es setzt auf alte Männer. Nach einer neuen Umfrage im Auftrag der Zeitschrift „stern“ gilt Nelson Mandela (bald 93) den Deutschen als absolute moralische Institution. 82 Prozent nannten ihn ein „großes Vorbild“. Gleich dahinter folgt Alt-Kanzler Helmut Schmidt (im Dezember) mit 74 Prozent. Ihm wird sogar verziehen, dass er Kettenraucher ist. Der Dalai Lama alias Tendzin Gyatsho auf Platz drei bekommt 69 Prozent. Er ist ein netter Kerl – und hat eventuell den Platz von Jopi Heesters eingenommen.

Wir haben also wieder Lust auf den Opa, der uns im Lehnstuhl sitzend die Welt erklärt. US-Präsident Barack Obama, der mit 64 Prozent den vierten Umfrage-Platz erreicht, ist in diesem Sinne ein echter Ausreißer. Während der Fünfplatzierte, Günther Jauch, mit 55 Jahren unverschämt jung ist, aber eben auch Unmengen sinnlosen Wissens unter die Menschen streut.

Der Trend zur Erfahrung zeigt sich auch beim ersten Fußball-Star unter den Vorbildern. Nicht Gomez oder Götze liegen vorne, sondern Bundestrainer Joachim Löw. Mit 54 Prozent rangiert er drei Punkte vor Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Papst Benedikt XVI., der in seinem schonungslosen Kampf gegen die Überbevölkerung die Homosexuellen zur Bedrohung für die Welt erklärt hat, rangiert mit 32 Prozent schon deutlich dahinter. Und erst dann folgt unser eigentliches hauptamtliches Vorbild, Christian Wulff. Nur jede/r Fünfte erklärt ihn um Idol.

Das ist dramatisch schlecht, aber wir wollen gerne annehmen, dass Guido Westerwelle und Herr Achmedinedschad aus Teheran noch schlechter dastehen. In unserer schnelllebigen Zeit wird man eben leicht mal unpopulär.

Eine Frage aber bleibt: Wo sind unsere vorbildlichen Frauen? gut, Inge Meysel und Heidi Kabel sind tot. Aber was ist mit unserer Familienministerin? Ach so, Kristina Schröder ist zu jung. Stimmt, doch Hoffnung ist da. 93 wird sie im Jahr 2070. Bis dahin, ganz sicher, ist sie eine richtig gute Politikerin.

Psst, nicht wecken: Die Kanzlerin träumt von der SPD

Wahrscheinlich fragt sich längst die halbe Welt, was da eigentlich in und um Angela Merkel vorgeht. Die CDU/CSU/FDP-Männer veranstalten ein Sommertheater mitten im schneereichen Winter. Und die Kanzlerin sagt nichts. Vielleicht, weil sie einem alten deutschen Sprichwort folgt: „Damit die Ehe kann bestah´n, braucht´s stumme Frau und blinden Mann.“

Aber darf man Politiker blind nennen? Wenn man die Ankündigung von Steuersenkungen dem Zustand der Staatsfinanzen gegenüberstellt, liegt das jedenfalls nahe. Allerdings handelt es sich nicht um ein körperliches Leiden. Erklärungen für diese Politik lassen sich eher in Psychologie-Lehrbüchern finden.

Auf  Guido Westerwelle trifft das Stichwort „blindwütig“ zu. Wer, wie der FDP-Chef in seiner Dreikönigs-Rede, sinngemäß erklärt, dass es sich bei Steuern um Geschenke der Bürger an den Staat handle, die dieser jetzt eben mal zum Teil zurückbekämen, ist entweder ein Fanatiker, steht unter Drogen oder ist ein Gefangener seiner allzu flotten Sprüche aus der Vergangenheit.

Oder es ist tatsächlich so? Konservative und Liberale unterscheiden sich von Sozialdemokraten und Linken dadurch, dass sie Eigennutz im Zweifel höher als das Gemeinwohl gewichten. Die SPD hat den Beweis für diese These eindrucksvoll angetreten. Sie hat Politik gemacht, von der sie wusste, dass sie Wählerstimmen kosten wird. Weil man glaubte, dass es dem Staat nützt.

Einem Guido Westerwelle käme sowas nicht in den Sinn. Und so ist das Schweigen der Kanzlerin vermutlich damit zu erklären, dass sie angesichts der immer gleichen Sprüche aus ihrer neuen Männerriege erschöpft weggenickt ist. Sie träumt von Partnern, auf die sie sich verlassen kann, also zum Beispiel von den Herren Steinmeier, Steinbrück und Müntefering.

Angela Merkels Problem: Irgendwann muss sie aufwachen. Und null und nichts wird besser sein als vor dem kleinen Winterschlaf.

Kein Bargeld mehr für Thilo Sarrazin

Bargeld weg: Bundesbanker Thilo Sarrazin ist teil-entmachtet.

Bargeld weg: Thilo Sarrazin ist teil-entmachtet.

