Statistik-Spiele? Pfeifen wir drauf!

Wer in den Keller geht, pfeift leise vor sich hin. Nicht aus Wohlbefinden, nicht aus Vergnügen, sondern mit dem Ziel, diese latente Angst vor dem selten besuchten, dunklen Ort zu überwinden. Wer an diese Situation denkt, versteht das Paradoxon der Kriminalstatistik: Die Zahl der Straftaten sinkt tendenziell, die Angst wird größer.

Das ist schwer zu verstehen. Denn die Wahrscheinlichkeit, dass im eigenen Keller ein Mörder oder Monster lauert, geht gegen Null. Sehr klein ist auch die Gefahr im Wald. Wer etwa anderen Menschen den Geldbeutel klauen wil, wird sich kaum auf eine Lichtung stellen und auf ein Opfer warten. Selbst der Wolf ist nur mäßig gefährlich. Er geht Menschen lieber aus dem Weg. Doch man zittert – obwohl die nichts ist.

Fremdenfeindlichkeit ist ein verwandtes Phänomen. Wer Menschen aus anderen Gegenden der Welt persönlich kennt, wird feststellen, dass die wichtigsten Lebensziele identisch sind. Man möchte gesund sein, ein nettes Umfeld haben und dank eines guten Berufes ohne ständige Geldsorgen leben.

Doch wer redet schon mit Afghanen, Irakern oder Maliern? Also gibt es diese Angst, dass uns die Fremden unseren vielleicht bloß bescheidenen Wohlstand wegnehmen wollen. Wobei sie List und Tücke nicht scheuen.

Die statistischen Fakten belegen dies nicht. Fakten? Jede Statistik ist auch das Ergebnis von politischen Entscheidungen. Nehmen wir bloß die Rauschgiftkriminalität. Ob sie als hoch oder niedrig eingestuft wird, hängt davon ab, was die vorgesetzten Stellen der Polizei vorgeben. Wird verstärkt nach Drogenmissbrauch gefahndet, wird es mehr Täter. Schaut man weg, dann wird heimlich konsumiert.

Wie Politik funktioniert, erleben wir in letzter Konsequenz bei Horst Seehofer. Der Innenminister, der jetzt die sinkende Zahl von Taten und die tolle Aufklärungsarbeit der Polizei bejubelt, schürte dann – wenn er es im Wahlkampf brauchen konnte – die Angst vor der allseits lauernden Gefahr. Außerdem beschwörte er die Machtlosigkeit des Staates vor der Kriminalitäts-Lawine.

Das wirkt reichlich perfide. Stimmt. Aber wie können wir dem entgehen. Am besten doch so: Grundsätzlich kühlen Kopf bewahren, mit offenen Augen durch die eigene Stadt gehen. Und dann auf die Statistik pfeifen. Denn keine ist so wahr, wie man glauben möchte.