Geld ist nicht böse. Aber …

Nein, Geld ist nicht böse. In diesem Tagen fällt diese Aussage nicht leicht. Schließlich wird uns gerade wieder vorgeführt, wohin die Habgier Menschen treibt. Über „Paradise Papers“ reden wir gerade. Und die Reichen beten: „Sendet mehr Fußball! Damit dieser Mist ganz schnell vergessen wird.“

Geld ist gut. Hätten wir Kupferblech und Papierscheine nicht, würde unser Leben nicht funktionieren. Nur so wissen wir, was etwas wert ist und wie viel von unserem Vermögen wir für welches Produkt abgeben müssen. Ohne Geld bekämen wir nichts auf unser Konto. Wir hätten ja keins. Und wir hätten weder Flachbild-Fernseher noch Geschirrspüler. Ohne Preis kein Fleiß.

Die Alternative, dass wir mit einem Anhänger voller Zuckerrüben zu Ikea fahren, um ein Tyssedal-Schlafzimmer zu kaufen, ist nicht vorstellbar. Da tauschen wir es schon lieber gegen Werthaltiges mit extrem geringem Materialwert oder nehmen gleich die Plastikkarte.

Tückisch wird Geld jedoch dann, wenn wir überzeugt sind, dass es sich zwingend vermehren muss. Das kann man ertragen, wenn jemand ein Produkt oder eine Dienstleistung verkauft, die viele Menschen unbedingt haben wollen. Dann ist es fair, wenn Umsatz und Gewinne stimmen.

Fair wäre es allerdings auch, dass ein angemessener Teil des Verdienstes an die Allgemeinheit abgeführt wird. Wir nennen das Steuern. Und damit haben viele Probleme, wenn die Kasse besonders laut klingelt. Jemand der 10 Millionen Euro erlöst und 1 Million an den Staat überweisen soll, weint bittere Tränen. Zehn Prozent! Er muss ganz allein so viel bezahlen, wie 60 andere, die 50.000 Euro pro Jahr verdienen. Welches Unrecht!

Also will er seinem Geld etwas Gutes tun. Er schafft es in ein Paradies, in dem es sich ungestört vermehren kann. So lange, bis unser kluger Produzent nichts mehr selbst erfinden oder herstellen muss. Denn der Kontostand steigt ohne Arbeit.

Ein glückloser Parteichef hat einmal das Wort von „altrömischer Dekadenz“ und „anstrengungslosem Wohlstand“ geprägt. Voller Verachtung für die faulen Sozialschmarotzer, die mit Hartz IV und Dosenbier durch ihr Leben gehen, hat er dabei gewirkt.

Heute wissen wir, dass es die Schmarotzer gibt. Unser Ex-Minister hat bloß die Falschen gemeint. Tatsächlich: Betrug ist böse. Das Geld wird erst dazu gemacht.