So, jetzt hat er den Salat. Weil er immer gar so böse ist, wird das türkenfeindliche Großmaul Thilo Sarrazin bei der Bundesbank kaltgestellt. Er ist nicht mehr für den Bereich Bargeldumlauf zuständig.

Eine naheliegende Entscheidung. Schließlich sind von türkischen Inhabern geführte Obst- und Gemüseläden sowie Döner-Restaurants jene Bereiche von Handel und Gastronomie, in denen tendenziell besonders selten mit EC- oder Kreditkarte bezahlt wird. Andererseits ist die Entscheidung widersinnig. Einem wie Sarrazin, der andere wegen deren Faulheit anprangert, hätte man eine Strafarbeit aufbrummen sollen. Zum Beispiel diesen Auftrag der neuen Regierung: „Erstellen Sie einen tragfähigen Plan, wie 2010 die Steuern um 15 Milliarden Euro gesenkt werden können.“

Aber dann hätte er bald wieder irgendetwas von Lüge, weltfremden Politiker undsoweiter verlauten lassen. Ein verbaler Weichspüler ist Sarrazin ja nie gewesen. Er empfahl Harzt-IV-Empfängern, im Winter zuhause dicke Pullover zu tragen anstatt über zu geringe Heizkostenzuschüsse zu klagen, Von ihm stammt auch  Formel „Je niedriger die Schicht, umso höher die Geburtenrate.“. Untergewicht nannte er das geringste Problem von Sozialhilfeempfängern.

Und jetzt also die Ausfälle gegen die Produzenten „kleiner Kopftuchmädchen“. Diese sind, ganz klar, polemisch, beleidigend und gefallen Neonazis ganz bestimmt.

Trotzdem verdient Rüpel Sarrazin zumindest ein bisschen Sympathie. Er spricht aus, was viele Menschen denken. Und: Nach dem „Fernsehduell“ Merkel versus Steinmeier klagten alle über die Langeweile, taz und bild titelten unisono „Yes, we gähn“. Die Aufregung über Sarrazin zeigt aber doch bloß, dass die wählenden Massen eben genau solche Politiker(innen) wollen, die uns auch mal anöden, aber im Grunde genommen sagen, dass schon irgendwie alles gut wird.

Damit die öffentliche Diskussion lebendig wird, braucht es aber Leute, die gelegentlich ordentlich Zunder geben. Würde es Sarrazin schaffen, Probleme deutlich anzusprechen, ohne bestimmte Gruppen komplett zu diffamieren, könnten wir ihn gut gebrauchen. Vielleicht denkt er in Zukunft etwas mehr nach, bevor er redet. Mehr Zeit wird er ja haben…

Sozialpsychologischer Wahltipp: Nur Politiker mit Schwestern wählen

Schon erstaunlich. Da stehen wir jeden Tag eine halbe Stunde früher auf. Nur, um wirklich alles über diesen packenden  Bundestagswahlkampf zu erfahren. Aber dann lesen wir wieder eine dieser Psycho-Lebenshilfe-Nachrichten. Und uns ist schlagartig klar: Wir wissen noch viel zu wenig über unsere führenden Politiker. Die große Frage ist nämlich: Haben sie Schwestern?

Gemäß einer Studie der englischen Universitäten Ulster und De Mortfort meistern Menschen mit Schwestern Krisen besser als Menschen ohne. Sie fühlten sich außerdem ausgeglichener und optimistischer als Menschen, die nur Brüder hätten. Darüber hinaus seien sie ehrgeiziger, motivierter, hätten mehr Freude und insgesamt ein besseres Sozialverhalten. Um zu dieser Erkenntnis zu kommen, hatten Sozialpsychologen 571 Menschen im Alter zwischen 17 und 25 Jahren befragt.

Nach Ansicht der Forscher bewähre sich der wohltuende Schwestern-Effekt vor allem bei traumatischen Erlebnissen wie der Scheidung der Eltern. Mädchen redeten mehr über ihre Gefühle und förderten so die offene Kommunikation in der Familie.

Sollten wir demnach Einzelkinder als Politiker ablehnen? Keineswegs, meinen die Sozialpsychologen. Die schlechtesten Voraussetzungen hätten nämlich Menschen mit Brüdern. Jungen neigten dazu, ihre Probleme in sich hineinzufressen und bremsten offene Kommunikation. Ein Ausschluss-Kriterium ist das aber offensichtlich nicht. Obwohl sie nur Brüder haben, sind zum Beispiel Otto Schily und Hans-Jochen Vogel als politische Krisenmanager berühmt geworden.

Wie aber sieht`s bei den aktuellen Spitzenkräften aus? Angela Merkel hat beides, Bruder und Schwester. Von Frank-Walter Steinmeier und Jürgen Trittin ist bekannt, dass sie Brüder haben. Guido Westerwelle hat sein Privatleben in dieser Hinsicht so gut verschleiert, dass es nach Einzelkind riecht. Dagegen hat Oskar Lafontaine einen Hardcore-Bruder. Er ist Zwilling.

Vorteil Merkel, könnte man also mit Blick auf die aktuelle Krise meinen. Und noch etwas spricht für eine Fortsetzung der Großen Koalition: Sie und Steinmeier wirkten im TV-Duell wie politische Geschwister. Wahrscheinlich wäre ein Kanzler Steinmeier aber noch besser für das Land:  Männlicher Macher, der von seiner Schwester gut beraten wird- das ist sozialpsychologisch die allerbeste Konstellation.

Frauen-Umfrage: Guttenberg ist so sexy wie Mickey Maus

So ist`s halt: Neben einem Jürgen Rüttgers sähe auch Gustav Gans gut aus.

So ist`s halt: Neben einem Jürgen Rüttgers sähe auch Gustav Gans gut aus.

Was wollen die Frauen wirklich? Es gab mal Zeiten, da sollte ein Mann vor allem zärtlich sein, mit Hingabe bügeln und gute Gespräche bieten. Dann verdichteten sich Gerüchte über ein baldiges Comeback der Machos.

 Nach einer neuesten Umfrage zu urteilen, lautet die Devise der Frauen jedoch  „Keine Experimente“. Wirtschaftminister Karl-Theodor zu Guttenberg gilt als „Sexiest Man“ in der deutschen Politik.

Herausgefunden hat das das Frauenmagazin „Laviva“. Dieses wird kostenlos von der Handelskette Rewe vertrieben, ist also so etwas wie die Apotheken-Umschau der Waschpulverregale. In der erotischen Sonntagsfrage bekam der CSU-Minister 28 Prozent der Stimmen von 1074 Frauen im Alter von 16 bis 65 Jahren. Er liegt halt im Trend – und hat ja auch Geld.

Und wer hat aus Sicht deutscher Frauen eine annähernd vergleichbare Ausstrahlung? Antwort:   Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff und SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier mit 21 Prozent. Schlimm, eigentlich. Aber wen hätten sie auch nehmen sollen?  VerteidigungsministerFranz-Josef Wagner, Innenminister Schäuble, Sozialminister Scholz ? Nein, die Bundespolitik ist männerseits hochgradig unsexy .

Langweilig sind aber auch die Frauen. In einer kürzlich durchgeführten Umfrage durften sie zwischen Mickey Maus und Donald Duck wählen. 54 Prozent entschieden sich für den emotional unterkühlten Mäuserich, nur 37 Prozent für den Erpel. Sie wollen halt kein Risiko. Dass Karl-Theodor zu Guttenberg am ehesten wie Gustav Gans wirkt, sei aber auch gesagt.

Ulla Schmidt: "Senores, isch abe gar kein Auto"

Wei heißt es so schön? Wer den Schaden hat, spottet jeder Beschreibung.

Wie heißt es so schön? Wer den Schaden hat, spottet jeder Beschreibung.

Ooch, immer auf die arme SPD. Da dachte man, der Wahlkampf der Sozialdemokraten könnte endlich so richtig beginnen. Und dann kommt diese Dienstwagen-Affäre. Wieder wars nichts, mit dem Aufbruch in Richtung 30 Prozent.

Es ist aber auch tragisch. Wenn man einmal überlegt, wie häufig einem durchschnittlichen Menschen in seinem Leben das Auto geklaut wird, dann ist es für  Gesundheitsministerin Ulla Schmidt und ihre Partei wirklich saudumm gelaufen. Hätte sich der Diebstahl doch in Berlin ereignet. Man hätte Mitleid gehabt, die Stimmen wären der armen Frau nur so zugeflogen. So aber singt Peter Wackel demnächst auf dem Ballermann den neuen Schlager: „Unsre Tante, unsre Tante,  düst heut Nacht nach Alicante“.

Und die Dienstwagen-Affäre wurde genau an jenem Tag bekannt, an dem Frank-Walter Steinmeier seinen Wahlkampf eröffnen wollte. Fatal. Er kann ja keinerlei Bremse gebrauchen, Wo er doch eh schon seine Probleme mit der Ausstrahlung hat. Zum Beispiel dieses: Wenn der Außenminister als Redner laut wird, klingt er wie Gerhard Schröder. Aber ihm fehlt  dann doch das Testosteron. Er gilt halt als ein bisschen langweilig.

Dabei wäre es ihm aufrichtig zu gönnen, dass ein Debakel für die SPD ausbleibt. Denn sollte das Volk mit der Bundesregierung zufrieden sein (wofür die Umfragewerte der Kanzlerin sprechen), liegt das in erster Linie an den Sozialdemokraten. gut, Ursula von der Leyen, hat mal was bewegt, aber ansonsten wurden doch alle wichtigen und auch kontroversen Dinge im Land von SPD-Ministern erledigt.

Das haben die Leute bloß noch nicht so richtig gemerkt, weshalb sich jetzt die ersten Spötter über Ulla Schmidt hermachen. Wie das Bild beweist. Andererseits: Gerade in der Fernsehwerbung steckt doch eine große Chance. Vielleicht sollte Ulla Schmidt Gelassenheit beweisen, ein Tässchen Kaffee schlürfen und lächelnd sagen: „Senores, isch abe gar kein Auto…“